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Extrapyramidal-motorische Erkrankungen
Parkinson-SyndromeWas gibt es Neues?Unter der Dauereinnahme von Pergolid wurden z.T. schwerwiegende Herzklappenfibrosen beschrieben. Einzelfallberichte über ähnliche Herzklappenveränderungen unter der Therapie mit Bromocriptin und Cabergolin lassen an einen Effekt der Substanzklasse der Ergot-Dopamin-Agonisten denken. Unklar bleibt jedoch, ob dies eine für alle Dopamin-Agonisten gemeinsame Komplikation darstellt. Sowohl Inzidenz, Prävalenz, Pathogenese als auch Dosis- oder Einnahmedauerabhängigkeit und Reversibilität dieser Veränderungen sind bislang nicht geklärt. Im Abschnitt „Medikamentöse Behandlung“ finden sich die Empfehlungen zur Vorgehensweise beim Einsatz von Dopamin-Agonisten. Untersuchungen der Lebensqualität haben gezeigt, dass Schlafstörungen, Schmerzen und Depressionen wichtige Faktoren sind. Nach vorläufigen Studien spielen Dyskinesien für die Lebensqualität von Parkinson-Patienten in den ersten 4 Krankheitsjahren keine Rolle. Ob sich dies für spätere Krankheitsstadien ändert, bleibt offen. Die tiefe Hirnstimulation ist fester Bestandteil der Therapie und zählt zu einer der potentesten Behandlungsmethoden der Parkinson-Krankheit im fortgeschrittenen Stadium. Erste Studien über 5 Jahre zeigen eine anhaltende Wirkung auf motorische Symptome im Beobachtungszeitraum für die Stimulation des Nucleus subthalamicus. Die bereits in einigen offenen Studien nachgewiesene Wirksamkeit des Cholinesterasehemmers Rivastigmin auf kognitive Funktionen bei Parkinson-Patienten konnte in einer 24-wöchigen randomisierten, doppelblinden und placebokontrollierten Multizenterstudie belegt werden. Im Verlauf des Jahres 2005 wird der MAO-B-Hemmer Rasagilin auf dem deutschen Markt eingeführt. Vorliegende Daten zeigen einen milden symptomatischen Effekt. Mit der Kombinationstherapie von Levodopa + Carbidopa + Entacapon in einer Tablette steht ein für die Tabletteneinnahme vereinfachtes Therapieregime bei fluktuierenden Parkinson-Patienten zur Verfügung. Tolcapone ist 2005 unter Einschränkungen für die Behandlung des fortgeschrittenen Stadiums der Parkinson-Krankheit wieder zugelassen. Die wichtigsten Empfehlungen auf einen Blick
EinführungDas idiopathische Parkinson-Syndrom ist mit einer Prävalenz von 100–200/100000 Einwohnern in Deutschland eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. Bei den über 65-Jährigen liegt die Prävalenz bei 1800/100000. Mit der Veränderung der Altersstruktur der Bevölkerung ist in Zukunft mit einer weiter steigenden Zahl von Patienten zu rechnen. Die immer vielfältiger werdenden Möglichkeiten der Diagnostik und Therapie des Parkinson-Syndroms erfordern einen zuverlässigen, an den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen orientierten Standard für die Versorgung der Patienten. Zudem sind in den letzten Jahren Therapiestrategien entwickelt worden, die das Auftreten von Spätkomplikationen, die einen großen Teil der Krankheitskosten und der Morbidität verursachen, zumindest zum Teil zeitlich aufschieben können. Insofern bedarf es auch aus „präventiven“ Gesichtspunkten einer rationalen, evidenzbasierten Behandlungsrichtlinie. Ziele und AnwendungsbereichDie vorliegende Leitlinie ist eine nationale Leitlinie. Sie soll eine Entscheidungshilfe für die Betreuung, Diagnostik und Therapie von Parkinson-Patienten im ambulanten und stationären nervenärztlichen/neurologischen Bereich geben. Diese Leitlinie richtet sich vorwiegend an Neurologen und Nervenärzte, da Diagnostik und Therapie von Parkinson-Syndromen fachspezifisch sind. Diese Leitlinie wird mit der Selbsthilfeorganisation von Patienten und Angehörigen abgestimmt. Sie wird als Grundlage für ärztliche Fortbildungsmaßnahmen und Patienteninformationen dienen. Eine Differenzierung zwischen „label“- und „off label“-Gebrauch von Medikamenten wird nicht vorgenommen. Im Zentrum der Parkinson-Syndrome steht das Idiopathische Parkinson-Syndrom (IPS) oder der „Morbus Parkinson“. Daher konzentriert sich die vorliegende Version im Wesentlichen auf dieses Krankheitsbild. Andere Parkinson-Syndrome (PS) werden insoweit berücksichtigt, als dies für die Differenzialdiagnose zum IPS notwendig ist. Anmerkungen zu diesen Krankheitsbildern finden sich im Anhang. Die Leitlinien behandeln nicht die diagnostischen und therapeutischen Aspekte der Betreuung von multimorbiden Parkinson-Patienten, z. B. von Patienten mit einer Komorbidität wie z. B. einer zerebrovaskulären Erkrankung und eines IPS. Verantwortlichkeit Das Kompetenznetz Parkinson (KNP) wurde von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) als der zuständigen Fachgesellschaft innerhalb der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) mit der Entwicklung der Leitlinien für die Parkinson-Syndrome beauftragt. Das KNP ist ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördertes Projekt, dessen Ziel es ist, wissenschaftliche und klinische Forschung sowie die klinische Praxis auf allen Versorgungsebenen bundesweit zu vernetzen. Die Leitlinienerstellung ist eine explizite Forderung des Drittmittelgebers an das KNP. Die Deutsche Parkinson-Gesellschaft (DPG) wurde an der Konsensusbildung beteiligt. Ebenso wurden die Leitlinien der Patientenselbsthilfegruppe Deutsche Parkinson-Vereinigung e.V. (dPV) vorgelegt. Der Bund Deutscher Neurologen (BDN) und der Bundesverband Deutscher Nervenärzte (BVDN) wurde an der Konsensus-Bildung beteiligt. Die Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie ist im chirurgischen Abschnitt beteiligt worden. DefinitionDiese Klassifikation trennt zwischen dem Parkinson-Syndrom als syndromatischem Oberbegriff und den verschiedenen Ätiologien (idiopathisches, nichtidiopathisches Parkinson-Syndrom). Parkinson-Syndrome (PS) sind definiert durch das Vorliegen einer Akinese und eines der folgenden, in unterschiedlicher Gewichtung auftretenden Kardinalsymptomen:
