loading...
DGN-Präsident Prof. Dr. Gereon R. Fink (l.) überreichte den Dingebauer-Preis 2017 an Professor Andrea Kühn. Die Laudatio hielt Professor Thomas Gasser, Tübingen. (c) DGN/Hauss
Dingebauer-Preis 2017 für herausragende Parkinson-Forschung

Den Dingebauer-Preis für herausragende wissenschaftliche Leistungen in der Erforschung der Parkinson’schen Krankheit und anderer degenerativer Erkrankungen des Nervensystems der Dr. Friedrich-Wilhelm und Dr. Isolde Dingebauer-Stiftung teilen sich in diesem Jahr zwei Wissenschaftler.

Die Auszeichnung geht zu gleichen Teilen (Dotation: je 5000 Euro) an Prof. Dr. Andrea Kühn, Leiterin der Sektion Bewegungsstörungen und Neuromodulation am Campus Charité Mitte und am Campus Virchow-Klinikum Berlin, und Prof. Dr. Günther U. Höglinger, Oberarzt der Neurologischen Klinik der Technischen Universität München und Inhaber des Lehrstuhls für Translationale Neurodegeneration am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) am Standort München.

Fortschritte bei der Tiefen Hirnstimulation

Prof. Kühns Arbeiten liefern einen maßgeblichen Beitrag zu den Fortschritten in der Tiefen Hirnstimulation. Durch die Charakterisierung pathologischer Netzwerkaktivität und ihrer Beeinflussbarkeit hat sie die Grundlage dafür gelegt, dass die Tiefe Hirnstimulation in der Zukunft wesentlich verbessert werden kann. Andrea Kühn ist seit 2007 Professorin für Neurologie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin und leitet seit 2016 die Sektion Bewegungsstörungen und Neuromodulation der Charité. Zu ihren Schwerpunkten in Klinik und Forschung gehören Bewegungsstörungen wie Parkinson und Dystonie. Hier erforscht sie insbesondere die Rolle neuronaler Oszillationen in der Pathophysiologie von Basalganglienerkrankungen und den Wirkmechanismus der Tiefen Hirnstimulation.

Atypische Parkinson-Syndrome verstehen und behandeln

171011 dingebauer hoeglinger 500
Dingebauer-Preisträger Prof. Dr. Günther U. Höglinger (m.) mit seiner Laudatorin Prof. Dr. Daniela Berg, Kiel, und DGN-Präsident Prof. Dr. Gereon R. Fink. (c) DGN/Hauss

Prof. Höglinger wurde ausgewählt, weil er über viele Jahre ein Publikations-Oeuvre erarbeitet hat, dass wesentlich zum besseren Verständnis atypischer Parkinson-Syndrome, insbesondere der Progressive Supranukleäre Parese (PSP), beiträgt. Im Zentrum seiner wissenschaftlichen Arbeit steht die Erforschung von Krankheiten mit pathologischer Aggregation des Proteins alpha-Synuclein (z. B. Parkinson-Krankheit, Multisystematrophie) bzw. des Tau-Proteins (z. B. PSP, Corticobasale Degeneration). Mit seinem Team aus Ärzten und Grundlagenwissenschaftlern verknüpft er patientenbezogene Forschung und Grundlagenforschung mit dem Ziel, neue diagnostische und therapeutische Ansätze zu entwickeln. Bei der systematischen Erforschung der Ätiologie neurodegenerativer Erkrankungen wendet Günther U. Höglingers Arbeitsgruppe humangenetische, epigenetische und epidemiologische Methoden an. So entstehen relevante experimentelle Krankheitsmodelle. Auf der Basis dieser Untersuchungen werden nun erstmals kausal orientierte Therapiestudien für PSP entworfen, was für diese bislang völlig unbehandelbare Erkrankung einen wesentlichen klinischen Fortschritt darstellt.
Ein weiterer Schwerpunkt von Prof. Höglingers Arbeit ist die Optimierung der Frühdiagnose und der Methodik klinischer Prüfungen, um neue rationale und potenziell neuroprotektive Therapiekonzepte an Patienten in Studien mit klarer Aussagekraft überprüfen zu können.

Der Dingebauer-Preis wurde am 21. September 2017 im Rahmen des 90. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) im Congress Center Leipzig verliehen. Die Laudatio für Prof. Kühn hielt Prof. Dr. Thomas Gasser, Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Tübingen halten. Die Laudatorin für Prof. Höglinger war Prof. Dr. Daniela Berg, Direktorin der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel.