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Was gibt es Neues?Epidemiologie
Diagnostik
Die wichtigsten Empfehlungen auf einen Blick
DefinitionDie Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK) wird zu einer Gruppe von Erkrankungen gezählt, die neuropathologisch durch spongiforme Veränderungen, astrozytäre Gliose, Neuronenverlust und Ablagerung der abnormen Form des Prionproteins charakterisiert sind. Weitere Synonyme sind übertragbare spongiforme Enzephalopathie oder auch Prionerkrankung. Die Prionerkrankungen des Menschen kommen als übertragene, genetische oder sporadische Form vor. UnterformenSporadische Prionerkrankung Die sporadische Form der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit ist die häufigste weltweit auftretende Erkrankungsform mit einer Inzidenz von etwa 1 Fall pro Jahr pro Million Einwohner. Der Erkrankungsgipfel liegt zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr. Es handelt sich um eine rasch fortschreitende Erkrankung mit einer medianen Überlebenszeit von ca. 6 Monaten. Klinisch stehen häufig eine rasch fortschreitende Demenz, die sich innerhalb weniger Wochen bis Monate entwickelt, sowie eine progrediente Ataxie im Vordergrund, im Verlauf bilden sich extrapyramidal-motorische Störungen, Myoklonien und Pyramidenbahnzeichen aus. Das Endstadium entspricht am ehesten dem Bild eines akinetischen Mutismus. Die Erkrankung kommt weltweit in ähnlicher Häufigkeit vor, auslösende Faktoren sind nicht bekannt. Genetische Prionerkrankung Hierzu zählen die familiäre/genetische Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, das Gerstmann-Sträussler-Scheinker-Syndrom (GSS) und die letale familiäre Insomnie (fatal familial insomnia, FFI). Es ist eine heterogene Krankheitsgruppe mit variabler klinischer Manifestation. Bei den Patienten können Mutationen im Prionproteingen nachgewiesen werden (z. B. P102L beim Gerstmann-Sträussler-Scheinker-Syndrom, D178N bei letaler familiärer Insomnie, E200K und V210I bei familiärer Creutzfeldt-Jakob-Krankheit). Bei genetischen Formen der Prionerkrankung handelt es sich um Erkrankungen mit einem autosomal-dominanten Vererbungsmodus mit nahezu hundertprozentiger Penetranz. Der Erkrankungsgipfel liegt früher als bei sporadischer Form (um das 50. Lebensjahr), die Erkrankungsdauer ist häufig länger. Das klinische Krankheitsbild des Gerstmann-Sträussler-Scheinker-Syndroms ist charakterisiert durch eine langsam progrediente Gangataxie, erst im Verlauf bildet sich die Demenz aus. Bei letaler familiärer Insomnie stehen eine Schlafstörung und autonome Dysregulation häufig im Vordergrund. Familiäre Creutzfeldt-Jakob-Fälle können häufig nicht von der sporadischen Form unterschieden werden. Eine Familienanamnese einer neurodegenerativen Erkrankung ist selten bekannt (nur in ca. 30% der Fälle positiv). Übertragene Formen: Iatrogene CJK Eine Weitergabe des Erregers von Mensch zu Mensch ist bisher nur auf iatrogenem Weg über direkten Kontakt mit infektiösem Gewebe nachgewiesen worden. Das Ausgangsmaterial sind Dura, Kornea und aus Leichenhypophysen extrahierte Wachstumshormone bzw. Gonadotropine. Die größte Zahl iatrogener Fälle geht auf die Behandlung mit aus Leichenhypophysen hergestellten Wachstumshormonen und auf Verwendung von Dura mater zurück. Weltweit sind 132 Fälle einer Infektion durch Wachstumshormonpräparate bekannt, die meisten in Frankreich und Großbritannien. Dura-mater-assoziierte Fälle können