Fakultative Begleitsymptome sind:
KlassifikationParkinson-Syndrome werden in 4 Gruppen klassifiziert:
DiagnostikDiagnostische Kriterien Die klinische Diagnose eines IPS erfolgt in 4 Schritten:
1. Schritt: Diagnose eines Parkinson-Syndroms Akinese (Verlangsamung bei der Initiierung und Durchführung willkürlicher Bewegungen, progressive Verlangsamung und Abnahme der Amplitude bei repetitiven Bewegungen) und mindestens eines der folgenden Symptome:
2. Schritt: Anamnestische Kriterien, die auf ein symptomatisches PS oder häufige DD hinweisen können:
3. Schritt: Warnsymptome, die auf ein atypisches PS hinweisen können:
4. Schritt: Unterstützende Kriterien für ein idiopathisches Parkinson-Syndrom Wenn mindestens drei der folgenden Symptome gegeben sind, spricht dies für ein sicheres idiopathisches Parkinson-Syndrom:
Klinische und apparative Untersuchungen Basisdiagnostik Komplette klinisch-neurologische Untersuchung Die Diagnose der Parkinson-Krankheit wird klinisch gestellt. Zusatzuntersuchungen helfen beim Ausschluss von nichtidiopathischen Parkinson-Syndromen. Zu den notwendigen klinischen Untersuchungen gehören: Komplette neurologische Untersuchung mit besonderer Aufmerksamkeit auf:
Staging
Zerebrale strukturelle Bildgebung Eine Reihe von Differenzialdiagnosen können ohne Bildgebung nicht ausgeschlossen werden. Dennoch besteht kein Konsens, ob auch bei klassischem klinischen Bild eines PS ohne offensichtliche Zusatzsymptome eine Bildgebung erforderlich ist. Die überwiegende Mehrheit der in der Konsensusbildung beteiligten Personen empfiehlt mindestens einmal eine Bildgebung im Rahmen der Diagnostik. Mit der Computertomographie (CT) des Gehirns können folgende Differenzialdiagnosen ausgeschlossen bzw. unwahrscheinlich gemacht werden:
Für die Bestätigung einiger nichtidiopathischer Parkinson-Syndrome gibt es fakultative Befunde in der Kernspintomographie, die daher bei begründetem Verdacht den Einsatz der Methode rechtfertigen. Zeichen für eine MSA (MRT):
Zeichen für eine PSP (MRT):
Zeichen für eine kortikobasale Degeneration:
Bei Hinweisen auf Komplikationen (z. B. kognitive Störungen) oder besondere Risikofaktoren (Gefäßerkrankungen) erweiterte Diagnostik mit
Verlaufsuntersuchungen Klinisch-neurologische Untersuchung
Staging
Spezielle diagnostische Methoden, die bei Erkrankungsbeginn vor dem 50. Lebensjahr notwendig werden können. Bestimmung von Kupfer und Coeruloplasmin im Serum und Bestimmung der Ausscheidung von Kupfer im 24-Stunden-Sammelurin (Ausschluss von Morbus Wilson). L-Dopa-Test Das Ansprechen auf L-Dopa gehört zu den bestätigenden diagnostischen Kriterien für ein idiopathisches Parkinson-Syndrom. Dies kann durch optimale Einstellung auf L-Dopa innerhalb weniger Tage oder durch den L-Dopa-Test geprüft werden. Der L-Dopa-Test (oder der seltener durchgeführte Apomorphin-Test) werden als spezielle neurologische Funktionstests bei Parkinson-Patienten eingesetzt, um festzustellen, ob ein Symptom L-Dopa-sensitiv ist und daher auf die nigrostriatale Funktionsstörung zurückgeht. Er kann zur Frühdiagnose und in jedem Stadium der Erkrankung indiziert sein, wenn unklare oder atypische Symptome auftreten. Durchführung des L-Dopa-Tests (oder des Apomorphin-Tests):
Bewertung des L-Dopa-Tests oder des Apomorphin-Tests: Als Messparameter wird Teil III der „Unified Parkinson's Disease Rating Scale“ (UPDRS) vor und ½ Std. nach Medikamenteneinnahme (am besten zum Zeitpunkt des besten „ON“ (nach Meinung von Patient und Arzt) herangezogen. Hinweise zur Interpretation:
Funktionelle bildgebende Verfahren: SPECT Der Einsatz der prä- (FP-CIT-) und postsynaptischen (IBZM-) SPECT-Techniken kann eine ätiologische Zuordnung eines PS im Frühstadium erleichtern. Während das FP-CIT-SPECT den Zustand der präsynaptischen nigrostriatalen Dichte der Dopamintransporter im Striatum nachweist, dient das IBZM-SPECT der Darstellung der Dichte von postsynaptischen Dopamin-2-Rezeptoren auf den striatalen Neuronen. Diese Techniken können bei besonderen diagnostischen Problemen und/oder nach Durchführung eines L-Dopa-Tests indiziert sein und sollten von Neurologen veranlasst werden, die in der Diagnostik von Bewegungserkrankungen erfahren sind. Mögliche Einsatzgebiete für ein FP-CIT-SPECT sind 1. die Differenzialdiagnose eines atypischen isolierten Tremors, 2. das Vorliegen sehr diskreter Parkinson-Symptome, die die eindeutige klinische Diagnose eines PS noch nicht erlauben, 3. ein neurologischer Normalbefund unter ausreichend angesehener Parkinson-Pharmakotherapie und der glaubhaften Aussage des Patienten, die Medikamente „wirken überhaupt nicht“ – die alternative Maßnahme ist das Absetzen der Medikation, 4. das Vorliegen eines Mischbildes eines Parkinson-Syndroms, eines Normaldruckhydrozephalus und/oder einer subkortikalen vaskulären Enzephalopathie. Autonome Testung Bei Verdacht auf MSA oder klinischen Symptomen, die für eine autonome Störung sprechen, ist die Durchführung spezieller Tests indiziert.
