![]() |
![]() |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Was gibt es Neues?Bis heute liegen weiterhin keine gesicherten Daten bzw. vergleichenden Daten zu den verschiedenen Therapiemethoden vor, sowohl zu den konservativen als auch zu den operativen Verfahren bei kompressiven Radikulopathien. Die wichtigsten Empfehlungen auf einen Blick
DefinitionSchmerzen im Bereich der Halswirbelsäule mit Ausstrahlung nach okzipital und in die Schulter-Arm-Region stellen ein weit verbreitetes Problem dar. Dabei wird unterschieden zwischen akut auftretenden Wurzelreiz- und/oder Wurzelausfallsyndromen und chronischen Zervikobrachialgien. Die degenerativen Veränderungen betreffen vor allem die unteren HWS-Abschnitte, vor allem HWK 5/6, HWK 6/7 und seltener HWK7/BWK1 oder HWK 4/5. Die radiologisch erhobenen Befunde in der Nativ- und Schnittbilddiagnostik (CT, MRT) korrelieren nur gering mit den klinischen Befunden. Die Therapiemöglichkeiten der akuten und chronischen Formen unterscheiden sich insoweit, dass ein operatives Vorgehen eher bei akuten Beschwerden in Frage kommt, wohingegen bei chronischen Störungen eher ein konservatives, multidisziplinäres Vorgehen angeraten ist unter Einbeziehung pharmakologischer, physiotherapeutischer und psychosomatischer Methoden. DiagnostikNotwendig
Im Einzelfall erforderlich und nützlich
PathogeneseIm Unterschied zu den lumbalen Radikulopathien sind im HWS-Bereich degenerativ-knöcherne Veränderungen (Osteochondrose, Unkovertebralgelenkarthrose, Spondylarthrose, Spondylolisthese) mit Einengung der Foramina intervertebralia häufiger für Radikulopathien verantwortlich als Bandscheibenvorfälle. Daneben sind ursächlich: lokale Raumforderungen wie Tumoren (wie Knochenmetastasen, Ependymome, Meningeome), Hämatome und entzündliche Veränderungen (Abszesse, Spondylodiszitis, Lyme-Radikulopathie). Pseudoradikuläre Syndrome bei orthopädischen Leiden, z. B. im Schultergelenk, können von zervikalen Radikulopathien abgegrenzt werden, da sie nie zu neurologischen Defiziten führen. SymptomeAkut oder subakut auftretende einschießende Schmerzen und/oder Parästhesien im Ausbreitungsgebiet einer oder eher selten mehrerer Nervenwurzeln fehlen nur selten. Die Ausbreitung der Sensibilitätsstörungen entspricht den Dermatomen der betroffenen Nervenwurzeln, wobei die Schmerzempfindung eher als die Berührungsempfindung betroffen ist. Motorische Ausfälle mit konsekutiven Muskelatrophien betreffen die Kennmuskeln, wobei die Paresen meist inkomplett sind, da die einzelnen Kennmuskeln ihre Innervation über mehrere Nervenwurzeln erhalten. Entsprechend kommt es zu einer Abschwächung oder zu einem Ausfall der zugehörigen Kennreflexe. Bei den meisten Radikulopathien kommt es zu erheblichen Veränderungen im Bereich der Halswirbelsäule mit einer Steilstellung, einem paravertebralen muskulären Hartspann, einem lokalen Klopf- oder Druckschmerz über der Wirbelsäule sowie zu einer Zunahme der Beschwerden bei Drehung oder Neigung des Kopfes nach hinten und/oder zur betroffenen Seite. Zusätzlich können ein Husten-, Press- und Niesschmerz sowie andere Nervendehnungszeichen vorkommen, selten kommt es zu einem Lhermitte-Zeichen, d. h. einem elektrisierenden Gefühl entlang der Wirbelsäule bis in die Gesäßregion, das durch HWS-Bewegungen ausgelöst wird. Bei den selteneren polyradikulären Prozessen kommt