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Leitlinien der DGN - Vorwort 2008 Drucken E-Mail
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Liebe Leserinnen und Leser,

es ist der Kommission „Leitlinien“ der Deutschen Gesellschaft für Neurologie eine besondere Freude, Ihnen die 4. Auflage der Leitlinien zur Diagnostik und Therapie in der Neurologie zu präsentieren. Die Leitlinien werden zunächst in Buchform erscheinen, dann Anfang 2009 auf der Webseite der Deutschen Gesellschaft für Neurologie und der Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) zur Verfügung stehen.

Die Mitglieder der Kommission Leitlinien der DGN sind:

H. C. Diener, (Essen, Vorsitzender), G. Deuschl (Kiel), R. Gold (Bochum), C. Elger (Bonn), W. Hacke (Heidelberg), W. H. Oertel (Marburg), A. Hufschmidt (Wittlich, verantwortlich für die Clinical Pathways), H. Reichmann (Dresden), C.-W. Wallesch (Magdeburg, für die Rehaleitlinien), M. Weller (Tübingen und Zürich), P. Berlit (Essen, als Vertreter der Chefärzte), U. Meier (Grevenbroich, als Vertreter des BDN), E. Schmutzhard (Innsbruck für Österreich), H. Mattle (Bern für die Schweiz), N. Putzki (Essen und St. Gallen, Redaktion).

Diese Neuauflage beinhaltet wesentliche Neuerungen
Ein Teil der Leitlinien wurde in einem öffentlichen Ausschreibungsverfahren durch Urteil der Leitlinien-Kommission vergeben. Dies betraf Leitlinien, die neu zu erstellen waren, Leitlinien, bei denen wir konstruktive Kritik erhielten, Leitlinien, die von den Autoren der 3. Auflage nicht zeitgerecht abgegeben worden waren, und Leitlinien, bei denen wir eine Erweiterung des Expertenkreises für erforderlich hielten.

Was hat sich nun gegenüber den früheren Auflagen verändert?

  1. Für große Krankheitsbilder haben wir Diagnose-Leitlinien erstellen lassen.
  2. Wir haben für jede der Leitlinien die Österreichische und Schweizer Gesellschaft für Neurologie gebeten, je einen Vertreter der entsprechenden Fachgesellschaft als Mitautor zu nominieren. Bei einem Teil der Leitlinien wurde auch am Ende der Leitlinien auf die speziellen Belange in Österreich und der Schweiz verwiesen.
  3. Im Gegensatz zur letzten Auflage, in der alle Mitglieder der Kommission Leitlinien der DGN alle Leitlinien durcharbeiteten, haben wir uns diesmal entschlossen, die einzelnen Leitlinien von jeweils drei Mitgliedern der Leitlinien-Kommission gegenlesen zu lassen.
  4. Für fast alle Leitlinien ist es gelungen, auch einen Vertreter des Berufsverbandes der Neurologen als Koautor zu gewinnen.
  5. Eine Reihe von Krankheitsbildern findet sich jetzt erstmalig in Form einer Leitlinie abgehandelt.
  6. Diese Neuauflage enthält auch erstmals Leitlinien zur Diagnostik und Therapie in der neurologischen Rehabilitation, koordiniert durch Herrn Wallesch.

Bewährte Dinge aus den letzten Auflagen haben wir beibehalten.

  1. Jede Leitlinie beginnt mit dem Abschnitt „Was gibt es Neues?“, gefolgt von den wichtigsten Therapie-Empfehlungen auf einen Blick.
  2. Herr Kollege Dr. Hufschmidt hat in bewährter Form wieder für die wichtigsten Leitlinien Clinical Pathways erstellt.
  3. Wir haben die Klassifikation der Evidenzklassen und die Empfehlungsstärken beibehalten.

„Die Einstufung der Empfehlungsstärke kann neben der Evidenzstärke die Größe des Effekts, die Abwägung von bekannten und möglichen Risiken, Aufwand, Verhältnismäßigkeit, Wirtschaftlichkeit oder ethische Gesichtspunkte berücksichtigten.“

