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Live-Schalte nach Sibirien auf dem 1. Erlanger Telemedizin-Symposium
(13. Oktober 2009) „Anwendungen in den Neurowissenschaften“ „Telemedizin muss in die zukünftige Versorgungsplanung mit einbezogen werden“, forderte ein Vertreter des Bayerischen Gesundheitsministeriums zum Auftakt des 1. Erlanger Telemedizin Symposium am 22. September 2009. Die gemeinsame Veranstaltung des Zentrums Teleneurologie Erlangen der Neurologischen Klinik zusammen mit dem Kompetenznetz Schlaganfall und dem Verein Medical Valley EMN zog zahlreiche Teilnehmer aus Medizin, Technik und Gesundheitswirtschaft in den großen Hörsaal der Erlanger Kopfklinik. Viele neurologische Kollegen reisten am nächsten Tag direkt weiter zur Jahrestagung der DGN ins benachbarte Nürnberg.
• Prof. Heinrich Audebert, Koordinator des Subnetzes Telemedizin im Kompetenznetz Schlaganfall, forderte mehr wissenschaftliche Untersuchungen zu Effektivität und Effizienz telemedizinischer Konzepte. Der Leiter der Krankenhausabteilung im Bayerischen Ministeriums für Umwelt und Gesundheit skizzierte die Bedeutung der Telemedizin in der zukünftigen Gesundheitsversorgung.
• Peter Müller-Barna vom Tempis-Projekt (München-Regensburg) fasste den momentanen Stand telemedizinischer Projekte, insbesondere im Bereich der Schlaganfallversorgung, zusammen.
• PD Dr. Handschu, Leiter der Arbeitsgruppe Telemedizin, bilanzierte eine 10- jährige Erfahrung mit Telematik-Projekten an der neurologischen Klinik in Erlangen. Am geplanten Zentrum Teleneurologie Erlangen sollen in bewährter interdisziplinärer Zusammenarbeit, Projekte zur Entwicklung und Erprobung entsprechender Technologien, aber auch zur Evaluation, Qualitätsmanagement und Ökonomie telemedizinischer Dienste in den Neurowissenschaften durchgeführt werden. Das Zentrum soll dabei als Kooperationsplattform allen interessierten Nutzern offen stehen.
• Durch eine Live Schaltung ins 8000 km entfernte Krasnojarsk wurden auch russische Fachkollegen eingebunden. Prof. Dr. Semen V. Prokopenko, Leiter des Lehrstuhls für Neurologie der Medizinischen Staatsuniversität Krasnojarsk in Sibirien, berichtete über die Erfahrungen mit einer Vortragsreihe zu neurologischen Fachthemen insbesondere aus den Bereichen Schlaganfall und Querschnittslähmung, die mit Hilfe der Videokonferenztechnologie direkt via Internet an ein russisches Auditorium von 50 bis 80 Fachärzten in Krasnojarsk übertragen wurden. Das laufende Projekt war durch die Deutsche Stiftung Querschnittslähmung gemeinsam mit Kollegen aus den neurologischen Anteilungen in Erlangen, Bayreuth und Bad Windsheim initiiert worden.
• Anhand von Projekten zur Behandlung des Schlaganfalls, Morbus Parkinson oder Amyotropher Lateralsklerose (ALS) wurden Möglichkeiten einer telematischen Betreuung entlang der gesamten Versorgungskette in der Neurologie von Prävention bis Rehabilitation dargestellt. In der Primäprävention des Schlaganfalls werden Daten aus der automatisierten Darstellung des Augenhintergrunds und anderen Untersuchungen an ein Zentrum zur Bestimmung des Schlaganfallrisikos geschickt (Projekt „talking eyes“, Erlangen).
• Prof. Bernhard Griewing aus Bad Neustadt/ Saale skizzierte an den Erfahrungen des Projekts Stroke Angel die Bedeutung einer optimierten Kommunikation zwischen Rettungsdienst und Klinik. Eine direkte Datenübertragung könne die door-to-needle time deutlich verkürzen. In der Akutdiagnostik des Schlaganfalls ist der Einsatz der Telemedizin inzwischen teilweise in die Routineversorgung eingegangen.
• Heinrich Audebert berichtete über Weiterentwicklungen durch Verwendung drahtloser Technologie. In einem gemeinsamen Projekt des Kompetenznetz Schlaganfall wurde im Tempis-Netzwerk die Sicherheit und Verlässlichkeit von UMTS-basierten Telekonsilen getestet. Ein bundesweites Projekt zur integrierten ambulanten Versorgung von Parkinson-Patienten stellte Martin Südmeyer (Düsseldorf) vor. Mit Hilfe der Übertragung von standardisierten Videos konnte über einen vierwöchigen Beobachtungszeitraum die medikamentöse Einstellung optimiert und die Beweglichkeit der Patienten verbessert werden.
• Erste Projekte zu einer telemedizinisch unterstützten Betreuung von ALS-Patienten zuhause initiierte die Berliner Arbeitsgruppe um Thomas Meyer.
• Den Abschluss der Kette bildeten Ergebnisse aus Projekten zur Ferntherapie mit Live-Videokonferenzen bei Sprachstörungen. Die Ergebnisse waren vergleichbar der Kontrollgruppe unter Standardtherapie. Einige Patienten hätten unter der Video-Ferntherapie sogar mehr Fortschritte gemacht als im Standard-Setting, berichtete Mathias Keidel aus Bayreuth.
• Ulf Becker aus Dresden erläuterte erste Ansätze die telemedizinische Schlaganfallbetreuung im SOS-NET, ein kooperatives Gesamtkonzept der regionalen Gesundheitsversorgung, einzubinden (Carus Consilium Sachsen).
• Burkard Alber aus Günzburg (TESS-Projekt) konnte erste Telekonsile zeigen, die mit modernen Hochleistungshandys durchgeführt worden waren.
• Den Abschluss bildeten Erfahrungen aus anderen medizinischen Fachgebieten wie zu Home-Care-Modellen bei Herzinsuffizienzpatienten und im telepsychiatrischen Konsiliardienst. Ein weiterer Teil der insgesamt 15 Präsentationen skizzierte die technischen Möglichkeiten anhand neuester Entwicklungen der Technologie, z.B zur Biosensorik in der Bewegungsmessung oder zum halbautomatisierten Erfassen von Facialisparesen durch hochauflösende 3D-Kameras aus Arbeitsgruppen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und Medizintechnikunternehmen aus der Europäischen Metropolregion Nürnberg.
Aufbauend auf der insgesamt sehr gelungenen Veranstaltung, soll ein ähnliches Symposium auch im nächsten Jahr wieder stattfinden.
Weitere Informationen
Zentrum Teleneurologie Erlangen
Priv. Doz. Dr. René Handschu
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Tel.: 09131 / 85-34007
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