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Was gibt es Neues?Die Datenbankrecherche erbrachte keine neuen, leitlinienrelevanten Publikationen zum Kapitelthema. Die wichtigsten Empfehlungen auf einen Blick
DefinitionDer Muskelkrampf (IDC 10: R252 Krämpfe und Spasmen der Muskulatur; MeSH Heading: Muscle Cramp) ist eine ausgeprägte, schmerzhafte und unwillkürliche Kontraktion eines Teils oder der Gesamtheit eines Muskels oder einer umschriebenen Muskelgruppe, die mit einer tastbaren Verhärtung einhergeht. Der Muskelkrampf ist kurz dauernd (Sekunden bis Minuten) und selbstlimitierend. Der gewöhnliche Muskelkrampf (Ordinary Cramp) tritt ohne erkennbare Ursache auf. Er manifestiert sich oft in Ruhe und während der Nacht und betrifft ganz überwiegend die Muskeln der Wade und des Fußgewölbes (Butler et al. 2002). Eine Verkürzung des Muskels erleichtert die Auslösung des Krampfes. Der gewöhnliche Muskelkrampf wird neurogen in den intramuskulären Anteilen der efferenten Axone ausgelöst (Layzer 1994 a). Es gibt Hinweise auf eine Beteiligung afferenter/spinaler Mechanismen (Dehnungsrezeptoren in Sehnen und Muskeln; Bentley 1996, Schwellnus et al. 1997). Elektromyographisch wird der Muskelkrampf von hochfrequenten Entladungen von Aktionspotenzialen begleitet. Symptomatische Muskelkrämpfe (Layzer 1994 b, McGee 1990) treten auf bei
Schmerzhafte Muskelkontraktionen anderer Genese müssen abgegrenzt werden:
UntersuchungenNotwendig• Anamnese der Provokationssituation • Familienanamnese • Medikamentenanamnese • Neurologischer Status mit besonderer Berücksichtigung der oben angeführten Ursachen symptomatischer Muskelkrämpfe und alternativer Ursachen schmerzhafter Muskelkontraktionen • Blutuntersuchungen: Elektrolytwerte inklusive Magnesium, Nieren- und Leberwerte, Blutzucker, Schilddrüsenhormone, Kreatinkinase Im Einzelfall erforderlichBei Hinweisen auf symptomatische Muskelkrämpfe oder alternative Ursachen schmerzhafter Muskelkontraktionen schließen sich entsprechende Untersuchungen an, z. B. • Blutuntersuchungen: Kortisol und Aldosteron, Serumlaktat, • elektrophysiologische Untersuchungen: Elektromyographie, Neurographie, • Funktionsuntersuchungen: Ischämie-Arbeitstest, dopplersonographische Untersuchung der arteriellen Beindurchblutung. TherapieErste physikalische Behandlungsmaßnahme im akuten Fall ist die Dehnung der verkrampften Muskulatur und/oder die Anspannung der Antagonisten der betroffenen Muskeln ( Bei nächtlichen Wadenkrämpfen können regelmäßige passive Dehnübungen versucht werden (Daniell 1979): mehrmals am Tag wiederholtes Vorbeugen des Körpers im Stand unter Erhalt des Bodenkontakts der Fersen; unter Abstützung durch die Arme gegen eine ca. 1 m entfernte Wand kann die Übung auch von Älteren durchgeführt werden ( Alternative medikamentöse Behandlungen für gewöhnliche Muskelkrämpfe sind nur für kleine Fallzahlen oder Einzelfälle berichtet und in ihrer Effektivität nicht gesichert. Aufgrund der seltenen, aber schwerwiegenden Nebenwirkungen des Chinin sollte zuvor ein Behandlungsversuch mit Magnesium (Mg-[Hydrogen]Aspartat, Mg-Orotat, Mg-Oxid, 1–3 x 5 mmol oral) versucht werden (Roffe et al. 2002). Strenge Indikation bei Niereninsuffizienz, Herzrhythmusstörungen und Störungen der Endplattenfunktion ( Das Risiko eines belastungsabhängigen Krampfes kann durch Dehnungsübungen vor der Belastung, Anpassung der körperlichen Leistung und des Trainings sowie Massagen nach der Belastung vermindert werden (Miles u. Clarkson 1994) ( Bei Muskelkrämpfen in der Schwangerschaft ist die Magnesiumgabe wirksam (Young u. Jewell 2002) ( Bei dialyseassoziierten Krämpfen ist die Volumensubstitution etabliert und belegt, es wird für diese Indikation auf die nephrologische Literatur verwiesen (Daugirdas et al. 2000, Jenkins u. Dreher 1975, Neal et al. 1981, Sherman et al. 1982). Ambulant/stationärDie zur Abklärung notwendigen diagnostischen Maßnahmen sind ganz überwiegend ambulant zu erbringen, die medikamentösen Einstellungsversuche ebenfalls. ExpertengruppeU. Dillmann, Neurologische Universitätsklinik Homburg/Saar R. Lindemuth, Neurologisch-psychiatrische Gemeinschaftspraxis, Siegen H. Topka, Neurologische Klinik, Krankenhaus Bogenhausen, München Federführend: R. Lindemuth, Neurologisch-psychiatrische Gemeinschaftspraxis, Obergraben 23, 57072 Siegen, Tel.: 0271/230460 e-mail: lindemuth@neurologie-siegen.de Literatur1. Abreu-Gerke, L., G. Goerz, A. Miller, T. Ruzicka (2000): Acral necroses after therapy with quinine sulfate for calf cramps. Hautarzt 51, 332–335. 