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Update: Leitlinie zur erektilen Dysfunktion gibt adäquate Diagnose- und Therapieempfehlungen

25. Mai 2018 – Die S1-Leitlinie „Diagnostik und Therapie der erektilen Dysfunktion“ (AWMF-Registernummer 030/112) der Deutschen Gesellschaft für Neurologie steht in einer vollständig überarbeiteten Neufassung zur Verfügung. Prof. Dr. Carl-Albrecht Haensch, Mönchengladbach, hat die Leitlinienarbeit koordiniert.

Die rund 30 Seiten umfassende Leitlinie gibt dezidierte Empfehlungen zur adäquaten Diagnose und zur Therapie der erektilen Dysfunktion, die seit der Einführung der Phosphodiesterase-5-(PDE-5-)Hemmer häufig unkritisch erfolgt.

Erektile Dysfunktion ist definiert als die fortwährende Unfähigkeit, eine penile Erektion, die für einen befriedigenden Geschlechtsverkehr ausreicht, zu erreichen oder aufrechtzuerhalten. Betroffen sind Millionen Bundesbürger: Bei Männern mit regelmäßiger sexueller Aktivität nimmt die erektile Dysfunktion von 2,3 Prozent in der dritten Lebensdekade auf 53,4 Prozent in der siebten Lebensdekade zu.

Neuigkeiten zur Diagnostik und Therapie

Die Diagnostik der erektilen Dysfunktion liegt heute primär in der Hand der Urologen. Seit der Einführung der Phosphodiesterase-5-Hemmer wird häufig vor der Diagnostik ein Therapieversuch durchgeführt. Die vier zugelassenen Phosphodiesterase-5-Hemmer, die die Therapie dominieren, haben vergleichbare Wirkeffekte, unterscheiden sich aber bezüglich Pharmakokinetik und unerwünschter Wirkungen. Vardenafil steht als 10-mg-Schmelztablette zur Verfügung. Tadalafil 5 mg steht als tägliche Medikation zur Verfügung und ist auch zugelassen für das benigne Prostatasyndrom. Andere Therapieoptionen werden eher selten eingesetzt und sind spezialisierten Ärzten vorbehalten. MUSE (Medical Urethral System for Erection) und SKAT (Schwellkörperautoinjektionstherapie) haben an Bedeutung verloren. Apomorphin und Yohimbin spielen jetzt keine Rolle in der Therapie mehr.

Der Neurologe wird bei Bedarf konsiliarisch hinzugezogen. In vielen Fällen ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit erforderlich. Die neurologische Diagnostik soll neurogene und/oder psychogene Ursachen der erektilen Dysfunktion identifizieren bzw. ausschließen. Sie erfolgt auch, weil eine erektile Dysfunktion bei vielen neurologischen Erkrankungen als Früh- oder Spätsyndrom auftritt oder eine häufige unerwünschte Wirkung von Medikamenten der neurologischen Therapie ist.

Bei der Frage nach einer neurogenen Ursache einer erektilen Dysfunktion sind Anamnese und klinischer Befund in den meisten Fällen ausreichend. Bildgebende Verfahren werden gezielt aufgrund der klinischen Befunde angefordert. Das EMG des M. sphincter ani externus kann als Screening-Methode bei der Frage nach einer neurogenen erektilen Dysfunktion angesehen werden. Die Neurographie sowie die SSEP des N. pudendus und die penile sympathische Hautantwort werden nur bei gezielten Fragestellungen oder auffälligen Befunden eingesetzt.

Die Diagnose psychogener Erektionsstörungen wird heute seltener gestellt, invasive diagnostische Maßnahmen werden nur noch selten eingesetzt. Elektrophysiologische Untersuchungen spielen nach wie vor eine geringe Rolle. Der diagnostische Wert des Corpus-cavernosum-EMG ist fragwürdig. Es wird nicht mehr empfohlen.
 

Zur Leitlinie "Diagnostik und Therapie der erektilen Dysfunktion"

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