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Was gibt es Neues?In der Standardtherapie hat sich seit der 2. Auflage keine Änderung ergeben. Die wichtigsten Empfehlungen auf einen Blick
DefinitionDie Polymyalgia rheumatica (arteriitica) ist ein ätiologisch unklares Krankheitsbild überwiegend älterer Menschen, dem pathogenetisch eine Riesenzellarteriitis im Aortenbogen bzw. in den proximalen Extremitätenarterien zugrunde liegt. In 40–50% der Fälle liegt Koinzidenz mit einer Arteriitis cranialis vor. Das klinische Bild wird bestimmt durch Schmerzen, Steifigkeit und Bewegungseinschränkung muskulären Ursprungs im Bereich des Nackens und bilateral im Schulter- und/oder Beckengürtelbereich, meist verbunden mit beeinträchtigtem Allgemeinzustand, Gewichtsverlust, subfebrilen Temperaturen und dem Nachweis von Entzündungsparametern. Dramatisches Ansprechen auf Glukokortikoide ist typisch. Klinische DiagnosekriterienBisher existieren keine international anerkannten klinischen Diagnosekriterien. Aus einer in England durchgeführten multizentrischen Studie (Bird et al. 1979) wurde eine Rangfolge von 7 Diagnosekriterien abgeleitet, aus der sich im Vergleich mit myalgischen Krankheitsbildern die höchste Sensibilität und Spezifität für die Polymyalgia rheumatica ergab:
Der Muskelschmerz ist der beste Diskriminator gegenüber anderen Differenzialdiagnosen. Eine wahrscheinliche Polymyalgia rheumatica wird angenommen, wenn 3 Kriterien positiv sind oder 1 Kriterium zusammen mit einer Temporalarteriitis auftritt. Technische DiagnostikGelenkveränderungenFlüchtige, meist oligoartikuläre Synovialitiden (z. B. der Hand-, Knie- und Sternoklavikulargelenke) können bei 15–50% der Patienten auftreten und zwingen zum Ausschluss der Altersform einer rheumatoiden Arthritis. Kopfschmerzen bzw. Augensymptome sind als Hinweis auf eine assoziierte Temporalarteriitis zu werten. LabormedizinSpezifische Veränderungen fehlen. Typisch sind jedoch ausgeprägte akute Phase-Veränderungen (Erhöhung von C-reaktivem Protein = CRP, a1- und a2-Globulinen sowie Blutsenkungsgeschwindigkeit). Der sensitivste Laborparameter ist das C-reaktive Protein (CRP). Es gibt jedoch sehr seltene Fälle von Polymyalgia rheumatica ohne CRP-Erhöhung. Charakteristischerweise sind die Muskelenzyme einschließlich der CK im Serum normal, sonst Differenzialdiagnose. ElektromyographieTypischerweise findet sich ein Normalbefund, was ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zur Polymyositis darstellt. Sofern kein Normalbefund registriert wird, ist weitere Diagnostik erforderlich (CK, Kernspintomographie, ggf. Muskelbiopsie). HistologieDie Muskelbiopsie fällt bei der Polymyalgia rheumatica normal aus und sollte deshalb nicht durchgeführt werden. Bei einer Biopsie der A. temporalis findet sich in bis zu 80% der Fälle eine Riesenzellarteriitis. Ein negatives bioptisches Ergebnis schließt aber die Polymyalgia rheumatica nicht aus (segmentaler multilokulärer Gefäßbefall). Die Gefäßbiopsie ist zwingend, wenn die klinischen Kriterien nicht eindeutig positiv ausfallen. Häufige DifferenzialdiagnosenDie Fibromyalgie ist die häufigste Differenzialdiagnose und vergleichbar bezüglich des Schmerzcharakters mit fehlenden Muskelsymptomen im Sinne von Paresen und Atrophien. Für die Fibromyalgie gelten die Klassifikationskriterien des American College of Rheumatology (1990). Die wichtigsten differenzialdiagnostischen Aspekte sind in Tabelle 1 zusammengefasst. Eine weitere wichtige Differenzialdiagnose zur Polymyalgia arteriitica stellt das polytope myofasziale Schmerzsyndrom dar. Klinisch herausragender und diagnostisch entscheidender Untersuchungsbefund des myofaszialen Schmerzsyndroms ist der sog. Trigger Point mit folgenden Charakteristika:
Seltenere DifferenzialdiagnosenSeltenere Differenzialdiagnosen der Polymyalgia rheumatica sind in Tabelle 2 zusammengefasst. Wichtige Unterscheidungskriterien sind angegeben. TherapieDie Polymyalgia rheumatica wird obligat mit Glukokortikoiden therapiert; ohne assoziierte Symptome einer Arteriitis cranialis sind in der Regel 30 mg/d Prednison-Äquivalent ausreichend, die nach 4 Wochen zunächst auf 20 mg/d abgesenkt werden können () (A). Später ist eine Low-Dose-Therapie zur Verhütung von Rezidiven erforderlich. Hier reduziert man monatlich um 1 mg/d, unter der Tagesdosis von 5 mg sogar nur um ½ mg/d. Die Behandlung sollte auf jeden Fall über 1 Jahr aufrechterhalten werden, bevor ein Auslassversuch erfolgt. Voraussetzung ist längere klinische Beschwerdefreiheit sowie die Normalisierung des CRP (C-reaktives Protein). Nicht selten sind längere Behandlungsphasen mit niedrig dosierten Kortikoiden erforderlich. Lässt sich mit der alleinigen Steroidtherapie keine ausreichende Aktivitätskontrolle der Erkrankung erreichen, muss zusätzlich Methotrexat (10–20 mg/Woche) gegeben werden (). Die zusätzliche Verordnung von Methotrexat (10–20 mg/Woche) ist erforderlich, wenn die alleinige Steroidtherapie keine ausreichende Aktivitätskontrolle erreicht (B) oder wegen Begleiterkrankungen wie Diabetes mellitus eine rasche Dosisreduktion erforderlich ist. Für die Wirksamkeit einer additiven Azathioprintherapie gibt es derzeit keine gesicherten Studienergebnisse.
