Kapitel: Vaskuläre Erkrankungen

Intrazerebrale Blutungen

Entwicklungsstufe: S2e
Stand: September 2012
Gültig bis: Dezember 2015, in Überarbeitung. Fertigstellung voraussichtlich September 2018
AWMF-Registernummer: 030/002
Federführend
Prof. Dr. Thorsten Steiner, Frankfurt


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Clinical Pathway
COI-Erklärung

Inhaltsverzeichnis

Was gibt es Neues?

Die wichtigsten Empfehlungen auf einen Blick

Einführung

Die Inzidenz für einen ersten Schlaganfall (inkl. TIA) liegt in Deutschland etwa bei 250 pro 100.000 Einwohnern (Foerch et al. 2008). Etwa 15 % dieser Patienten erleiden eine intrazerebrale Blutung (ICB). Die Erkrankung hat eine hohe Sterblichkeit von bis zu 50 % innerhalb von 3 Monaten und von bis zu 60 % innerhalb eines Jahres (Sacco et al. 2009).

Definition und Klassifikation

Begriffsdefinition

Wir unterteilen intrazerebrale Blutungen (ICB) in spontane und sekundäre intrazerebrale Blutungen. Sekundäre ICBs sind Folge einer nachweisbaren Grunderkrankung. Finden sich für intrazerebrale Blutungen keine Ursachen, werden sie als „spontane“ intrazerebrale Blutungen bezeichnet. Dabei können 2 Formen unterschieden werden: Bei der kryptogenen spontanen ICB findet sich mit den derzeit zur Verfügung stehenden Methoden und nach dem jetzigen Kenntnisstand keine Ursachen; es wird aber angenommen, dass prinzipiell eine Ursachen vorliegt. Bei der idiopathischen spontanen ICB besteht gegenwärtig kein pathophysiologisches Konzept als Erklärung dieser Blutung.

Klassifikation

Sekundäre intrazerebrale Blutungen

Spontane intrazerebrale Blutungen

Diagnostik

Voraussetzung für die Behandlung ist die zweifelsfreie Unterscheidung einer intrazerebralen Blutung von einem ischämischen Schlaganfall, da die therapeutischen Konzepte, insbesondere in der Akutphase, voneinander differieren. Anhand anamnestischer Angaben und klinischer Befunde ist eine zweifelsfreie Unterscheidung nicht möglich (Weir et al. 1994). Eine Unterscheidung kann nur durch bildgebende neuroradiologische Verfahren, d. h. zerebrale Computertomografie (cCT) oder zerebrale Magnetresonanztomografie (cMRT), vorgenommen werden.

Über eine Darstellung der Hirngefäße mittels computertomografischer Angiografie (CTA), magnetresonanztomografischer Angiografie (MRA) oder digitaler Subtraktionsangiografie (DSA) kann im Einzelfall entschieden werden. Gerinnungstests gehören ebenfalls zur Akutdiagnostik. Sollte bis zu diesem Punkt keine Ursachen gefunden worden sein, sind weiterführende Labortests notwendig, wie z. B. Drogenscreening, Marker für Gefäßentzündungen und Risikofaktoren für Gefäßerkrankungen, Gentests u. a.

Therapie

Behandlung in spezialisierten versus nicht spezialisierten Einrichtungen

PICO: Verbessert bei erwachsenen Patienten mit einer intrazerebralen Blutung [P] eine Behandlung auf der Intensivstation / Neurointensivstation / akuten Stroke Unit [I] im Vergleich zur Behandlung auf einer Normalstation [C] das Outcome [O]?

PICO: Verbessert bei einem erwachsenen Patienten mit einer intrazerebralen Blutung [P] die Behandlung auf einer Intensivstation / Neurointensivstation [I] im Vergleich zur Behandlung auf einer akuten Stroke Unit [C] das Outcome [O]?

Patienten mit Schlaganfall und insbesondere intrazerebraler Blutung erleiden häufig Komplikationen. Diese führen zur Verlegung auf die Intensivstation und damit einhergehend zu einer Verlängerung des Krankenhausaufenthaltes und Verschlechterung des Outcomes. Während für ischämische Schlaganfälle nachgewiesen wurde, dass eine Behandlung auf Stroke Units einer Behandlung auf Normalstation überlegen ist (Stroke Unit Trialists’ Collaboration 2007, Indredavik et al. 2008, Drury et al. 2010), liegen solche Ergebnisse aus prospektiven randomisierten Studien für ICBs nicht vor. In der RIKS Stroke Study hatten Patienten mit Blutungen die besten Ergebnisse bei einer Stroke-Unit-Behandlung (Terent et al. 2009). Schwierigkeiten bei der Beurteilung der Evidenz zu diesem Thema ergeben sich aus folgenden Gründen: Die Behandlungsstrategien von Ischämien und ICBs sind unterschiedlich, die Definition der Behandlungseinheiten (Intensivstation, Semiintensivstation, Stroke Unit [akut, nicht akut]) sind kaum nachvollziehbar bezüglich Qualifikation des Personals, Behandlungsstandards, Überwachungsmodalitäten und technischer Ausstattung (Garraway et al. 1980, Indredavik et al. 1989, Erila et al. 1990, Qureshi et al. 2011).

In einer prospektiv kontrollierten Studie zeigten Ronning et al. 2001, dass die akute Behandlung auf einer Stroke Unit die Mortalitätsrate 30 Tage und ein Jahr nach einer intrazerebralen Blutung im Gegensatz zu einer konventionellen Behandlung auf einer Normalstation senkt (Ronning et al. 2001). Evans et al. fanden, dass Patienten auf einer Stroke Unit im Vergleich zu einer Normalstationen intensiver überwacht wurden, häufiger Sauerstoff und eine Aspirationsprophylaxe erhielten, antipyretisch behandelt und früher oral ernährt wurden. Dies reduzierte Komplikationen wie Pneumonien und Dehydratation. Aspirationsprophylaxe, frühe Ernährung, Stroke-Unit-Management und Häufigkeit von Komplikationen beeinflussen unabhängig voneinander das Outcome (Evans et al. 2001). Es ist anzunehmen, dass diese Aspekte erst recht für eine Neurointensivstation gelten. Mehrere Untersuchungen, meist Single-Center-Studien, beschreiben Behandlungsvorteile durch standardisierte Behandlungsstrategien bei ICB-Patienten auf Neurointensivstationen (Diringer 2004, Broessner et al. 2009, Ziai et al. 2009). Laufende Studien lassen auf wissenschaftlich fundierte Behandlungen für ICBs hoffen (Adeoye u. Broderick 2010).

Zusammenfassung: Es konnten keine Studien identifiziert werden, die – auf prospektiver randomisierter Basis – die Effektivität der Behandlung von Patienten mit ICB auf Stroke Units oder Neurointensivstationen mit der Behandlung auf Normalstationen verglichen haben. Allerdings finden sich zahlreiche Hinweise auf Vorteile der Behandlung in kleineren Studien. Für die Behandlung von ischämischen Schlaganfällen wurde ein Vorteil der Behandlung in spezialisierten Einrichtungen nachgewiesen.

Empfehlungen

Es gibt eine Reihe von intensivtherapeutischen Gemeinsamkeiten von akuten ischämischen und hämorrhagischen Schlaganfällen. Die Behandlung von ICBs in Stroke Units oder neurologisch-neurochirurgischen Intensivstation wird empfohlen.
Qualität der Evidenz: III, Stärke der Empfehlung: B

Blutdrucktherapie

PICO: Verbessert bei Erwachsenen mit ICB [P] die Senkung [I] des Blutdrucks im Vergleich zur Nicht-Behandlung [C] das Outcome nach 3 Monaten [O]?

