|
Leitlinien der DGN - Diagnostik und Therapie HIV-1-assoziierter Erkrankungen |
|
|
KAPITEL Entzündliche und erregerbedingte Erkrankungen
|
Diagnostik und Therapie HIV-1-assoziierter Erkrankungen
|
Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie und der Deutschen Neuro-AIDS-Arbeitsgemeinschaft (DNAA)
|
|
|
|
Mehr zu dieser Leitlinie
|
|
|
Federführend Prof. Dr. G. Arendt, Düsseldorf,
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
|
|
|
|
Leitlinien- Navigator
|
|
|
|
Was gibt es Neues?
-
Die HIV-1-assoziierte Demenz (HAD) hat ihr klinisches Erscheinungsbild verändert; sie präsentiert sich jetzt als mehr kortikale Erkrankung (Cysique et al. 2004). Schwere klinische Bilder nehmen an Häufigkeit ab, die Demenz-Vorstufen zu. Somit wurde die Nomenklatur revidiert.
-
Bei Langzeitüberlebenden (> 10 Jahre nach Erstdiagnose der HIV-Infektion) kommt es zu einer chronischen Immunaktivierung und dadurch zu entzündlichen Veränderungen im zentralen Nervensystem. Während des physiologischen Alterungsprozesses lagern sich bei den HIV-Trägern vermehrt mit Neurodegeneration assoziierte Substanzen im Gehirn ab.
-
Das Arsenal der antiretroviralen Medikamente hat sich in den letzten Jahren weiter vergrößert. Es wurden neue Substanzgruppen synthetisiert: - Fusions-Inhibitoren, - Integrase-Inhibitoren, - CCR5-Antagonisten und - nicht-kompetitive Hemmer der reversen Transkriptase.
-
Da nach epidemiologischen Daten die antiretrovirale Therapie oft nicht ausreichend ZNS-effizient ist, herrscht Einigkeit über die Notwendigkeit der Suche nach und der Evaluation von adjuvanten Therapiestrategien für das ZNS.
-
Bei der Entwicklung der ZNS-Manifestationen kommt Co-Faktoren (Therapie-induzierten metabolischen Störungen sowie der mitochondrialen Toxizität der hochaktiven antiretroviralen Therapie = HAART) und Co-Morbiditäten (psychiatrischen Erkrankungen, Alkohol- und Drogengebrauch sowie der Hepatitis-Virus-C-Co-Infektion) erhöhte Bedeutung zu.
-
Infolge neu erkannter Phänomene wie dem Immun-Rekonstitutions-Syndrom (IRIS) kommt es zum Aufflammen opportunistischer Infektionen und zu veränderten klinischen und radiologischen Manifestation derselben (s. S. 467).
Die wichtigsten Empfehlungen auf einen Blick
-
HIV-1-assoziierte Demenz (HAD): Bei gesicherter HIV-1-assoziierter Demenz ist eine antiretrovirale Kombinationstherapie unabhängig von der CD 4 +-Zellzahl indiziert (A). Bei Entwicklung einer HAD unter antiretroviraler Therapie mit supprimierter Plasma-HIV-RNA sollte eine Umstellung auf eine HAART mit möglichst liquorgängigen Substanzen erfolgen (A). Die Liquorgängigkeit ist am besten belegt für Azidothymidin (AZT), daneben noch für Didanosin (ddI), Stavudin (d4 T), Lamivudin (3TC), Abacavir (ABC), Efavirenz (EFZ), Nevirapin (NVP), Indinavir (IDV), Atazanavir (ATV) und Lopinavir (LPV/r).
-
Polyneuropathie: Bei schmerzhafter Polyneuropathie muss man differenzialdiagnostisch insbesondere bei asymmetrischem Verteilungstyp eine Vaskulitis erwägen (Nerven/Muskelbiopsie durchführen) ( ).
-
Abklärung opportunistischer Infektionen: JC-Virus-PCR nur in zuverlässigen Laboratorien bestimmen lassen – cave kommerzielle Primer! Tuschepräparat mit frischem (nicht älter als eine Stunde) Liquor herstellen bzw. Latex-Antigen-Test bei Verdacht auf zerebrale Kryptokokkose durchführen.
-
Bei Patienten mit innerhalb von Monaten nach Einleitung einer erfolgreichen HAART auftretenden opportunistischen Infektionen sollte man an das Immunrekonstitutionsphänomen (IRIS) denken.
-
Neurologen, die mit HIV-Infizierten wegen infektionsunabhängiger oder komplizierender Beschwerden (z. B. Kopfschmerzen, Schwindel, Depressionen, Psychosen, Anfälle, Schmerzzustände, Vaskulitiden) konfrontiert sind, können sich vor der Verordnung einer geeigneten symptomatischen Medikation auf den laufend aktualisierten Webseiten der Deutschen Neuro AIDS Arbeitsgemeinschaft (DNAA) informieren: http://www.dnaa.de/.
-
Viele in der Neurologie angewendete Medikamente interagieren pharmakokinetisch mit antiretroviralen Substanzen. Hilfreiche Informationen dazu finden sich unter: http://www.hiv-druginteractions.org/.
-
Bei HIV-Infizierten mit gutem Immunstatus, klinisch-neurologisch unauffälligem Befund und „white matter lesions“ im MRT kann es sich um das sog. „CNS escape“-Phänomen handeln, bei dem eine vom systemischen Kompartiment unabhängige Replikation des HIV im ZNS diskutiert wird (Eggers et al. 2003). Diese Patienten müssen gut hinsichtlich der Manifestation zerebraler, Virus-assoziierter Erkrankungen überwacht werden. Differenzialdiagnostisch sind insbesondere in den höheren Altersgruppen zerebrovaskuläre Erkrankungen abzugrenzen (Valcour et al. 2007).
| Herausgegeben von der Kommission "Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie" |
| |
|
|
 |
|
Aus: H. C. Diener, N. Putzki: "Leitlinien für die Diagnostik und Therapie in der Neurologie", Georg Thieme Verlag, 4. überarb. Auflage 2008 > direkt bei Amazon.de bestellen
|
|