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Leitlinien der DGN - Akuttherapie des ischämischen Schlaganfalls Drucken E-Mail
KAPITEL
Vaskuläre Erkrankungen
Akuttherapie des ischämischen Schlaganfalls
Gemeinsame Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG)
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Federführend
Dr. Werner Hacke,
Heidelberg,
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Aktualisierung der Leitlinie im Mai 2009

Die Thrombolyse mit intravenösem rekombinanten Gewebsplasminogen Aktivator (rt-PA, 0,9 mg pro kg Körpergewicht, Maximum 90 mg), 10% der Dosis als Bolusgabe, gefolgt von einer 60-minütigen Infusion wird  in einem Zeitfenster bis 4,5 Stunden nach Symptombeginn eines ischämischen Schlaganfalls empfohlen (a_dup.gif). Allerdings ist die Behandlung zwischen 3 und 4,5 Stunden im Moment noch nicht in der europäischen Zulassung von Alteplase erfasst.

Begündung

Die kürzlich publizierte dritte europäische kooperative akute Schlaganfallstudie (ECASS 3) hat eindeutig belegt, dass intravenöse Alteplase im Zeitfenster zwischen 3 und 4,5 Stunden (mediane Einschlusszeit 3 Stunde 59 Minuten) nach Symptombeginn das klinische Resultat bei Patienten mit akutem ischämischen Schlaganfall im Vergleich zu Placebo signifikant verbessert (1). Der absolute Unterschied in der Verhinderung von Behinderung und Tod beträgt 7,2% gegenüber Placebo, und dies trotz einem erhöhten Risiko symptomatischer zerebraler Blutungen (2,4% versus 0,2%). Die adjustierte odds ratio für ein gutes Behandlungsergebnis  war 1,42 (95% Konfidenzintervall 1.02-1.98. Es gibt keinen signifikanten Unterschied in der Mortalität (7,7 versus 8,4 %).

Der Behandlungseffekt bleibt zeitabhängig. Die NNT um 1 Patienten mehr in ein günstiges Behandlungsergebnis zu führen geht von 3 in den ersten 90 Minuten über 7 zwischen 0 und 3 Stunden auf 14 zwischen 3 und 4,5 Stunden. Parallel zu ECASS 3 wurden im SITS-ISTR Register 664 Patienten mit ischämischem Schlaganfall, die zwischen 3 und 4,5 Stunden off label behandelt worden waren, mit 11.865 Patienten, die im 3 Stunden-Zeitfenster behandelt waren untersucht (2). Es gab keine Unterschiede zwischen den Behandlungsergebnissen der 3-4,5 Stunden Kohorte und der 3 Stunden-Gruppe, ein weiterer Beleg dafür, dass Alteplase auch zwischen 3 und 4,5 Stunden nach dem Beginn der Symptome eines ischämischen Schlaganfalls sicher gegeben werden kann (2).

Literatur

1. Hacke W, Kaste M, Bluhmki E, Brozman M, Davalos A, Guidetti D, et al. Thrombolysis with alteplase 3 to 4.5 hours after acute ischemic stroke. N Engl J Med. 2008;359(13):1317-29.
2. Wahlgren N, Ahmed N, Davalos A, Hacke W, Millan M, Muir K, et al. Thrombolysis with alteplase 3-4.5 h after acute ischaemic stroke (SITS-ISTR): an observational study. Lancet. 2008;372(9646):1303-9.  
 


Was gibt es Neues?