Die INTERACT-Studie (Intensive Blood Pressure Reduction in Acute Cerebral Haemorrhage Trial) untersuchte den Effekt der antihypertensiven Therapie innerhalb von 6 Stunden nach ICB auf die Reduktion der Blutungsvolumenzunahme (Anderson et al. 2008). Der systolische Zieldruck betrug 140 mmHg in der Interventionsgruppe (n = 203) und 180 mmHg in der Kontrollgruppe (n = 201). Die Wahl der Antihypertonika war den behandelnden Ärzten freigestellt. Die mittlere proportionale Volumenzunahme (primärer Endpunkt) betrug nach 24 Stunden 13,7 % in der Interventionsgruppe und 36,5 % in der Kontrollgruppe (Differenz 22,6 %, 95 % KI 0,6–44,5 %; p = 0,04). Nach Adjustierung für initiales Blutvolumen und Zeit von Symptombeginn bis Aufnahme-CT war dieser Unterschied nicht mehr signifikant (Anderson et al. 2010, Arima et al. 2010a).

Die ATACH-Sudie (Antihypertensive Treatment of Acute Cerebral Hemorrhage) untersuchte die Sicherheit und Machbarkeit einer Blutdrucksenkung in 3 verschiedenen systolischen Zielblutdruckbereichen – 170–199 mmHg, 140–169 mmHg und 110–139 mmHg – bei 60 Patienten innerhalb von 6 Stunden nach ICB. Die vordefinierten Abbruchkriterien wurden nicht erreicht, sodass prinzipiell das primäre Ziel – Machbarkeit und Sicherheit – erreicht wurde. Bezüglich einer Reduktion der Volumenzunahme fand sich ein nicht signifikanter Trend zugunsten einer Blutdrucksenkung in jedem Zieldruckbereich (Qureshi et al. 2010a, Qureshi et al. 2010b).

Die ICH-ADAPT-Studie (The Intracerebral Haemorrhage Acutely Decreasing Arterial Pressure Trial) verglich die Wirkung der Blutdrucksenkung auf den zerebralen Blutfluss (CBF, gemessen mit der CT-Perfusion) in 2 Gruppen (systolischer Blutdruck < 150 mmHg oder < 180 mmHg) (Butcher et al. 2010). Trotz einer deutlichen Blutdrucksenkung fand sich keine ischämische Verminderung des CBF im Bereich um die Hirnblutung (Butcher et al. 2012).

Kleinere Studien lassen ebenfalls vermuten, dass die Blutdrucksenkung keine negativen Effekte hat (Koch et al. 2008, Xu et al. 2011).

Eine Behandlung mit Candesartan in der SCAT-Studie (The Angiotensin-Receptor Blocker Candesartan for Treatment of Acute Stroke) (Sandset et al. 2011) oder mit Lisinopril oder Labetolol in der CHHIPS-Studie (Controlling Hypertension and Hypotension Immediately Post-Stroke) zeigte keine klinischen Effekte (Potter et al. 2009).

Gegenwärtig wird in 2 prospektiven randomisierten Studien der klinische Effekt einer blutdrucksenkenden Therapie < 140 mmHg bzw. < 180 mmHg in der INTERACT-2-Studie (Delcourt et al. 2010) und der ATACH-2-Studie (NCT01176565) untersucht.

Empfehlungen

  1. Bei Patienten mit akuter ICB kann eine Senkung des systolischen Blutdrucks unter 140 mmHg zu einer Senkung der Blutungsvolumenzunahme führen. Ein klinischer Effekt ist bisher nicht nachgewiesen.
    Qualität der Evidenz: Ib, Stärke der Empfehlung: 0
  2. Der Einsatz von Candesartan, Lisinopril oder Labetolol zur Senkung des Blutdrucks in der Subakutphase einer ICB kann nicht empfohlen werden, da sich bislang kein klinischer Effekt nachweisen ließ.
    Qualität der Evidenz: IIa, Stärke der Empfehlung: 0

Hämostatische Akuttherapie

PICO: Verringert bei erwachsenen Patienten mit akuter spontaner ICZB [P] die Gabe hämostatischer Medikamente [I] im Vergleich zur Standardbehandlung [C] die Sterblichkeit oder Behinderung nach 6 Monaten [O]?

Die Gabe von rekombinantem Faktor VIIa (rFVIIa) senkt die Rate der Nachblutungen bei Patienten mit akuter ICB (Al-Shahi Salman 2009, Yuan et al. 2010, Yank et al. 2011). Allerdings zeigen veröffentlichte und unveröffentlichte (NCT00266006) randomisierte kontrollierte Studien, dass dieser Effekt nicht zu einer Senkung der Letalität und der Behinderung führt, wohl aber das Risiko thrombembolischer Ereignisse erhöht (Al-Shahi Salman 2009, Diringer et al. 2010, Yuan et al. 2010). In einer kleinen, randomisierten kontrollierten Studie wurde rFVIIa nach einer frühen Hämatomausräumung gegeben. Dies führt jedoch nicht zu einer Reduktion des Volumenzuwachses oder Verbesserung des klinischen Outcomes (Imberti et al. 2012). Gegenwärtig laufen weitere Studien mit rFVIIa (ISRCTN50867461, NCT00222625, ISRCTN29749408 und NCT00810888).

Empfehlungen    

Gegenwärtig wird die Gabe von rFVIIa bei Patienten mit akuter ICB nicht empfohlen.
Qualität der Evidenz: Ia, Stärke der Empfehlung: A

Die Behandlung von spontanen ICBs unter Therapie mit Antiaggreganzien war Gegenstand eines systematischen Reviews. Es fanden sich keine abgeschlossenen randomisierten kontrollierten Studien zu diesem Thema (Campbell et al. 2010). Gegenwärtig werden 2 Studien zu diesem Thema durchgeführt (NCT00699621 und The Netherlands National Trial Register NTR1303).

Empfehlungen

Gegenwärtig kann der Einsatz von Thrombozyten-Konzentraten bei ICB nicht empfohlen werden.
Qualität der Evidenz: IV, Stärke der Empfehlung: GCP

Das Outcome von akuten ICBs, die unter Therapie mit Antikoagulanzien auftreten, ist schlechter im Vergleich zu spontanen ICBs mit normalem Gerinnungsstatus (Flibotte et al. 2004). Neben dem sofortigen Absetzen der Antikoagulanzien werden Maßnahmen ergriffen, um die Gerinnung zu normalisieren, wie die Gabe von 5–10 mg intravenösem Vitamin K (bei oralen Vitamin-K-Antagonisten) oder Protaminsulfat (bei Heparin). Wir fanden eine prospektive randomisierte kontrollierte Studie, in der die Wirkung von Faktor-IX-Konzentrat (n = 8) und gefrorenem Frischplasma (FFP, n = 5) auf das Gerinnungssystem bei Patienten mit intrakraniellen Blutungen (ICB, sub-, epidurale Blutungen, Subarachnoidalblutungen) untersucht wurde, die mit Warfarin behandelt worden waren (Boulis et al. 1999). Diese Studie wird hier ausgeschlossen, da sie nicht auf spontane ICBs beschränkt war. Weitere abgeschlossene Studien zu dem Thema finden sich nicht. Die Frage, ob eine Behandlung mit Prothrombin-Komplex PPSB einer Behandlung mit FFP (jeweils zusätzlich zu Vitamin K) überlegen ist, wurde bisher nicht beantwortet (Bershad u. Suarez 2010). Hierzu werden derzeit Studien durchgeführt (NCT00928915 und NCT00222625).

