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Leitlinien der DGN - Tics |
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KAPITEL Extrapyramidalmotorische Störungen
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Tics
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Mehr zu dieser Leitlinie
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Federführend PD Dr. K.R. Müller-Vahl, Hannover,
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Leitlinien- Navigator
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Was gibt es Neues?
- In der Behandlung von Tics gelten Neuroleptika als effektivste Therapie. Haloperidol, das als einzige Substanz in Deutschland in dieser Indikation zugelassen ist, sollte wegen stärkerer Nebenwirkungen nur in Einzelfällen eingesetzt werden. Primär zu empfehlen sind Sulpirid (A), Risperidon (A) und Tiaprid (insbesondere bei Kindern) (A).Der partielle Dopaminagonist Aripiprazol scheint nach ersten Erfahrungen bei Unverträglichkeit oder fehlender Wirkung der zuvor genannten Substanzen eine vielversprechende Alternative darzustellen (B).
- In den vergangenen Jahren wurden bei einer sehr kleinen Zahl von Patienten mit schwerstem, therapieresistentem Tourette-Syndrom Erfolg versprechende Behandlungsversuche mittels tiefer Hirnstimulation durchgeführt. Bei Tourette-Patienten muss die tiefe Hirnstimulation gegenwärtig – nicht nur wegen des noch ungeklärten Zielpunktes – als experimentell eingestuft werden und sollte nur in spezialisierten Zentren, bei Erwachsenen und im Rahmen von Studien durchgeführt werden (
).
- Ob ein spezielles verhaltenstherapeutisches Verfahren (Habit reversal training) zur Verminderung von Tics geeignet ist, wofür erste Studien sprechen könnten, bedarf weiterer Untersuchungen
( ) (C).
Die wichtigsten Empfehlungen auf einen Blick
- Tics sind Hyperkinesen bzw. Vokalisationen, denen eine organische Ursache zugrunde liegt. Die Mehrzahl aller Tic-Patienten hat eine primäre Tic-Störung. Selten finden sich Tic-ähnliche Extrabewegungen psychogener Genese. Da Tics gelegentlich auch (sekundär) im Rahmen anderer Erkrankungen auftreten oder medikamentös induziert sein können, sind für die Diagnose eine eingehende Anamnese und Untersuchung wesentlich.
- Während das Tourette-Syndrom (die Kombination von multiplen motorischen und vokalen Tics) die häufigste Tic-Störung im Erwachsenenalter darstellt, kommen bei Kindern oft transiente Tics (Dauer < 1 Jahr) und milde verlaufende chronisch-motorische Tic-Störungen vor. Das Tourette-Syndrom ist mehrheitlich mit Verhaltensstörungen wie Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS), Zwangsstörung, Depression, Angststörung und autoaggressivem Verhalten assoziiert.
- Bereits die Diagnosestellung und umfassende Information (ggf. auch des unmittelbaren sozialen Umfeldes) stellen für die Mehrzahl der Patienten eine wichtige Hilfe dar. Neuroleptika gelten als effektivste Therapie von Tics, wobei eine Reduktion der Tics um etwa 50% (nicht das vollständige Sistieren) realistisches Therapieziel ist. Wegen möglicher Nebenwirkungen sollten Tics nur bei deutlicher Ausprägung oder subjektiver Beeinträchtigung behandelt werden. Angesichts der unzureichenden Studienlage kann keine Substanz als Medikament der ersten Wahl hervorgehoben werden. Derzeit sind Sulpirid (A), Risperidon (A) und Tiaprid (insbesondere bei Kindern) (A) am gebräuchlichsten. Da – mit Ausnahme von Haloperidol – alle in der Therapie von Tics eingesetzten Medikamente für diese Indikation nicht zugelassen sind, erfolgt in aller Regel eine Off-label-Verordnung. Bei nicht wenigen Patienten mit Tourette-Syndrom stehen nicht etwa die Tics, sondern psychiatrische Komorbiditäten im Vordergrund und bedürfen vorrangig einer Behandlung.
| Herausgegeben von der Kommission "Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie" |
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Aus: H. C. Diener, N. Putzki: "Leitlinien für die Diagnostik und Therapie in der Neurologie", Georg Thieme Verlag, 4. überarb. Auflage 2008 > direkt bei Amazon.de bestellen
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