es zu einem mehrsegmentalen Ausfall und bei medianen Bandscheibenvorfällen oder anderen raumbeschränkenden Prozessen zusätzlich zu den meist asymmetrischen peripheren Störungen an den Armen zu Zeichen langer Bahnen mit einer paraspastischen Gangstörung, Reflexsteigerung an den Beinen, verbreiterten reflexogenen Zonen, unerschöpflichen Kloni und Pyramidenbahnzeichen sowie Blasenentleerungsstörungen. Das entspricht der zervikalen Myelopathie (siehe Leitlinie „Zervikale spondylotische Myelopathie“). Bei den chronischen Veränderungen stehen meist Schmerzen paravertebral mit gelegentlicher radikulärer Ausstrahlung im Vordergrund. Objektivierbare neurologische Ausfälle zeigen in der Regel keine Progredienz. Mitunter kann dies durch elektromyographische Untersuchungen verifiziert werden. DifferenzialdiagnoseDa in der Mehrzahl der zervikalen Radikulopathien Schmerzen vorhanden sind, die sich im entsprechenden Dermatom ausbreiten, kommen selten andere Erkrankungen in Betracht.
TherapieBis auf die akuten Bandscheibenvorfälle mit erheblichen neurologischen Defiziten ist die Therapie geprägt von einem multimodalen, ggf. interdisziplinären konservativen Vorgehen. Konservativ
OperativIndikationen
Operative Verfahren
Als Standardverfahren zur Beseitigung einer Nervenwurzelkompression hat die offene, mikrochirurgische Diskektomie über einen anterioren Zugang den höchsten Stellenwert. Mit dieser Operationstechnik ist es möglich, die sowohl durch einen Bandscheibenvorfall (soft disc) als auch durch eine Spondylose (hard disc) verursachte Kompression sicher und schonend zu beseitigen. Die Komplikationsrate dieser Operation ist gering, die Patienten müssen über folgende wichtige Risiken aufgeklärt werden:
Bei alleiniger Diskektomie kann durch die Höhenminderung des Intervertebralraums eine segmentale Instabilität induziert werden, die postoperativ zu verstärkten Nackenschmerzen führen kann. Um dies zu vermeiden, wird als zweiter operativer Schritt eine interkorporelle Spondylodese vorgenommen. Als Interponate können verschiedene Materialien eingesetzt werden. Die meisten Erfahrungen bestehen mit autologen Knochenspänen, die aus dem Beckenkamm entnommen werden. Als standardisierte Operationstechniken werden die Methoden nach Cloward (runder Dübel) oder nach Smith-Robinson (quaderförmiger Dübel) angewendet. Mit beiden Methoden kann eine stabile Fusion erreicht werden. Als Komplikationen der Knochenspanentnahme muss der Patient über folgende Punkte unterrichtet werden:
Um diese Risiken zu umgehen, können andere Materialien verwendet werden, mit denen ebenfalls eine interkorporelle Spondylodese erreicht werden kann. Folgende Materialien können eingesetzt werden:
Vorteile haben alle diese Interponate in einer kürzeren Operationszeit, geringeren postoperativen Morbidität und schnelleren Mobilisierung. In seltenen Fällen kann eine Nervenwurzelkompression durch eine segmentale Instabilität verursacht werden, bei der es zu einer Spondylolisthese der beteiligten Wirbelkörper kommen kann. Bei dieser Konstellation wird eine interkorporelle Spondylodese mit einem autologen Knochenspan mit einer ventralen Plattenosteosynthese kombiniert. Bei lateralen oder intraforaminalen Bandscheibenvorfällen kann die Nervenwurzel auch über einen dorsalen Zugang durch eine Foraminotomie (nach Frykholm) mit Sequesterektomie