Empfehlungen

Bei Patienten, die unter der Einnahme von oralen Vitamin-K-Antagonisten (VKA) eine Hirnblutung erleiden, kann bei erhöhter INR der VKA gestoppt, Vitamin K in einer Dosierung von 10 mg intravenös gegeben und kann die INR normalisiert werden entweder durch intravenöse Gabe von Prothrombin-Komplex-Konzentrat (z. B. PPSB 30 U/kg) oder gefrorenem Frischplasma (z. B. 20 ml/kg).
Qualität der Evidenz: IV, Stärke der Empfehlung: GCP

Hämatomevakuation: bei supratentorieller Blutung

PICO: Verbessert bei erwachsenen Patienten mit einer supratentoriellen, nicht spontanen ICB [P] die chirurgische Hämatomevakuation [I] im Vergleich zur konservativen Behandlung [C] das Outcome [O]?

Der Cochrane Review von Prasad und Mitarbeitern berücksichtigte 10 randomisierte kontrollierte Studien mit 2059 Patienten und wertete den Effekt der Kombinationsbehandlung aus neurochirurgischer Hämatomausräumung plus medizinischer Standardbehandlung im Vergleich zur alleinigen medizinischen Standardbehandlung bei Patienten mit CT-bestätigter ICB aus (Prasad et al. 2008). Die Hämatomausräumung beinhaltete die folgenden Prozeduren: Kraniotomie, stereotaktische endoskopische Evakuation und stereotaktische Aspiration; die Patienten wurden innerhalb von 72 Stunden nach dem Auftreten der Blutung eingeschlossen. Es wurde ein signifikantes Crossover festgestellt: In der größten Studie (STICH: Surgical Trial in Lobar Intracerebral Haemorrhage) wurde bei fast einem Viertel der der alleinigen medizinischen Standardtherapie zugeordneten Patienten wegen einer klinischen Verschlechterung eine späte Hämatomausräumung durchgeführt (Mendelow et al. 2005). Als Endpunkte wurden „Tod oder Abhängigkeit“ und „Tod bei der letzten Nachbeobachtungsuntersuchung“ definiert. Die Hämatomausräumung war mit einer statistisch signifikanten Reduktion von „Tod oder Abhängigkeit“ (OR 0,71; 95 % KI 0,58–0,88) und Reduktion der Letalität (OR 0,74; 95 % KI 0,61–0,90) assoziiert. Die Aussagekraft der Gesamtergebnisse wird allerdings durch die hohe Rate von Patienten geschmälert, die während der Nachbeobachtung in der STICH-1-Studie verloren gingen. Die angenommenen Effekte sind daher nicht stabil und könnten durch Bias bedingt sein.

In die nachfolgende Metaanalyse (n = 2783) wurden 3 weitere Studien eingeschlossen. Diese führten zu einer Odds Ratio von 0,72 (KI 95 % 0,61–0,84) (Mendelow u. Gregson 2011).

Zusammenfassung: Die chirurgische Behandlung von spontanen intrazerebralen Blutungen innerhalb von 72 Stunden kann nutzbringend sein. Allerdings fußt diese Gesamtaussage nicht auf robuster Evidenz und muss durch weitere Studien bestätigt werden. Weitere Studien müssen Selektionskriterien klar definieren, so z. B. die Art des operativen Verfahrens, die Lage der Blutung, das Alter der Patienten etc.
Eine Metaanalyse fand einen Zusammenhang zwischen chirurgischen Interventionen und einer Reduktion des ­Risikos für Tod oder Abhängigkeit. Allerdings waren die Ergebnisse nicht robust und könnten durch Bias entstanden sein.

Empfehlungen

Eine Hämatomevakuation kann im individuellen Fall eines Patienten mit spontaner supratentorieller ICB in Erwägung gezogen werden.
Qualität der Evidenz: Ib, Stärke der Empfehlung: 0

Hämatomevakuation: bei infratentorieller Blutung

PICO: Verbessert bei erwachsenen Patienten mit einer infrantentoriellen, nicht spontanen ICB [P] die chirurgische Hämatomevakuation [I] im Vergleich zu einer konservativen Behandlung [C] das Outcome [O]?

Bislang wurden weder randomisierte kontrollierte Studien noch Metaanalysen publiziert, die einen Vorteil der neurochirurgischen gegenüber der konservativen Behandlung gezeigt hätten. Die einzige RCT in diesem Bereich vergleicht verschiedene chirurgische Techniken und kommt zu dem Ergebnis, dass kleine Zugänge zum Hämatom zwar mit weniger Komplikationen einhergehen, nicht aber zu einem besseren Outcome führen (Tamaki et al. 2004). Für die Kriterien, die in der Literatur für eine Evakuation bei infratentoriellen Blutungen (meistens im Kleinhirn) sprechen, findet sich nur wenig Evidenz. Meist stammen sie aus retrospektiven Serien und einer prospektiven Beobachtungsstudie (Da Pian et al. 1984, Auer et al. 1986, Kobayashi et al. 1994, Dolderer et al. 2004, Krylov et al. 2009).

Kirollos und Mitarbeiter beschreiben die Ergebnisse von 50 konsekutiven Patienten mit Kleinhirnblutung, die nach einem festgelegten Protokoll, das auf dem Grad der Kompression des 4. Ventrikels basiert, prospektiv behandelt wurden (Kirollos et al. 2001). Die Autoren schlussfolgern, dass im Fall einer vollständigen Kompression des 4. Ventrikels eine Entfernung des Blutgerinnsels auch dann durchgeführt werden sollte, wenn die Patienten bewusstseinsklar sind. Und andererseits müssten auch große Hämatome (< 3 cm) nicht notwendigerweise evakuiert werden, wenn der 4. Ventrikel nicht komprimiert wäre.

Damman und Mitarbeiter evaluierten eine Serie von 57 Patienten, bei denen eine Hämtomevakuation nach einer Kleihirnblutung durchgeführt worden war (Dammann et al. 2011). Der initiale klinische Schweregrad und die Bewusstseinslage waren signifikante prognostische Faktoren des klinischen Outcomes (p = 0,0032 bzw. p = 0,0001). Ein GCS-Score bei Aufnahme von ≥ 13 war ein prognostischer Faktor für ein günstiges Outcome, definiert als ein Glasgow Outcome Score (GOS) von 4–5. Unter den neuroradiologischen Parametern erwiesen sich eine Hirnstammkompression und eine enge hintere Schädelgrube als prädiktive Faktoren für ein schlechtes klinisches Outcome (GOS ≤ 3; p = 0,0113 bzw. p = 0,0167).

Papacocea und Mitarbeiter untersuchten eine Serie von 34 zerebellären spontanen ICBs (Papacocea et al. 2010). 50 % waren operiert und 50 % konservativ behandelt worden. Die Letalität war in der neurochirurgischen Gruppe niedriger (5,88 %) als in der konservativ behandelten Gruppe (17,64 %). Die Hauptkriterien für eine neurochirurgische Behandlung waren ein GCS-Score ≤ 13 oder ein Blutungsdurchmesser von > 3cm (oder Volumen > 20 cm3).

Zusammenfassung: Die Mehrzahl der zitierten Studien spricht für eine „frühe neurochirurgische“ Intervention. Dennoch müssen der klinische Nutzen und klare Kriterien für die Indikationsstellung in prospektiven Studien bestimmt werden.

Im Fall eines assoziierten Hydrozephalus wird häufig eine externe Ventrikeldrainage (EVD) angelegt. Zwar wurde vorgeschlagen, diese als einzige Maßnahme bei infratentoriellen ICBs durchzuführen, allerdings gilt auch hier, dass keine RCTs vorliegen, die die alleinige EVD-Anlage mit einer Evakuation oder konservativem Vorgehen verglichen hätten. In der oben erwähnten, prospektiven Beobachtungsstudie von Kirollos et al. (2001) wurden 12 Patienten mit zerebellärer ICB lediglich mit EVD therapiert. In 3 Fällen wurde sekundär eine Hämatomausräumung durchgeführt. Von den übrigen 9 hatten 5 Patienten ein gutes, einer ein schlechtes Outcome und 3 Patienten waren verstorben.

