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Leitlinien der DGN - Virale Meningoenzephalitis Drucken E-Mail
KAPITEL
Entzündliche und erregerbedingte Erkrankungen
 Virale Meningoenzephalitis
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Federführend
Prof. Dr. Uta
Meyding-Lamadé,
Frankfurt,
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Was gibt es Neues?

  • Das Medikamentenspektrum für Viruskrankheiten wurde in den letzten Jahren erweitert um die Neuraminidasehemmer mit Wirksamkeit bei Orthomyxoviren (Zanamivir und Oseltamivir), um sog. Canyon-Blocker (Pleconaril) gegen Picorna-Viren (z. B. Coxsackie-Viren) und um die Breitspektrum-Antiherpetika Adefovir (auch gegen HIV und HBV wirksam) sowie Lobucavir. Allerdings liegt für keines der vorgenannten Präparate bislang eine kontrollierte Studie über die Wirksamkeit bei viralen Meningoenzephalitiden vor.
  • Verdichtet haben sich die Hinweise, dass eine aktive Hepatitis-C-Infektion bei einem kleinen Teil der Patienten mit ZNS-Komplikationen insbesondere mit affektiven und kognitiven Funktionsstörungen einhergehen kann. Bei nahezu 7000 Hepatitis-C-Neuinfektionen in Deutschland pro Jahr wird man sich in Zukunft auch den neurologischen Implikationen dieser viralen Erkrankung zuwenden müssen, zumal die Therapie der Hepatitis C relativ erfolgversprechend ist (siehe Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen – DGVS).
  • Für die Differenzialdiagnostik zwischen bakteriellen und viralen Meningoenzephalitiden bietet sich neben dem Liquor die Procalcitonin-Konzentration im Serum an; sie ist nur bei bakteriellen Erkrankungen erhöht.
  • Ungewöhnliche Erreger viraler Meningoenzephalitiden werden in den westlichen Ländern zunehmend häufiger gefunden – nämlich Hantaan- und Puumula-Virus aus der Familie der Bunya-Viren, Nipah-Virus aus der Familie der Paramyxoviren sowie West-Nil-Virus (WNV) und Japanisches Enzephalitis-Virus (JEV) aus der Familie der Flavi-Viren. Eine kürzlich abgeschlossene Therapiestudie mit Interferon alpha-2a bei JEV blieb ohne Wirkungsnachweis (Solomon et al. 2003a, b) (Negative Aussage gut belegt). Für Nipah-Virus-Infektionen soll Ribavirin eine Therapieoption darstellen (Snell 2004) (Keine sicheren Studien).
  • Tollwut stellt nach wie vor weltweit die zehnthäufigste Infektionskrankheit dar und unlängst sind in Deutschland seit Jahrzehnten wieder die ersten Patienten an Tollwut erkrankt, unglücklicherweise im Rahmen einer Transplantation von Spenderorganen. Der Organspender hatte sich in Indien infiziert. Bei Erhebung der Auslandsanamnese sollte stets daran gedacht werden, dass Tollwut eine variable Inkubationszeit von meist 3 Wochen bis 3 Monate, in Einzelfällen bis zu mehreren Jahren hat.

Die wichtigsten Empfehlungen auf einen Blick

  • Bei Verdacht auf Virusmeningitis CCT und Lumbalpunktion durchführen (Liquordiagnostik gemäß Leitlinie „Diagnostik akuter ZNS-Infektionen der DGHM) (A).
  • Beim enzephalitischen Syndrom ist die MRT-Untersuchung erforderlich (A).
  • Bei enzephalitischer Symptomatik und Verdacht auf eine Herpes-Virus-Ätiologie ist die i. v. Gabe von Aciclovir ohne Verzug einzuleiten (A).
  • Die blande Virusmeningitis ist symptomatisch antipyretisch und analgetisch zu behandeln. Patienten mit akuten viralen Enzephalitiden sind auf der Intensivstation zu betreuen (B).

 

 

Herausgegeben von der Kommission "Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie"
     
Leitlinien Cover.jpg  

Aus: H. C. Diener, N. Putzki: "Leitlinien für die Diagnostik und Therapie in der Neurologie", Georg Thieme Verlag, 4. überarb. Auflage 2008
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