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Leitlinien der DGN - Neurosyphilis Drucken E-Mail
KAPITEL
Entzündliche und erregerbedingte Erkrankungen
Neurosyphilis
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Federführend
Prof. Dr. Jörg. R. Weber, Klagenfurt, Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
Prof. Dr. Hilmar Prange, Göttingen,
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Was gibt es Neues?

Die Inzidenzzahlen für Syphilis-Neuinfektionen steigen international unverändert an, wobei in Deutschland in den letzten Jahren keine Anstiege mehr zu verzeichnen sind. Dessen ungeachtet ist in Großstädten eine Zunahme von Fällen mit gleichzeitiger Syphilis- und HIV-Infektion zu beobachten. Frühkomplikationen des ZNS (z. B. syphilitische Meningitis oder Hirnnervenläsionen) werden damit wieder häufiger.

Die wichtigsten Empfehlungen auf einen Blick

Der Verdacht auf Neurosyphilis ergibt sich entweder aus anamnestischen Angaben über eine frühere Geschlechtskrankheit oder durch eine positive Treponemenserologie bei gleichzeitig bestehenden neurologischen und/oder psychiatrischen Symptomen.

Das weitere diagnostische Vorgehen sollte wie folgt aussehen:

  • klinische Untersuchung mit besonderer Beachtung von Symptomen, die für eine Neurosyphilis typisch sind,
  • ein bildgebendes Verfahren (cMRT),
  • Lumbalpunktion mit Bestimmung von Zellzahl, Gesamtprotein, Liquorlaktat, synchrone Untersuchung von Liquor und Serum zur Errechnung der L/S-Quotienten für Albumin, IgG, IgA, IgM und eines Antikörperindexes für Treponemenantikörper (z. B. ITpA-Index nach Müller und Prange).

Ist die Diagnose eines stattgehabten syphilitischen ZNS-Befalls sicher oder höchst wahrscheinlich, so wird die Aktivität des Prozesses geprüft. Folgende Befunde sprechen dafür:

  • Treponemenspezifisches IgM im Serum nachweisbar (und in den letzten ca. 12 Monaten keine Therapie durchgeführt) (A)
  • Mononukleäre Pleozytose im Liquor (A)
  • Sehr hohe erregerunspezifische Antikörpertiter in Serum und Liquor (z. B. VDRL-Test im Liquor positiv) (B)
  • Progredienz der neurosyphilistypischen Symptome (Zunahme kognitiver Defizite, Zunahme der lanzinierenden Schmerzen oder der Hinterstrangataxie) (C)

Die Therapie der ersten Wahl besteht in der i. v. Gabe von Penicillin G in hoher Dosis (4 Mio. IE alle 4 Stunden oder 3 × 10 IE/d oder 5 × 5 Mio. IE/d über 10–14 Tage) (A). Alternativ kann auch die i. v. Verabfolgung von 2 g Ceftriaxon (Initialdosis 4 g) über 10–14 Tage angewendet werden (B).
Andere Antibiotika (Doxycyclin, Chloramphenicol) sind nicht genügend evaluiert (C). Bei Penicillinallergie kann unter besonderer Überwachung eine Therapie mit Ceftriaxon gestartet werden (C) oder es wird davor eine Desensibilisierung nach dermatologischer Maßgabe durchgeführt (B). Nachuntersuchungen in größeren Zeitabständen (3 Monate) sollten nach der Behandlung erfolgen (A).

 

 

 

 

Herausgegeben von der Kommission "Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie"
     
Leitlinien Cover.jpg  

Aus: H. C. Diener, N. Putzki: "Leitlinien für die Diagnostik und Therapie in der Neurologie", Georg Thieme Verlag, 4. überarb. Auflage 2008
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