Zusammenfassung: Es finden sich keine qualitativ hochwertigen RCTs, die die Überlegenheit einer Hämatomevakuation, alleinigen EVD-Anlage oder eines konservativen Vorgehens bei Patienten mit ICB in der hinteren Schädelgrube belegen würden.

Empfehlungen    

Niedrige Evidenz findet sich für folgende Aspekte, wobei immer das Alter des Patienten und Begleiterkrankungen Berücksichtigung finden müssen:

  1. Eine Hämatomevakuation kann bei Patienten mit oberflächlich-lobären Blutungen ohne Ventrikeleinbruch und mit einem GCS > 9 bei klinischer Verschlechterung in Erwägung gezogen werden
  2. Die Anlage einer EVD kann bei einem begleitenden Hydrozephalus erwogen werden.
    Qualität der Evidenz: IV, Stärke der Empfehlung: GCP

Überwachung des intrakraniellen ­Druckes (ICP)

PICO: Verbessert bei Patienten mit einer intrazerebralen Blutung [P] die Überwachung des Intrakraniellen Druckes [I] im Vergleich zu keiner Überwachung [C] das Outcome [O]?

Ab einem bestimmten zusätzlichen intrakraniellen Volumen, d. h. bei intrakraniellen Blutungen, Tumoren oder anderen raumfordernden Prozessen, steigt der intrakranielle Druck (ICP), was zu einem Abfall des zerebralen Perfusionsdruckes (CPP) führt. In der Konsequenz kommt es zu einem vermehrten Hirnschaden und einer Verschlechterung des klinisch-funktionellen Ergebnisses sowie zu einer erhöhten Sterblichkeit (Mokri 2001). Es scheint daher plausibel, den ICP zu messen, um kritische Werte des ICP und des CPP als Indikatoren für Interventionen zu erkennen und so eine weitere Hirnschädigung zu vermeiden (Constantini et al. 1988, Bullock et al. 1989). Forsyth und Mitarbeiter legten eine Untersuchung vor, die allerdings über die hier angelegten Suchkriterien hinausging und intrakranielle Druckmessung bei Patienten mit akutem Koma einschloss, wobei die Mortalität gleich welcher Ursache oder Ausprägung der Behinderung als primäres Outcome gewählt wurden. Allerdings konnte keine Studie gefunden werden, die die Selektionskriterien erfüllte (Forsyth et al. 2010).

Indirekte Schlüsse auf die Rolle von intrazerebralen Druckmesswerten und Verlaufsmustern zur Vorhersage des Outcomes können aus einem systematischen Review bei Patienten mit traumatischen Hirnverletzungen gezogen werden (Treggiari et al. 2007). In dieser Untersuchung war ein normaler ICP als Wert zwischen 0 und 20 mmHg definiert worden. Das Outcome (Tod versus gute oder moderate Behinderung nach einem Jahr) für ICP-Werte zwischen 20 und 40 mmHg war mit einer Odds Ratio von 1,9 (95 % KI 1,05–3,38) verknüpft. ICPs zwischen 20 und 40 mmHg zeigten eine OR von 7,6 (95 % KI 3,99–14,38). War der ICP erhöht, aber senkbar, betrug die OR von Tod oder schlechtem neurologischem Outcome versus guter oder moderater Behinderung 4 (95 % KI 2,27–7,04). Für refraktäre ICPs betrug die OR 6,9 (95 % KI 1,13-42,83), während die OR dramatisch auf 88 (95 % KI 40,5–322,3) anstieg, wenn Tod gegenüber allen anderen Resultaten gestellt wurde.

Bei der Planung zukünftiger Studien über den Effekt der intrakraniellen Druckmessung sollten folgende Aspekte bedacht werden:

  1. Bestimmte (Grenz-)Werte für den ICP und CPP haben möglicherweise unterschiedliche Bedeutung bei verschiedenen Erkrankungen.
  2. Es sollte eine klare Definition des Schweregrades der Erkrankung erfolgen, um einen Bias zu vermeiden, der aufgrund des überwiegenden Einschlusses von Patienten mit schlechter Prognose zustande kommt.
  3. Die Behandlung sollte auf vordefinierte ICP-Therapiekonzepte fokussiert werden (z. B. ICP-gerichtete oder CPP-gerichtete CPP-Therapie) (Chieregato 2007).

Zusammenfassung: Kontrollierte randomisierte Studien (RCT), Metaanalysen von RCTs oder systematische Reviews zum Effekt von ICP-Messungen und dem Outcome von Patienten mit einer intrazerebralen Blutung wurden nicht gefunden.

Bei Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma wird ein ICP von 20 mmHg als Schwellenwert für die Indikation hirndrucksenkender Maßnahmen empfohlen.

Empfehlungen    

Aufgrund dieser indirekten Hinweise kann bei ICB ein Schwellenwert von 20 mmHg für den ICP im individuellen Fall erwogen werden.
Qualität der Evidenz: IV, Stärke der Empfehlung: GCP

Senkung des intrakraniellen Drucks

PICO: Verbessern bei erwachsenen Patienten mit einer intrazerebralen Blutung [P] Maßnahmen zur Senkung des intrakraniellen Drucks [I] im Vergleich zur Standardbehandlung oder vergleichbarer Behandlung [C] das Outcome [O]?

Ein erhöhter intrakranieller Druck (ICP) stellt eine Haupt­ursache für die Sterblichkeit bei Patienten mit ICB dar. Er entsteht durch große Hämatome, perifokale Ödeme, Hydrozephalus oder sekundäre Infarzierung in ursprünglich nicht betroffenen Regionen. Bei der Definition „erhöhter ICP" schließen wir uns zahlreichen Studien an, die einen Wert größer oder gleich 20 mmHg verwendeten (Brenneis et al. 2008). Verschiedene Ansätze zur Reduzierung des ICPs umfassen:

Oberkörper-/Kopfhochlage

Zum Effekt der Lagerung bei akuter ICB liegen keine randomisierten kontrollierten Studien vor, die einen Einfluss der Oberkörper-/Kopfhochlagerung auf das klinische Outcome zeigen.
Eine Oberkörper-/Kopfhochlage von 30 ° führt bei Erwachsenen und Kindern zur Hirndrucksenkung, wohingegen eine Drehung des Kopfes zur Seite den ICP erhöht, vermutlich durch eine Obstruktion des venösen Abflusses (Goldberg et al. 1983, Feldman et al. 1992). Aus diesem Grund wird allgemein eine Oberkörper-/Kopfhochlagerung in Mittelposition empfohlen.

Shunt-Anlage und Liquordrainage

Bei 47 % der Patienten mit ICB ereignet sich ein Einbruch der Blutung in das Ventrikelsystem (IVH) mit konsekutivem obstruktivem Hydrozephalus. Dadurch erhöht sich die Letalität um das 4-Fache (Tuhrim et al. 1999, Steiner et al. 2006).
Ein obstruktiver Hydrozephalus und eine Hirnstammkompression sind häufige Komplikationen einer zerebellären Blutung, die klinisch durch Verschlechterung des Bewusstseins gekennzeichnet ist. Zahlreiche Fallserien bestätigen, dass bei einer Verschlechterung des Bewusstseins im CCT regelhaft ein obstruktiver Hydrozephalus des 4. Ventrikels und ein sekundärer Hydrozephalus zu finden waren. Eine kleine Fallserie beschreibt, dass eine frühe Evakuation plus Shunt-Anlage zu einem guten Ergebnis geführt habe, wohingegen bei alleiniger Shunt-Anlage häufig eine zweite Operation zur Hämatomausräumung notwendig war (Mathew et al. 1995).

