![]() |
![]() |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Was gibt es Neues?Spezielle Rehabilitationsverfahren für die obere Extremität und für die Gehfähigkeit
Die wichtigsten Empfehlungen auf einen Blick
EinführungPatienten nach Schlaganfall stellen die größte Gruppe in der neurologischen Rehabilitation. Jedes Jahr erleiden ca. 250000 Menschen einen Insult, die Prävalenz beträgt 200–300 Patienten auf 100000 Einwohner. Motorische Defizite sind die mit Abstand häufigsten Symptome und kommen bei etwa 90% der Schlaganfallpatienten vor. Wegen der in Zusammenhang mit einer Hemiparese oft entstehenden Behinderung hat die rehabilitative Behandlung eine entscheidende Bedeutung für die Betroffenen. Die motorische Rehabilitation ist dabei nicht nur isolierte Anwendung von Einzeltechniken, sondern immer eine interdisziplinäre und teamintegrierte Behandlung, die auch eine erfolgreiche Bewältigung der Krankheitsfolgen zum Ziel hat. Biologische Grundlage der motorischen Rehabilitation ist die beachtliche neuronale Plastizität. Unter „Plastizität“ versteht man die Fähigkeit des Gehirns, sich durch Umorganisation an veränderte Umgebungsbedingungen anzupassen (Nudo u. Duncan 2004, Liepert et al. 2004). Die Umorganisation ermöglicht eine vollständige oder teilweise Rückbildung von verloren gegangenen Funktionen. Neuere Behandlungstechniken sind in der Lage, die Plastizität des Gehirns positiv zu beeinflussen und den Umfang der motorischen Rückbildung zu vergrößern (Nelles 2004). Messmethoden in der motorischen RehabilitationEingebettet in die „Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit“ (ICF), soll Rehabilitation die „funktionale Gesundheit“ eines Menschen verbessern oder wiederherstellen. Rehabilitationsspezifische Diagnostik zielt darauf, die Folgen von Erkrankungen bzw. Symptomen zu erfassen und im Verlauf zu dokumentieren, um eine behinderungsorientierte Rehabilitationsstrategie auszuwählen und – falls erforderlich – zu modifizieren. Dabei soll der Einfluss von personenbezogenen (Alter, Geschlecht, Lebensstil, Ausbildung, Beruf etc.) und Umweltfaktoren (materielle, soziale, politische, mentale Umgebung) stets mit berücksichtigt werden. „Behinderung“ kann sich demnach aus der negativen Wechselwirkung zwischen der Gesundheitsstörung und den Kontextfaktoren (Umweltfaktoren, personenbezogene Faktoren) ergeben. Basierend auf der klinisch-neurologischen Untersuchung werden relevante, d. h. behindernde Funktionsstörungen identifiziert, die hinsichtlich ihrer Auswirkungen innerhalb der im Allgemeinen komplexen Gesamtbehinderung gewichtet werden. Anschließend wird der Grad der Störungen mit geeigneten Assessment-Skalen quantifiziert. Einige der in der Rehabilitation des Hirninfarktpatienten sinnvollen Assessment-Instrumente sind in der folgenden Tabelle 1 genannt. Eine ausführliche Beschreibung der Skalen bietet die Monographie von H. Masur (2000). Die Skalen decken motorische und Alltagsfunktionen (Barthel-Index) ab. Der SF 36 eignet sich auf der Ebene der sozialen Integration und Teilhabe für die Ermittlung des mittel- und langfristigen Erfolgs einer Rehabilitation.
