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Die wichtigsten Empfehlungen auf einen Blick
Bezüglich forensischer Aspekte des leichten SHT wird auf die Leitlinie „Begutachtung nach gedecktem Schädel-Hirn-Trauma“ (Wallesch et al. 2005) verwiesen. DefinitionDas leichte Schädel-Hirn-Trauma (Commotio cerebri, Schädel-Hirn-Trauma Grad I, SHT I, mild traumatic brain injury, MTBI) wird durch nachstehende Kriterien definiert (Alexander 1995, Keidel u. Poremba 1998, Keidel u. Diener 2001):
Die klinischen Charakteristika des leichten SHTs mit dem in der Regel transienten, in 10–20% chronischen, posttraumatischen Syndrom (Keidel u. Poremba 1998) sind:
Trotz Erfüllung dieser Kriterien kann in seltenen Fällenein höhergradiges SHT vorliegen, sollten sich in der erweiterten bildgebenden, kernspintomographischen Diagnostik zerebrale Traumafolgen, z. B. frontopolare Kontusion(en) ergeben (Keidel u. Stude 2002). Die jährliche Inzidenz des leichten Schädel-Hirn-Traumas (SHT) liegt bei 180/100000. 80% der in eine Klinik überwiesenen Schädel-Hirn-Traumata sind leichtgradig, 10% mittelschwer und 10% schwer (Keidel et al. 1998). UntersuchungenSiehe Flussdiagramm Behandlungspfad (PDF). Notwendig
Cave: HWS-Begleitverletzung!
Im Einzelfall (anamnese- und symptomgeleitet) erforderlich
TherapieAkutes posttraumatisches SyndromKlinische Beobachtung über zumindest 24 Stunden bei Risikopatienten (siehe nachstehende Abschnitte „Leichtes SHT mit Komplikationen“ und „Ambulant/stationär“). KopfschmerzMedikamentöse Behandlung (Richtdosis) mit Analgetika wie Paracetamol (Supp. o. Tbl.) 3 x 500 mg/d oder Metamizol-Natrium (Tbl. o. gtt) 1–4 x1–2 Tbl. à 500 mg oder 1–4 x 20–40 gtt/d; ab dem 3. Tag sind auch Acetylsalicylsäure (ASS) 1000 mg/d oder Diclofenac 3 x 50 mg/d möglich, keine frühere Gabe wegen der Möglichkeit einer verdeckten Blutung ( Nackenschmerz
Vegetatives SyndromSchwindel:
Übelkeit/Brechreiz:
Orthostatische (hypotone) Dysregulation:
Befindlichkeitsstörungen:
Chronisches posttraumatisches Syndrom (> 3–6 Monate)Es ist gekennzeichnet durch persistierende zervikozephale Schmerzen mit fakultativ begleitenden vegetativen und/oder „neurasthenisch“-depressiven Beschwerden. Prognostisch ungünstige Faktoren für die Entstehung eines chronischen posttraumatischen Syndroms sind ernsthafte zusätzliche unfallbedingte Verletzungen, SHT in der Vorgeschichte, positive Kopfschmerzanamnese, Neigung zu depressiver Verstimmung, zu erhöhtem Angstniveau sowie zu affektiven und vegetativen Beschwerden, erhöhtes Stressniveau zum Unfallzeitpunkt, niedriger sozioökonomischer Status, sekundäre soziale Probleme und anhängige Rechtsstreitigkeiten (Keidel u. Poremba 1998, Ramadan u. Keidel 2000). Posttraumatischer Kopfschmerz
„Neurasthenisch“-depressives Syndrom
Leichtes SHT mit KomplikationenSelten zeigt sich ein leichtes SHT mit Komplikationen, die sich apparativ-diagnostisch und bildgebend nachweisen lassen (z. B. ossäre Schädigung, Fraktur von Kalotte, Gesichtsschädel, Schädelbasis oder HWS; sonstige Mehrfachverletzungen im Rahmen eines Polytraumas; diskoligamentäre Schädigungen bei HWS-Gefügeschaden mit Instabilität bei Begleit-HWS-Distorsion mit möglicher Wurzel-, Plexus-, Myelon-Schädigung durch Zerrung, Hämatom, Diskusprolaps, Myelonkompression, zentrales Halsmarktrauma, Contusio spinalis; zentralnervöse Affektion durch intrakranielle Blutung oder Ischämie bei vaskulärer Läsion (traumatische Dissektion der A. carotis interna und/oder A. vertebralis). Eine seltene Komplikation stellt die posttraumatische transitorische globale Amnesie (TGA) dar. Diese Begleitschädigungen sind in Ergänzung zu den neurologischen Therapiemaßnahmen, geleitet vom Unfallmechanismus nach Abklärung der Operationsbedürftigkeit, entsprechend der fachspezifischen Therapieleitlinien (Unfallchirurgie, Neurochirurgie, Orthopädie) zu behandeln (Keidel u. Poremba 1998). Ambulant/stationärZum verlaufsabhängigen Ausschluss sekundärer Traumafolgen (z. B. subakutes subdurales Hämatom) kurze stationäre Akutbetreuung (mit Pupillen- und Bewusstseinslagen-Monitoring) nur erforderlich bei Risikopatienten (Alter > 65 Jahre, Verdacht auf Schädelfraktur, Antikoagulanzien oder andere Gerinnungsstörung, Thrombozytopenie, Hinweise auf schwerwiegenden oder ungeklärten Unfallmechanismus). Stationärer Aufenthalt im Rahmen der SHT-Ursachendiagnostik und -therapie (Alkoholismus, Drogenabhängigkeit, epileptischer Anfall, kardiozirkulatorische Synkope, metabolisches – hypoglykämisches – Syndrom). Verfahren zur KonsensbildungKonsensbildung durchdie Autorengruppe. Korrigiert durch die Kommission Leitlinien der DGN und den Vorstand der DGN Kooperationspartner