Zum Effekt einer hirndrucksenden Therapie durch Anlage einer Liquordrainage oder eines Shunts liegen jedoch keine randomisierten kontrollierten Studien vor, die einen Einfluss auf das klinische Outcome bei Patienten mit ICB belegen.

Osmotische Therapie

Glycerol wurde in einer randomisierten placebokontrollierten doppelblinden Studie bei Patienten mit ICB untersucht. Es fand sich kein Vorteil für Glycerol in Bezug auf das klinische oder irgendein anderes Outcome. In der Studie erhielten 107 Patienten 500 ml 10 %iges Glycerol intravenös über 4 Stunden an 6 Tagen und 109 Patienten Kochsalzlösung. Die Sterblichkeitsrate lag bei 37 von 107 und 33 von 109 Patienten nach 6 Monaten (Yu et al. 1992).

Die Wirkung von Mannitol wurde in einer randomisierten kontrollierten Studie von Misra und Mitarbeitern bei Patienten mit supratentorieller Blutung untersucht (Misra et al. 2005). 65 Patienten erhielten 100 ml 20 %iges Mannitol alle 4 Stunden intravenös über 5 Tage, was in den nachfolgenden 2 Tagen reduziert (Tag 6: 100 ml alle 8 Stunden, Tag 7: 100 ml alle 12 Stunden) und beendet wurde; 63 Patienten erhielten Kochsalzlösung in gleichem Volumen. Primärer Endpunkt war die Sterblichkeit nach einem Monat. Es fand sich kein Unterschied zwischen den Gruppen. Die Autoren spekulieren, dass die Dosis von Mannitol möglicherweise zu gering gewesen sei (Diringer u. Zazulia 2004).

Bislang liegen keine randomisierten kontrollierten Studien vor, die einen Einfluss hypertoner Kochsalzlösung auf das klinische Outcome bei Patienten mit ICB zeigen. Die Wirkung von intravenöser 3 %iger hypertoner Kochsalzlösung wurde in einer nicht randomisierten Machbarkeitsstudie bei Patienten mit supratentorieller ICB untersucht (Wagner et al. 2011). Ziel der Behandlung war das Erreichen eines Natriumspiegels zwischen 145 und 155 mmol/l bzw. einer Osmolalität zwischen 310 und 320 mOsmol/kg. Diese Therapie erhielten 26 Patienten, die mit einer historischen Kontrollgruppe (n = 64) verglichen wurden. Als primäre Outcomes wurden Sicherheitsparameter definiert. Als Ergebnis fanden sich ein geringeres perifokales Ödem sowie ein Trend zu einer geringeren Sterblichkeit in der mit hypertoner Kochsalzlösung behandelten Gruppe.

Hyperventilation

Hyperventilation führt zu einer Senkung des pCO2, in der Folge zu einer Kontraktion zerebraler Gefäße mit Reduktion des zerebralen Blutflusses (CBF), des zerebralen Blutvolumens (CBV) und so zu einer Senkung des ICP. Dieser Mechanismus wurde bei Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma nachgewiesen (Fortune et al. 1995, van Santbrink et al. 1996). Inwieweit dieser Mechanismus bei Patienten mit ICB greift und einen Effekt auf das Outcome hat, ist unklar. Randomisierte Studien liegen hierzu nicht vor.

Analgesie und Sedierung

Analgetika und Sedativa werden häufig bei kritisch kranken Patienten eingesetzt, unter anderem auch unter der Vorstellung, dass Sedierung und Schmerzhemmung zur Hirndrucksenkung beitragen. Eine systematische Untersuchung liegt hierzu jedoch nicht vor (Brenneis et al. 2008). Die Wirkung von Barbituraten wird im nachfolgenden Abschnitt behandelt.

Barbiturate

Zur Wirkung von Barbituraten bei Hirndruckerhöhung findet sich eine Metaanalyse bei Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma. Diese zeigte keinen Vorteil der Barbiturat-Therapie hinsichtlich des klinischen Outcomes. Zum Einsatz von Barbituraten zur Hirndrucksenkung bei Patienten mit fokalen Läsionen, insbesondere bei Schlaganfall oder ICB, gibt es keine randomisierten Studien oder Metaanalysen.

Hypothermie

Eine nicht randomisierte Pilotstudie verglich die Wirkung der hypothermen Behandlung bei 10 Patienten mit 25 Kontrollpatienten. Die invasive Kühlung wurde innerhalb von 12 Stunden nach Symptombeginn begonnen und über 10 Tage durchgeführt. Die Zieltemperatur lag bei 35 °C. Die Kontrollpatienten wurden ebenfalls auf einer Neurointensivstation mit Intubation und Lebenserhaltung behandelt. Unter Hypothermie kam es zu einer signifikanten Reduktion des perifokalen Ödems, zu keinem kritischen Anstieg des ICP und zu einer signifikant verbesserten Überlebensrate (Kollmar et al. 2010).

Kraniotomie

Die Wirkung der dekompressiven Kraniektomie ohne gleichzeitige Evakuation wurde bei ICB bisher nicht in einer randomisierten Studie untersucht.
Verschiedene nicht randomisierte Studien verglichen die dekompressive Kraniektomie plus Hämatomausräumung mit einer alleinigen Hämatomausräumung (Dierssen et al. 1983, Ma et al. 2010, Shimamura et al. 2011). Zwei dieser Studien fanden ein besseres Outcome für die Kombination aus Dekompression und Evakuation (Dierssen et al. 1983, Ma et al. 2010), während die dritte Studie keinerlei Effekt zeigte (Shimamura et al. 2011).

Zusammenfassung: Es liegen keine Daten aus prospektiven randomisierten Studien zur Effektivität verschiedener hirndrucksenkender Maßnahmen mit Bezug auf das klinische Outcome vor.

Empfehlungen

Folgende Maßnahmen zur Hirndrucksenkung können im individuellen Fall erwogen werden:

Behandlung von Fieber

PICO: Verbessert bei erwachsenen Patienten mit einer ICB [P] die Prävention und frühe Therapie von Fieber (mittels pharmakologischer oder physikalischer Therapie) [I] im Vergleich zur konventionellen Behandlung [C] das Outcome [O]?

Das Auftreten von Fieber führt zu einer Verschlechterung des Outcomes bei akuten zerebrovaskulären Krankheiten inklusive intrazerebraler Blutungen (Greer et al. 2008). In Tierversuchen war die Hyperthermie eindeutig mit einer Zunahme der zerebralen Schädigung bei Schlaganfällen verbunden.

Bislang liegt eine große, prospektive randomisierte Interventionsstudie vor, die spezifisch Fieber bei ischämischen Schlaganfällen und ICBs untersuchte (den Hertog et al. 2009). Darin wurden 1400 Patienten eingeschlossen, von denen 11 % (n = 273) eine ICB erlitten hatten. Die Intervention bestand aus der Gabe von Paracetamol, das prophylaktisch verabreicht wurde. Es ließ sich kein signifikanter Effekt auf das Outcome nachweisen, obwohl die mittlere Körpertemperatur in der Therapiegruppe signifikant niedriger war. Es zeigte sich ein Trend für einen positiven Effekt bei Patienten mit ICB mit sehr weiten Konfidenzintervallen. Das Studiendesign sah jedoch keine separate Untersuchung von Patienten mit einer ICB vor. Die Subgruppe der Patienten mit ICB ist zu klein, um hieraus eine starke Empfehlung abzuleiten. Mittlerweile wurde die Studie „Paracetamol (Acetaminophen) in Stroke 2“ (PAIS 2) begonnen (NTR2365) (NN 2010).

