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Leitlinien der DGN - Hirnabszess Drucken E-Mail
KAPITEL
Entzündliche und erregerbedingte Erkrankungen
Hirnabszess
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Federführend
Prof. Dr. R. Nau, Göttingen,
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Vorwort 4. Auflage
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Was gibt es Neues?

  • Mittels diffusionsgewichteter kernspintomographischer Bilder können abgekapselte Hirnabszesse mit hoher Treffsicherheit von hirneigenen zentral nekrotischen Tumoren bzw. Hirnmetastasen differenziert werden.
  • Pharmakokinetische Daten zum Übertritt von Linezolid (Dosierung 2 × 600 mg/d) durch die Blut-Liquor-Schranke sowie eine zunehmende Zahl kasuistischer Berichte belegen eine gute Wirksamkeit beim Hirnabszess.

Die wichtigsten Empfehlungen auf einen Blick

  • Die entscheidende diagnostische Maßnahme ist das kraniale CT (CCT) oder MRT (C-MRT) ohne und mit Kontrastmittel. Das C-MRT ohne und mit Gadoliniumgabe ist in seiner Sensitivität dem CCT überlegen (C).
  • Für die Erregeridentifikation sind Blutkulturen sowie die rasche Gewinnung von Abszessinhalt durch (stereotaktische) Punktion, Drainage oder Abszessexzision entscheidend (C).
  • Bei raumfordernden Abszessen ist die Liquorentnahme wegen der Gefahr der transtentoriellen und/oder zerebellären Herniation kontraindiziert (C).
  • Die Therapie ist in der Regel kombiniert operativ plus antibiotisch. Eine alleinige Antibiotikatherapie zur Abszessbehandlung ist gerechtfertigt, wenn multiple, tief gelegene und/oder kleine Abszesse vorliegen oder wenn sich noch keine Ringstruktur nach Kontrastmittelgabe demarkiert („Zerebritis“) (C).
  • Bei außerhalb des Krankenhauses erworbenem intrakraniellem Abszess und unbekanntem Erreger wird als empirische antibiotische Therapie die hochdosierte Gabe eines Cephalosporins der 3. Generation + Metronidazol + ein gut gegen Staphylokokken wirksames Antibiotikum (z. B. Vancomycin, Rifampicin oder Flucloxacillin) empfohlen (C), im Einzelfall kann bei Auftreten von multiresistenten Staphylokokken auch eine Kombination mit Fosfomycin (Dosierung 3 × 5 g/d) oder eine Therapie mit Linezolid (Dosierung 2 × 600 mg/d) angezeigt sein (C).
  • Bei postoperativen bzw. posttraumatischen oder innerhalb des Krankenhauses erworbenen Abszessen wird als ungezielte Therapie vor Erregernachweis ein Cephalosporin der 3. Generation + Metronidazol + Vancomycin (alternativ Meropenem + Vancomycin) empfohlen (C).
  • Eine adjuvante Therapie mit Kortikosteroiden ist indiziert, wenn
    - ein ausgeprägtes perifokales Ödem vorliegt bzw. eine Herniation droht,
    - multiple Abszesse mit deutlichem perifokalem Ödem vorliegen, die nur teilweise operativ angehbar sind, oder
    - Hirnregionen mit besonderer Ödemneigung (z. B. Kleinhirn) betroffen sind (C).

 

 

Herausgegeben von der Kommission "Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie"
     
Leitlinien Cover.jpg  

Aus: H. C. Diener, N. Putzki: "Leitlinien für die Diagnostik und Therapie in der Neurologie", Georg Thieme Verlag, 4. überarb. Auflage 2008
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