|
Leitlinien der DGN - Therapie des episodischen und chronischen Spannungskopfschmerzes und anderer chronischer täglicher Kopfschmerzen |
|
|
KAPITEL Kopfschmerzen und andere Schmerzen
|
Therapie des episodischen und chronischen Spannungskopfschmerzes und anderer chronischer täglicher Kopfschmerzen
|
|
|
|
Mehr zu dieser Leitlinie
|
|
|
Federführend Prof. Dr. Andreas Straube (Sprecher), München,
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
|
|
|
|
Leitlinien- Navigator
|
|
|
|
Was gibt es Neues?
-
Mit der Einführung der neuen IHS-Klassifikation (Headache Classification Subcommittee of the International Headache Society, 2nd ed., 2004) werden 4 primäre Kopfschmerzformen als Ursache eines nichtsymptomatischen, primären, chronischen Kopfschmerzes unterschieden: - IHS 1.5.1: chronische Migräne - IHS 2.3: chronischer Kopfschmerz vom Spannungstyp (im Folgenden Spannungskopfschmerz) - IHS 4.7: Hemicrania continua mit einem einseitigen Dauerkopfschmerz - IHS 4.8: neu aufgetretener Dauerkopfschmerz (engl.: new daily persistent headache)
-
Die wichtigste Differenzialdiagnose stellt der Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch (IHS 8.2), dar, der sich bei ca. 1,0% der Bevölkerung findet.
-
Beim chronischen Spannungskopfschmerz finden sich MR-morphometrisch Hinweise auf strukturelle Veränderungen im Bereich des zentralen schmerzverarbeitenden Systems.
-
Beim chronischen Spannungskopfschmerz sind neben den trizyklischen Antidepressiva ( ) möglicherweise auch das gemischt serotonerg/adrenerg wirkende Mirtazapin ( ) sowie der Noradrenalin-Serotonin-Wiederaufnahmehemmer Venlafaxin und das Muskelrelaxans Tizanidin ( ) prophylaktisch wirksam.
-
Die Kombination aus pharmakologischer Therapie und Stressbewältigungstraining ist erfolgreicher als die Einzeltherapien ( ).
-
Akupunktur nach klassischen Kriterien ist genauso wirksam wie eine „Minimal-Akupunktur“ ( ).
-
Botulinum-Toxin ist beim chronischen Spannungskopfschmerz nicht wirksam ( ), bezüglich einer Indikation bei der chronischen Migräne kann keine Aussage gemacht werden.
-
Die chronische Migräne ist bei mehr als 80% der Patienten mit einem Medikamentenübergebrauch assoziiert. Ein Medikamentenübergebrauch findet sich gehäuft bei anamnestischen Hinweisen auf Suchterkrankungen in der Familie.
-
Komorbidität mit Depression und Angsterkrankungen, aber auch mit muskuloskelettalen Schmerzen ist häufig.
Die wichtigsten Empfehlungen auf einen Blick
-
Der chronische Kopfschmerz hat keine einheitliche Ätiologie. Es können vier verschiedene Formen unterschieden werden, wobei die Mehrzahl der Patienten an einer chronischen Migräne oder einem chronischen Spannungskopfschmerz leidet.
-
Bei der chronischen Migräne ist häufig eine Komorbidität mit einer Depression/Angsterkrankung zu beobachten.
-
Eine prophylaktische Therapie mit Topiramat ermöglicht möglicherweise die Reduktion der Medikamenteneinnahme und der Kopfschmerztage ohne einen formalen Medikamentenentzug ( ).
-
Bei gleichzeitig bestehendem Medikamentenübergebrauch sollte ein Entzug durchgeführt werden (C).
-
Ein multimodales Therapiekonzept ist signifikant wirksamer als eine reine Pharmakotherapie oder isolierte psychologische Maßnahmen (z. B. Entspannungsverfahren) (A).
-
Die Pharmakotherapie des chronischen Spannungskopfschmerzes basiert auf dem Einsatz von trizyklischen Antidepressiva (Amitriptylin) (A) oder alternativ der dualen Antidepressiva Mirtazapin oder Venlafaxin (B) bzw. dem zentral wirkenden Muskelrelaxans Tizanidin (B). Ein Therapieerfolg ist erst nach mehreren Wochen abschätzbar. Akupunktur ist eine mögliche Alternative ( ).
-
Die Hemicrania continua ist eine seltene einseitige Kopfschmerzform und reagiert fast immer auf eine Therapie mit Indometacin (A).
| Herausgegeben von der Kommission "Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie" |
| |
|
|
 |
|
Aus: H. C. Diener, N. Putzki: "Leitlinien für die Diagnostik und Therapie in der Neurologie", Georg Thieme Verlag, 4. überarb. Auflage 2008 > direkt bei Amazon.de bestellen
|
|