Mehrere kleinere Studien untersuchten die Machbarkeit und die Effekte von verschiedenen Kühlstrategien bei ICBs (Feng et al. 2002, Xu et al. 2002, Huang et al. 2003, Diringer 2004, Su et al. 2004, Fu et al. 2005, Dohi et al. 2006, Zhang et al. 2006, Kollmar et al. 2008, Broessner et al. 2009, Kollmar et al. 2010, Abdullah u. Husin 2011, Kallmunzer et al. 2011, Penner et al. 2011). Die meisten dieser Studien, die verschiedene physikalische Geräte zur Kühlung verwendeten, untersuchten die neuroprotektive Wirkung der Hypothermie und waren nicht speziell auf die Fieberkontrolle angelegt. Obwohl man daraus folgern kann, dass sowohl Normothermie als auch Hypothermie bei Patienten mit ICB erreicht werden kann, liegen keine Erkenntnisse darüber vor, ob diese Maßnahmen das Outcome verbessern. Die Anwendung von Antipyretika war einer der messbaren Unterschiede zwischen Stroke Units und internistischen Allgemeinstationen. Sie konnte allerdings nicht mit einer Verbesserung des Outcomes in Zusammenhang gebracht werden. In dieser Studie waren 10–15 % der Patienten von einer Hirnblutung betroffen (Govan et al. 2007).

Zusammenfassung: Es gibt keinen Nachweis auf der Basis von randomisierten kontrollierten Studien dafür, dass die Behandlung von Fieber das Outcome bei ICBs verbessert. Allerdings ist Fieber mit erhöhter Sterblichkeit und stärkerem Behinderungsgrad nach Schlaganfällen assoziiert und es gibt keine Daten, die zeigen, dass sich dies bei ICBs anders verhält.

Empfehlungen

Antipyretische Maßnahmen können bei Patienten mit ICB angewendet werden.
Qualität der Evidenz: IV, Stärke der Empfehlung: GCP

Prophylaxe der tiefen Beinvenenthrombose

PICO: Verhindern bei erwachsenen Patienten mit intrazerebralen Hämatomen [P] physikalische oder pharmakologische Maßnahmen zur Verhinderung von tiefen Beinvenenthrombosen (TBVT) oder pulmonalen Embolien (PE) [I] im Vergleich zur Standardbehandlung [C] symptomatische TBVT/PE bzw. verbessern diese das Outcome?

Eine frühe Mobilisation von Patienten wird als beste Prävention von tiefen Beinvenenthrombosen (TBVT) und pulmonalen Embolien (PE) angesehen.

In einer randomisierten Studie mit 150 Patienten mit ICB wurden elastische Strümpfe (ES) mit einer Kombination aus intermittierender pneumatischer Kompression (IPK) und elastischen Strümpfen verglichen. Durch Kompressionsultraschalluntersuchung wurden insgesamt 14 asymptomatische TBVT nachgewiesen, 11 (15,9 %) in der ES-Gruppe (3 proximal und 8 distal) und 3 (4,7 %) in der Gruppe mit ES plus IPK (alle distal). Die Kombination von ES und IPK ging mit einem reduzierten Risiko von asymptomatischen TBVT im Vergleich zur ES-Gruppe einher: relatives Risiko 0,29 (95 % KI 0,08–1,00, p = 0,03). Die absolute Risikoreduktion lag bei 0,11 (95 % KI 0,00–0,22) (Lacut et al. 2005).

Orken und Mitarbeiter führten eine prospektive, randomisierte kontrollierte Studie bei 75 Patienten mit ICB durch. Sie untersuchten, ob sich die Volumenzunahme der ICB nach Gabe von subkutanem niedermolekularem Heparin (LMWH, Enoxaparin 40 mg/d) oder Anwendung von langen (inkl. Oberschenkel) Kompressionsstrümpfen (KS) nach den ersten 48 Stunden unterschied (Orken et al. 2009). In keiner Gruppe wurde eine Volumenzunahme der ICB zu den definierten Zeitpunkten (Tag 3, 7, 21) nachgewiesen. Symptomatische TBVT traten in keiner Gruppe auf, eine symptomatische PE fand sich am 17. Tag in der KS-Gruppe. Asymptomatische TBVT traten häufiger in der LMWH-Gruppe (n = 3) als in der KS-Gruppe (n = 1) auf; der Unterschied war statistisch nicht signifikant (p = 1,0).

Eine Metaanalyse schloss sowohl 2 randomisierte als auch 2 nicht randomisierte Studien mit 1000 Patienten ein (Paciaroni et al. 2011). Unter Antikoagulanzien (unfraktioniertes Heparin, LMWH oder Heparinoide) fand sich im Vergleich zu anderen Maßnahmen (ES, IPK oder Placebo) eine signifikante Reduktion von pulmonalen Embolien (1,7 % vs. 2,9 %; RR 0,37; 95 % KI 0,17–0,80; p = 0,01), eine TBVT-Rate von 4,2 % im Vergleich zu 3,3 % (RR 0,77; 95 % KI 0,44–1,34; p = 0,36), eine nicht signifikant erhöhte Rate der Hämatomzunahme (8,0 % vs. 4,0 %; RR 1,42; 95 % KI 0,57–3,53; p = 0,45) und eine nicht signifikante Reduktion der Mortalität (16,1 % vs. 20,9 %; RR 0,76; 95 % KI 0,57–1,03; p = 0,07).

Wir analysierten weitere Studien in diesem Zusammenhang, die allerdings ein retrospektives Design hatten (Boeer et al. 1991, Tetri et al. 2008, Wasay et al. 2008).

Das Problem der TBVT-Prophylaxe ist bei Patienten mit ischämischem Schlaganfall möglicherweise ähnlich wie bei Patienten mit ICB gelagert. Aus diesem Grund erwähnen wir hier auch die CLOTS-Studie, eine randomisierte kontrollierte Studie zum Effekt von Kompressionsstrümpfen innerhalb von 7 Tagen nach einem akuten Schlaganfall bei 2500 immobilen Patienten. In CLOTS zeigte sich kein Effekt bezüglich der Prävention von TBVTs, allerdings erhöhten Kompressionsstrümpfe das absolute Risiko von Hautdefekten, Bläschenbildung, Wunden und Nekrosen signifikant von 1 % auf 5 % (Dennis et al. 2009).

Zusammenfassung: Die Kombination von elastischen Strümpfen und intermittierender pneumatischer Kompression senkte signifikant das Auftreten von TBVT bei Patienten mit einer ICB (Single Center RCT, Lacut et al. 2005). Allerdings erhöhten elastische Strümpfe das Risiko von Bläschenbildung und anderen Hautschäden bei Patienten mit ischämischem Schlaganfall (Dennis et al. 2009). In 2 kleinen randomisierten Studien fanden sich Hinweise darauf, dass die frühe Gabe von Heparin oder niedermolekularem Heparin bei Patienten mit einer ICB sicher ist und nicht mit einem signifikanten Wachstum des Hämatoms einhergeht (Boeer et al. 1991, Orken et al. 2009). Im Vergleich zu anderen Behandlungen zeigten Antikoagulanzien eine signifikant erniedrigte Rate an pulmonalen Embolien (Paciaroni et al. 2011), allerdings sollten diese bereits innerhalb der ersten 2 Tage bei immobilen Patienten mit ICB verabreicht werden. Der frühe Einsatz von Antikoagulanzien bei akuten intrazerebralen Hämatomen könnte ein erhöhtes Risiko für ein Hämatomwachstum bergen. In weiteren Studien sollten folgende Aspekte berücksichtigt werden: Schweregrad der Hirnblutung, Grad der Immobilität, Blutdruck, Hämatomgröße und Blutvolumenzunahme.