Fakultative Zusatzdiagnostik Eine Reihe fakultativer Tests sind bei besonderen differenzialdiagnostischen Fragestellungen indiziert:
TherapieTherapieziele Die Therapie der Parkinson-Krankheit sollte rechtzeitig, altersgerecht und effizient beginnen. Je nach Alter, Erkrankungsdauer, sozialer Situation können folgende Therapieziele relevant werden: Therapie von motorischen, autonomen, kognitiven und kommunikativen sowie psychiatrischen Symptomen der Erkrankung (Impairment),
Medikamentöse Behandlung Für die medikamentöse Behandlung des IPS stehen zahlreiche Medikamente zur Verfügung. L-Dopa L-Dopa (immer in fester Kombination mit einem Decarboxylase-Inhibitor) ist das wirksamste Medikament für die Behandlung des IPS. Diese Aussage ist durch jahrelange klinische Erfahrung und durch mehrere Vergleichsstudien zwischen L-Dopa und Dopamin-Agonisten belegt ( L-Dopa ist als Monotherapie auch anderen Parkinson-Medikamenten (Amantadin, Anticholinergika, Dopamin-Agonisten) in seiner symptomatischen Wirkung überlegen ( Dopamin-Agonisten Derzeit stehen in Deutschland 8 Dopamin-Agonisten (5 Ergot- und 3 Non-ergot-Derivate) für die Behandlung des IPS zur Verfügung (Tabelle 1). Die Wirksamkeit in der symptomatischen Monotherapie ist in methodisch ausreichenden placebokontrollierten Studien zumindest für die neueren Präparate gezeigt ( Für eine Verlangsamung des Krankheitsverlaufs durch eine Agonistentherapie gibt es zwar erste mögliche Hinweise, aber keine ausreichenden Belege ( Nebenwirkungen wie Übelkeit, orthostatische Dysregulation und Psychose sind allen Dopamin-Agonisten gemeinsam. Beinödeme können bei Ergot- wie bei Non-Ex-Derivaten limitierend sein. Ein Wechsel zu einem Präparat aus der jeweils anderen Gruppe kann sinnvoll sein. In der Therapie mit Dopamin-Agonisten ergeben sich prinzipiell zwei sicherheitsrelevante Aspekte:
Vermehrte Tagesmüdigkeit Schlafstörungen können einen Teil der Symptomatik bei der Parkinson-Krankheit darstellen. Medikamenten-Krankheits-Interaktionen mit Dopamin-Agonisten können zu diesen Schlafstörungen beitragen. Alle Dopamin-Agonisten sind mit unterschiedlichem Grad mit Tagesmüdigkeit in Zusammenhang gebracht worden. Bei einigen Patienten ist dieses Phänomen sehr ausgeprägt. Eine Kombination von Dopamin-Agonisten mit anderen Anti-Parkinson-Medikamenten kann diese Nebenwirkung verschlechtern. Daher müssen Patienten vor Einleitung einer und unter Dopamin-Agonisten-Therapie besonders auf das Auftreten von vermehrter Tagesmüdigkeit und rasch auftretenden Einschlafphasen hingewiesen werden. Dies gilt insbesondere, sofern sie ein Kraftfahrzeug führen. Nach derzeitiger Datenlage und unter Berücksichtigung der Verbreitung der einzelnen Dopamin-Agonisten in den einzelnen Märkten und der Möglichkeit der Unter- bzw. Überanzeige dieser Nebenwirkungen besteht derzeit der Eindruck, dass die Nebenwirkungsreaktionen häufiger mit den Medikamenten Ropinirol, Pramipexol und möglicherweise auch Cabergolin beobachtet werden. Im Prinzip gilt aber, dass vermehrte Tagesmüdigkeit und rasch auftretende Einschlafphasen bei den meisten Dopamin-Agonisten und anderen Dopamimetika (z. B. L-Dopa) beschrieben werden. Die Aufklärung erfolgt nicht nur bei Therapiebeginn, sondern auch bei Dosiserhöhung, da Berichte über eine dosisabhängige Tagesmüdigkeit vorliegen. Während die Tagesmüdigkeit primär ein Verträglichkeitsproblem darstellt, ergibt sich hieraus beim Führen eines Kraftfahrzeugs und den berichteten Autounfällen ein Sicherheitsproblem. Patienten, die über Somnolenz und/oder plötzliches Einschlafen berichten, müssen angewiesen werden, kein Kraftfahrzeug zu führen. Diese Maßnahmen gelten, bis die wiederkehrenden Schlafereignisse nicht mehr vorkommen. Bei Auftreten von Tagesmüdigkeit kann ein Wechsel zu einem Präparat aus der jeweils anderen Gruppe erwogen werden. Fibrosen Raynaud-Phänomene, pleuropulmonale und retroperitoneale Fibrosen sind bekannte, wenn auch seltene Komplikationen einer Langzeittherapie mit Ergot-Derivaten einschließlich Ergot-Dopamin-Agonisten. Berichte über das Auftreten von Herzklappenfibrosen bei Parkinson-Patienten unter Pergolid-Therapie lösten eine intensive Diskussion über die Sicherheit einer Behandlung mit Dopamin-Agonisten aus. Weitere Einzelfallberichte über ähnliche Herzklappenveränderungen unter der Therapie mit Bromocriptin und Cabergolin lassen an einen Effekt der Substanzklasse der Ergot-Dopamin-Agonisten denken. Unklar bleibt jedoch, ob das Auftreten fibrotischer Reaktionen, insbesondere der Herzklappenfibrosen, eine pergolidspezifische Komplikation, einen Ergot-Agonisten-Effekt oder eine für alle Dopamin-Agonisten gemeinsame Komplikation darstellt. Sowohl Inzidenz, Prävalenz, Pathogenese als auch Dosis- oder Einnahmedauerabhängigkeit und Reversibilität dieser Veränderungen sind bislang nicht geklärt. Die bisher vorliegenden Daten zum Auftreten von Fibrosen in Form einer Herzklappenfibrose, pleuropulmonalen oder retroperitonealen Fibrose bei Parkinson-Patienten unter Ergot-Dopamin-Agonisten-Therapie sind sehr begrenzt. Wissenschaftliche Empfehlungen sind nicht möglich. Aus klinischer Erfahrung und Sicherheitsüberlegungen schlagen wir in Übereinstimmung mit der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie folgende Vorgehensweise vor (Diese Empfehlungen gelten maximal 2 Jahre. Bei neuer Datenlage werden wir informieren):
