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Leitlinie „Zerebrale Venen- und Sinusthrombose“: Upgrade auf S2k-Niveau

3. August 2018 – Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) hat eine Neufassung der Leitlinie „Zerebrale Venen- und Sinusthrombose“ (AWMF-Registernummer 030/098) veröffentlicht. Die S1-Leitlinie von 2012 wurde unter Federführung von Prof. Dr. Tobias Kurth, Berlin, und Prof. Dr. Christian Weimar, Essen, zu einer S2k-Leitlinie weiterentwickelt.

Für das Upgrade der Diagnose- und Therapie-Empfehlungen orientierte sich die interdisziplinäre Leitliniengruppe an einer aktuellen S2e-Leitlinie der European Stroke Organistation. Die Empfehlungen geben erstmals auch einen Überblick über die Rezidivprophylaxe in der Schwangerschaft und anderen Risikosituationen.

Die zerebrale Venen- und Sinusthrombose (CVST) ist eine seltene, jedoch relevante neurologische Erkrankung mit relativ guter Prognose, aber auch letalen Verläufen. In der Akutphase wird die Erkrankung analog zu extrazerebralen venösen Thrombosen mit Heparin behandelt. Die Leitlinie empfiehlt vorzugsweise eine Antikoagulation mit niedermolekularem Heparin (NMH) statt unfraktioniertem Heparin (UFH), denn aktuelle Studien weisen auf ein besseres klinisches Ergebnis bei geringeren Komplikationsraten unter UFH hin. Insgesamt sei die Qualität der Evidenz bezüglich des Vergleichs der Heparine bei Patienten mit CVST jedoch niedrig, schreiben die Leitlinien-Autoren.

Die bisherigen Empfehlungen zur Langzeitantikoagulation sind in weiteren Studien bestätigt. Zur Prävention eines Rezidivs und extrazerebraler venöser Thrombosen kann demnach für 3 bis 12 Monate eine orale Antikoagulation mit einem Vitamin-K-Antagonisten gegeben werden. Derzeit ist die Datenlage nicht ausreichend, um den Einsatz von direkten oralen Antikoagulanzien (Faktor-Xa-Inhibitoren oder Thrombin-Inhibitoren) für die Behandlung von CVST-Patienten insbesondere in der akuten Phase zu empfehlen.

Trotz weiterhin geringer Evidenz empfiehlt die Leitlinie bei Patienten mit Stauungsödem und/oder Hämorrhagie und drohender Einklemmung infolge einer CVST eine operative Dekompression. Auch wenn die Fallzahlen klein sind deuten Studienergebnisse übereinstimmend darauf hin, dass eine Hemikranektomie und/oder Hämatomausräumung Todesfälle verhindern kann, ohne gleichzeitig zu einer Zunahme des Anteils schwerstbehinderter Patienten zu führen. Zudem werden einige Fälle berichtet, bei denen trotz fortgeschrittener klinischer Herniationszeichen ein funktionell gutes Ergebnis resultierte.

Zur Leitlinie „Zerebrale Venen- und Sinusthrombose“

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