auch nach Dura-Verwendung im extrakraniellen Bereich auftreten, z. B. bei orthopädischen Operationen oder nach Gefäßembolisation. Übertragene Formen: Neue Variante der CJK Diese Erkrankungsform wird ätiopathogenetisch mit boviner spongiformer Enzephalopathie in Zusammenhang gebracht. Bisher sind 152 Fälle in Großbritannien, 8 in Frankreich, 2 in Irland und je 1 Fall in Kanada, Sizilien/Italien und USA bekannt (Stand 22.11.04). Die Patienten sind deutlich jünger als bei der sporadischen Form der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (Median 30 Jahre). Die Erkrankungsdauer ist länger (Median 14 Monate). Im Vordergrund stehen psychiatrische Auffälligkeiten (meist Depression oder Psychose), die über mehrere Monate ohne neurologische Auffälligkeiten verlaufen können. Später kommen schmerzhafte Dysästhesien und Gangataxie hinzu, die Demenz tritt erst spät im Verlauf auf. Im Gegensatz zur sporadischen Form der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit kann das abnorme Prionprotein auch im peripheren Gewebe (Appendix, Tonsillen und Lymphknoten) nachgewiesen werden. Eine Übertragung dieser Erkrankungsform über Blut und Blutprodukte ist wahrscheinlich. Eine Übersicht über die klinische Symptomatik der sporadischen Creutzfeldt-Jakob-Krankheit bzw. der neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit gibt Tabelle 1. DiagnosekriterienWährend die sichere Diagnose einer Creutzfeldt-Jakob-Krankheit nach zur Zeit geltenden Kriterien nach wie vor eine neuropathologische Untersuchung voraussetzt, sind in der Zwischenzeit klinische Kriterien erarbeitet worden. Die diagnostischen Kriterien einer wahrscheinlichen Creutzfeldt-Jakob-Krankheit beinhalten neben der klinischen Symptomatik auch zusätzliche technische Untersuchungen. In die diagnostischen Kriterien einer sporadischen Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (siehe Tabelle 2) gehen zusätzlich das EEG und der Nachweis der Proteine 14–3-3 im Liquor ein, in die diagnostischen Kriterien der neuen Variante (siehe Tabelle 3) die Kernspintomographie. Die diagnostischen Kriterien sind nachfolgend aufgeführt. DifferenzialdiagnoseBedingt durch die unspezifische Symptomatik zu Beginn umfasst die Differenzialdiagnose einer CJK eine Fülle neurologischer und psychiatrischer Krankheitsbilder, wobei bei älteren Patienten die wichtigste Differenzialdiagnose der Morbus Alzheimer ist, bei jüngeren Patienten kommt häufig eine entzündliche ZNS-Erkrankung infrage. Die Differenzialdiagnosen können der Tabelle 4 entnommen werden. UntersuchungenNotwendig zur Bestätigung der klinischen VerdachtsdiagnoseEEG Nachweis periodischer bi- und triphasischer Komplexe; diese treten im Median 12 Wochen nach Beginn der klinischen Symptomatik auf, können im Verlauf der Erkrankung wieder fehlen und sind gelegentlich durch Stimuli provozierbar. Die diagnostischen Kriterien des EEGs sind in Tabelle 5 dargestellt. Kernspintomographie Der Nachweis bilateraler Signalanhebungen in den Stammganglien (sowie weniger häufig im Kortex) auf T2-, Protonendichte-, FLAIR- und diffusionsgewichtete Aufnahmen gelingt in mindestens 2/3 der Fälle einer sporadischen Creutzfeldt-Jakob-Krankheit. Während die Signalerhöhung auf T2-gewichteten, Protonendichte- und FLAIR-Aufnahmen Ausdruck der Astrogliose des Gewebes sind, geben die Veränderungen auf diffusionsgewichteten Aufnahmen vermutlich die Spongiformität wieder. Das MRT ist die einzige klinische