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Pressemitteilung 12.09.2008 Drucken E-Mail

Parkinson-Krankheit: Medikamente schützen das Gehirn und bremsen womöglich das Fortschreiten der „Schüttellähmung“

deuschl.jpg(Hamburg / Berlin, 12. September 2008) Bis zu 250 000 Patienten könnten alleine in Deutschland langfristig von den Fortschritten bei der Behandlung der Parkinson-Krankheit profitieren, über die Experten auf dem 81. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Hamburg diskutieren. Erstmals scheint es nämlich gelungen zu sein, mit Medikamenten das Fortschreiten der Parkinson-Krankheit tatsächlich zu verlangsamen statt „nur“ die Symptome des Leidens zu lindern. Ergänzt werden diese guten Nachrichten durch zwei aktuellen Erfolgsmeldungen zur Gentherapie aus den USA. „Wir sehen uns dadurch ermutigt, diese Methode im Rahmen einer größeren Studie nunmehr auch in Deutschland zum ersten Mal bei der Parkinson-Krankheit anzuwenden“, so Prof. Dr. med. Günther Deuschl, Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel.

Neuroprotektion bei Parkinson scheint möglich
Obwohl heute eine ganze Reihe von Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, mit denen Ärzte das Leiden von Parkinson-Patienten lindern können, waren sich die Experten einig, dass der Krankheitsprozess selbst bislang nicht verlangsamt werden kann. Doch die Chancen stehen gut, dass sich diese Situation bald ändert: Gerade rechtzeitig zum DGN-Kongress wurden jetzt erste Ergebnisse der ADAGIO-Studie bekannt, die mit über 1100 Teilnehmern eine der bislang größten Medikamenten-Studien zur Therapie der Parkinsonkrankheit ist, und bei der die Auswirkungen der Studienarznei in einem besonders frühen Stadium der Krankheit gemessen wurden. Bemerkenswert ist auch, dass in Deutschland nach den USA die meisten Studienteilnehmer für ADAGIO gewonnen werden konnten.
Weil frühere Untersuchungen daran gescheitert waren, die Besserung der Krankheitszeichen durch das Medikament von einer echten Verlangsamung des Krankheitsverlaufs zu unterscheiden, wählten die Organisatoren ein spezielles Studiendesign, das so genannte Verzögerter-Start–Design. Dabei verglich man in der ersten Phase für 36 Wochen den Krankheitsverlauf zwischen zwei nach dem Losprinzip ermittelten Gruppen, die entweder die Studienarznei Rasagilin bekommen hatten, oder ein Scheinmedikament. Nach Ablauf der 36 Wochen erhielt auch die zweite Gruppe das echte Medikament und nach weiteren 36 Wochen wurde verglichen, ob der verzögerte Behandlungsbeginn sich negativ auf den Krankheitsverlauf ausgewirkt hatte.
In der Tat fanden die Forscher heraus, dass die frühe Behandlung mit Rasagilin langfristig bessere Ergebnisse erbrachte, als die verzögerte Verabreichung dieses Medikamentes. „Dieses Ergebnis gibt Anlass zur Hoffnung, denn es steht in Einklang mit der Möglichkeit, dass Rasagilin den Verlauf der Parkinson-Krankheit verändert“, so Deuschl. Da die Daten des Versuchs bisher noch nicht vollständig ausgewertet sind, sei allerdings noch Zurückhaltung geboten.
Sollte sich der Schutz des Gehirns – die so genannte Neuroprotektion – bestätigen, wäre die Therapie der Parkinson-Krankheit nicht zum ersten Mal wegweisend für die gesamte Neurologie. Bei der „Schüttellähmung“ wurde nämlich nicht nur die Behandlung mit Botenstoffen erstmals erprobt, sondern auch die Verpflanzung von Nervengewebe sowie die therapeutische Anwendung der „tiefen Hirnstimulation“, manchmal auch als „Hirnschrittmacher“ bezeichnet.

Hirnstimulation und Gentherapie bei fortgeschrittener Erkrankung
Neben der tiefen Hirnstimulation, die bei fortgeschrittenen Erkrankungen zum Einsatz kommt und in Deutschland schon seit mehreren Jahren erfolgreich praktiziert wird, richten sich die Hoffnungen auch auf die Gentherapie. Dass dieses Prinzip durchaus funktionieren kann, legen zwei Studien mit jeweils zwölf Patienten nahe, die in den USA durchgeführt wurden. In der einen Studie wurde das Gen für den hemmenden Botenstoff GABA in Viren verpflanzt, die dann mittels einer stereotaktischen Operation in den Nucleus subthalamicus injiziert wurden. Damit wurde vermutlich die Zellaktivität dieses Nervenknotens gehemmt und eine deutliche Verminderung der Krankheitszeichen erreicht. In der zweiten Studie brachte man das Gen für den Wachstumsfaktor Neurturin – auch als GDNF bekannt – in das Putamen bei 12 Parkinson-Patienten ein, und erzielte ebenfalls eine signifikante Besserung der Beschwerden. Derart ermutigt, planen die Forscher nun eine große europäische Studie, an der auch deutsche Zentren teilnehmen werden, berichtet Deuschl.

Pressestelle DGN: Frank A. Miltner, Tel: 089 46148622, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

Geschäftsstelle Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.: Geschäftsführer Prof. Dr. med. Otto Busse, Reinhardtstr. 14, 10117 Berlin, Tel: 030 531437930, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.