Klassifikation der Evidenzklassen
Positive Aussage gut belegt Aussage zur Wirksamkeit wird gestützt durch mehrere adäquate, valide klinische Studien (z.B. randomisierte klinische Studien) bzw. durch eine oder mehrere valide Metaanalysen oder systematische Reviews. Positive Aussage gut belegt.
Positive Aussage belegt Aussage zur Wirksamkeit wird gestützt durch zumindest eine adäqute, valide klinische Studie (z.B. randomisierte klinische Studie). Positive Aussage belegt.
Negative Aussage gut belegtNegative Aussage zur Wirksamkeit wird gestützt durch eine oder mehrere adäqute, valide klinische Studien (z.B. randomisierte klinische Studie), durch eine oder mehrere Metaanalysen bzw. systematische Reviews. Negative Aussage gut belegt.
Keine sicheren StudienEs liegen kein sicheren Studienergebnisse vor, die eine günstige oder ungünstige Wirkung belegen. Dies kann bedingt sein durch das Fehlen adäquater Studien, aber auch durch das Vorliegen mehrerer, aber widersprüchlicher Studienergebnisse.

Empfehlungsstärken
A
Hohe Empfehlungsstärke aufgrund starker Evidenz oder bei schwächerer Evidenz aufgrund besonders hoher Versorgungsrelevanz
B Mittlere Empfehlungsstärke aufgrund mittlerer Evidenz oder bei schwacher Evidenz mit hoher Versorgungsrelevanz oder bei starker Evidenz und Einschränkungen der Versorgungsrelevanz
C Niedrige Empfehlungsstärke aufgrund schwächerer Evidenz oder bei höherer Evidenz mit Einschränkungen der Versorgungsrelevanz

Hinweis zur Benutzung der Clinical Pathways
Die Tabelle entspricht einem Flussdiagramm und wird von links nach rechts gelesen. Wenn „Hinweise“ angekreuzt wird, wird die Zeile weiter verfolgt. Es können/ müssen oft mehrere Zeilen parallel verfolgt werden. Diagnosen sind hellgrau, Therapiemaßnahmen dunkelgrau unterlegt.

Legende

Befunde/Entscheidungskriterien Befunde/Entscheidungskriterien
Diagnostische/therapeutische Maßnahmen Diagnostische/therapeutische Maßnahmen

Neben den hier in diesem Band zusammengestellten Leitlinien gibt es weitere, an denen die Deutsche Gesellschaft für Neurologie beteiligt ist und die von ihr konsentiert werden, so z.B.:

  • die Leitlinien zur Neurologischen Begutachtung, die gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Neurologische Begutachtung und anderen Fachgesellschaften erarbeitet wurden,
  • die Leitlinien „Enterale Ernährung bei Patienten mit Schlaganfall“, gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin und der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie
  • die gemeinsame S3-Leitlinie Demenz mit der DGPPN,
  • sowie mehrere Leitlinien der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft.

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie legt ganz besonderen Wert darauf, dass diese Leitlinien völlig ohne Einflussnahme der Industrie entstanden sind. Alle anfallenden Kosten beispielsweise für Treffen von Konsensusgruppen oder Telefonkonferenzen wurden aus Mitteln der Deutschen Gesellschaft für Neurologie und damit aus den Mitgliedsbeiträgen der deutschen Neurologinnen und Neurologen bezahlt.

Eine besondere Neuerung war die Tatsache, dass der Thieme Verlag ein internetbasiertes Einreichungs- und Redaktionssystem zur Verfügung stellte, was es möglich machte, den Einreichungs- und Korrekturprozess permanent zu verfolgen und zu steuern.

Mein besonderer Dank als Herausgeber gilt den Mitgliedern der Kommission Leitlinien der DGN für den hohen Zeitaufwand und die konstruktive Kritik an den Leitlinien. Herr Dr. Putzki hat die gesamte redaktionelle Arbeit übernommen. Mein Dank gilt auch den Mitarbeiterinnen des Thieme Verlags, die in bewährter Weise alle verlagstechnischen Aufgaben perfekt abgewickelt haben. Mein Dank gilt nicht zuletzt den Autorengruppen und insbesondere den federführenden Autorinnen und Autoren, die zum größten Teil ihre Leitlinien termingerecht abgegeben haben.

Wir hoffen, dass diese Neuauflage der Leitlinien dazu verhilft, dass noch mehr Patienten, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz an neurologischen Leiden erkranken, eine optimale Diagnostik und Therapie erfahren.

Essen, im Juli 2008

H. C. Diener

Herausgegeben von der Kommission "Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie"

Aus: H. C. Diener, N. Putzki: "Leitlinien für die Diagnostik und Therapie in der Neurologie", Georg Thieme Verlag, 4. überarb. Auflage 2008, >direkt bei Amazon.de bestellen