COMT-Inhibitoren In Deutschland sind derzeit die COMT-Inhibitor Entacapon und Tolcapon erhältlich. Die Wirksamkeit dieser Medikamente in der Behandlung von Fluktuationen ist durch Studien belegt ( Seit Ende 2003 ist die feste Kombination von L-Dopa, Carbidopa und Entacapon auf dem deutschen Markt erhältlich. Die Kombination besteht aus L-Dopa und Carbidopa in einem festen Verhältnis von 1:4 (50 mg L-Dopa + 12,5 mg Carbidopa/100 mg L-Dopa + 25 mg Carbidopa/150 mg L-Dopa + 37,5 mg Carbidopa) sowie jeweils 200 mg Entacapon (die maximal zulässige Entacapon-Menge ist 2000 mg/d). Diese feste Kombination vereinfacht die Medikamentengabe bei Parkinson-Patienten mit Wirkungsfluktuationen gemäß Indikation zur Entacapon-Therapie. Die Wiederzulassung von Tolcapone ist nach erfolgter Evaluierung unter Berücksichtigung von Effektivität und Sicherheit Anfang 2005 in Deutschland für das fortgeschrittene Stadium des IPS erfolgt. Tolcapone verlängert bei Patienten mit Wirkungsfluktuationen die ON-Zeiten um 10–30% bei entsprechender Verkürzung der OFF-Zeiten ( MAO-B-Hemmer MAO-B-Hemmer sind wirksam in der symptomatischen Therapie des IPS im frühen Stadium ( Im Verlauf des Jahres 2005 wird der MAO-B-Hemmer Rasagilin auf dem deutschen Markt wahrscheinlich eingeführt. Vorliegende Daten zeigen einen milden symptomatischen Effekt, so dass grundsätzlich die gleichen Empfehlungen wie für Selegilin zu geben sind ( Selegilin liegt neben der konventionellen Tablettenform auch als Schmelztablette vor. Unter Umgehung des First-Pass-Effekts wird Selegilin prägastral resorbiert, wodurch Schwankungen der Bioverfügbarkeit um das 25-fache und der Abbau zu Amphetamin-Metaboliten um ca. 90 % reduziert werden können. Auch Rasagilin wird nicht zu Amphetamin-Derivaten metabolisiert. Hierdurch könnten mögliche Nebenwirkungen (Blutdruck- und Pulssteigerung) wie unter der konventionellen Tablettenform von Selegilin vermieden werden. NMDA-Antagonisten Amantadin Die Wirksamkeit des NMDA-Antagonisten Amantadin in der symptomatischen Behandlung des IPS sowohl als Monotherapie als auch in der Kombination mit anderen Medikamenten ist durch Studien belegt ( Amantadin wird zu über 90% unverändert renal eliminiert. Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion kann es zur Akkumulation und zu vermehrten Nebenwirkungen kommen. Amantadin-HCl wird rascher resorbiert und erreicht höhere Spitzenkonzentrationen als Amantadinsulfat, das verzögert aufgenommen wird. Entsprechend unterscheiden sich die Dosierungsempfehlungen (siehe „Therapieeinleitung“). Siehe auch „Akinetische Krise“ – Akinetische Krise – Amantadin i.v. Gabe. Budipin Das neben anderen Effekten auf monoaminerge Systeme ebenfalls NMDA-antagonistisch wirkende Budipin besitzt einen günstigen Effekt in der Behandlung des Tremors. Die Nebenwirkung der QT-Zeit-Verlängerung beinhaltet jedoch die Gefahr lebensgefährlicher Herzrhythmusstörungen und erfordert engmaschig dokumentierte kardiologische Kontrollen (siehe „Pharmakotherapie des Tremors“). Anticholinergika Die Anticholinergika sind die ältesten Parkinson-Medikamente. Daher liegen gut kontrollierte Studien nicht vor. Trotz fehlender Studien sind Anticholinergika insbesondere bei vorherrschendem Ruhetremor als klinisch nützlich einzustufen, wobei jedoch zentrale und periphere anticholinerge Nebenwirkungen die Anwendbarkeit beschränken. Der Ruhetremor kann in der Regel auch durch die unten dargestellte dopaminerge Standardtherapie ausreichend behandelt werden. Nur wenn dies nicht der Fall ist, sollten Anticholinergika unter Beachtung ihres besonderen Nebenwirkungsprofils eingesetzt werden (siehe „Pharmakotherapie des Tremors“). Operative BehandlungsverfahrenDie tiefe Hirnstimulation (tHS) hat die funktionelle neurochirurgische Behandlung von Bewegungsstörungen revolutioniert. Läsionelle Verfahren sind zwar schon lange bekannt. Sie können aber in der Regel nur einseitig und hauptsächlich gegen das Symptom Tremor eingesetzt werden. Operative Komplikationen und Nebenwirkungen, vor allem die Sprechstörung, sind häufiger als bei der tiefen Hirnstimulation und vor allem irreversibel. Seit Einführung der tiefen Hirnstimulation werden die läsionellen Verfahren nur noch für Sonderindikationen durchgeführt. Bei der tiefen Hirnstimulation werden Elektroden stereotaktisch implantiert, die mit einem unter dem Schlüsselbein implantierten Stimulator zur reversiblen und individuell anpassbaren elektrischen Stimulation verbunden werden. Alle vier motorischen Kernsymptome der Parkinson-Krankheit (IPS) können durch die tiefe Hirnstimulation (tHS) beeinflusst werden. Es handelt sich um eine potente Behandlungsmethode des fortgeschrittenen Stadiums der Parkinson-Krankheit. Das Ausmaß der Besserung der OFF-Symptome liegt bei etwa 50–70% und erreicht die Wirkungsstärke von L-Dopa. Der Hauptvorzug liegt darin, dass die Wirkung über 24 Stunden anhält. Die Wirkungsfluktuationen lassen unter der Behandlung nach oder verschwinden. Einzelsymptome wie ein Freezing oder eine Parkinson-Dysarthrie sprechen manchmal schlechter an. Das Verfahren ist für die Behandlung der Parkinson-Krankheit zugelassen. Erste 5-Jahres-Studien zeigen eine anhaltende Wirkung im Beobachtungszeitraum für die Stimulation des Nucleus subthalamicus. Wie häufig bei chirurgischen Behandlungsverfahren gibt es bisher keine doppelblinden Vergleichsstudien mit der konservativen Behandlung. Eine erste randomisierte Studie wird 2005 beendet sein. Stimulationsort ist meist der Nucleus subthalamicus. Der Stimulationsort Globus pallidus internus oder Nucleus ventralis intermedius des Thalamus wird nur bei besonderen Fällen empfohlen und ist durch die speziellen Zentren zu indizieren. Die Letalität oder bleibende schwere Morbidität der Operation liegt zentrumsspezifisch zwischen 0,5–3%. Perioperative reversible Komplikationen liegen unter 5%. Psychiatrische, in der Regel passagere Nebenwirkungen kommen vor, psychosoziale Anpassungsstörungen in der postoperativen Periode ebenfalls. Indikationen für die Behandlung mit der tHS sind gegeben vor allem bei Patienten mit idiopathischem Parkinson-Syndrom und