Kooperationspartner und SponsorenDiese Leitlinie entstand ohne Einfluss oder Unterstützung der Industrie. Die Kosten wurden von der DGN getragen. ExpertengruppeDeutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN)Prof. Dr. med. D. Pongratz, Ltd. Arzt des Friedrich-Baur-Instituts bei der Medizinischen Fakultät an der Neurologischen Klinik und Poliklinik der Universität München Prof. Dr. med. Dipl. Psych. H. Göbel, Ärztlicher Direktor der Schmerzklinik Kiel Prof. Dr. med. D. Heuß, Oberarzt der Neurologischen Universitätsklinik Erlangen, Zentrum für neuromuskuläre Erkrankungen Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh)Priv. Doz. Dr. med. G. Neeck, Klinikum Süd, Med. Klinik und Rheumazentrum Rostock Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie e.V.Prof. Dr. med. R. Forst, Direktor der Orthopädischen Klinik mit Poliklinik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Federführend: Prof. Dr. med. D. Pongratz, Ltd. Arzt des Friedrich-Baur-Instituts bei der Medizinischen Fakultät an der Neurologischen Klinik und Poliklinik der Ludwig Maximilians Universität München, Ziemssenstraße 1, D–80336 München, Tel.: 0049–(0)–89–51 60–74 00, Fax: 0049–-(0)–89–51 60–74 02 e-mail: dieter.pongratz@med.uni-muenchen.de Literatur1. Bird, H. A., W. Esselinckx, A. S. Dixon, A. G. Mowat, P. N. H. Wood (1979): An evaluation of criteria for polymyalgia rheumatica. Ann. Rheum. Dis. 38, 434–439. 2. Ferraccioli, G. F., E. Di Poi, R. Damato (2000): Steroid sparing therapeutic approaches to polymyalgia rheumatica-giant cell arteriitis. State of the art and perspectives. Clin. Exp. Rheumatol. 4, Suppl. 20, 58–60. 3. Gran, J. T. (1999): Current therapy of polymyalgia rheumatica. Scand. J. Rheumatol. 28, 269–272. 4. Wagener, P. (1995): Methotrexate therapy of polymyalgia rheumatica. Z. Rheumatol. 54, 413–416.
Die in den Leitlinien verwendeten Symbole haben folgende Bedeutung:
Empfehlungsstärken
Die Einstufung der Empfehlungsstärke kann neben der Evidenzstärke
die Größe des Effekts, die Abwägung von bekannten und möglichen
Risiken, Aufwand, Verhältnismäßigkeit, Wirtschaftlichkeit oder
ethische Gesichtspunkte berücksichtigen.
Die "Leitlinien" der Deutschen Gesellschaft für Neurologie sind systematisch entwickelte Hilfen für Ärzte zur Entscheidungsfindung in spezifischen Situationen. Sie beruhen auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und in der Praxis bewährten Verfahren und sorgen für mehr Sicherheit in der Medizin, sollen aber auch ökonomische Aspekte berücksichtigen. Die "Leitlinien" sind für Ärzte rechtlich nicht bindend und haben daher weder haftungsbegründende noch haftungsbefreiende Wirkung. Wie jede Wissenschaft ist die Medizin ständigen Entwicklungen unterworfen.
Soweit in diesem Werk eine Dosierung oder eine Applikation erwähnt wird,
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