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ZieleIn dieser Leitlinie sollen dargestellt werden  | die klinischen Charakteristika des postpunktionellen Syndroms
|  | dessen Epidemiologie
|  | Pathophysiologie
|  | Diagnostik
|  | Prävention sowie Therapie. |
Wesentliches Ziel ist eine evidenzbasierte Optimierung der Prävention des postpunktionellen Syndroms. Definition und KlinikNach den neuen IHS-Kriterien (voraussichtliches Erscheinen Sept. 2003) ist das postpunktionelle Syndrom wie folgt definiert:
A. Auftreten bzw. Verschlechterung des Kopfschmerzes innerhalb von 15 Min. nach dem Aufrichten und assoziiert mit wenigstens einem der folgenden Symptome - Nackensteifigkeit
- Tinnitus
- Veränderung des Hörens
- Photophobie
- Nausea
B. vorausgegangene Liquorpunktion
C. Kopfschmerz entwickelt sich innerhalb von fünf Tagen nach der Liquorpunktion
D. Kopfschmerz bessert sich innerhalb weniger Minuten nach dem Hinlegen. In den meisten Fällen bilden sich die Beschwerden spontan oder auf eine effektive Behandlung hin (z.B. epiduraler Blutpatch) zurück.
Eine weitere wichtige und häufig übersehene Ursache positionsabhängigen Kopfschmerzes ist das „spontane (idiopathische) Liquorunterdrucksyndrom“, das durch die gleichen Symptome, aber ohne vorausgegangene Liquorpunktion gekennzeichnet ist (Übersicht in Marcelis und Silberstein, 1990). Verlauf: | Symptombeginn meist innerhalb von 24 bis 72 h nach der Liquorpunktion (innerhalb von 48 h bei 80 % und innerhalb von 72 h bei 90 % der Betroffenen (Kuntz et al., 1992; Lybecker et al., 1995)
|  | Spontanremission: 80 % nach ca. 5 Tagen (Lybecker et al., 1995) |
EpidemiologieDie Inzidenz des postpunktionellen Syndroms liegt in Abhängigkeit von Durchmesser und Typ der verwendeten Nadel sowie der Punktionstechnik zwischen 1 und 70 % (Übersicht in Fishman 1992; Dieterich und Perkin, 2003). Prädisponierend für ein postpunktionelles Syndrom sind (Übersicht in Evans et al. 2000):  | junges Alter (höchste Inzidenz im Alter von 18 – 30 Jahre)
|  | weibliches Geschlecht (doppelt so häufig wie männliches)
|  | niedriger „body mass index“
|  | bereits vorher rezidivierender oder chronischer Kopfschmerz
|  | vorhergehendes postpunktionelles Syndrom. |
Pathomechanismus des postpunktionellen SyndromsDas postpunktionelle Syndrom beruht wahrscheinlich auf einem prolongierten Liquoraustritt durch einen persistierenden Duradefekt, der zu einem Liquorunterdruck führt. Der Kopfschmerz entsteht durch die Dilatation intrazerebraler Venen und die mechanische Irritation der Hirnhäute bei Kaudalverlagerung des Gehirns (Übersicht in Evans et al., 2000). DiagnostikNotwendig
Bei typischer Anamnese (s. o.) lässt sich die Diagnose entsprechend der o.g. IHS-Kriterien stellen. In diesen Fällen ist keine weitere apparative Diagnostik erforderlich.
In Einzelfällen notwendig
Bei prolongierten Beschwerden ist eine CCT zum Ausschluss eines Hygroms/subduralen Hämatoms notwendig. Kommt es im Rahmen des postpunktionellen Syndroms zu einem Fieberanstieg, erhöhten Entzündungszeichen oder einem Meningismus, so ist eine Repunktion mit der Frage nach einem iatrogen-induzierten entzündlichen Liquorsyndrom bzw. Meningitis indiziert. In der Literatur sind nur wenige Fälle eines iatrogenen durch die Liquorpunktion induzierten entzündlichen Liquorsyndroms bzw. einer Meningitis beschrieben (Übersicht in Fishman, 1992).