Die bislang geringen Erfahrungen bei Patienten mit nichtidiopathischen Parkinson-Syndromen (MSA, PSP etc.) sind negativ, weshalb diese Patientengruppen ausgeschlossen werden. Voraussetzungen für die Operation sind:
Die Stellung der OP-Indikation und die nachfolgende Beratung des Patienten und des unmittelbar betreuenden Neurologen ist eine verantwortungsvolle interdisziplinäre neurologisch-neurochirurgische Aufgabe, die stationär erfolgen muss und spezieller Erfahrung bedarf. Mit (ggf. mehrfachen) L-Dopa-Tests kann festgestellt werden, ob die für den individuellen Patienten störendsten Symptome L-Dopa-sensitiv sind. Nur die Symptome werden gebessert, die auch auf L-Dopa ansprechen. Das perioperativ betreuende Team aus Neurologen und Neurochirurgen muss den Patienten und seine wichtigsten Symptome genau kennen, um über die beste Elektrodenplatzierung entscheiden und die Ersteinstellung vornehmen zu können. Nichtmedikamentöse TherapieDie Empfehlungen zum Einsatz nichtmedikamentöser Therapiemaßnahmen sind durch Studienergebnisse nur schlecht belegt. Sie gründen sich überwiegend auf empirische Erfahrungswerte und auf einzelne, meist nicht kontrollierte Studien. Diätetische Maßnahmen L-Dopa konkurriert bei der Aufnahme ins Blut und ins ZNS mit neutralen Aminosäuren um aktive Transportmechanismen in der Darmwand und der Blut-Hirn-Schranke. Proteinreiche Nahrung kann zu verminderten Plasmaspiegeln von L-Dopa und einer verminderten zerebralen Verfügbarkeit führen. L-Dopa sollte daher immer zeitlich versetzt von der Mahlzeit (d.h. ½-1 h davor oder 1½-2 h danach) eingenommen werden. Gegebenenfalls ist eine proteinarme Diät indiziert. Ergänzend kann bei gestörter Motilität versucht werden, eine Verbesserung der Resorption über eine Steigerung der gastrointestinalen Motilität mit Domperidon zu erreichen. Krankengymnastik Krankengymnastik ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung des Parkinson-Syndroms. Offene Studien weisen darauf hin, dass ein früher Beginn krankengymnastischer Übungsbehandlungen die Dosierungen der benötigten medikamentösen Therapie reduzieren kann. Physikalische Therapie fördert die Beweglichkeit und beugt bei Patienten mit fortgeschrittenem Stadium Gelenkkontrakturen vor. Die Therapie soll weiterhin dazu dienen, krankheitsspezifische Störungen der Bewegungsinitiierung und -ausführung sowie der Haltungsreflexe zu kompensieren. Laufbandtraining mit partieller Gewichtsabnahme unter einer Ganggeschwindigkeit zwischen 0,5 und 3 km/h fördert Flüssigkeit und Schrittlänge des Gangbildes. Die Patienten können durch die Nutzung externer rhythmischer, akustischer Stimuli (lautes Zählen, Metronom) oder optischer Stimuli (aufgeklebte Leuchtstreifen) lernen, in freezing-Perioden das Gehen zu initiieren. Repetitives Training korrektiver Stützreaktionen mittels Posturographie sowie protektiver Reaktionen (z. B. Ausfallschritt) kann einen positiven Effekt auf die posturale Stabilität erzielen. Weiterhin kann eine Gruppentherapie den Ausgleich für reduzierte soziale Kontakte fördern. Logopädie Die Logopädie stellt eine Therapiemaßnahme zur Verbesserung der Sprechstörung bei Parkinson-Syndromen dar. Zu den charakteristischen Sprechstörungen zählen: ungenaue Artikulation, reduzierte und fehlende Modulation der Lautstärke sowie gestörte Sprechgeschwindigkeit. Ziel der Logopädie ist, die Muskeln für das Stimmvolumen, die Atemtechnik und die Artikulation zu trainieren. Bewusstes Wiedererlernen von Zeitabläufen während der Sprachproduktion und die besondere Beachtung der Artikulationsschärfe sind in diesen Therapien enthalten. Logopädie fördert daher die verbale Kommunikation der Patienten, welche Voraussetzung für die Erhaltung der sozialen Kontakte ist. Das „Lee Silverman Voice Treatment“ stellt ein auf die Stimme fokussiertes, intensives Trainingsprogramm dar. Das Sprechen wird nach einer Übungshierarchie bis hin zur Ebene freier Konversation trainiert. Eine Verbesserung der Verständlichkeit wird allein über Erhöhen der Sprechlautstärke („think loud/shout“) erzielt. Die jeweiligen Therapieinhalte werden schrittweise in die alltäglichen Sprechsituationen des Patienten übertragen. Praktische TherapieIndikation zur medikamentösen Therapie Eine symptomatische dopaminerge Therapie sollte dann eingeleitet werden, wenn sich aus der motorischen Symptomatik Folgendes ergibt:
Es gibt keine zuverlässigen Daten, die beweisen, dass ein späterer Behandlungsbeginn die Entwicklung von Behandlungskomplikationen hinauszögert. Die Expertengruppe empfiehlt daher die frühe Therapieeinleitung. Wenn die grundsätzliche Entscheidung zur Therapieeinleitung getroffen ist, so muss die Wahl der Therapiestrategie in jedem Fall individuell unter Berücksichtigung von Alter und Komorbidität getroffen werden. Für eine initiale Behandlung mit Dopamin-Agonisten bei jüngeren Patienten spricht die verminderte Häufigkeit und Schwere von motorischen Spätkomplikationen im Verlauf im Vergleich zu einer L-Dopa-Therapie. Andererseits besitzen Agonisten jedoch ein ungünstigeres Nebenwirkungsprofil als L-Dopa, insbesondere bei älteren und multimorbiden Patienten und sind weniger wirksam als L-Dopa. Wichtige Faktoren für die Lebensqualität sind Schlafstörungen, Schmerzen und Depressionen. Nach vorläufigen Studien spielen allerdings Dyskinesien für die Lebensqualität von Parkinson-Patienten in den ersten 4 Krankheitsjahren keine Rolle. Ob sich dies für spätere Krankheitsstadien ändert, bleibt offen. Initiale Therapie bei Patienten unter 70 Jahre* ohne wesentliche Komorbidität Therapieeinleitunga) Standardtherapie: Monotherapie mit einem Dopamin-Agonisten Die Monotherapie mit einem Dopamin-Agonisten ist die Therapie der ersten Wahl. Auf die Frage, welcher