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Liquorunterdruck-Syndrom: Leitlinie neu aufgelegt

20. November 2018 – Die S1-Leitlinie „Diagnostik und Therapie des postpunktionellen und spontanen Liquorunterdruck-Syndroms“ (AWMF-Registernummer 030/113) steht in einer umfänglich überarbeiteten Neufassung zur Verfügung. Prof. Dr. Marianne Dieterich, München, hat die Leitlinienarbeit koordiniert, an der Neurologen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie eine Neurochirurgin und eine Neuroradiologin in Abstimmung mit den Fachgesellschaften beteiligt waren.

Prävention, Diagnose und Therapie verbessern

Die rund 30 Seiten umfassende Leitlinie zielt darauf ab, Prävention und Therapie des Liquorunterdruck-Syndroms zu optimieren – dies anhand möglichst präziser diagnostischer Kriterien der IHS sowie möglicher Verfahren zur Diagnosestellung einschließlich Therapieoptionen in Abhängigkeit der Genese des Liquorunterdruck-Syndroms. Sie richtet sich an Neurologen, Neurochirurgen und Neuroradiologen, die Patienten mit lageabhängigem Kopfschmerz behandeln.

Ein Liquorunterdruck-Syndrom ist aufgrund der verschiedenen Ursachen (postpunktionell, spontan oder Fistel) bei guter Therapiemöglichkeit prädestiniert für eine Leitlinie. Insbesondere ein Liquorunterdruck-Syndrom nach diagnostischer Lumbalpunktion oder spinaler Anästhesie kommt im klinischen Alltag häufig vor.

Bei einem Liquorunterdruck-Syndrom muss unterschieden werden zwischen Kopfschmerzen a) nach diagnostischer Liquorpunktion oder als Komplikation einer Spinalanästhesie, b) bei einem idiopathischen spontanen Liquorleck und c) bei spinalen Liquorfisteln. Intrakranielle Liquorfisteln werden in dieser Leitlinie aufgrund ihrer verschiedenen Ursachen und ggf. bei bestimmten Lokalisationen unterschiedlichen operativen Therapien nicht besprochen.

Während der Punktion empfehlen die Leitlinien-Autoren atraumatische Nadeln und Nadeln mit geringerem Durchmesser. Sie reduzieren die Wahrscheinlichkeit postpunktioneller Kopfschmerzen. Die Inzidenz eines postpunktionellen Syndroms ist geringer, wenn der Schliff der Punktionsnadel um 90° gedreht wird und der Mandrin vor dem Entfernen der Punktionsnadel wieder eingeführt wird.

Bei der Diagnose ist eine diffuse pachymeningeale Gadolinium-Anreicherung in der Magnetresonanztomographie für ein Liquorunterdruck-Syndrom nahezu beweisend. Eine sehr zuverlässige Methode zum Nachweis spinaler Liquorlecks ist die CT- oder alternativ MRT-Myelographie. Die Radioisotopen-Zisternographie mit intrathekal appliziertem Indium 111 ist zur Diagnostik eines Liquorlecks geeignet.

Bei Versagen konservativer Maßnahmen ist ein epiduraler Blutpatch angezeigt

Zur symptomatischen Behandlung ist sowohl die intravenöse oder orale Gabe von Koffein als auch die orale Gabe von Gabapentin und Theophyllin wirksam. Sollten diese konservativen Maßnahmen versagen, ist die Therapie der Wahl ein epiduraler Blutpatch, gegebenenfalls auch mehrfach wiederholt. Ein mikrochirurgischer Verschluss von spinalen Liquorfisteln ist bei therapierefraktären Fällen und exakter Lokalisation der spinalen Fistel angezeigt.

Spinale Liquorfisteln sind ursächlich und lassen sich konkret einteilen in ventrale Dura-Einrisse, in meningeale Divertikel und Schwachstellen im Bereich der Nervenwurzel sowie in direkte Fisteln zwischen Liquor und epiduralen Venen. In therapieresistenten Fällen und bei exakter Lokalisation der spinalen Fistel kann ein mikrochirurgischer Verschluss des Duralecks eine hohe Heilungsrate erzielen.

Die aktualisierte Leitlinie ist bis zum 28. März 2023 gültig.

Zur Leitlinie "Diagnostik und Therapie des postpunktionellen und spontanen Liquorunterdruck-Syndroms"

 

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