2. Bentley, S. (1996): Exercise-induced muscle cramp. Proposed mechanisms and management. Sports Med. 21, 409–420. 3. Butler, J. V., E. C. Mulkerrin, S. T. O’Keeffe (2002): Nocturnal leg cramps in older people. Postgrad. Med. J. 78, 596–598. 4. Crum, N. F., P. Gable (2000): Quinine-induced hemolytic-uremic syndrome. South Med. J. 93, 726–728. 5. Daniell, H. W. (1979): Simple cure for nocturnal leg cramps. N. Engl. J. Med. 301, 216. 6. Daugirdas, J. T., P. G. Blake, T. S. Ing (2000): Handbook of dialysis, 3rd ed. Lippincott Williams & Wilkins, Philadelphia. 7. Dewarrat, A., T. Kuntzer, F. 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Lau (1998): Quinine for nocturnal leg cramps: a meta-analysis including unpublished data. J. Gen. Intern. Med. 13, 600–606. 14. McGee, S. R. (1990): Muscle cramps. Arch. Intern. Med. 150, 511–518. 15. Miles, M. P., P. M. Clarkson (1994): Exercise-induced muscle pain, soreness, and cramps. J. Sports Med. Phys. Fitness 34, 203–216. 16. Neal, C. R., E. Resnikoff, A. M. Unger (1981): Treatment of dialysis-related muscle cramps with hypertonic dextrose. Arch. Intern. Med. 141, 171–173. 17. Roffe, C., S. Sills, P. Crome, P. Jones (2002): Randomised, cross-over, placebo controlled trail of magnesium citrate in the treatment of chronic persistent leg cramps. Med. Sci. Monit. 8, CR326–330. 18. Schwellnus, M. P., E. W. Derman, T. D. Noakes (1997): Aetiology of skeletal muscle ’cramps’ during exercise: a novel hypothesis. J. Sports Sci. 15, 277–285. 19. Sherman, R. A., K. A. Goodling, R. P. Eisinger (1982): Acute therapy of hemodialysis-related muscle cramps. Am. J. Kidney Dis. 2, 287–288. 20. Young, G. L., D. Jewell (2002): Interventions for leg cramps in pregnancy (Cochrane Review). Cochrane Database Syst. Rev. CD000121. 21. Zimlichman, R., S. Krauss, E. Paran (1991): Muscle cramps induced by ß-blockers with intrinsic sympathomimetic acitivity properties: a hint of a possible mechanism. Arch. Intern. Med. 151, 1021.
Die in den Leitlinien verwendeten Symbole haben folgende Bedeutung:
Empfehlungsstärken
Die Einstufung der Empfehlungsstärke kann neben der Evidenzstärke
die Größe des Effekts, die Abwägung von bekannten und möglichen
Risiken, Aufwand, Verhältnismäßigkeit, Wirtschaftlichkeit oder
ethische Gesichtspunkte berücksichtigen.
Die "Leitlinien" der Deutschen Gesellschaft für Neurologie sind systematisch entwickelte Hilfen für Ärzte zur Entscheidungsfindung in spezifischen Situationen. Sie beruhen auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und in der Praxis bewährten Verfahren und sorgen für mehr Sicherheit in der Medizin, sollen aber auch ökonomische Aspekte berücksichtigen. Die "Leitlinien" sind für Ärzte rechtlich nicht bindend und haben daher weder haftungsbegründende noch haftungsbefreiende Wirkung. Wie jede Wissenschaft ist die Medizin ständigen Entwicklungen unterworfen.
Soweit in diesem Werk eine Dosierung oder eine Applikation erwähnt wird,
darf der Leser zwar darauf vertrauen, dass die Autoren große Sorgfalt
darauf verwandt haben, dass diese Angabe dem Wissensstand bei Fertigstellung
des Werkes entspricht. Geschützte Warennamen und Warenzeichen werden nicht besonders kenntlich gemacht. Aus dem Fehlen eines solchen Hinweises kann also nicht geschlossen werden, dass es sich um einen freien Warennamen handelt.
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