Untersuchung, die zur Zeit in die diagnostischen Kriterien der neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (siehe unten) eingeht, hier können Hyperintensitäten im posterioren Thalamus in 80% der Fälle nachgewiesen werden (sog. Pulvinar sign). Liquorpunktion Die Liquoruntersuchung bei Patienten mit einer Creutzfeldt-Jakob-Krankheit ist in den Standardparametern unauffällig, es findet sich eine normale Zellzahl, nur selten eine leichte bis mittelgradige Schrankenstörung, das Vorkommen oligoklonaler Banden ist eine absolute Rarität und sollte Anlass zu einem sorgfältigen Ausschluss eines chronisch-entzündlichen ZNS-Prozesses geben. Die klinische Verdachtsdiagnose kann durch den Nachweis abnorm hoher Konzentrationen neuronaler und astrozytärer Proteine unterstützt werden. Hierzu gehören die Proteine 14–3-3, tau, NSE, S100. Eine Übersicht über die Wertigkeit einzelner Tests gibt Tabelle 6. In Einzelfällen kann eine wiederholte Liquorpunktion sinnvoll sein, um die Verdachtsdiagnose zu untermauern. In der Regel kommt es bei Patienten mit einer Creutzfeldt-Jakob-Krankheit mit dem Verlauf der Erkrankung zu einem weiteren Anstieg der Konzentration der neuronalen und astrozytären Proteine im Liquor, während die Konzentrationen bei einer akuten neuronalen Schädigung anderer Genese wieder abfallen. TherapieFür therapeutische Maßnahmen, die die Prognosen im Verlauf des Leidens verändern, liegen bisher nur einzelne Kasuistiken vor, kontrollierte Therapiestudien fehlen, eine kausale Therapie ist nicht bekannt. Eine symptomatische Therapie existiert bisher nur für die CJK-typischen Myoklonien, die in der initialen Krankheitsphase gut auf Clonazepam oder Valproat ansprechen. HygienemaßnahmenBerichte über die iatrogene Übertragung des extrem resistenten CJK-Erregers auf Patienten haben dazu geführt, dass das Robert Koch-Institut in Zusammenarbeit mit Experten bereits im Jahr 1996 bzw. 1998 „Empfehlungen zur Desinfektion und Sterilisation von chirurgischen Instrumenten bei Verdacht auf Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung“ (Bundesgesundheitsblatt 8/96, S. 282–283) und „Krankenversorgung und Instrumentensterilisation bei CJK-Patienten und CJK-Verdachtsfällen“ (Bundesgesundheitsblatt 7/98, S. 279–285) erarbeitet hat. Der aktuelle Stand der Empfehlungen kann unter: http://www.rki.de abgerufen werden.
ExpertengruppeProf. Dr. R. W. C. Janzen, Neurologische Klinik, Krankenhaus Nordwest Frankfurt Prof. Dr. Schulz, DFG Forschungszentrum Molekularphysiologie des Gehirns, Göttingen Prof. Dr. B. J. Steinhoff, Epilepsiezentrum Kork, Kehl-Kork Prof. Dr. H. Urbach, Radiologische Klinik, Neuroradiologie, Universität Bonn Prof. Dr. I. Zerr, Neurologische Klinik, Georg-August-Universität Göttingen Federführend: Prof. Dr. Inga Zerr, Neurologische Klinik, Georg-August-Universität Göttingen, Robert-Koch-Str. 40, 37075 Göttingen e-mail: IngaZerr@med.uni-goettingen.de Literatur1. Brown, P., C. J. Gibbs jr., P. Rodgers-Johnson, D. M. Asher, M. P. Sulima, A. Bacote, L. G. Goldfarb, D. C. Gajdusek (1994): Human spongiform encephalopathy: the National Institutes of Health series of 300 cases of experimentally transmitted disease. Ann. Neurol. 35, 513–529. 2. Bundesgesundheitsblatt 8/96, 282–283. 3. Bundesgesundheitsblatt 7/98, 279–285. 4. Collie, D. A., D. M. Summers, R. J. Sellar, J. W. Ironside, S. Cooper, M. Zeidler, R. Knight, R. G. Will (2003): Diagnosing variant Creutzfeldt-Jakob disease with the pulvinar sign: MR imaging findings in 86 neuropathologically confirmed cases. AJNR Am. J. Neuroradiol. 