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Leitlinien der DGN - Bakterielle (eitrige) Meningoenzephalitis Drucken E-Mail
KAPITEL
Entzündliche und erregerbedingte Erkrankungen
Bakterielle (eitrige) Meningoenzephalitis
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Federführend
Prof. Dr. Hans-Walter Pfister,
München,
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Was gibt es Neues?

  •  Eine aktualisierte Meta-Analyse (18 Studien, 2750 Patienten; Van de Beek et al. 2007) zeigte, dass die adjuvante Therapie mit Dexamethason die Letalität der bakteriellen Meningitis, insbesondere der Pneumokokkenmeningitis, im Erwachsenenalter senkt; ferner reduzierten Kortikosteroide die Zahl schwerer Hörstörungen und neurologischer Residualsymptome (Positive Aussage gut belegt)
  • Eine positive Wirkung von Dexamethason bei der Meningokokkenmeningitis konnte nicht belegt werden (Keine sicheren Studien).
  • Klinische Studien haben gezeigt, dass der verzögerte Beginn einer Antibiotikatherapie mit einer ungünstigen Prognose vergesellschaftet ist (Proulx et al. 2005, Auburtin et al. 2006). Eine prospektive klinische Studie zeigte bei erwachsenen Patienten mit Pneumokokkenmeningitis, dass die Letalitätszahlen und die Rate neurologischer Residuen bei den Patienten signifikant niedriger waren, die innerhalb von 3 Stunden nach Krankenhausaufnahme antibiotisch behandelt wurden, im Vergleich zu den Patienten, bei denen eine Antibiotikatherapie erst später als 3 Stunden nach Krankenhausaufnahme erfolgte (Auburtin et al. 2006) (Positive Aussage gut belegt).
  • Kürzlich konnte in einer multizentrischen, retrospektiven Kohortenstudie bei Kindern mit bakterieller Meningitis ein bakterieller Meningitis-Score entwickelt werden, mit dem eine Vorhersagewahrscheinlichkeit der Diagnose möglich ist (Nigrovic et al. 2007). In dieser Studie zeigte sich, dass das Risiko für Kinder, tatsächlich an einer bakteriellen Meningitis erkrankt zu sein, sehr niedrig ist (0,1%), wenn im bakteriellen Meningitis-Score alle folgenden diagnostischen Kriterien fehlen: positiver Befund in der Liquor-Gramfärbung, absolute Liquorgranulozytenzahl > 1000 Zellen/µl, Liquor-Gesamteiweiß ≥80 mg/dl, Leukozytenzahl im Blut ≥10000 Zellen/µl sowie Vorliegen eines epileptischen Anfalls vor oder zum Zeitpunkt der Aufnahme.

Die wichtigsten Empfehlungen auf einen Blick

  • Bei erwachsenen Patienten mit Verdacht auf eine bakterielle Meningitis (keine Bewusstseinsstörung, kein fokalneurologisches Defizit) soll unmittelbar nach der klinischen Untersuchung die lumbale Liquorpunktion angeschlossen werden. Nach Abnahme von Blutkulturen werden sofort Dexamethason (10 mg) und Antibiotika i. v. verabreicht (A).
  • Bei schwer bewusstseinsgestörten Patienten und Patienten mit fokalneurologischem Defizit (z. B. Hemiparese), bei denen der dringende Verdacht auf eine bakterielle Meningitis besteht, sollen bereits unmittelbar nach der Blutentnahme (für das Anlegen einer Blutkultur) Dexamethason und Antibiotika i. v. gegeben werden; anschließend werden ein Schädel-Computertomogramm und – wenn der CT-Befund nicht dagegen spricht – eine Liquorpunktion durchgeführt (C).
  • Die initiale empirische Antibiotikatherapie bei der ambulant erworbenen bakteriellen Meningitis im Erwachsenenalter beinhaltet eine Kombination aus Ampicillin und einem Cephalosporin der 3. Generation (z. B. Ceftriaxon) (A); bei dringendem Verdacht auf eine Meningokokkenerkrankung (Alter, Exposition, Hauterscheinungen) ist Penicillin G nach wie vor ausreichend (C).
  • Eine Antibiotikatherapie muss bei Patienten mit Verdacht auf bakterielle Meningitis möglichst schnell begonnen werden. Eine Verzögerung der Antibiotikatherapie um mehr als 3 Stunden nach Krankenhausaufnahme muss unbedingt vermieden werden (A).
  • Es muss eine rasche Fokussuche erfolgen, insbesondere eine HNO-ärztliche Konsiliaruntersuchung und Suche nach einem parameningealen Entzündungsherd im CT oder MRT (z. B. Sinusitis) (A).
  • Bei fehlender klinischer Besserung innerhalb von 2 Tagen nach Beginn der Antibiotikatherapie müssen vor allem folgende Ursachen bedacht werden: Auftreten von intrakraniellen Komplikationen, persistierender infektiöser Fokus, inadäquate Antibiotikatherapie (A).
  • Bei Vorliegen eines erhöhten intrakraniellen Drucks müssen hirndrucksenkende Maßnahmen durchgeführt werden, z. B. Oberkörperhochlagerung (30°), Osmotherapie, externe intraventrikuläre Liquordrainage bei Vorliegen eines Hydrozephalus (A).
  • Für die arteriellen zerebralen Gefäßkomplikationen (Arteriitis, Vasospasmus) gibt es bislang keine gesicherten Therapieoptionen.
  • Die Antikoagulation mit PTT-wirksamem intravenösem Heparin ist bei septischen Sinus-sagittalis- oder Sinus-cavernosus-Thrombosen oder kortikalen Venenthrombosen zu empfehlen (C).

 

Herausgegeben von der Kommission "Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie"
     
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Aus: H. C. Diener, N. Putzki: "Leitlinien für die Diagnostik und Therapie in der Neurologie", Georg Thieme Verlag, 4. überarb. Auflage 2008
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