Die Auswahl geeigneter Assessment-Verfahren sollte nicht starr gehandhabt werden. Vielmehr sollte sie sich an das angestrebte Dokumentationsziel anpassen. Assessments werden zu Beginn und am Ende der Rehabilitation, aber auch zur Verlaufs- und Qualitätskontrolle eingesetzt. Gegenüber den Kostenträgern wird die rehabilitative Behandlung gleichzeitig transparenter und erleichtert Genehmigungs- und Verlängerungsanträge. Kritisch muss angemerkt werden, dass die Aussagekraft der klinischen Skalen in Bezug auf den Rehabilitationsfortschritt häufig überschätzt wird. Die inzwischen weit verbreitete Praxis einiger Kostenträger, Entscheidungen für oder gegen Rehabilitationsbehandlungen in erster Linie auf Grundlage des Barthel-Indexes zu treffen, ist bei Berücksichtigung der testtheoretischen Konstruktion und der Validität und wegen des erheblichen Deckeneffekts dieser Skala nicht angebracht. Trotzdem wird die Dokumentation der motorischen Rehabilitation mit geeigneten Skalen immer wichtiger, um die Leistungen der Rehabilitation gegenüber Kostenträgern transparent und nachvollziehbar zu machen. Rückbildung von motorischen Ausfällen nach SchlaganfallMehrere große Studien zeigen, dass lediglich 5% der Patienten ihre Arme und Hände wieder uneingeschränkt einsetzen konnten und dass in 20% der Fälle keinerlei Arm-/Handfunktion zurückkehrte. Hingegen werden etwa 75% der hemiparetischen Patienten – selbstständig oder mit Hilfe – gehfähig. 25% bleiben auf den Rollstuhl angewiesen oder sind bettlägerig. Der größte Umfang der Rückbildung kann in den ersten 12 Wochen erwartet werden. Allerdings erstreckt sich die Rückbildungsphase bei mittelschweren und schweren Hemiparesen oft über mehrere Monate, in Einzelfällen auch über Jahre. Für die Rückbildung der motorischen Defizite sind eine Reihe prognostisch günstiger und ungünstiger Faktoren bekannt. Patienten mit kleinen, lakunären Infarkten, rein motorischen Ausfällen („pure motor hemiparesis“), intakter Propriozeption und guter kognitiver Funktion haben häufig gute Besserungschancen, auch wenn in der Akutphase des Schlaganfalls eine schwere Hemiparese besteht. Prognostisch ungünstig hingegen sind begleitende neurologische Ausfälle, vor allem Tiefensensibilitätsstörungen, Aphasien und Neglect. Rezidivierende depressive Episoden sind wichtige Komplikationen im Verlauf nach Schlaganfall und können die funktionelle Rückbildung negativ beeinflussen. Sie sind einer antidepressiven Therapie (siehe „Pharmakotherapie in der motorischen Rehabilitation“) gut zugänglich und sollten daher frühzeitig behandelt werden. Wirksamkeit von RehabilitationsmethodenHeute steht Physio- und Ergotherapeuten ein breites Spektrum von sich teilweise ergänzenden, aber auch gegensätzlichen motorischen Rehabilitationsmethoden zur Verfügung. Über viele Jahre hat sich die differenzielle Anwendung der verschiedenen physiotherapeutischen Methoden weniger nach einer konkreten neurologischen Indikationsstellung oder wissenschaftlichen „Evidenz“ gerichtet als nach persönlicher Überzeugung der Therapeuten. Heute hingegen sind experimentelle Grundlagen-forschung und randomisierte klinische Studien für die Entwicklung und Beurteilung von Rehabilitationsmethoden selbstverständlich. Allein zur Rehabilitation des Schlaganfalls wurden in den vergangenen 5 Jahren über 100 randomisierte kontrollierte Studien veröffentlicht. Diese neueren Studien legen nahe, dass in der motorischen Rehabilitation innovative Behandlungstechniken mit aktivem und aufgabenorientiertem Bewegungstraining und hoher Trainingsintensität den traditionellen Behandlungen überlegen sind (van der Lee 2001). Aufgabenspezifische und zielorientierte Verfahren sind nicht nur effektiver im Hinblick auf das Behandlungsziel, die Behandlungsergebnisse bleiben länger erhalten (Feys et al. 2004). Dies gilt sowohl für die Verfahren mit repetitiven Übungen als auch für funktionell orientierte Therapien und Verfahren, die auf verhaltenspsychologischen Erkenntnissen basieren, wie die Therapie mit erzwungenem Gebrauch. Sowohl obere als auch untere Extremitäten profitieren, auch langfristig, von diesem Vorgehen (Kwakkel et al. 2002). Dabei liegt die Überlegenheit der neuen Therapieansätze wahrscheinlich in dem problemorientierten Einsatz eines spezifischen therapeutischen Verfahrens in Verbindung mit der angepassten Therapiedichte. Spezielle rehabilitative MethodenRehabilitation der oberen ExtremitätNeben den etablierten Therapieverfahren wie Techniken nach Bobath und Voitja sowie PNF (propriozeptive neuromuskuläre Fazilitierung) wurden weitere physiotherapeutische Verfahren entwickelt und in Studien erprobt. Als wesentliche Erkenntnis aus den durchaus unterschiedlichen Therapieansätzen ergab sich, dass die Intensität des Trainings, die Häufigkeit der Übungswiederholungen und die Umsetzung der Trainingsleistungen in Alltagsaktivitäten entscheidenden Einfluss auf eine anhaltende Funktionsrestitution haben (z. B. Kwakkel et al.1999). Allerdings wurde ein positiver Trainingsintensitätseffekt nicht von allen Untersuchern gefunden, wobei insbesondere schwer betroffene Patienten weniger zu profitieren scheinen (Martinsson et al. 2003). In letzter Zeit ergeben sich Hinweise dafür, dass die Effektivität einer Physiotherapie weniger von der Intensität, sondern mehr von der Aufgabenspezifität bestimmt wird (Page 2003). Die folgenden Techniken werden detaillierter besprochen: Forcierter Gebrauch (Constraint-induced, CI) Die Wirksamkeit dieser Therapie wurde in mehreren kontrollierten Studien nachgewiesen. Eine Überlegenheit gegenüber konventioneller Physiotherapie konnte gezeigt werden ( Repetitive Wiederholung isolierter Bewegungen Kontrollierte Studien mit Schlaganfallpatienten in der Akutphase (Feys et al. 1998) und der Subakutphase (Bütefisch et al. 1995) zeigten, dass verschiedene Parameter der Hand-/Armfunktion und funktionelle Skalen signifikante Verbesserungen aufwiesen ( Robotassistierte Rehabilitation Verschiedene Arbeitsgruppen konnten in kontrollierten Studien positive Effekte der robotassistierten Rehabilitation nachweisen ( Therapeutische elektrische Stimulationen Bei diesem Verfahren werden Muskeln durch elektrische Reize zur Kontraktion angeregt. Am häufigsten wurde eine Verbesserung der Handgelenkextension durch elektrische Reizung der Unterarmextensoren geprüft. Mehrere kontrollierte Studien wiesen einen Effekt auf funktionelle Skalen, zum Teil auch auf Alltagserleben nach. Hummelsheim und Mitarbeiter (1997) stellten lediglich einen Effekt auf Spastik, nicht jedoch auf funktionell relevante Bewegungsparameter fest. Zwei aktuelle Metaanalysen (Bolton et al. 2004, de Kroon et al. 2002), in denen 5 bzw. 6 randomisierte kontrollierte Studien berücksichtigt wurden, stellten übereinstimmend einen positiven Effekt der therapeutischen elektrischen Stimulation auf die Handgelenkextension fest ( Armfähigkeitstraining Dieses Training für Patienten mit leicht- bis mittelgradigen Armlähmungen soll nach genauer Analyse der Defizite eine gezielte Therapie ermöglichen. Bislang existiert eine kontrollierte Studie, die eine alltagsrelevante Funktionsverbesserung auch noch ein Jahr nach dem Training nachweisen konnte (Platz et al. 2001) ( Mentales Training Durch wiederholte Vorstellung von Bewegungsabläufen soll deren Durchführung verbessert werden. In den letzten Jahren wurden mehrere Einzelfallberichte, nichtkontrollierte und kontrollierte Studien hierzu publiziert. In allen Untersuchungen wurden Verbesserungen der Motorik nach der Therapie festgestellt. Die größte Untersuchung umfasste 46 Schlaganfallpatienten (Liu et al. 2004) und kam zu dem Schluss, dass das mentale Training sowohl Planung als auch Ausführung zuvor trainierter, aber auch neuer Aufgaben verbessert. Eine kleinere Studie (Dijkerman et al. 2004) fand eine isolierte Verbesserung der trainierten Aufgabe. Malouin und Mitarbeiter (2004) berichteten, dass das Arbeitsgedächtnis relevant für ein effektives mentales Training sei. Zusammenfassend scheint mentales Trainieren eine viel versprechende (Zusatz-) Behandlung zu sein ( Akupunktur Akupunktur wurde immer wieder als zusätzliches therapeutisches Verfahren in der motorischen Rehabilitation diskutiert. Es besteht derzeit allerdings kein ausreichender Nachweis für eine Wirksamkeit von Akupunktur in der motorischen Schlaganfallrehabilitation ( Eine aktuelle, detaillierte, deutschsprachige Übersicht zu evidenzbasierter Armrehabilitation wurde von Platz kürzlich veröffentlicht (2003). Rehabilitation der unteren Extremität und GehfähigkeitAuch im Bereich der unteren Extremität ist ein aufgabenspezifisches repetitives Üben wirksam. Tonusinhibierende und das Gehen vorbereitende Übungen in Sitz und Stand sollten nicht länger die Therapie dominieren, das wiederholte Üben des Gehens an sich ist vorzuziehen. Die Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts eingeführte Laufbandtherapie mit parzieller Körpergewichtsentlastung setzt diese Anforderungen um: gurtgesichert und gemäß Paresegrad entlastet kann der noch rollstuhlpflichtige Patient das Gehen wiederholt üben. Studien zeigten, dass die Laufbandtherapie nicht gehfähiger, chronisch hemiparetischer Patienten einer konventionellen Behandlung bezüglich Verbesserung der Gehfähigkeit überlegen war (Hesse et al. 1995). Für Patienten im Akutstadium zeigte sich, dass die Lokomotionstherapie einem krankengymnastischen Vorgehen mit Gehübungen in der Ebene, auch unter Einsatz von Hilfsmitteln, ebenbürtig war (Moseley et al. 2003). Für bereits selbstständig gehfähige Patienten eignet sich das Laufband mit Gurtsicherung, um die Ganggeschwindigkeit und die Ausdauer zu steigern (Pohl et al. 2002, Eich et al. 2004). Dabei wird die trainingswirksame Herzfrequenz mittels eines der kardiologischen Rehabilitation entliehenen Trainingsparadigmas ermittelt: (HRmax-HRruhe) 3 0,6 + HRruhe = trainingswirksame Herzfrequenz. HRmax wird in einer Belastungsergometrie festgelegt. Zur weiteren Förderung der Gangrehabilitation ist ein früherer Einsatz von Hilfsmitteln wie Stock oder Orthese im Bereich des Sprung- oder Kniegelenks entgegen der üblichen Praxis angezeigt. Ganganalytische Studien wiesen nach, dass Stöcke oder Orthesen das Gehen qualitativ nicht verschlechterten, sondern im Gegenteil die Gangsicherheit steigerten. Die funktionelle Elektrostimulation des N. peronaeus oder des M. tibialis zur Korrektur des Spitzfußes bietet sich alternativ zur Orthese an. Pharmakotherapie in der motorischen RehabilitationAmphetamineIn klinischen Studien an Schlaganfallpatienten war D-Amphetamin in Bezug auf das motorische Rehabilitationsergebnis wirksam, allerdings nur dann, wenn die Einnahme nur unmittelbar vor intensiver Physiotherapie erfolgte (Crisostomo et al. 1988; Walker-Batson et al. 1995). In neueren Studien konnte die Wirksamkeit auf das motorische Rehabilitationsergebnis nicht immer nachgewiesen werden (Treig et al. 2003). Aktuell sind die Studienergebnisse nicht konsistent ( Für die Therapie mit Amphetaminen kommt z. B. Methylphenidat (Ritalin) 20–40 mg/d, verteilt auf 2 Gaben morgens und mittags in Frage. Die wichtigsten unerwünschten Reaktionen sind tachykarde Herzrhythmusstörungen und Blutdruckerhöhungen. Die Kontrolle dieser Vitalparameter mehrmals täglich ist daher während der ersten Behandlungstage unerlässlich. Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Ansprechen auf die Therapie. Sinnvoll ist die Gabe vor allem während der ersten 8–12 Wochen der Rehabilitation. Die Einnahme über einen Zeitraum von mehr als 3 Monaten wird nicht empfohlen. Unter so kontrollierter Behandlung ist eine Suchtentwicklung nicht zu befürchten. Dieser Effekt setzt, im Unterschied zu den meisten Antidepressiva, bereits nach 1–2 Tagen ein. Amphetamine unterliegen dem BTM-Gesetz. L-DopaEine Alternative zur Anwendung von Amphetaminpräparaten ist möglicherweise die Gabe von L-Dopa. In einer kleineren placebokontrollierten Doppelblindstudie an 53 Patienten erreichten Patienten, die 3 Wochen mit 100 mg L-Dopa behandelt wurden, bessere motorische Funktionen. Die Verbesserungen betrafen sowohl die Gehfähigkeit als auch die Fähigkeit für die Bewegung des paretischen Arms (Scheidtmann et al. 2001) ( AntidepressivaDie Depression ist eine wichtige und häufige Komplikation nach Schlaganfall. Trizyklische Antidepressiva, die zu einer Erhöhung der zerebralen Noradrenalinspiegel führen, sind bei Patienten mit Depression nach Schlaganfall gut wirksam. Der Einsatz von trizyklischen Antidepressiva ist wegen der nicht selten auftretenden kardialen und anticholinergen Nebenwirkungen – wie Schwindel, orthostatische Hypotension oder Synkopen – besonders bei älteren Patienten nicht immer empfehlenswert. Alternativ können Serotoninwiederaufnahme-Hemmer (SSRI) oder Monoaminooxidase (MAO)-Hemmer eingesetzt werden. Der Serotoninwiederaufnahme-Hemmer Fluoxetin in einer Dosis von 20 mg/d zeigte in einer klinischen Studie, unabhängig von seinem antidepressiven Effekt, einen fördernden Einfluss auf die Gehfähigkeit und die Selbstständigkeit bei alltäglichen Verrichtungen (Dam et al. 1996) ( Eine besondere Situation ergibt sich für marcumarisierte Patienten. Die SSRI Fluoxetin, Fluvoxamin und Paroxetin werden wie die Cumarinderivate über das Cytochrom P450 Isoenzym metabolisiert und können durch kompetitive oder direkte Hemmung des Enzyms eine Erhöhung der Plasmaspiegelkonzentration von oralen Antikoagulanzien bewirken. Auch für den MAO-Hemmer Moclobemid ist eine Verstärkung der Blutungsneigung unter Einnahme von Warfarin beschrieben (Duncan et al. 1998). Hingegen führen die SSRI Sertralin, Citalopram und Nefazadon nicht oder nur gering zu einer Zunahme der Prothrombinzeit. Diese Substanzen sollten daher bei antikoagulierten Patienten bevorzugt eingesetzt werden. Zur Behandlung der Spastik mit Botulinumtoxin siehe Leitlinie „Spastik“. Checkliste „Einleitung einer Rehabilitation für Schlaganfallpatienten“Planung, Zielsetzung
Rehabilitationsform: stationär, teilstationär, geriatrisch oder ambulant?Während neurologische Rehabilitationskliniken früher ganz überwiegend entfernt von städtischen Ballungszentren lagen, verfügen heute viele Städte über Rehabilitationseinrichtungen. Dadurch kann für viele Patienten das Ziel einer wohnortnahen Postakut-Behandlung einfacher realisiert werden. Hinzu kommt ein größeres Angebot an teilstationären Einrichtungen, die den Patienten ermöglichen, außerhalb der Behandlungszeiten zu Hause zu sein. Entscheidend für die Wahl der Rehabilitationsform sollten primär die medizinischen Behandlungsnotwendigkeiten und soziale Faktoren sein. Die Anmeldung für eine Rehabilitation sollte frühzeitig (während der ersten Behandlungstage) beim zuständigen Kostenträger erfolgen. Dabei sollte durchaus auch eine Empfehlung zur Wahl der Reha-Klinik ausgesprochen werden, obwohl die Entscheidung meist beim Kostenträger liegt. Stationäre Rehabilitation
Teilstationäre Rehabilitation
Geriatrische Rehabilitation
Rein ambulante Therapie (Behandlung auf Rezept)Entspricht nicht den Kriterien einer multiprofessionellen, teamintegrierten Rehabilitation. Daher nur bei monofunktioneller Störung ohne Beeinträchtigung der Selbstständigkeit möglich.
