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Überarbeitete Leitlinie „Intrakranieller Druck“ gibt Therapieempfehlungen für verschiedene Krankheitsbilder

5. April 2018 – Die S1-Leitlinie „Intrakranieller Druck“ (AWMF-Registernummer 030/105) wurde unter Federführung von Prof. Dr. Hagen Huttner, Erlangen, vollständig überarbeitet. Zur besseren Orientierung stellt die Leitlinie „Intrakranieller Druck“ diverse Konzepte und deren Evidenz dar und gibt Empfehlungen für verschiedene Krankheitsbilder.

Der intrakranielle Druck (intracranial pressure, ICP) ist der Druck, den der Schädelinhalt auf die Durahülle ausübt. Zahlreiche neurointensivmedizinische Erkrankungen wie Schädel-Hirn-Trauma, intrakranielle Hämatome oder raumfordernde ischämische Schlaganfälle können mit einer lebensbedrohlichen Erhöhung des intrakraniellen Drucks einhergehen. Um den intrakraniellen Druck zu messen, nutzt man ein reines Monitoringverfahren. Dieses kann weder den Krankheitsverlauf noch den Langzeitoutcome beeinflussen. Deshalb sind die Therapiemaßnahmen, die an die ICP-Messung gekoppelt werden, von entscheidender Bedeutung. Die meisten der zahlreichen Behandlungskonzepte und Therapieverfahren sind allerdings unzureichend evaluiert. Zur besseren Orientierung stellt die Leitlinie „Intrakranieller Druck“ verschiedene Konzepte und deren Evidenz dar und gibt Empfehlungen für verschiedene Krankheitsbilder, die von Experten aus den Fachdisziplinen Neurologie, Neurochirurgie, u.a. im Konsens erarbeitet wurden.

Neu in die Leitlinie aufgenommen wurde, dass die Entlastungstrepanation beim malignen Mediainfarkt innerhalb eines Zeitraums von weniger als 48 Stunden vorgenommen werden soll. Eine individualisierte Therapieentscheidung wird angestrebt, die Indikation für eine Entlastungstrepanation bleibt eine individuelle Entscheidung. Nicht empfohlen werden: eine abwartende Haltung sowie eine Entscheidung für oder wider Entlastungstrepanation in Abhängigkeit von der betroffenen Hemisphäre oder vom Alter des Patienten.

Patienten mit einer intrazerebralen Blutung sollten in der Akutphase eine systolische Blutdruckeinstellung auf ≤140mmHg erhalten. Im Falle einer vorbestehenden Antikoagulation mit Vitamin-K-Antagonisten sollte die erhöhte INR schnellstmöglich mittels Prothrombinkomplexkonzentraten ausgeglichen werden. Im Falle einer NOAC-Blutung soll bei Vorbehandlung mit Dabigatran Idarucizumab bzw. bei Faktor-Xa-Inhibitoren 50 IU/kg Körpergewicht PPSB verabreicht werden. Die Empfehlungen zur Hämatomevakuation bleiben bestehen. Eine Entlastungstrepanation ohne Evakuation sollte nur im Rahmen kontrollierter Studien erprobt werden (z.B. SWITCH-Studie).

Bei Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma hat die ICP-gesteuerte Therapie keinen signifikanten Mehrwert hinsichtlich klinischer Endpunkte ergeben, verglichen mit einer klinisch und bildgebend monitorierten Therapie (BEST TRIP). Diese Studie verändert die Empfehlungen zum ICP-Monitoring beim schweren SHT nicht. Die frühe Hypothermie kann nicht für die klinische Routine empfohlen werden (EUROTHERM). In der RESCUEicp-Studie konnte die Mortalität bei therapierefraktärer intrakranieller Hypertension durch die Entlastungstrepanation gesenkt werden. Allerdings war der Anteil an schwer pflegebedürftigen Patientinnen und Patienten im vegetativen Status höher und der Anteil von Patienten mit leichter oder mäßiger Behinderung unverändert. Daher sollte die Entlastungstrepanation nicht zu frühzeitig und auf individueller Basis durchgeführt werden.

Zur Leitlinie "Intrakranieller Druck (ICP)"

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