loading...
Überarbeitete Leitlinie „Hypoxisch-ischämische Enzephalopathie“ konzentriert sich auf die Prognostizierung nach HIE

8. März 2018 – Die S1-Leitlinie „Hypoxisch-ischämische Enzephalopathie (HIE) im Erwachsenenalter“ (AWMF-Registernummer 030/119) wurde unter Federführung von Prof. Dr. Andreas Bender, Burgau und München, vollständig überarbeitet.

Die Betreuung und prognostische Beurteilung von Patienten mit hypoxisch-ischämischer Enzephalopathie (HIE) infolge eines Herz-Kreislauf-Stillstands ist eine interdisziplinäre Aufgabe und stellt für Neurologen, Internisten, Anästhesiologen und Intensivmediziner oft eine große Herausforderung dar. Häufig besteht nach Einschätzung des Redaktionskomitees eine signifikante Differenz zwischen Anspruch und Wirklichkeit bei den notwendigen prognostischen Untersuchungen in der aktuellen Versorgungsrealität reanimierter Patienten. Untersuchungen zur Einschätzung des Schweregrades einer HIE werden häufig nicht, nur unvollständig oder in nicht ausreichender Qualität durchgeführt. Hier wäre in Zukunft ein konsequenteres Anwenden der sinnvollen klinischen und paraklinischen Zusatzdiagnostik sehr wünschenswert.

Seit der letzten Aktualisierung der Leitlinie wurde eine Studie publiziert, die wichtige neue Daten zum Stellenwert der neurologischen Prognose-Diagnostik sowie zum Einfluss einer Hypothermie auf die Interpretierbarkeit dieser Prognoseparameter liefert. Außerdem enthalten die vom European Resuscitation Council (ERC) im Jahr 2015 aktualisierten Leitlinien zur Reanimation ein Kapitel zur Postreanimationsbehandlung, inklusive neuer Empfehlungen zum zielgerichteten Temperaturmanagement sowie zur multimodalen Prognostizierung.

Erstmals werden in dieser aktualisierten S1-Leitlinie auch gezielt diejenigen diagnostischen Untersuchungsbefunde angegeben, die gegen das Vorliegen einer sehr schweren HIE sprechen. Diese Befunde schließen eine schwere HIE nicht aus, sollten aber Anlass zur kritischen Reevaluation nicht kongruenter Befunde geben.

Kern der Leitlinie ist ein überarbeiteter Prognose-Algorithmus basierend auf den aktuell verfügbaren Studiendaten, der den behandelnden Ärzten als Richtschnur für die schwierigen Entscheidungsprozesse bei entsprechenden Patienten dienen kann.

Ethische und rechtliche Aspekte der Behandlung schwer betroffener Patienten mit hypoxisch-ischämischer Enzephalopathie wurden ebenfalls neu aufgenommen. Auch wenn diese Aspekte in der Neurologie nicht spezifisch für die HIE sind, so stellen sich regelhaft gerade bei Patientinnen und Patienten mit schweren und anhaltenden Bewusstseinsstörungen nach Reanimation Fragen zur Therapiezieländerung.

Die Leitlinie wurde auf der Webseite der DGN (dgn.org/Leitlinien) sowie im Leitlinien-Portal der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.) veröffentlicht und ist frei zugänglich.

Zur Leitlinie „Hypoxisch-ischämische Enzephalopathie“