ExpertengruppePriv.-Doz. Dr. S. Hesse, Klinik Berlin, Abteilung für Neurologische Rehabilitation, Arzt in der Neurologie der FU Berlin und am Universitätsklinikum Benjamin Franklin, Berlin Prof. Dr. H. Hummelsheim, Neurologisches Rehabilitationszentrum Leipzig, Universität Leipzig Prof. Dr. med. J. Liepert, Neurologische Klinik, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf Dr. G. Nelles, Neurologisches Zentrum, Köln Für die Deutsche Gesellschaft für Neurologische Rehabilitation (DGNR) Dr. W. Nickels, Neurologisches Therapiezentrum Köln Federführend: Priv.-Doz . Dr. G. Nelles, Haselnußhof 1, 50767 Köln, Tel.: 0221/7902161 e-mail: gereon.nelles@uni-essen.de Literatur1. Bolton, D. A., J. H. Cauraugh, H. A. Hausenblas (2004): Electromyogram-triggered neuromuscular stimulation and stroke motor recovery of arm/hand functions: a meta-analysis. J. Neurol. Sci. 223, 121–127. 2. Bütefisch, C., H. Hummelsheim, P. Denzler, K.-H. Mauritz (1995): Repetitive training of isolated movements improves the outcome of motor rehabilitation of the centrally paretic hand. J. Neurol. Sci. 130, 59–68. 3. Crisostomo, E. A., P. W. Duncan, M. Propst, D. V. Dawson, J. N. Davis (1988): Evidence that amphetamine with physical therapy promotes recovery of motor function in stroke patients. Ann. Neurol. 23, 94–97. 4. Dam, M., P. Tonin, A. De Boni et al. (1996): Effects of fluoxetine and maprotiline on functional recovery in poststroke hemiplegic patients undergoing rehabilitation therapy. Stroke 27, 1211–1214. 5. DeBow, S. B., J. E. McKenna, B. Kolb, F. Colbourne (2004): Immediate constraint-induced movement therapy causes local hyperthermia that exacerbates cerebral cortical injury in rats. Can. J. Physiol. Pharmacol. 82, 231–237. 6. de Kroon, J. R., J. H. van der Lee, M. J. Ijzerman, G. J. Lankhorst (2002): Therapeutic electrical stimulation to improve motor control and functional abilities of the upper extremity after stroke: a systematic review. Clin. Rehabil. 16, 350–360. 7. van der Lee, J. H. (2001): Constraint-induced therapy for stroke: more of the same or something completely different? Curr. Opin. Neurol. 14 (6), 741–744. 8. Dijkerman, H. C., M. Letswaart, M. Johnston, R. S. MacWalter (2004): Does motor imagery training improve hand function in chronic stroke patients? A pilot study. Clin. Rehabil. 18, 538–549. 9. Dromerick, A. W., D. F. Edwards, M. Hahn (2000): Does application of constraint-induced movement therapy during acute rehabilitation reduce arm impairment after ischemic stroke? Stroke 31, 2984–2988. 10. Duncan, D., K. Sayal, H. McConnell, D. Taylor (1998): Antidepressant interactions with warfarin. Int. Clin. Psychopharmacol. 13, 87–94. 11. Eich, H.-J., H. Mach, C. Werner, S. Hesse (2004): Aerobic treadmill plus Bobath walking training improves walking in subacute stroke patients: a randomized controlled trial. Clin. Rehabil. 18, 640–651. 12. Fasoli, S. E., H. I. Krebs, J. Stein, W. R. Frontera, N. Hogan (2004): Robotic therapy for chronic motor impairment after stroke: Follow-up results. Arch. Phys. Med. Rehabil. 85, 1106–1111. 13. de Kroon, J. R., J. H. van der Lee, M. J. Ijzerman, G. J. Lankhorst (2002): Therapeutic electrical stimulation to improve motor control and functional abilities of the upper extremity after stroke: a systematic review. Clin. Rehabil. 16, 350–360. 14. Feys, H. M., W. J. De Weerdt, B. E. Selz et al. (1998): Effect of a therapeutic intervention for the hemiplegic upper limb in the acute phase after stroke: a single-blind, randomized, controlled multicenter trial. Stroke 29, 785–792. 15. Feys, H., W. De Weerdt, G. Verbeke, G. C. Steck, C. Capiau, C. Kiekens, E. Dejaeger, G. Van Hoydonck, G. Vermeersch, P. Cras (2004): Early and repetitive stimulation of the arm can substantially improve the long-term outcome after stroke: a 5-year follow-up study of a randomized trial. Stroke 35, 924–929. 