Empfehlungen

Bei Patienten mit ICB sollte eine Thromboseprophylaxe mit LMWH, UFH oder Heparinoiden durchgeführt werden.
Qualität der Evidenz: III, Stärke der Empfehlung: B
Alternativ sollte eine Kombination von elastischen Strümpfen und intermittierender pneumatischer Kompression zur Prophylaxe einer TVT durchgeführt werden.
Qualität der Evidenz: IIIb, Stärke der Empfehlung: B

Anfälle und intrazerebrale Blutungen

Der natürliche Verlauf von epileptischen Anfällen bei Patienten mit ICB ist weithin unbekannt. Die berichtete Inzidenz von Anfällen nach einer ICB ist abhängig vom Studiendesign, den diagnostischen Kriterien, der Dauer der Nachbeobachtung und der untersuchten Population. Sie variiert zwischen 3 und 17 % (Giroud et al. 1994, Arboix et al. 1997, Bladin et al. 2000, Passero et al. 2002, Alberti et al. 2008, Burneo et al. 2010) und erreicht 42 %, wenn klinisch inapparente elektrophysiologisch nachweisbare Anfälle hinzugenommen werden (Garrett et al. 2009).

In einer prospektiven Beobachtungsstudie bei Patienten mit spontaner ICB (n = 522) traten in 8 % der Fälle Anfälle beim Einsetzen der ICB und in 14 % der Fälle frühe Anfälle – innerhalb von 7 Tagen – auf (De Herdt et al. 2011). Diese frühen Anfälle waren nicht mit einem schlechteren neurologischen Outcome oder mit einer erhöhten Sterblichkeit assoziiert.

Eine prospektive randomisierte Studie verglich den präventiven antiepileptischen Effekt von Valproinsäure und Placebo bei 72 Patienten mit ICB. Es fand sich ein potenziell protektiver Effekt von Valproinsäure auf das Ausmaß des neurologischen Defizits nach einer Nachbeobachtung von einem Jahr (Gilad et al. 2011).

Zwei nicht randomisierte Studien zum präventiven Einsatz von Benzodiazepinen (Lodder et al. 2006) und von Phenytoin (Naidech et al. 2009b) fanden negative Auswirkungen auf die Prognose.

Präventive Gabe von Antiepileptika zur Verbesserung des Langzeit-Outcomes

PICO: Verbessert die präventive Gabe von Antiepileptika das Langzeit-Outcome bei Patienten mit einer ICB?

Die Daten zum präventiven Gebrauch von Antiepileptika sind kontrovers. Eine prospektive randomisierte Studie bei 72 ICB-Patienten, die mit Valproat behandelt worden waren (n = 31), ergab einen verbesserten NIHSS-Score 1 Jahr nach dem Auftreten der ICB (Gilad et al. 2011).

Retrospektive Daten geben Hinweise darauf, dass die prophylaktische Gabe von Antiepileptika mit einem schlechteren Outcome assoziiert ist, unabhängig von anderen prädiktiven Faktoren (Messe et al. 2009).

Hingegen fand sich die Prophylaxe mit Phenytoin in einer retrospektiven Studie (n = 98) mit einem schlechteren Outcome assoziiert, verglichen mit Patienten, die keine antiepileptische Therapie erhalten hatten (Naidech et al. 2009b).

Zusammenfassung: Eine Verbesserung des Langzeit-Outcomes durch die Gabe von Antiepileptika konnte in prospektiven Studien bisher nicht nachgewiesen werden.

Präventive Gabe von Antiepileptika zur Verhinderung von Anfällen

PICO: Reduziert die präventive Gabe von Antiepileptika das Auftreten von epileptischen Anfällen/Epilepsie bei Patienten mit intrazerebralen Hämatomen?

Bei 95 Patienten mit ICB war die Häufigkeit einer Pneumonie sowie die Sterblichkeit in der Diazepam-Gruppe höher als in der Placebo-Gruppe: 35 vs. 10 % bzw. 22 vs. 12 % (Lodder et al. 2006).

Empfehlungen

Benzodiazepine sollten nicht zur antiepileptischen Prävention angewendet werden.
Qualität der Evidenz: Ib, Stärke der Empfehlung: B

In einer prospektiven randomisierten Studie wurden 72 Patienten mit ICB mit Valproinsäure gegen Placebo getestet. Die frühe Prophylaxe mit Valproinsäure reduzierte das Risiko von frühen Anfällen, aber nicht das Risiko von späten Anfällen (Gilad et al. 2011).

Empfehlungen

Die Studienlage ist nicht ausreichend, um eine Empfehlung zur präventiven antiepileptischen Therapie mit Valproat zu geben.
Qualität der Evidenz: Ib, Stärke der Empfehlung: B

Für andere Antiepileptika sind keine prospektiven Daten verfügbar.

Empfehlungen

Die prophylaktische Gabe von Antiepileptika ist nicht gesichert.
Qualität der Evidenz: Ib, Stärke der Empfehlung: B

Behandlung von frühen Anfällen

PICO: Verringert bei Patienten mit einer ICB, die einen Frühanfall erleiden, die Langzeitbehandlung mit Antiepileptika das Risiko, eine Epilepsie zu entwickeln?

Es liegen keine prospektiven Daten vor.

Kortikosteroide

PICO: Verbessert bei Erwachsenen mit intrazerebralen Hämatomen [P] die Gabe von Kortikosteroiden [I] im Vergleich zur Standardbehandlung [C] das Outcome [O]?

Kortikosteroide reduzieren das vasogene Ödem bei Hirntumoren und führen zu einer Verbesserung oder Beseitigung von Symptomen. Es gibt einige Hinweisen dafür, dass das Ödem um ein intrazerebrales Hämatom eher vasogen als zytotoxisch bedingt ist. Aus diesen Gründen wurde Dexamethason häufig bei Patienten mit ICB eingesetzt. Dies führte zu 6 randomisierten klinischen Studien, die einen möglichen positiven Effekt der Steroidbehandlung auf das Outcome von Patienten mit ICB fanden. Fünf (Hooshmand et al. 1972, Tellez u. Bauer 1973, Poungvarin et al. 1987, Desai u. Prasad 1998, Ogun u. Odusote 2001) dieser 6 Studien wurden in einer Cochrane-Analyse (Feigin et al. 2005) behandelt, die sechste Studie wurde 2008 veröffentlicht (Sharafadinzadeh et al. 2008).

Ein CT zur Bestätigung der ICB war eine Voraussetzung in 3 Studien (Poungvarin et al. 1987, Desai u. Prasad 1998, Sharafadinzadeh et al. 2008). Infratentorielle ICBs waren in 3 Studien ausgeschlossen worden (Poungvarin et al. 1987, Desai u. Prasad 1998, Ogun u. Odusote 2001), stellten allerdings 27,5 % der Patienten in der Studie von Tellez et al. dar (Tellez u. Bauer 1973). In 2 Studien wurde nicht spezifiziert, ob Patienten mit infratentoriellen Hämatomen eingeschlossen worden waren (Hooshmand et al. 1972, Sharafadinzadeh et al. 2008).

Die absolute Zahl der eingeschlossenen Patienten betrug zwischen 20 und 30 in den 5 Studien der Cochrane-Analyse (Feigin et al. 2005) und 200 in der sechsten Studie (Sharafadinzadeh et al. 2008).

Die Dauer der Nachbeobachtung lag zwischen 2 und 5 Wochen in 4 Studien (Tellez u. Bauer 1973, Poungvarin et al. 1987, Desai u. Prasad 1998, Sharafadinzadeh et al. 2008), 2–4 Monate in einer Studie (Ogun u. Odusote 2001) und 6 Monate in der letzten Studie (Hooshmand et al. 1972).

In allen Studien wurde Dexamethason allerdings in unterschiedlichen Dosierungen und über verschiedene Zeiträume verabreicht: 48 Stunden (Ogun u. Odusote 2001), 9–10 Tage (Hooshmand et al. 1972, Tellez u. Bauer 1973, Poungvarin et al. 1987, Sharafadinzadeh et al. 2008) oder 16 Tage (Desai u. Prasad 1998).