24 (8), 1560–1569. 5. Meissner, B., K. Kortner, M. Bartl, U. Jastrow, B. Mollenhauer, A. Schroter, M. Finkenstaedt, O. Windl, S. Poser, H. A. Kretzschmar, I. Zerr (2004): Sporadic Creutzfeldt-Jakob disease: magnetic resonance imaging and clinical findings. Neurology Aug 10, 63 (3), 450–456. 6. Parchi, P., A. Giese, S. Capellari, P. Brown, W. Schulz-Schaeffer, O. Windl, I. Zerr, H. Budka, N. Kopp, P. Piccardo, S. Poser, A. Rojiani, N. Streichemberger, J. Julien, C. Vital, B. Ghetti, P. Gambetti, H. A. Kretzschmar (1999): Classification of sporadic Creutzfeldt-Jakob disease based on molecular and phenotypic analysis of 300 subjects. Ann. Neurol. 46, 224–233. 7. Steinhoff, B. J., I. Zerr, M. Glatting, W. Schulz-Schaeffer, S. Poser, H. A. Kretzschmar (2004): Diagnostic value of sharp-wave complexes in Creutzfeldt-Jakob disease. Ann. Neurol. 56, 1–6. 8. Will, R. G., M. Zeidler, G. E. Stewart, M. A. Macleod, J. W. Ironside, S. N. Cousens, J. Mackenzie, K. Estibeiro, A. J. Green, R. S. Knight (2000): Diagnosis of new variant Creutzfeldt-Jakob disease. Ann. Neurol. 47, 575–582. 9. Zerr, I., M. Pocchiari, S. Collins, J. P. Brandel, J. de Pedro Cuesta, R. S. G. Knight, H. Bernheimer, F. Cardone, N. Delasnerie-Laupretre, N. Cuadrado Corrales, A. Ladogana, A. Fletcher, M. Bodemer, T. Awan, A. Ruiz Bremon, H. Budka, J. L. Laplanche, R. G. Will, S. Poser (2000a): Analysis of EEG and CSF 14–3-3 proteins as aids to the diagnosis of Creutzfeldt-Jakob disease. Neurology 55, 811–815. 10. Zerr, I., W. J. Schulz-Schaeffer, A. Giese, M. Bodemer, A. Schröter, K. Henkel, H. Tschampa, O. Windl, A. Pfahlberg, B. Steinhoff, O. Gefeller, H. A. Kretzschmar, S. Poser (2000b): Current clinical diagnosis of CJD: identification of uncommon variants. Ann. Neurol. 48, 323–329. 1. Zerr, I., S. Poser (2002): Clinical diagnosis and differential diagnosis of CJD and vCJD. With special emphasis on laboratory tests. APMIS 110, 88–98.
Die in den Leitlinien verwendeten Symbole haben folgende Bedeutung:
Empfehlungsstärken
Die Einstufung der Empfehlungsstärke kann neben der Evidenzstärke
die Größe des Effekts, die Abwägung von bekannten und möglichen
Risiken, Aufwand, Verhältnismäßigkeit, Wirtschaftlichkeit oder
ethische Gesichtspunkte berücksichtigen.
Die "Leitlinien" der Deutschen Gesellschaft für Neurologie sind systematisch entwickelte Hilfen für Ärzte zur Entscheidungsfindung in spezifischen Situationen. Sie beruhen auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und in der Praxis bewährten Verfahren und sorgen für mehr Sicherheit in der Medizin, sollen aber auch ökonomische Aspekte berücksichtigen. Die "Leitlinien" sind für Ärzte rechtlich nicht bindend und haben daher weder haftungsbegründende noch haftungsbefreiende Wirkung. Wie jede Wissenschaft ist die Medizin ständigen Entwicklungen unterworfen.
Soweit in diesem Werk eine Dosierung oder eine Applikation erwähnt wird,
darf der Leser zwar darauf vertrauen, dass die Autoren große Sorgfalt
darauf verwandt haben, dass diese Angabe dem Wissensstand bei Fertigstellung
des Werkes entspricht. Geschützte Warennamen und Warenzeichen werden nicht besonders kenntlich gemacht. Aus dem Fehlen eines solchen Hinweises kann also nicht geschlossen werden, dass es sich um einen freien Warennamen handelt.
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