16. Hesse, S., M. Malezic, A. Schaffrin, K. H. Mauritz (1995): Restoration of gait by combined treadmill training and multichannel electrical stimulation in non-ambulatory hemiparetic patients. Scand. J. Rehabil. Med. 27, 199–204. 17. Hesse, S., G. Schulte-Tigges, M. Konrad, A. Bardeleben, C. Werner (2003): Robot-assisted arm trainer for the passive and active practice of bilateral forearm and wrist movements in hemiparetic subjects. Arch. Phys. Med. Rehabil. 84, 915–920. 18. Hummelsheim, H., M. L. Maier-Loth, C. Eickhof (1997): The functional value of electrical muscle stimulation for the rehabilitation of the hand in stroke patients. Scand. J. Rehabil. Med. 29, 3–10. 19. Johansson, B., E. Haker, M. von Arbin, M. Britton, G. Langstrom, A. Terent, D. Ursing, K. Asplund (2001): Swedish Collaboration on sensory stimulation after stroke. Acupuncture and transcutaneous nerve stimulation in stroke rehabilitation: a randomized controlled trial. Stroke 32, 707–713. 20. Kwakkel, G., R. C. Wagenaar, J. W. Twisk, G. J. Lankhorst, J. C. Koetsier (1999): Intensity of leg and arm training after primary middle-cerebral-artery stroke: a randomised trial. Lancet 354, 191–196. 21. Kwakkel, G., B. J. Kollen, R. C. Wagenaar (2002): Long term effects of intensity of upper and lower limb training after stroke: a randomised trial. JNNP 72, 473–479. 22. Liepert, J., F. Hamzei, C. Weiller (2004): Lesion-induced and training-induced brain reorganization. Restor. Neurol. Neurosci. 22 (3–5), 269–277. 23. Liu, K. P., C. C. Chan, T. M. Lee, C. W. Hui-Chan (2004): Mental imagery for promoting relearning for people after stroke: a randomized controlled trial. Arch. Phys. Med. Rehabil. Sep. 85 (9), 1403–1408. 24. Lum, P. S., C. G. Burgar, P. C. Shor, M. Majmundar, M. Van der Loos (2002): Robot-assisted movement training compared with conventional therapy techniques for the rehabilitation of upper-limb motor function after stroke. Arch. Phys. Med. Rehabil. 83, 952–959. 25. Malouin, F., S. Belleville, C. L. Richards, J. Desrosiers, J. Doyon (2004): Working memory and mental practice outcomes after stroke. Arch. Phys. Med. Rehabil. 85, 177–183. 26. Martinsson, L., S. Eksborg, N. G. Wahlgren (2003): Intensive early physiotherapy combined with dexamphetamine treatment in severe stroke: a randomized, controlled pilot study. Cerebrovasc. Dis. 16 (4), 338–345. 27. Masur, H. (2000): Skalen und Scores in der Neurologie. Thieme, Stuttgart. 28. Moseley, A. M., A. Stark, I. D. Cameron, A. Pollock (2003): Treadmill training and body weight support for walking after stroke. Cochrane Database Syst. Rev. 3, CD002840. 29. Nelles, G. (2004): Cortical reorganization – effects of intensive therapy. Restor. Neurol. Neurosci. 22, 239–244. 30. Nudo, R. J., P. W. Duncan (2004): Recovery and rehabilitation in stroke: introduction. Stroke 35 (11, Suppl. 1), 2690. 31. Page, S. J. (2003): Intensity versus task-specificity after stroke: how important is intensity? Am. J. Phys. Med. Rehabil. 82, 730–732. 32. Page, S. J., S. Sisto, P. Levine, R. E. McGrath (2004): Efficacy of modified constraint-induced movement therapy in chronic stroke: a single-blinded randomized controlled trial. Arch. Phys. Med. Rehabil. 85, 14–18. 33. Park, J., V. Hopwood, A. R. White, E. Ernst (2001): Effectiveness of acupuncture for stroke: a systematic review. J. Neurol. 248, 558–563. 34. Platz, T., T. Winter, N. Müller, C. Pinkowski, C. Eickhof, K.-H. Mauritz (2001): Arm ability training for stroke and traumatic brain injury patients with mild arm paresis. A single-blind, randomized, controlled trial. Arch. Phys. Med. Rehab. 82, 961–968. 35. Platz, T. (2003): Evidenzbasierte Armrehabilitation. Nervenarzt 74, 841–849. 36. Pohl, M., J. Mehrholz, C. Ritschel, S. Rückriem (2002): Speed-dependent treadmill training in ambulatory stroke patients. A randomized controlled trial. Stroke 33, 553–558. 