Dopamin-Agonist eingesetzt werden soll, kann keine verbindliche Antwort gegeben werden. Wirksamkeit und Verträglichkeit können interindividuell stark variieren. Praktische Gesichtspunkte, wie die Möglichkeit zur 1x täglichen Gabe bei jungen berufstätigen Patienten oder die Wahl eines Agonisten mit kürzerer Halbwertzeit mit dem Ziel der besseren Steuerbarkeit bei älteren Patienten können ausschlaggebend sein (vgl. Tabelle 1). Hinsichtlich Nebenwirkungen und sicherheitsrelevanten Aspekten siehe „Dopamin-Agonisten“. Zu Dosierungsrichtlinien und Äquivalenzdosen siehe Tabelle 2 und Tabelle 3. Im Einzelfall kann nach Abwägung von Wirksamkeit und potenziellen Nebenwirkungen und unter Berücksichtigung von Begleiterkrankungen die vom Hersteller vorgesehene Maximaldosis von Dopamin-Agonisten, insbesondere bei jüngeren Patienten, überschritten werden. Die angegebenen Äquivalenzdosen beruhen auf klinischer Erfahrung und sind als grober Anhaltspunkt zu verstehen; sie können im Einzelfall erheblich von den angegebenen Dosen abweichen. Außerdem ist zu beachten, dass die Dosis-Wirkung-Beziehung nicht über den gesamten Dosierungsbereich linear ist. b) Alternativtherapie, wenn ein besonders schneller Therapieeffekt benötigt wird Wird ein besonders rascher Therapieeffekt benötigt, (z. B. bei Gefahr des Arbeitsplatzverlustes), so kann die Behandlung im Einzelfall auch mit L-Dopa begonnen werden (Durchführung siehe „Initiale Therapie bei Patienten über 70 Jahre“, S. 58). Nach maximal 4–6 Wochen Beginn einer zusätzlichen Dopamin-Agonisten-Therapie und Reduktion der L-Dopa auf minimal benötigte Dosierung. c) Alternativtherapie bei milder Symptomatik Bei geringgradig ausgeprägten Symptomen kann der Beginn einer dopamimetischen Therapie häufig hinausgezögert werden durch:
Bei mangelnder Wirksamkeit einer dopaminergen Therapie sollte immer die Diagnose nochmals überprüft und ein atypisches Parkinson-Syndrom (meist MSA oder PSP) nach Möglichkeit ausgeschlossen werden. Erhaltungstherapiea) Dopamin-Agonisten-Monotherapie: Eine Monotherapie mit Dopamin-Agonisten kann im günstigen Fall in einer Minderheit über Jahre zufriedenstellend sein. Ausreichende Dosierungen (siehe Tabelle 2) müssen erzielt werden. b) Kombinationstherapie: Bei unzureichender Wirkung einer Monotherapie mit Dopamin-Agonisten oder Unverträglichkeit, bevor eine ausreichende Dosis erreicht wurde, wird zur weitergeführten Agonistentherapie eine Kombinationstherapie mit L-Dopa eingeleitet (Eindosierung siehe „Initiale Therapie bei Patienten über 70 Jahre“, S. 58). Ziel ist die ausreichende symptomatische Behandlung bei niedriger, aber wirksamer L-Dopa-Dosis. Ob und in welchem Umfang zu dieser dopaminergen Basis-Kombinationstherapie im Stadium einer stabilen Therapieantwort ohne Fluktuationen weitere Medikamente zur Behandlung der motorischen Parkinson-Symptomatik hinzugefügt werden sollen, muss im Einzelfall entschieden werden. Eine Polypharmakotherapie sollte nach Möglichkeit vermieden werden. Initiale Therapie bei Patienten über 70 Jahre* oder multimorbiden Patienten jeder Altersgruppe Therapieeinleitung a) Standardtherapie: L-Dopa-Monotherapie Beginn: 50 mg L-Dopa morgens Steigerung: 50 mg alle 3 Tage Gesamtdosis: 3–4 x 100–200 mg Die Dosis sollte üblicherweise 600 mg nicht überschreiten. b) Alternativtherapie bei milder Symptomatik Bei geringgradig ausgeprägten Symptomen kann der Beginn einer dopamimetischen Therapie manchmal hinausgezögert werden durch die nachfolgenden Medikamente:
Besonders bei multimorbiden Patienten ist das nicht unerhebliche Nebenwirkungspotenzial beider Medikamente zu beachten.
Hinweis: Bei mangelnder Wirksamkeit einer dopaminergen Therapie sollte immer die Diagnose nochmals überprüft und ein atypisches Parkinson-Syndrom (meist MSA oder PSP) nach Möglichkeit ausgeschlossen werden. ErhaltungstherapieBei älteren und multimorbiden Patienten sollte eine Monotherapie mit L-Dopa fortgesetzt werden, solange keine Wirkungsfluktuationen oder andere Therapiekomplikationen auftreten (s. u.). Hinweis: In allen Therapiesituationen obsolet sind: L-Dopa ohne Decarboxylase-Hemmer, COMT-Hemmer als Monotherapie, Anticholinergika bei alten oder kognitiv eingeschränkten Patienten.
Therapie bei Auftreten von Wirkungsfluktuationen Hypokinetische Wirkungsfluktuationen a) Definition der hypokinetischen Wirkungsfluktuationen Wearing off/End-of-dose-Akinese: Die häufigste und im Verlauf am frühesten auftretende Form der Wirkungsschwankungen ist ein Nachlassen der Medikamentenwirkung ca. 4–6 Stunden nach Einnahme (“wearing-off/end-of-dose-Effekt”). Dieses Phänomen manifestiert sich am häufigsten als:
Im weiteren Krankheitsverlauf können andere Formen der Fluktuation der Beweglichkeit auftreten: “on-off”: Darunter versteht man einen sehr raschen Wirkungsverlust (mit oder ohne zeitlichen Bezug zur Medikamenteneinnahme), der akzentuiert werden kann durch Resorptionsprobleme bei Nahrungsaufnahme. Die Beweglichkeit kann ähnlich schnell wieder eintreten. Freezing: Plötzliche Blockade des Gehens (häufig beim Passieren von Engstellen) oder Unfähigkeit der Ganginitiierung. b) Therapie der hypokinetischen Wirkungsfluktuationen Wearing-off/End-of-dose-Akinese Folgende Maßnahmen sind einzeln oder in Kombination möglich:
Cave: Variable Resorption am Tage (Mahlzeiten), daher schlechte Steuerbarkeit!
Paroxysmale “On-off”-Fluktuationen Zusätzlich zu o.g. Maßnahmen:
Freezing
Hyperkinetische Fluktuationen (dopaminerg induzierte Dyskinesien) a) Definition der hyperkinetischen Wirkungsfluktuationen On-Dyskinesien treten bei relativ guter Beweglichkeit auf. Meist choreatische, nicht schmerzhafte Dyskinesien:
Off-Dyskinesien: Treten bei niedriger dopaminerger Stimulation im Off auf. Meist schmerzhafte Dystonien.