dekomprimiert werden. Bei spondylotisch eingeengten Neuroforamina ist diese Operationsmethode nicht so effektiv wie der anteriore Zugang. Die Nervenwurzeldekompression mit minimalinvasiven, perkutanen, endoskopischen Verfahren ist noch nicht ausreichend standardisiert. Außerdem fehlen Langzeitergebnisse, die einen Vorteil gegenüber den offenen Methoden belegen. Verfahren zur KonsensbildungLeitlinie erstellt im Delphi-Verfahren. Erstellungsdatum 10.12.2004. ExpertengruppeFür die DGN C. Bischoff, Neurologe, München K.-H. Reiners, Neurologische Universitätsklinik Würzburg K. Scheglmann, Neurologische Klink, Klinikum Augsburg Th. Tölle, Neurologische Klinik der Technischen Universität München Für die Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie H.-P. Richter, Neurochirurgische Universitätsklinik der Universität Ulm, Bezirksklinikum Günzburg K. Seitz, Neurochirurgische Universitätsklinik der Universität Ulm, Bezirksklinikum Günzburg Federführend: Prof. Dr. C. Bischoff, Neurologische Gemeinschaftspraxis, Burgstr. 7, 80331 München, Tel.: 089/2422–4868 e-mail: bischoff@profbischoff.de Literatur1. Cyteval, C., E. Thomas, F. Decoux, M. P. Sarrabere, A. Cottin, R. Blotman, P. Taourel (2004): Cervical radiculopathy: open study on percutaneous, periradicular, foraminal steroid infiltration performed under CT control in patients. AJNR 25, 441–445. 2. Fouyas, I. P., P. F. Statham, P. A. Sandercock, C. Lynch (2001): Surgery for cervical radiculomyelopathy. Cochrane Database Syst. Rev. CD 001466. 3. Gross, A. R., J. L. Hoving, T. A. Haines, C. H. Goldsmith, T. Kay, P. Aker, G. Braian (2004): Cervical overview group. Spine 29, 1541–1548. 4. Niemisto, L., E. Kalso, A. Malmivaara, S. Seitsalo, H. Hurri (2003): Cochrane Collaboration Back Review Group. Spine 28, 1877–1888. 5. Staiger, T. O., B. Gaster, M. D. Sullivan, R. A. Deyo (2003): Systematic review of antidepressants in the treatment of low back pain. Spine 28, 2540–2545.
Die in den Leitlinien verwendeten Symbole haben folgende Bedeutung:
Empfehlungsstärken
Die Einstufung der Empfehlungsstärke kann neben der Evidenzstärke
die Größe des Effekts, die Abwägung von bekannten und möglichen
Risiken, Aufwand, Verhältnismäßigkeit, Wirtschaftlichkeit oder
ethische Gesichtspunkte berücksichtigen.
Die "Leitlinien" der Deutschen Gesellschaft für Neurologie sind systematisch entwickelte Hilfen für Ärzte zur Entscheidungsfindung in spezifischen Situationen. Sie beruhen auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und in der Praxis bewährten Verfahren und sorgen für mehr Sicherheit in der Medizin, sollen aber auch ökonomische Aspekte berücksichtigen. Die "Leitlinien" sind für Ärzte rechtlich nicht bindend und haben daher weder haftungsbegründende noch haftungsbefreiende Wirkung. Wie jede Wissenschaft ist die Medizin ständigen Entwicklungen unterworfen.
Soweit in diesem Werk eine Dosierung oder eine Applikation erwähnt wird,
darf der Leser zwar darauf vertrauen, dass die Autoren große Sorgfalt
darauf verwandt haben, dass diese Angabe dem Wissensstand bei Fertigstellung
des Werkes entspricht. Geschützte Warennamen und Warenzeichen werden nicht besonders kenntlich gemacht. Aus dem Fehlen eines solchen Hinweises kann also nicht geschlossen werden, dass es sich um einen freien Warennamen handelt.
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||