37. Rabinstein, A. A., L. M. Shulman (2003): Acupuncture in clinical neurology. Neurologist 9, 137–148. 38. Scheidtmann, K., W. Fries, F. Muller, E. Koenig (2001): Effect of levodopa in combination with physiotherapy on functional motor recovery after stroke: a prospective, randomised, double-blind study. Lancet 358, 787–790. 39. Sterr, A., T. Elbert, I. Berthold, S. Kolbel, B. Rockstroh, E. Taub (2002): Longer versus shorter daily constraint-induced movement therapy of chronic hemiparesis: an exploratory study. Arch. Phys. Med. Rehabil. 83, 1374–1377. 40. Sze, F. K., E. Wong, K. K. Or, J. Lau, J. Woo (2002a): Does acupuncture improve motor recovery after stroke? A meta-analysis of randomized controlled trials. Stroke 33, 2604–2619. 41. Sze, F. K., E. Wong, X. Yi, J. Woo (2002b): Does acupuncture have additional value to standard poststroke motor rehabilitation? Stroke 33, 186–194. 42. Taub, E., N. E. Miller, T. A. Novack, E. W. D. Cook, W. C. Fleming, C. S. Nepomuceno et al. (1993): Technique to improve chronic motor deficit after stroke. Arch. Phys. Med. Rehabil. 74, 347–354. 43. Taub, E., J. E. Crago, G. Uswatte (1998): Constraint-induced movement therapy: a new approach to treatment in physical rehabilitation. Rehabil. Psychol. 43, 152–170. 44. Taub, E., S. L. Ramey, S. DeLuca, K. Echols (2004): Efficacy of constraint-induced movement therapy for children with cerebral palsy with asymmetric motor impairment. Pediatrics 113, 305–312. 45. Treig, T., C. Werner, M. Sachse, S. Hesse (2003): No benefit from D-amphetamine when added to physiotherapy after stroke: a randomized, placebo-controlled study. Clin. Rehabil. Sep. 17 (6), 590–599. 46. Volpe, B. T., H. I. Krebs, N. Hogan, O. L. Edelstein, C. Diels, M. Aisen (2000): A novel approach to stroke rehabilitation: robot-aided sensorimotor stimulation. Neurology 54, 1938–1944. 47. Walker-Batson, D., P. Smith, S. Curtis, H. Unwin, R. Greenlee (1995): Amphetamine paired with physical therapy accelerates motor recovery after stroke. Further evidence. Stroke 26, 2254–2259. 48. Wittenberg, G. F., R. Chen, K. Ishii, K. O. Bushara, S. Eckloff, E. Croarkin, E. Taub, L. H. Gerber, M. Hallett, L. G. Cohen (2003): Constraint-induced therapy in stroke: magnetic-stimulation motor maps and cerebral activation. Neurorehabil. Neural. Repair. 17, 48–57. 49. Wolf, S. L., D. E. Lecraw, L. A. Barton, B. B. Jann (1989): Forced use of hemiplegic upper extremities to reverse the effect of learned nonuse among chronic stroke and head-injured patients. Exp. Neurol. 104, 125–132.
Die in den Leitlinien verwendeten Symbole haben folgende Bedeutung:
Empfehlungsstärken
Die Einstufung der Empfehlungsstärke kann neben der Evidenzstärke
die Größe des Effekts, die Abwägung von bekannten und möglichen
Risiken, Aufwand, Verhältnismäßigkeit, Wirtschaftlichkeit oder
ethische Gesichtspunkte berücksichtigen.
Die "Leitlinien" der Deutschen Gesellschaft für Neurologie sind systematisch entwickelte Hilfen für Ärzte zur Entscheidungsfindung in spezifischen Situationen. Sie beruhen auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und in der Praxis bewährten Verfahren und sorgen für mehr Sicherheit in der Medizin, sollen aber auch ökonomische Aspekte berücksichtigen. Die "Leitlinien" sind für Ärzte rechtlich nicht bindend und haben daher weder haftungsbegründende noch haftungsbefreiende Wirkung. Wie jede Wissenschaft ist die Medizin ständigen Entwicklungen unterworfen.
Soweit in diesem Werk eine Dosierung oder eine Applikation erwähnt wird,
darf der Leser zwar darauf vertrauen, dass die Autoren große Sorgfalt
darauf verwandt haben, dass diese Angabe dem Wissensstand bei Fertigstellung
des Werkes entspricht. Geschützte Warennamen und Warenzeichen werden nicht besonders kenntlich gemacht. Aus dem Fehlen eines solchen Hinweises kann also nicht geschlossen werden, dass es sich um einen freien Warennamen handelt.
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||