  •  Im Jahr 2008 wurden neue Empfehlungen der European Stroke Organisation (ESO) zur Schlaganfallbehandlung publiziert.
  • Das Thrombolysetherapieregister SITS-MOST bestätigte den in randomisierten Studien gezeigten Nutzen und die Sicherheit der intravenösen Thrombolyse mit rt-PA im 3-Stunden-Zeitfenster beim akuten Schlaganfall. Eine gemeinsame Analyse der randomisierten Studien zur Schlaganfallakuttherapie mit intravenösem rt-PA bestätigt die Wirksamkeit dieser Therapie bis zu 4,5 Stunden nach Symptombeginn.
  • Die Erfahrungen mit der Durchführung und Interpretation der Magnetresonanztomographie (MRT) in der Schlaganfallakutphase haben deutlich zugenommen. Einige Studien sprechen dafür, dass MRT-Aufnahmen zusätzliche Informationen zur Risko-Nutzen-Abschätzung einer Thrombolyse liefern. Allerdings erbrachte die MRT-basierte Thrombolyse mit Desmoteplase im 3–9-Stunden-Zeitfenster keinen Nutzen in der DIAS II-Studie. Darüber hinaus ist die MRT in der Akutphase von Ischämien in der hinteren Strombahn der CT überlegen und sollte wenn möglich direkt zur Diagnostik herangezogen werden.
  • Die klassische Differenzierung von transitorisch ischämischen Attacken (TIA) und vollendeten ischämischen Schlaganfällen gilt als überholt. Die Eingruppierung von Schlaganfällen nach der Dauer der Symptome wird zunehmend durch eine pathophysiologische Einteilung ersetzt, nachdem gezeigt werden konnte, dass auch bei vielen Patienten mit flüchtiger Symptomatik morphologische Hirnschäden nachweisbar sind. Deshalb wird in dieser Leitlinie der Begriff „ischämischer Schlaganfall“ für alle Formen der akuten fokalen zerebralen Ischämie benutzt.
  • In den ersten Tagen nach einer TIA oder einem Schlaganfall haben die Patienten ein hohes Risiko, einen manifesten Schlaganfall bzw. ein Schlaganfallrezidiv zu erleiden.
  • Die frühe Hemikraniektomie verringert die Mortalität und verbessert das funktionale Outcome der Überlebenden bei raumforderndem Mediainfarkt.
  • Eine große randomisierte Studie zum Einsatz des Radikalfängers NXY-059 beim akuten Schlaganfall erbrachte kein positives Ergebnis. Auch die Gabe von GP-IIb/IIIa-Rezeptorantagonisten kann derzeit nicht empfohlen werden. Eine große randomisierte Studie zum Einsatz von Abciximab im 6-Stunden-Zeitfenster wurde wegen erhöhter Blutungsrate vorzeitig abgebrochen.


Die wichtigsten Empfehlungen auf einen Blick

  • Der Schlaganfall ist als medizinischer Notfall anzusehen. Schlaganfallpatienten sollten in Schlaganfallstationen behandelt werden (A).
  • Die kraniale Computertomographie (CCT) ist die wichtigste apparative Untersuchung bei Schlaganfallpatienten. Sie muss unverzüglich durchgeführt werden (A). Die MRT kann die CCT ersetzen, wenn sie rasch zur Verfügung steht und eine Gradienten-Echo-Sequenz zum Blutungsausschluss durchgeführt wird. Sie ist der CT im Nachweis von frühen Ischämien überlegen und insbesondere bei Prozessen der hinteren Zirkulation einzusetzen (B).
  • Der neurologische Status und die Vitalfunktionen von Schlaganfallpatienten sollten in der Akutphase regelmäßig überwacht werden (A). Die Behandlung entgleister physiologischer Parameter ist die Basis der Schlaganfallbehandlung.
  • Die intravenöse Behandlung mit rtPA wird innerhalb eines 3-Stunden-Fensters zur Behandlung ischämischer Schlaganfälle an in dieser Therapie erfahrenen Zentren empfohlen (A).
  • Bereits in der Frühphase eines ischämischen Schlaganfalls soll die Prophylaxe eines Schlaganfalls bzw. Schlaganfallrezidivs eingeleitet werden. Die Verabreichung von Acetylsalicylsäure (100–300 mg/d) in der Frühphase nach einem ischämischen Schlaganfall kann empfohlen werden (A).
  • Die Frühmobilisation hilft bei der Vermeidung zahlreicher Komplikationen inklusive Aspirationspneumonie, tiefer Beinvenenthrombose und Dekubitalgeschwüren (A).
  • Bei raumfordernden Mediainfarkten verbessert die frühe Hemikraniektomie die Überlebenswahrscheinlichkeit und das funktionelle Outcome bei den Überlebenden  (A).

 

Herausgegeben von der Kommission "Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie"
     
Leitlinien Cover.jpg  

Aus: H. C. Diener, N. Putzki: "Leitlinien für die Diagnostik und Therapie in der Neurologie", Georg Thieme Verlag, 4. überarb. Auflage 2008
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                                <h5 align="center"><strong>Federführend<br /> </strong>Univ.-Prof. Dr.  E. Schmutzhard, <br />Innsbruck,<br /><a href="mailto: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. "> Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. </a></h5>
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