loading...
Aktualisierte Leitlinie „Rehabilitation bei Störungen der Raumkognition“ berichtet über potenzielle neue Therapieansätze

24. Januar 2018 – Die überarbeitete Leitlinie „Rehabilitation bei Störungen der Raumkognition“ (AWMF-Registernummer: 030/126) steht ab sofort online zur Verfügung. Prof. Dr. Dr. Hans-Otto Karnath hat die Leitlinie zusammen mit Prof. Dr. Josef Zihl koordiniert.

„An den gesicherten Therapieerkenntnissen haben sich keine Änderungen ergeben“, erläutert Prof. Karnath. „Allerdings wird vielerorts an neuen Aspekten gearbeitet, so z.B. an dem Einsatz vestibulärer Stimulation oder transkranieller Gleichstrom- oder Magnetstimulation bei der Behandlung von Neglect.“ Solche Ansätze werden jetzt neu in der aktualisierten Leitlinie in dem Kapitel 5.3.4. „In der Erprobung befindliche Maßnahmen“ erwähnt:

Transkranielle Magnetstimulation: Mehrere Gruppen applizierten bis zu zehn Sitzungen niederfrequente repetitive transkranielle Magnetstimulation bzw. Theta Burst-Stimulation (TBS) über dem parietalen Kortex der nicht geschädigten, linken Hemisphäre von Neglectpatienten. Dabei wurden positive Effekte bei verschiedenen Neglectaufgaben sowie Alltagsaktivitäten beobachtet, die sich auch drei bis vier Wochen nach Beendigung der Anwendung noch nachweisen ließen.

Transkranielle Gleichstromapplikation (tDCS): Allgemein gilt für tDCS und GVS (s.u.), dass aufgrund ihrer Ausschlusskriterien (z.B. Kraniektomie, Krampfanfälle während der Akutphase, Herzschrittmacher etc.) nur ein Teil der Neglectpatienten für eine Behandlung in Frage kommt.
Bei einmaliger anodaler tDCS über dem betroffenen rechten parietalen Kortex wurden positive Effekte für eine Linienhalbierungsaufgabe wie auch für eine Such- und Durchstreichaufgabe beobachtet. Die Befunde konnten spätere Studien nur teilweise bestätigen. Zwei Studien verwendeten mehrere Stimulationsserien hintereinander, beide im Kontext einer umfassenderen Rehabilitationsbehandlung der Neglectpatienten, so dass faktisch eine Kombinationsbehandlung vorgenommen wurde. Beide Studien berichteten positive Effekte auf den Neglect, die auch eine Woche nach Beendigung der Behandlung noch beobachtet wurden.

Galvanische vestibuläre Stimulation (GVS): Vielversprechend in ihrer Wirkung auf die kontralaterale Vernachlässigung scheint die elektrische Stimulation des vestibulären Systems mit je einer Elektrode über dem linken bzw. rechten Mastoid, zu sein. Positive Effekte während der Anwendung von überwiegend links anodaler/rechts kathodaler (LA/RK) Stimulation wurden von mehreren Autoren berichtet. Zur Frage, ob sich mit dieser Technik auch längerfristige Verbesserungen erzielen lassen, wurden bislang zwei Studien mit unterschiedlichen Ergebnissen berichtet.

Ob eine medikamentöse Behandlung zur Besserung der Neglectsymptomatik beitragen kann, ist bislang ebenfalls ungeklärt. Die positiven Erfahrungen mit der Gabe von Dopaminagonisten, noradrenergischen Agonisten, dem N-cholinergen Agonisten Nikotin oder Cholinesteraseinhibitoren beruhen bislang auf Einzelfallberichten bzw. kleinen Einzelfallserien. Auch wurden bei Gabe von Dopaminagonisten Verschlechterungen der Neglect-Symptomatik beobachtet. Ein Cochrane-Review über die bislang unternommenen pharmakologischen Interventionen bei Neglect konnte keine überzeugende Studie identifizieren und gelangte dementsprechend zu keiner Therapieempfehlung.

Zur Leitlinie "Rehabilitation bei Störungen der Raumkognition"

Wir nutzen Cookies, um die Zugriffe auf unserer Webseite zu analysieren. Sie können dem jederzeit widersprechen. Weitere Hinweise und die Möglichkeit zum Opt-out finden Sie in der Datenschutzerklärung.
Datenschutzerklärung Verstanden