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Leitlinien der DGN - Erster epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter Drucken E-Mail
KAPITEL
Anfälle und Bewusstseinsstörungen
Erster epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter
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Federführend
Prof. Dr. Christian E. Elger, Bonn, 
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Was gibt es Neues?

  • Die Internationale Liga gegen Epilepsie hat eine neue Epilepsiedefinition vorgeschlagen. Neuerdings ist für die Diagnose einer Epilepsie nur noch ein Anfall nötig, wenn zusätzlich durch einen entsprechenden EEG-Befund (z. B. 3/s Spike-Waves) oder einen MRT-Befund (z. B. Ammonshornsklerose) eine erhöhte Epileptogenität als wahrscheinlich angenommen werden kann.
  • Die große Vergleichsstudie (SANAD) zur Ersttherapie mit dem Vergleich moderner und älterer Antikonvulsiva zeigte, dass Lamotrigin bei fokalen Epilepsien – bei gleicher Wirksamkeit – besser verträglich ist als Carbamazepin und weiterhin dass Valproat bei generalisierten und unklassifizierbaren Epilepsien besser wirksam ist als Lamotrigin und verträglicher ist als Topiramat, das sich als ebenso wirksam erwies wie Valproat (Positive Aussage gut belegt) (A).
  • Levetiracetam ist zur Monotherapie von neuerkrankten Epilepsien mit fokalen mit und ohne sekundär generalisierte Anfällen zugelassen (positive Aussage belegt) (A).
  • Zonisamid ist zur Zusatztherapie von Epilepsien mit fokalen und sekundär generalisierten Anfällen zugelassen (positive Aussage belegt) (A).
  • Rufinamid ist zur Therapie von Anfällen bei Lennox-Gastaut-Syndrom zugelassen (positive Aussage belegt) (A).
  • Der neue Rahmenvertrag zur Substitution von Originalpräparaten durch Generika schließt auch Antiepileptika mit ein. Durch Rabattverträge könnte zukünftig sogar der wiederholte Austausch von Generika erzwungen werden. Einzelfälle zeigen jedoch, dass bei anfallsfreien Patienten eine langjährige Anfallsfreiheit durch diesen Austausch gefährdet wird. Wegen der erheblichen sozialen Konsequenzen für den Patienten ist hier eine besonders sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung empfehlenswert (keine sicheren Studien) (A).


Die wichtigsten Empfehlungen auf einen Blick

  • Bei erhöhter Epileptogenität kann bereits der erste Anfall der Beginn einer Epilepsie sein, der zu einer medikamentösen Behandlungsempfehlung führen kann (positive Aussage belegt) (A).
  • Bei fokalen Epilepsien werden Lamotrigin und ggf. auch Levetiracetam als bevorzugte Mittel der ersten Wahl empfohlen (Positive Aussage gut belegt) (A).
  • Bei generalisierten oder unklassifizierbaren Epilepsien wird weiterhin Valproat als bevorzugtes Mittel der ersten Wahl empfohlen (Positive Aussage gut belegt) (A).
  • Da zwei Drittel aller Epilepsiepatienten lebenslang therapiert werden, sollten statt Enzyminduktoren und Enzymhemmern (klassische Antikonvulsiva) moderne Medikamente ohne Interaktionspotenzial vorgezogen werden (Positive Aussage gut belegt) (A).
  • Obwohl Generika wesentlich zum Einsparpotenzial beitragen, sollten wegen der variablen Bioverfügbarkeit und des damit verbundenen Rückfallrisikos (Fahrtauglichkeit!) vor allem bei anfallsfreien Patienten vor einem Wechsel eine sorgfältige Risikoabwägung und Aufklärung erfolgen. Die Neu- und Dauereinstellung auf ein bestimmtes Generikum ist hingegen medizinisch unproblematisch (keine sicheren Studien) (A).
  • Die Grundlage für eine epilepsiechirurgische Maßnahme ist unter anderem die Pharmakoresistenz. Obwohl auch noch nach langjähriger Pharmakoresistenz Anfallsfreiheit durch „neue“ Antikonvulsiva erreicht werden kann, sollte die Resistenzprüfung von der Eignung des Patienten für einen epilepsiechirurgischen Eingriff abhängen. Bei geeigneten Kandidaten beträgt sie weniger als 5 Jahre (keine sicheren Studien) (A).
  • Die Vagus-Nerv-Stimulation ist eine bei über 100000 Patienten durchgeführte Therapiemaßnahme. Sie führt zwar nur selten zur Anfallsfreiheit, von der Anfallsreduktion und dem antidepressiven Effekt profitieren aber zahlreiche Patienten (Positive Aussage gut belegt) (A).
  • Das Ende einer antiepileptischen Therapie sollte nicht nach der Zahl der anfallsfreien Jahre bestimmt werden. Vielmehr sollte geprüft werden, ob die epilepsieauslösende Ursache wirklich weggefallen ist (z. B. keine Änderung der genetischen Disposition bei vielen idiopathisch generalisierten Epilepsien, strukturelle Veränderungen persistieren etc.). Nur Patienten, die dieses Kriterium erfüllen, haben nach Ende der Therapie ein geringes Rückfallrisiko (keine sicheren Studien) (B).

 

Herausgegeben von der Kommission "Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie"
Leitlinien Cover.jpg

Aus: H. C. Diener, N. Putzki: "Leitlinien für die Diagnostik und Therapie in der Neurologie", Georg Thieme Verlag, 4. überarb. Auflage 2008
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