In der MRT zeigt sich bei einem Liquorunterdruck-Syndrom meist eine KM-Aufnahme der Meningen während der akuten Phase, und nach Sistieren klingt diese wieder ab (Bourekas et al., 1995). In der cervikalen Bildgebung zeigt sich ein dilatierter Venenplexus bei Patienten mit postpunktionellem Syndrom, diese Veränderung klingt ebenfalls nach Sistieren des postpunktionellen Syndroms ab (Bakshi et al., 1999; Förderreuther et al., 2001). Prävention des postpunktionellen SyndromsDie Inzidenz des postpunktionellen Syndroms lässt sich durch folgende Maßnahmen senken:  | Verwenden einer atraumatischen Sprotte-Nadel (Braune und Huffmann 1992; Müller et al. 1994; Strupp et al. 2001) (  )
|  | möglichst geringer Durchmesser der Nadel (empfohlen 22 – 24 Gauge, bei noch kleinerem Durchmesser zu niedrige Flussmenge bzw. zu lange Dauer der Liquordruckmessung) (Halpern and Preston, 1994; Carson und Serpell 1996; Evans et al. 2000) (  )
|  | Wiedereinführung des Mandrin vor Entfernen der Nadel (Strupp und Brandt, 1997) (  )
|  | bei Verwenden einer traumatischen Nadel (Indikation: z.B. Punktion mit atraumatischer Nadel bei mehren Versuchen misslungen) sollte der Schliff parallel zu den Durafasern liegen (Lybecker et al. 1990; Übersicht in Evans et al. 2000) (  ). |
Therapie des postpunktionellen SyndromsKommt es trotz der oben erwähnten Maßnahmen zu einem postpunktionellen Syndrom, so sind bei geringen und kurz dauernden Beschwerden zu empfehlen: - Coffein: 3 x 200 mg bis 4 x 300 mg pro Tag (Erfolgsrate: nach 4 h 90%, nach 72 h 70 %) (Sechzer und Abel, 1978; Camann et al., 1990; Leibold et al., 1993) ( ) oder
- Theophyllin 3 x 350 mg pro Tag (Feuerstein und Zeides, 1986) ( ).
Bei starken und länger dauernden Beschwerden, d.h. 2 Tage starker Kopfschmerz oder 4 Tage Kopfschmerz ohne deutliche Tendenz zur Besserung oder wenn die Mobilität des Patienten aus anderen Gründen erforderlich ist, sind zu empfehlen: - Coffein (500 mg langsam i. v.) (Erfolgsrate: akute Linderung in 75%, bleibende Besserung in 50 %) (Sechser und Abel, 1978) ( )
 | epiduraler Blutpatch (Erfolgsrate: nach einer Injektion 85 %, nach zwei Injektionen bei 98 %) (Abouleish et al, 1975; Heide und Diener, 1990) (  ). |
Beim epiduralen Blutpatch werden 20 ml Eigenblut in die Höhe der vorherigen Punktionsstelle injiziert. Anschließend soll der Patient 2 Stunden in Bauchlage liegen (Martin et al., 1994). Das Blut verteilt sich über 6 bis 9 Segmente (Griffiths et al, 1993; Szeinfeld et al., 1988) und führt über eine wahrscheinlich gelatinöse Tamponade (Olsen, 1987) des Duralecks in 85 – 98% der Fälle zu einem Sistieren des postpunktionellen Syndroms (Abouleish et al, 1975; Heide und Diener, 1990) und zwar schon nach 2 Stunden.
Nicht empfohlen bzw. unwirksam  | Prophylaktische Bettruhe (Carbaat und van Grevel 1981; Dieterich und Brandt 1985; Hilton-Jones et al., 1982) (  )
|  | Vermehrte Flüssigkeitszufuhr (Dieterich und Brandt, 1988) (  )
|  | Bauchbinden zur Erhöhung des intraabdominellen Druckes
|  | prophylaktischer epiduraler Blutpatch (Berrettini et al., 1987, 1986; Heide und Diener, 1990; Olsen, 1987) (  )
|  | prophylaktische Gabe von Medikamenten (z. B. Methylxantine oder Vasopressin)
|  | Flunarizin zur Prävention (Heide und Diener, 1987)
|  | Epidurale NaCl-Infusionen. |
Literatur- Abouleish E, de la Vega S, Blendinger I, Tio TO. Long-term follow-up of epidural blood patch. Anesth Analg 54:459-463, 1975
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- Camann WR, Murray RS, Mushlin PS, Lambert DH: Effects of oral caffeine on postdural puncture headache: a double-blind, placebo-controlled trial. Anesth Analg 70:181-184, 1990
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- Martin R, Jourdain S, Clairoux M, Tétrault JP. Duration of decubitus position after epidural blood patch. Can J Anaesth 41:23-25, 1994
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- Strupp M, Schüler O, Straube A, von Stuckrad-Barre S, Brandt T. "Atraumatic" Sprotte needle reduces the incidence of post-lumbar puncture headaches. Neurology 57:2310-2312, 2001
- Szeinfeld M, Ihmeidan IH, Moser et al. Posture and post-spinal headache. A controlled trial in 80 obstetric patients. Br J Anaesth 60:195-197, 1988
Expertengruppe:Prof. Dr. med. Th. Brandt, München
Prof. Dr. med. M. Dieterich, Mainz
Prof. Dr. med. M. Strupp, München
Federführend: Prof. Dr. med. M. Strupp, LMU München, Klinikum Großhadern,
Marchioninistr. 15, 81377 München
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Bearbeitet durch die Kommission Leitlinien der DGN: P. Berlit, Essen; H.C. Diener, Essen (Vorsitzender); W. Hacke, Heidelberg, A. Hufnagel, Essen; U. Meier, Grevenbroich; W.H. Oertel, Marburg; H. Reichmann, Dresden; P. Rieckmann, Würzburg; E. Schmutzhard, Innsbruck; C-W. Wallesch, Magdeburg; M. Weller, Tübingen und den Vorstand der DGN.
Erstellungsdatum 01.04.2002
Die in den Leitlinien verwendeten Symbole haben folgende Bedeutung:
Aussage zur Wirksamkeit
wird gestützt durch mehrere adäquate, valide klinische Studien (z.B.
randomisierte klinische Studien) bzw. durch eine oder mehrere valide Metaanalysen
oder systematische Reviews. Positive Aussage gut belegt.
Aussage zur Wirksamkeit
wird gestützt durch zumindest eine adäquate, valide klinische Studie
(z.B. randomisierte klinische Studie). Positive Aussage belegt.
Negative Aussage
zur Wirksamkeit wird gestützt durch eine oder mehrere adäquate, valide
klinische Studien (z. B. randomisierte klinische Studie), durch eine oder mehrere
Metaanalysen bzw. systematische Reviews. Negative Aussage gut belegt.
Es liegen keine sicheren
Studienergebnisse vor, die eine günstige oder ungünstige Wirkung belegen.
Dies kann bedingt sein durch das Fehlen adäquater Studien, aber auch durch
das Vorliegen mehrerer, aber widersprüchlicher Studienergebnisse.
Empfehlungsstärken
A Hohe Empfehlungsstärke aufgrund starker Evidenz oder bei schwächerer
Evidenz aufgrund besonders hoher Versorgungsrelevanz
B Mittlere Empfehlungsstärke aufgrund mittlerer Evidenz oder bei
schwacher Evidenz mit hoher Versorgungsrelevanz oder bei starker Evidenz und
Einschränkungen der Versorgungsrelevanz
C Niedrige Empfehlungsstärke aufgrund schwächerer Evidenz oder
bei höherer Evidenz mit Einschränkungen der Versorgungsrelevanz
Die Einstufung der Empfehlungsstärke kann neben der Evidenzstärke
die Größe des Effekts, die Abwägung von bekannten und möglichen
Risiken, Aufwand, Verhältnismäßigkeit, Wirtschaftlichkeit oder
ethische Gesichtspunkte berücksichtigen.
Die "Leitlinien" der Deutschen Gesellschaft
für Neurologie sind systematisch entwickelte Hilfen für Ärzte
zur Entscheidungsfindung in spezifischen Situationen. Sie beruhen auf aktuellen
wissenschaftlichen Erkenntnissen und in der Praxis bewährten Verfahren
und sorgen für mehr Sicherheit in der Medizin, sollen aber auch ökonomische
Aspekte berücksichtigen. Die "Leitlinien" sind für Ärzte
rechtlich nicht bindend und haben daher weder haftungsbegründende noch
haftungsbefreiende Wirkung.
Wie jede Wissenschaft ist die Medizin ständigen Entwicklungen unterworfen.
Soweit in diesem Werk eine Dosierung oder eine Applikation erwähnt wird,
darf der Leser zwar darauf vertrauen, dass die Autoren große Sorgfalt
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des Werkes entspricht.
Für Angaben über Dosierungsanweisungen und Applikationsformen kann
von der DGN jedoch keine Gewähr übernommen werden. Jeder Benutzer
ist angehalten, durch sorgfältige Prüfung der Beipackzettel der verwendeten
Präparate und gegebenenfalls nach Konsultation eines Spezialisten festzustellen,
ob die dort gegebene Empfehlung für Dosierungen oder die Beachtung von
Kontraindikationen gegenüber der Angabe in diesem Buch abweicht. Eine solche
Prüfung ist besonders wichtig bei selten verwendeten Präparaten oder
solchen, die neu auf den Markt gebracht worden sind. Jede Dosierung oder Applikation
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an jeden Benutzer, ihm etwa auffallende Ungenauigkeiten der DGN mitzuteilen.
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