Biphasische Dyskinesien: Treten zu Beginn und/oder am Ende der On-Phase in Zeiten intermediärer Beweglichkeit und wechselnder dopaminerger Stimulation auf. Oft dystone, seltener ballistische Dyskinesien oder repetitive Bewegungen der Beine oder Arme, die als sehr unangenehm empfunden werden. b) Therapie der hyperkinetischen Wirkungsfluktuationen Choreatische „Peak-dose“- und „Plateau“-Dyskinesien Manche Patienten ziehen es vor, längere Zeit im “on” zu verbringen, damit aber gleichzeitig vermehrt dyskinetisch zu sein. Diese Form der Dyskinesien spricht meist auf eine Reduktion der dopaminergen Stimulation an, was aber wegen verstärkter Akinese oft nicht toleriert wird. Wenn darüber hinaus eine Therapie der Dyskinesien erforderlich ist:
Cave: Initial kann es zunächst zu einer Verstärkung der Dyskinesien kommen. Erst bei (mittleren bis) hohen Dopamin-Agonisten-Dosen stellt sich im Verlauf eine Abnahme der Dyskinesien ein.
Off-Dystonien Ziel ist es, die dopaminerge Stimulation zu steigern:
Gegebenenfalls erwägen:
Biphasische Dyskinesien Die dopaminerge Stimulation sollte hier relativ hoch und vor allem gleichmäßig sein, was oft durch dann hinzutretende On-Dyskinesien begrenzt wird.
Spezielle Behandlungsprobleme Pharmakotherapie des Tremors Zunächst Basistherapie, wie oben beschrieben, bis die Symptome Akinese und Rigor ausreichend gebessert sind. Wenn dann noch ein therapiebedürftiger Tremor besteht, werden folgende Therapiemaßnahmen empfohlen: Ruhetremor Anticholinergika
Cave: Anticholinerge Nebenwirkungen, besonders kognitive Störungen bei älteren Patienten.
NMDA-Antagonist
Cave: Wegen möglicher QT-Zeit-Verlängerung mit der Folge von lebensbedrohlichen ventrikulären Herzrhythmusstörungen sind eine kardiologische Mitbehandlung und eine regelmäßige Kontrolle des EKG erforderlich. Budipin ist nur über kontrollierte Verschreibung verfügbar und wird deswegen als Reservemedikament angesehen.
Falls Emotion oder psychologische Belastung den Ruhetremor deutlich verstärken, zusätzliche Gabe von
Bei weiterer Therapieresistenz
(Reservemedikament! Einzelheiten siehe S. 61, medikamentös induzierte, dopamimetische Psychose) Cave: Wegen möglicher reversibler Agranulozytose ist eine regelmäßige wöchentliche Kontrolle des Blutbildes notwendig.
Bei weiterer Therapieresistenz und schwerer Behinderung
Ruhe- und Haltetremor
Weitere Details der Tremorbehandlung werden in den Therapieleitlinien zum Tremor abgehandelt. Akinetische Krise Identifizierung des Auslösers:
Allgemeine Maßnahmen:
Durchbrechung der akinetischen Krise
Dosis: 1–2 x 200 mg (über je 3 Stunden) Maximal: 3 x 200 mg/d
Zusätzliche Option unter intensivmedizinischen Bedingungen:
Einmalige Bolusinjektion 2–10 mg Wirkungseintritt: 10–15 min Wirkungsdauer: 30–60 min Weiterführung mit s. c. Dauerinfusion Initiale Dosierung: 1–2 mg/h; ggf. 8–12 h Pause in der Nacht Steigerung: 0,5–1 mg/h alle 12 h Maximale Raten: 10 mg/h (=160–240mg/d) Gleichzeitige Gabe von Domperidon: nicht notwendig wenn dopaminerge Langzeittherapie. Medikamentös induzierte Psychose Eine exogene, medikamenteninduzierte Psychose kann grundsätzlich durch alle Parkinson-Medikamente verursacht werden. Etwa 10-30 % aller Patienten mit einem Parkinson-Syndrom entwickeln visuelle Verkennungen bis Halluzinationen oder seltener auftretende paranoide Störungen während der Langzeittherapie. Psychotische Symptome kommen bei Patienten mit nichtidiopathischem Parkinson-Syndrom häufiger vor als bei Patienten mit IPS. Verwirrtheitszustände mit Desorientiertheit sind vornehmlich bei Vorliegen einer Demenz oder unter Therapie mit Anticholinergika zu beobachten. Psychotische Symptome treten in der Regel in der unten genannten zeitlichen Abfolge auf. Schweregrade medikamentös induzierter psychotischer Erscheinungen:
Bereits beim Auftreten lebhafter Träume muss an eine beginnende medikamentös induzierte Psychose gedacht werden und kurzfristig eine sorgfältige Verlaufsbeobachtung erfolgen. Das Auftreten von illusionären Verkennungen/Pseudohalluzinationen erfordert die sofortige Einleitung folgender differenzierter Therapiemaßnahmen. Allgemeine Maßnahmen:
Spezifische Maßnahmen: In jedem Fall muss eine individuelle Risikoabschätzung des therapeutischen Potenzials der Parkinson-Medikation gegenüber dem Psychoserisiko erfolgen. In der Regel ist eine partielle Verschlechterung der Motorik eher zu tolerieren als eine manifest psychotische Symptomatik. Reduktion von Anti-Parkinson-Medikamenten Tritt eine Psychose erstmals im Rahmen einer Medikationsänderung auf, sollte zunächst die letzte Änderung der Medikation zurückgenommen werden. Tritt die Psychose ohne vorherige Medikationsänderung auf, sollte eine Änderung der Medikation in der folgenden Reihenfolge durchgeführt werden:
Cave Warnung: Die abrupte Beendigung der o.g. Medikationen (besonders Anticholinergika, Amantadin oder trizyklische Antidepressiva mit einer anticholinergen Komponente) können in Einzelfällen zu einem Entzugssyndrom und zur Verschlechterung der Verwirrtheit führen. Bei plötzlichem Absetzen der Dopaminergika kann es zu einer starken Verschlechterung der Motorik kommen.
