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Aktualisiert: S1-Leitlinie "Botulismus"

Die S1-Leitlinie „Botulismus“ der DGN (AWMF-Registernummer 030/109) wurde vollständig überarbeitet und auf www.dgn.org veröffentlicht. Koordiniert wurde die Leitlinienarbeit von PD Dr. Bettina Pfausler, Innsbruck (Österreich). Der Expertengruppe gehörten außerdem an: Dr. Kirn Kessler, Grevenbroich, Prof. Dr. Uta Meyding-Lamadé, Frankfurt a.M., und Prof. Dr. Kai Rösler, Bern (Schweiz).

In die aktualisierte Leitlinie wurden folgende Punkte neu aufgenommen:

  • Das Syndrom eines chronischen Botulismus gibt es nicht beim Menschen.
  • Zu den Serotypen A–F wurde nun auch ein Serotyp H identifiziert.

Bei Auftreten von Symptomen ist eine Überwachung/Behandlung auf einer Intensivstation erforderlich. Personen mit Verdacht auf eine BoNT-Intoxikation, jedoch fehlenden klinischen Symptomen, müssen über Frühsymptome wie Mundtrockenheit und/oder Sehstörungen aufgeklärt werden. Der Toxinnachweis erfolgt in Nahrungsmitteln, Fäzes und Wunden mittels Real-Time-PCR oder Massen-Spektrometrie. Informationen über notwendiges Probematerial und Versand können über die Gesellschaft für klinische Toxikologie (GfKT, https://www.klinitox.de) eingeholt werden. Ein Wundbotulismus erfordert ein Wunddébridement und eine antibiotische Therapie mit Penicillin i.v.
Eine Magenspülung ist nicht indiziert.

Eine Entfernung des Magenbreis kann unter strenger Indikationsstellung nur endoskopisch erfolgen. Es ist nicht belegt, dass Einläufe und die Verwendung von Laxanzien den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen. Eine properistaltische Behandlung kann bei anhaltender toxinbedingter Darmatonie jedoch erforderlich sein. Die symptomatische Therapie mit Cholinesterase-Hemmern verlängert die Verweildauer des noch vorhandenen wirksamen Acetylcholins im synaptischen Spalt. Eine Magnesiumgabe ist kontraindiziert. Innerhalb der ersten 24 Stunden nach Symptombeginn soll die Behandlung mit dem trivalenten Antitoxin gegen den Toxintyp A, B und E erfolgen. Bei Verschlechterung der Krankheitssymptome und Verdacht auf weitere Toxinaufnahme aus dem Darm kann die Applikation auf 48 Stunden ausgedehnt werden. Das humane Hyperimmunglobulin gegen BoNT/A und /B ist nur in den USA und bei Kindern im ersten Lebensjahr zugelassen.

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