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Leitlinien der DGN - Diagnostik und Therapie der Multiplen Sklerose Drucken E-Mail
KAPITEL
Entzündliche und erregerbedingte Erkrankungen
Diagnostik und Therapie der Multiplen Sklerose
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Federführend
Prof. Dr. Ralf Gold,
Bochum,
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Prof. Dr. Hans-Peter Hartung,
Düsseldorf,
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Was gibt es Neues?

  • Die Diagnose einer MS kann nunmehr schon innerhalb von 31 Tagen nach Auftreten eines ersten Schubs gestellt werden, wenn sich in einem Folge-Magnetresonanztomogramm (MRT) Hinweise für eine disseminierte Krankheitsaktivität ergeben und andere Differenzialdiagnosen ausgeschlossen wurden (Positive Aussage belegt).
  • Bei primär progredienter MS lässt sich im Vergleich zur schubförmigen MS viel häufiger kernspintomographisch eine Atrophie des Rückenmarks nachweisen.
  • Bei Neuromyelitis optica (Devic-Syndrom) finden sich bei mindestens 70% der Patienten Serum-Antikörper gegen Aquaporin-4, einen Wasserkanal auf Astrozyten-Endfüßen. Diesen Antikörpern kommt diagnostische Bedeutung zu (Positive Aussage belegt).
  • Es gibt zunehmende Evidenz dafür, dass wiederholt nachweisbare hochtitrige neutralisierende Antikörper gegen Interferon-beta-Präparate mit einem nachfolgenden Wirkungsverlust der Interferone assoziiert sind (Positive Aussage belegt).
  • Neutralisierende Antikörper gegen Natalizumab gehen mit Nachlassen der Wirkung, bei der Hälfte der Patienten auch mit allergischen Symptomen einher und sollten zur Therapieumstellung auf ein anderes verlaufsmodifizierendes Medikament führen (Positive Aussage belegt).
  • Die kindliche MS manifestiert sich häufiger mit der Erstsymptomatik einer akuten disseminierten Enzephalomyelitis (ADEM) und präsentiert sich eher multifokal (Positive Aussage belegt).

Die wichtigsten Empfehlungen auf einen Blick

  • Gemäß den neuen Diagnosekriterien kann bei objektiviertem initialem Schubereignis bereits nach 31 Tagen durch Nachweis neuer T2-Läsionen und damit der zeitlichen und örtlichen Dissemination in der MRT die Diagnose MS gestellt werden (A).
  • Für die Frühtherapie mit s. c. IFN-β1b nach dem ersten Schub konnte erstmalig auch eine positive Wirkung auf den Behinderungsgrad, gemessen im EDSS nach 3 Jahren, dokumentiert werden (A).
  • Bei funktionell beeinträchtigenden Schüben, die nicht ausreichend auf hochdosierte Kortisonstoßtherapien ansprechen, lässt sich durch eine Plasmapherese innerhalb von 4 (–6) Wochen nach dem Schub bei bis zu 70% der Patienten doch noch eine weitgehende oder komplette Rückbildung der Schubsymptome erreichen (B).
  • Die Therapie mit Natalizumab (Handelsname: Tysabri) hat in den Zulassungsstudien zu einer deutlich stärkeren Schubreduktion geführt als die Basistherapeutika (A). Allerdings existiert kein direkter Vergleich und die MS-Patientenkollektive dieses Jahrzehnts sind weniger schwer erkrankt als bei den IFN-β-Studien der 90er Jahre.
  • Aufgrund potenzieller schwerer Nebenwirkungen von Tysabri, die allerdings nur in der Kombinationstherapie mit anderen immunmodulierenden bzw. immunsuppressiven Substanzen auftraten, wurde das Präparat von den Zulassungsbehörden ohne direkte Studienergebnisse nur für die Therapie der nicht ausreichend auf Basistherapie ansprechenden MS-Patienten sowie der unbehandelten Patienten mit hoher Krankheitsaktivität als Monotherapie zugelassen (B).
  • Bei nicht ausreichendem Ansprechen auf die Basistherapie wird zunehmend Tysabri als erstes Präparat der Eskalationstherapie vor Mitoxantron bei hochaktiver schubförmiger MS eingesetzt (C).
  • Bei Therapie mit Natalizumab (Tysabri) sollte im Sinne der Pharmakovigilanz nach Hinweisen auf mögliche Nebenwirkungen einer intensiven Immunintervention (wie z. B. opportunistische Infektionen) gesucht werden.
  • Wegen beschriebener seltener Leberfunktionsstörungen ist bei Natalizumab ein gezieltes Labormonitoring angezeigt.
  • Der therapeutische Nutzen der immunmodulatorischen Therapie kann klinisch im Allgemeinen frühestens nach ca. 12 Monaten abgeschätzt werden (Positive Aussage belegt).
  • Die quantitative Erfassung klinischer Befunde anhand etablierter Skalen (EDSS und MSFC) sollte unter der Therapie in den ersten beiden Jahren alle 3 Monate und bei Stabilisierung im Weiteren alle 6 Monate erfolgen (B).
  • Patientenschulung, Injektionstraining und konsequente Behandlung von Nebenwirkungen der Basistherapie verbessern die Adhärenz (Positive Aussage belegt).
  • MRT-Kontrolluntersuchungen sollten als ergänzende Untersuchung bei Verdacht auf Therapieversagen durchgeführt werden (B).

 

 

Herausgegeben von der Kommission "Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie"
     
Leitlinien Cover.jpg  

Aus: H. C. Diener, N. Putzki: "Leitlinien für die Diagnostik und Therapie in der Neurologie", Georg Thieme Verlag, 4. überarb. Auflage 2008
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