Therapie mit antipsychotischen Medikamenten Antipsychotische Medikamente werden immer dann eingesetzt, wenn die Psychose durch Absetzen/Reduktion der Parkinson-Medikamente nicht hinreichend gebessert werden kann oder wenn es zu einer nicht tolerablen Verschlechterung der Motorik kommt. Zum Einsatz kommen bevorzugt atypische Neuroleptika. Mehrheitlich wird derzeit Clozapin als Mittel der ersten Wahl zur Therapie medikamentös induzierter Psychosen bei Parkinson-Patienten empfohlen. Die gute Wirksamkeit von Clozapin ist durch mehrere Studien belegt, gleichzeitig kommt es nur in Ausnahmefällen zu einer Verschlechterung der Motorik. Die Tagesdosen liegen mit 12,5–100 mg/Tag für die Behandlung medikamentös induzierter Psychosen deutlich niedriger als die Dosen für die Behandlung der Schizophrenie. Clozapin ist wegen des Agranulozytoserisikos nur zur kontrollierten Verschreibung zugelassen. Wegen der Restriktionen beim Einsatz von Clozapin, insbesondere wegen des Agranulozytoserisikos wird in jüngerer Zeit aus pragmatischen Gründen z.T. Quetiapin als Alternative eingesetzt. Zur Wirksamkeit und Verträglichkeit von Quetiapin bei medikamentös induzierten Psychosen existieren derzeit nur Daten aus Pilotstudien. Diese Studienergebnisse und die bislang vorliegenden klinischen Erfahrungen sind allerdings vielversprechend. In einer 12-wöchigen open-label-Studie an 45 Parkinson-Patienten mit dopaminerg induzierter Psychose, die randomisiert Clozapin oder Quetiapin erhalten haben, zeigten sich keine Unterschiede in der Wirksamkeit. Die mittlere Dosis von Quetiapin war 91 mg, von Clozapin 26 mg. Die Verwendung von anderen sog. atypischen Antipsychotika wie Olanzapin, Risperidon, Sulpirid, Thioridazin oder auch Melperon und ähnlichen niederpotenten Neuroleptika wird nicht empfohlen, da diese Medikamente ausgeprägte akinetisch rigide Symptome, auch in niedrigen Dosen, hervorrufen können. Praktisches Vorgehen:
Kontraindiziert sind alle hochpotenten klassischen Neuroleptika, da diese bereits in geringen Dosen die akinetisch-rigiden Beschwerden erheblich verstärken können.
Depression Die Häufigkeit depressiver Symptome liegt bei 20–40% aller Patienten. Es besteht keine klare Korrelation zwischen dem Grad der motorischen Behinderung und der Ausprägung der depressiven Symptomatik. Die depressive Symptomatik kann somit auch nach Einleiten einer erfolgreichen dopamimetischen Therapie fortbestehen. Häufig wird deshalb eine zusätzliche antidepressive Therapie notwendig. Antidepressive Eigenschaften werden z.T. auch dopaminergen Substanzen, wie L-Dopa, Pramipexol oder Selegilin, zugeschrieben, ohne dass diese bislang in ausreichend kontrollierten Studien an Parkinson-Patienten belegt wurden. Zur Wirksamkeit von Antidepressiva liegen kontrollierte Studien kaum vor, so dass sich die Empfehlungen zum Einsatz von Antidepressiva überwiegend auf klinische Erfahrung gründen. Verwendet werden Antidepressiva aus den folgenden verschiedenen Substanzgruppen. Trizyklische Antidepressiva (
Cave Trizyklische Antidepressiva können wegen anticholinerger Nebenwirkungen mit Psychoserisiko schlecht verträglich sein.
SSRIs (
Anmerkung: SSRIs besitzen keine anticholinergen Nebenwirkungen. Cave: SSRIs dürfen nicht zusammen mit MAO-B-Hemmern gegeben werden.
MAO-A-Hemmer (
Cave Moclobemid (600 mg/d) darf nicht zusammen mit MAO-B-Hemmern gegeben werden.
Andere (
Cave Venlafaxin darf nicht zusammen mit MAO-B-Hemmern gegeben werden.
Kontraindiziert sind wie in der Psychosetherapie alle herkömmlichen Neuroleptika, da diese bereits in geringen Dosen die akinetisch-rigiden Beschwerden verstärken können. Auch Lithium kann zu einer derartigen Verschlechterung führen.
Demenz Circa 30–40% der Parkinson-Patienten entwickeln im Krankheitsverlauf eine Demenz. Das Erscheinungsbild der Demenz bei Parkinson-Patienten überschneidet sich mit den kognitiven Defiziten der Demenz vom Lewy-Körper-Typ (DLB; siehe „Demenz vom Lewy-Körper-Typ“, S. 67). Im Vordergrund der Parkinson-Demenz stehen Aufmerksamkeitsdefizite sowie Einschränkungen in den Exekutiv- und visuospatialen Funktionen. Gedächtnisstörungen beziehen sich meist weniger auf das Speichern als vielmehr auf den Abruf von Inhalten. Im Gegensatz zur DLB existieren für die Demenz bei der Parkinson-Krankheit keine formalen klinischen Diagnosekriterien. Obwohl die klinische Differenzialdiagnose zwischen den beiden Demenzentwicklungen kontrovers diskutiert wird, richtet sich die Differenzierung häufig nach einer „1-Jahres-Regel“. Dabei wird für die DLB gefordert, dass die dementielle Entwicklung spätestens innerhalb des ersten Jahres nach Beginn des Parkinson-Syndroms auftritt (DLB-Diagnosekriterien siehe „Demenz vom Lewy-Körper-Typ“, S. 67). Die bereits in einigen offenen Studien nachgewiesene Wirksamkeit des Cholinesterase-Hemmers Rivastigmin (3–12 mg) auf kognitive Funktionen bei Parkinson-Patienten konnte in einer 24-wöchigen randomisierten, doppelblinden und placebokontrollierten Multizenterstudie bestätigt werden ( Cave Bei Parkinson-Patienten mit Demenz sollten Medikamente mit anticholinerger Wirkung vermieden werden. Anticholinergika können zu einem akuten deliranten Syndrom führen. Weiterhin steigt das Risiko einer dopaminerg induzierten Psychose bei Vorliegen eines dementiellen Syndroms.
Autonome Funktionsstörungen Schwere autonome Störungen, die zu Beginn oder in einem frühen Erkrankungsstadium auftreten, sprechen gegen die Diagnose eines IPS und für eine MSA. Störende vegetative Symptome können sich jedoch auch bei Patienten mit IPS entwickeln, dann meist erst im Erkrankungsverlauf. Orthostatische Hypotension Eine orthostatische Hypotonie tritt häufig erst bei der Eindosierung von L-Dopa oder einem Dopamin-Agonisten erstmals auf. Bis zur Entwicklung einer Toleranz gegenüber der dopamimetischen Therapie werden folgende Maßnahmen empfohlen:
Bei Persistenz der Beschwerden oder Versagen der oben genannten Maßnahmen empfehlen wir Fludrokortison (0,05–0,3 mg zur Nacht). Therapien mit Ephedrin, Midodrin, Octreotid und Yohimbin zeigen keine konstant positiven Behandlungseffekte.
Blasenfunktion Circa 60% der Patienten mit IPS leiden unter Blasenstörungen. Alters- und geschlechtsspezifische Ursachen müssen ebenfalls berücksichtigt werden. Zu den Blasensymptomen beim IPS zählen Harndrang, eine erhöhte Miktionsfrequenz sowie Nykturie. Die häufigste Form der Blasenstörung ist eine Detrusorhyperaktivität, | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||