und Sponsoren Diese Leitlinie entstand ohne Einflussnahme oder Unterstützung durch die Industrie. Die Kosten wurden von der DGN getragen. ExpertengruppeProf. Dr. med. Th. M. Ettlin, Reha Rheinfelden, Neurologische und Muskuloskelettale Rehabilitation Prof. Dr. med. R. W. C. Janzen, Neurologische Klinik, Krankenhaus Nordwest, Frankfurt Prof. Dr. med. A. Kampfl, Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern, Ried im Innkreis/Österreich Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. M. Keidel, Klinik für Neurologie, Bezirkskrankenhaus Bayreuth Prof. Dr. med. K. v. Wild, Medizinische Fakultät, Universität Münster Federführend: Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. M. Keidel, Klinik für Neurologie, Bezirkskrankenhaus Bayreuth, Nordring 2, 95445 Bayreuth, Tel.: 0921/2833301 e-mail: matthias.keidel@bezirkskrankenhaus-bayreuth.de Literatur1. Alexander, M. P. (1995): Mild traumatic brain injury: pathophysiology, natural history and clinical management. Neurology 45, 1253–1260. 2. Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie (1997): Leitlinien zur Primärversorgung von Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma. Notfallmedizin 10, 466ff. AWMF online. 3. Keidel, M., M. Poremba (1998): Schädel-Hirn-Trauma. In: Brandt, T., J. Dichgans, H. C. Diener (Hrsg.), Therapie und Verlauf neurologischer Erkrankungen, 3. Aufl. Kohlhammer, Stuttgart, 535–552. 4. Keidel, M., I. S. Neu, H. D. Langohr, H. Göbel (1998): Therapie des posttraumatischen Kopfschmerzes nach Schädel-Hirn-Trauma und HWS-Distorsion. Empfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. Schmerz 12, 350–367. 5. Keidel, M., H. C. Diener (2001): Commotio cerebri. In: Pschyrembel Therapeutisches Wörterbuch, 2. Aufl. Walter De Gruyter, Berlin, 172–173. 6. Keidel, M., P. Stude (2002): Brain lesion. In: Ramachandran, V. S. (ed.), Encyclopedia of the Human Brain, Vol. 1. Academic Press/Elsevier Science, San Diego, 529–544. 7. Keidel, M., N. Ramadan (2005, in press): Acute posttraumatic headache. In: Olesen, J., K. M. A. Welch, P. Tfelt-Hansen (eds.), The Headaches, 3rd ed. Lippincott-Raven Publishers, Philadelphia. 8. Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (Januar 2002): Polytrauma. AWMF online (Register Nr.012/019). 9. Ramadan, N., M. Keidel (2000): Chronic posttraumatic headache. In: Olesen, J., K. M. A. Welch, P. Tfelt-Hansen (eds.), The Headaches, 2nd ed. Lippincott-Raven Publishers, Philadelphia, 771–780. 10. Rehabilitation of persons with traumatic brain injury (1998). NIH Consensus Statement, Volume 16, Number 1, October 28,1–41. 11. Stiell, I. G., G. A. Wells, K. Vandemheen et al. (2001): The Canadian CT headrule for patients with minor head injury. Lancet 357, 1391–1396. 12. Strebel, H. M., Th. Ettlin, J. M. Annoni, M. Caravatti, S. Jan, C. Gianella, M. Keidel, U. Saner, H. Schwarz (2002): Diagnostisches und therapeutisches Vorgehen in der Akutphase nach kranio-zervikalem Beschleunigungstrauma (sog. Schleudertrauma). Empfehlungen einer schweizerischen Arbeitsgruppe. Schweiz. Med. Forum 47, 1119–1125. 13. Wallesch, C. W., P. Marx, M. Tegenthoff, A. Unterberg, R. Schmidt, W. Fries (2005): Leitlinie, ‚Begutachtung nach gedecktem Schädel-Hirn-Trauma’. Akt. Neurol. 32, 279–287.
Die in den Leitlinien verwendeten Symbole haben folgende Bedeutung:
Empfehlungsstärken
Die Einstufung der Empfehlungsstärke kann neben der Evidenzstärke
die Größe des Effekts, die Abwägung von bekannten und möglichen
Risiken, Aufwand, Verhältnismäßigkeit, Wirtschaftlichkeit oder
ethische Gesichtspunkte berücksichtigen.
Die "Leitlinien" der Deutschen Gesellschaft für Neurologie sind systematisch entwickelte Hilfen für Ärzte zur Entscheidungsfindung in spezifischen Situationen. Sie beruhen auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und in der Praxis bewährten Verfahren und sorgen für mehr Sicherheit in der Medizin, sollen aber auch ökonomische Aspekte berücksichtigen. Die "Leitlinien" sind für Ärzte rechtlich nicht bindend und haben daher weder haftungsbegründende noch haftungsbefreiende Wirkung. Wie jede Wissenschaft ist die Medizin ständigen Entwicklungen unterworfen.
Soweit in diesem Werk eine Dosierung oder eine Applikation erwähnt wird,
darf der Leser zwar darauf vertrauen, dass die Autoren große Sorgfalt
darauf verwandt haben, dass diese Angabe dem Wissensstand bei Fertigstellung
des Werkes entspricht. Geschützte Warennamen und Warenzeichen werden nicht besonders kenntlich gemacht. Aus dem Fehlen eines solchen Hinweises kann also nicht geschlossen werden, dass es sich um einen freien Warennamen handelt.
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