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Parkinson-Syndrome: Diagnostik und Therapie

KAPITEL
Extrapyramidalmotorische Störungen
Parkinson-Syndrome: Diagnostik und Therapie 
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Federführend
Prof. Dr. Wolfgang H. Oertel, Marburg,
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Prof. Dr. med. Heinz Reichmann,
Dresden
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Was gibt es Neues?

  • Unter der Dauereinnahme von Pergolid und Cabergolin wurden z. T. schwerwiegende Herzklappenfibrosen beschrieben. Systematische Untersuchungen mit fehlender Evidenz von Herzklappenveränderungen unter Non-Ergot-Dopaminagonisten sprechen für ein erhöhtes Risiko des Auftretens von Herzklappenimmobilität unter Ergot-Dopaminagonisten mit hoher Affinität zum serotonergen 5-HT2b-Rezeptor. Wenngleich die klinische Relevanz dieser Beobachtung diskussionswürdig ist, haben die Hersteller der Präparate mitgeteilt, dass Pergolid und Cabergolin ausschließlich als Second-Line-Dopaminagonisten verwendet werden dürfen. Unklar bleibt jedoch, ob dies eine für alle Dopaminagonisten mit Affinität zum 5-HT2b-Rezeptor gemeinsame Komplikation darstellt. Sowohl Inzidenz, Prävalenz, Pathogenese als auch Dosis- oder Einnahmedauerabhängigkeit und Reversibilität dieser Veränderungen sind bislang nicht geklärt. Empfehlungen zur Vorgehensweise beim Einsatz von Ergot-Dopaminagonisten finden sich auf Seite 88f.
  • Die tiefe Hirnstimulation ist fester Bestandteil der Therapie und gilt als eine potente Behandlungsmethode der Parkinson-Krankheit im fortgeschrittenen Stadium mit L-Dopa-sensitiven Fluktuationen. In einer randomisierten Studie des Kompetenznetzes Parkinson wurde erstmalig nachgewiesen, dass bei mit Medikamenten schwierig einzustellender Parkinson-Krankheit mit motorischen Fluktuationen und Dyskinesien die Nucleus-subthalamicus-Stimulation der oralen medikamentösen Therapie in Hinblick auf Verbesserung der Krankheitssymptome, der Alltagsaktivitäten und der Lebensqualität signifikant überlegen ist.
  • Der orale Cholinesterase-Hemmer Rivastigmin wurde 2006 zur symptomatischen Behandlung der leichten bis mittelschweren Demenz bei der Parkinson-Krankheit zugelassen. Seit Ende 2007 liegt Rivastigmin als transdermale Applikationsform vor.
  • Der transdermal applizierbare Non-Ergot-Dopaminagonist Rotigotin, der orale Non-Ergot-Dopaminagonist Piribedil, die retardierte Freisetzungsform des oralen Non-Ergot-Dopaminagonisten Ropinirol sowie der MAO-B-Hemmer Rasagilin stehen zur Monotherapie beim Frühstadium der Parkinson-Krankheit als auch zur Kombinationstherapie mit L-Dopa im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung zur Verfügung.


Die wichtigsten Empfehlungen auf einen Blick

  • Parkinson Patienten unter 70 Jahren ohne wesentliche Komorbidität: Therapieeinleitung der ersten Wahl ist die Monotherapie mit einem Non-Ergot-Dopaminagonisten (A). Bei unzureichender Wirkung einer Monotherapie mit Dopaminagonisten oder Unverträglichkeit von Dopaminagonisten, bevor eine ausreichende Dosis erreicht wurde, wird zur weitergeführten Agonistentherapie eine Kombinationstherapie mit L-Dopa eingeleitet (A).
  • Parkinson Patienten über 70 Jahre oder multimorbide Patienten: Therapieeinleitung der ersten Wahl ist die Monotherapie mit L-Dopa (A). Bei älteren und multimorbiden Patienten sollte eine Monotherapie mit L-Dopa fortgesetzt werden, solange keine Wirkungsfluktuationen oder andere Therapiekomplikationen auftreten (A).
  • Bei Patienten, die neu auf eine Therapie mit einem Ergot-Dopaminagonisten eingestellt werden, ist eine kardiovaskuläre Untersuchung durch einen Kardiologen, einschließlich transthorakaler Echokardiographie, durchzuführen. Hierdurch soll eine bereits vorbestehende Herzklappenerkrankung ausgeschlossen werden (A).
  • Patienten unter einer Therapie mit Ergot-Dopaminagonisten sollten halbjährlich einer körperlichen Untersuchung mit Auskultation des Herzens und der Lunge, jährlich einer transthorakalen Echokardiographie unterzogen werden (A).
  • Patienten mit medikamentös ausbehandelten Fluktuationen profitieren unter der tiefen Hirnstimulation bezüglich Beweglichkeit und Lebensqualität (A).

 

Herausgegeben von der Kommission "Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie"
     
Leitlinien Cover.jpg  

Aus: H. C. Diener, N. Putzki: "Leitlinien für die Diagnostik und Therapie in der Neurologie", Georg Thieme Verlag, 4. überarb. Auflage 2008,
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