Kapitel: Schlafstörungen

Insomnie

Entwicklungsstufe: S1
Stand: September 2012
Verlängert: 17. Mai 2016
Gültig bis: September 2017
AWMF Registernummer: 030-045
Federführend
Prof. Dr. Geert Mayer, Marburg


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COI-Erklärung

Inhaltsverzeichnis

Was gibt es Neues?

Die wichtigsten Empfehlungen auf einen Blick

Einführung

Insomnien sind sehr häufig. In der Neurologie werden sie erst in den letzten 10 Jahren wahrgenommen und beschrieben. Sie sind sicher noch unterdiagnostiziert und in ihrer Bedeutung für Lebensqualität, kognitive und körperliche Folgen unterschätzt.

Definition und Klassifikation

Begriffsdefinition

Diagnostische Schemata wie die Internationale Klassifikation der Schlafstörungen (ICSD2; 2005 und das DSM-IV (1994) verwenden den Begriff Insomnie und nicht erholsamer Schlaf. Die ICSD definiert Insomnie als „Beschwerde ungenügenden Schlafes oder sich nicht erholt zu fühlen nach der üblichen Schlafzeit", im DSM-IV wird neben den Beschwerden Ein- oder Durchschlafstörungen der unerholsame Schlaf genannt. Der nicht erholsame Schlaf, der der schweren Insomnie zugrunde liegt, führt zu starken Beeinträchtigungen der sozialen und beruflichen Leistungsfähigkeit und ist mit Unruhegefühlen, Reizbarkeit, Angst, Depressivität, Erschöpfung und Müdigkeit verbunden (zur Übersicht siehe S3-Leitlinie „Nicht erholsamer Schlaf", Mayer et al. 2009).

Die Prävalenz der Insomnie liegt in den westlichen Industrieländern bei ca. 10–20 % (Hohagen et al. 1993, Ohayon u. Reynolds 2009). Die Prävalenz für Insomnien bei neurologischen Erkrankungen ist ▶ Tab. 8.1 zu entnehmen.

Tab.-8.1

Klassifikation (nach ICSD2)

Primäre Insomnien

Die psychophysiologische Insomnie ist eine Störung mit körperlicher Anspannung und gelernten, schlafverhindernden Assoziationen, die zu Beschwerden einer Insomnie und daran gekoppelter verminderter Leistungsfähigkeit während des Wachzustandes führt. Anzeichen für gelernte, schlafverhindernde Assoziationen sind übertriebene Anstrengung einzuschlafen, ein erhöhtes Erregungsniveau, insbesondere vor dem Schlafengehen, und ein besserer Schlaf in anderer Schlafumgebung als in der üblichen.

Die Fehlbeurteilung des Schlafzustandes ist eine Störung, bei der Beschwerden einer Insomnie oder übermäßigen Schläfrigkeit ohne objektiven Nachweis einer Schlafstörung auftreten.

Die selten vorkommende idiopathische Insomnie beginnt in der Kindheit und dauert lebenslang, wobei im Vordergrund ein lebenslanges Unvermögen steht, ausreichend zu schlafen. Es wird vermutet, dass dem eine neurologisch bedingte Störung der schlaf-wach-regulierenden Systeme zugrunde liegt.

Sekundäre Insomnien

Neurologische Erkrankungen

Die Prävalenzen für Insomnien bei häufigen neurologischen Erkrankungen sind in ▶ Tab. 8.1 angegeben. Meistens liegen Klasse-II–III-Studien mit Fragebögen vor, selten finden sich Studien höherer Evidenz mit polysomnografischen Untersuchungen.

Psychiatrische Erkrankungen

Jede psychiatrische Störung kann zu Schlafstörungen führen. Besonders hervorzuheben ist die enge Kopplung depressiver Erkrankungen und Angststörungen mit Insomnien.

Substanzmissbrauch/-abhängigkeit, toxische Faktoren

Risiken

Langjährige Insomnien gehen mit einem erhöhten Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, anderen chronischen Erkrankungen und erhöhter Mortalität einher (Pollak et al. 1990, Althuis et al. 1998, Schwartz et al. 1999, Janson et al. 2001, Mander et al. 2001, Kripke et al. 2002, Suka et al. 2003).

Diagnostik

Notwendige Untersuchungen

Im Einzelfall erforderliche Untersuchungen

Abb. 8.1 Diagnostisches Vorgehen bei Insomnie.

Abb.-8.1 thumb

Therapie

Behandlungsbedürftigkeit besteht nur dann, wenn neben einer Störung des Nachtschlafs auch über eine starke Beeinträchtigung (gemäß der International Classification of Sleep Disorders, ICSD2 2005) der Tagesbefindlichkeit oder Leistungsfähigkeit geklagt wird.

Tab.-8.2

Redaktionskomitee

Prof. Dr. B. Högl, Neurologische Universitätsklinik ­Innsbruck
Prof. Dr. G. Mayer, Neurologische Abteilung der Hephata Klinik Schwalmstadt-Treysa, Neurologische Abteilung der Philipps-Universität Marburg
Prof. Dr. rer. soc. Dipl.-Psych. D. Riemann, Psychiatrische Universitätsklinik Freiburg
Dr. D. Schäfer, Odeborn, Klinik für Neurologie, Bad Berleburg
Dr. Dipl-Psych. W. J. Schmitt, Universitätsklinik für ­Psychiatrie, Bern
Prof. Dr. J. Zeitlhofer, Universitätsklinik für Neurologie, Wien

Federführend: Prof. Dr. Geert Mayer, Hephata Klinik, Schimmelpfengstr. 6, 34613 Schwalmstadt-Treysa, Neurologische Abteilung der Philipps-Universität Marburg, Baldingerstraße, 35043 Marburg, E-Mail:

Entwicklungsstufe der Leitlinie: S1

Verfahren zur Konsensbildung

Modifiziertes Delphiverfahren

Literatur

Aus: Hans-Christoph Diener, Christian Weimar (Hrsg.): Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie, Herausgegeben von der Kommission "Leitlinien" der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, Thieme Verlag, Stuttgart, September 2012