KAPITEL Schlafstörungen
|
Schlafbezogene Atmungsstörungen (SBAS) bei neurologischen Erkrankungen
|
|
|
|
Mehr zu dieser Leitlinie
|
|
|
Federführend Prof. Dr. Christian Gerloff, Hamburg,
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
|
|
|

|
Leitlinien- Navigator
|
|
|
|
Was gibt es Neues?
-
Das obstruktive Schlaf-Apnoe-Syndrom (OSAS) ist ein unabhängiger Risikofaktor für Atherosklerose (Tanriverdi et al. 2006, Dziewas et al. 2007), das Auftreten von Schlaganfällen (Yaggi et al. 2005, Munoz et al. 2006) und kardiovaskulären ischämischen Ereignissen (Marin et al. 2005).
-
Die Therapie des schweren OSAS (AHI > 30/h) mit nCPAP führte in einer offenen prospektiven Studie mit 10 Jahren Verlaufsbeobachtung zu einer signifikanten Reduktion kardiovaskulärer und zerebrovaskulärer Ereignisse (Marin et al. 2005) ( ) (B). Nach einzelnen Berichten bewirkt die nCPAP-Therapie möglicherweise eine Reduktion atherosklerotischer Surrogatparameter (Intima-Media-Dicke, Interleukin-6, CRP) (Yokoe et al. 2003, Drager et al. 2007).
-
SBAS in der Akutphase nach zerebraler Ischämie sind mit einer erhöhten Mortalität assoziiert (Bassetti et al. 2006) ( ).Faktoren, die eine nCPAP-Therapie in den ersten Tagen nach Schlaganfall favorisieren, sind: leichter bis mittelschwerer Schlaganfall, keine schwere Aphasie, faziale Parese oder Demenz, Alter < 70 Jahre, keine schwere Komorbidität (z. B. Tumorleiden mit infauster Prognose), multiple kardiovaskuläre Risikofaktoren, AHI > 30/h und überwiegend obstruktives SAS, exzessive Tagesschläfrigkeit (C). Aufgrund mangelnder Datenlage kann keine generelle Empfehlung zur frühen nCPAP-Therapie nach Schlaganfall ausgesprochen werden. Des Weiteren ist mit einer hohen Anzahl von Patienten zu rechnen, die in dieser Phase nCPAP nicht tolerieren (Hsu et al. 2006).
-
Patienten mit amyotropher Lateralsklerose, die eine nichtinvasive Beatmung für mindestens 4 Stunden täglich tolerieren, überleben länger (Bourke et al. 2006, Lo Coco et al. 2006) ( ) (A) und haben dabei eine bessere Lebensqualität (Bourke et al. 2006) ( ).
-
Bei der Evaluation von Patienten mit Verdacht auf SBAS sollte berücksichtigt werden, dass die subjektiven Beschwerden bei Frauen und Männern mit SBAS unterschiedlich sind. Frauen klagen häufiger als Männer über Insomnie, Restless-Legs-Syndrom-artige Beschwerden, Depression, Albträume, nächtliche Palpitationen und Halluzinationen (Valipour et al. 2007) ( ) (C).
Die wichtigsten Empfehlungen auf einen Blick
-
Bei der häufigsten Form der SBAS, dem obstruktiven Schlaf-Apnoe-Syndrom (OSAS), ist die Therapie der Wahl die nasale CPAP-Beatmung (> 90% Therapieerfolg) ( ) (A). Übliche Druckwerte liegen zwischen 6 und 14 mbar (individuelle Einstellung erforderlich).
-
Ober- und Unterkieferschienen („oral appliances“) sind der nasalen CPAP-Therapie beim OSAS deutlich unterlegen ( ). Sie sind allerdings wirksam im Vergleich zu Plazebo (Reduktion des Apnoe-Hypopnoe-Indexes, Besserung der Hypersomnie) ( ), so dass sie als Alternative bei Patienten in Betracht kommen, die eine CPAP-Therapie nicht tolerieren (A).
-
Aufgrund mangelnder Datenlage kann keine generelle Empfehlung zur frühen nCPAP-Therapie nach Schlaganfall ausgesprochen werden. Faktoren, die aber eine nCPAP-Therapie (bei SBAS) in den ersten Tagen nach Schlaganfall eindeutig favorisieren, sind: leichter bis mittelschwerer Schlaganfall, keine schwere Aphasie, faziale Parese oder Demenz, Alter < 70 Jahre, keine schwere Komorbidität (z. B. Tumorleiden mit infauster Prognose), multiple kardiovaskuläre Risikofaktoren, AHI > 30/h und überwiegend obstruktives SAS, exzessive Tagesschläfrigkeit ( )(C).
-
Bei SBAS im Zusammenhang mit neurologischen Erkrankungen finden häufig auch andere Beatmungsformen Anwendung (BilevelPAP, Sauerstoffgabe per Nasensonde) (B).
-
Operative Maßnahmen beim OSAS (Tonsillektomie, Uvulopalatopharyngoplastik, mandibuläre und maxilläre Umstellungsosteotomie) sollten erst nach Ausschöpfen aller konservativen Therapiemaßnahmen erwogen werden (B).
| Herausgegeben von der Kommission "Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie" |
| |
|
|
 |
|
Aus: H. C. Diener, N. Putzki: "Leitlinien für die Diagnostik und Therapie in der Neurologie", Georg Thieme Verlag, 4. überarb. Auflage 2008, > direkt bei Amazon.de bestellen
|
|