Die Metaanalyse der 4 Studien, in denen die 1-Monats-Sterblichkeit angegeben war, ergab, dass die Letalität der mit Dexamethason behandelten Patienten 62 % (57 von 92 Patienten) und in der Kontrollgruppe 53 % (50 von 94 Patienten) betrug (RR 1,14; 95 % KI 0,91–1,42) (Feigin et al. 2005). In der Studie von Sharafadinzadeh verstarben 49 % der Patienten mit Dexamethason-Behandlung nach 21 Tagen im Vergleich zu 23 % der Patienten in der Placebo-Gruppe (p < 0,05) (Sharafadinzadeh et al. 2008). Diese Studie ist nicht eindeutig zu interpretieren, da im Methodenteil von 200 Patienten (100 in jedem Behandlungsarm) berichtet wird, wohingegen im Ergebnisteil die Anzahl der Patienten in der Dexamethason-Gruppe mit 144 und in der Placebo-Gruppe mit 81 angegeben wird. Außerdem wurden Patienten ausgeschlossen, die innerhalb von 48 Stunden verstarben, wobei unklar ist, ob die Anzahl in beiden Behandlungsarmen vergleichbar ist.

Eine kleine Studie, die die Sterblichkeit nach 6 Monate untersuchte, zeigte, dass 3 von 10 Patienten in der Dexamethason-Gruppe im Gegensatz zu 5 von 10 in der Kontrollgruppe verstorben waren (RR 0,60; 95 % KI 0,19–1,86) (Hooshmand et al. 1972). Basierend auf 3 Studien mit einer Gesamtzahl von 146 Patienten zeigte der Cochrane-Review keinen Effekt des Dexamethasons auf ein schlechtes Outcome nach einem Monat (RR 0,95; 95 % KI 0,83–1,09) (Poungvarin et al. 1987, Desai u. Prasad 1998, Ogun u. Odusote 2001, Feigin et al. 2005).

Basierend auf dem Cochrane-Review waren die häufigsten Nebenwirkungen von Dexamethason Infektionen, Blutzuckerentgleisungen bei Diabetikern und gastrointestinale Blutungen; allerdings zeigte keine dieser Nebenwirkungen einen signifikanten Unterschied in der Behandlungs- und der Kontrollgruppe (Feigin et al. 2005).

Zusammenfassung: Gegenwärtig findet sich keine Evidenz für einen Effekt von Dexamethason bei der Behandlung von Patienten mit ICB.

Empfehlungen

Der Einsatz von Dexamethason bei ICB-Patienten kann derzeit nicht empfohlen.
Qualität der Evidenz: Ib, Stärke der Empfehlung: B

Reanimation und Abbruch der ­Behandlung

PICO: Reduziert bei Erwachsenen mit intrazerebraler Blutung [P] der Verzicht auf Wiederbelebungsmaßnahmen (Do-Not-Attempt-Resuscitation, DNAR) oder die Anordnung zum Abbruch der Behandlung (Withdrawal Of Care, WOC) [I] im Gegensatz zur Ablehnung von DNAR oder WOC Anordnungen [C] weiteres Leiden der Patienten?

Die Sterblichkeit nach einer ICB liegt nach einem Jahr über 60 % (Sacco et al. 2009). In einer prospektiven Kohorten-Studie resultierte der Hirntod a) aus einer transtentoriellen Herniation, b) aus dem Beenden lebenserhaltender Maßnahmen oder c) aus medizinischen Gründen zu bestimmten Zeitpunkten nach stattgehabter Blutung. Während der Abbruch der Behandlung (Withdrawal of Care, WOC) bei Patienten mit höheren ICH-Scores (vgl. Hemphill et al. 2001, Hemphill et al. 2009) früher erfolgte und der ICH-Score sowohl mit höherer Letalität als auch mit der Zeit bis zum Tod assoziiert war, sagten höhere ICH-Scores einen Abbruch der Behandlung nicht voraus.(Naidech et al. 2009a).

Es gibt konzeptionelle Unterschiede bei den Vorgaben zum Verzicht auf Wiederbelebung (DNR: Do-Not-Resuscitate), zum Abbruch der Behandlung (WOC) und zum Begrenzen der Behandlungsintensität bei hoffnungslos Erkrankten. Während die DNR-Anordnung meist für Wiederbelebungsversuche bei Herzstillstand vorgegeben und darauf beschränkt ist, basieren der angewandte Grad der Behandlungsintensität und der Abbruch der Behandlung auf mutmaßlichen Prognosen, Nebenerkrankungen, der ärztlichen Expertise und auf den individuellen Wünschen der Patienten und Angehörigen. Während DNR und WOC relativ eindeutig vorgegeben sind und aus den meisten Patientenakten und -verfügungen abgeleitet werden können, ist der initial eingesetzte Grad der Behandlungsintensität ebenso abhängig von den verfügbaren Ressourcen und der Expertise der Behandler, die substanziell zwischen den verschiedenen Einrichtungen variiert. Unabhängig davon besteht die Gefahr, beobachtbare und vorhersagbare Prognosen zu verwechseln (Hemphill et al. 2004) und zu selbsterfüllenden Prophezeiungen zu tendieren (Becker et al. 2001, Creutzfeldt et al. 2011).

Der Großteil der Todesfälle im Krankenhaus ereignet sich in den meisten europäischen Ländern nach Aufnahme auf Intensivstationen. Die Behandlung von kritisch kranken Patienten ist zu einer Schlüsselkompetenz des Intensivpersonals geworden. Die Kombination von rationalem Denken und mitfühlender Behandlung sowie effektiver Entscheidungsfähigkeit und außergewöhnlicher Sterbebegleitung basiert allerdings generell auf niedrigem Evidenzgrad (Siegel 2009). Das Ziel der Entscheidungen bei Sterbebegleitung ist, den Wünschen und Bedürfnissen der Patienten durch die Auswahl an geeigneten Maßnahmen zu entsprechen. In Europa werden diese Entscheidungen in einem ethischen Rahmen getroffen, der auf dem Respekt für die Autonomie des Patienten, dem hippokratischen Eid und der Pflicht für eine gerechte Verteilung der Ressourcen des Gesundheitswesens beruht (Carrese u. Sugarman 2006). Die Komplexität, die durch diese Variablen entsteht, hat die Durchführung einer Studie zum Erstellen einer höheren Evidenz verhindert.

Laut einer Befragung zur Beurteilung der Übereinstimmung zwischen der Ansicht von Medizinern und der öffentlichen Meinung über sterbehilfliche Entscheidungen in Schweden, sind Ärzte eher dazu geneigt, spezifische Maßnahmen wie eine Kraniotomie bei einem hoffnungslos Erkrankten zurückzuhalten, während die öffentliche Meinung dazu tendiert, solche Maßnahme durchzuführen. Es besteht jedoch Einigkeit zwischen Ärzten und der Öffentlichkeit zugunsten eines Abbruchs der Lebenserhaltung bei hoffnungslos erkrankten Patienten (Rydvall u. Lynoe 2008).

Obwohl verschiedene Modelle zur Prognoseabschätzung vorliegen (Broderick et al. 1993, Diringer et al. 1998, Hemphill et al. 2001), ist die wichtigste einzelne Variable zur prognostischen Abschätzung des Outcomes nach einer ICB der Grad der medizinischen Versorgung (Becker et al. 2001, Zahuranec et al. 2007). In einer prospektiven Kohortenstudie von Becker und Mitarbeitern verfälschte ein Abbruch der Behandlung – als prognostisches Zeichen – bei Patienten, bei denen ein „schlechtes Outcome“ angenommen wurde, das Prognose-Modell und führte zu sich selbst erfüllenden Vorhersagen. Manche Patienten, bei denen ein „schlechtes Outcome“ angenommen wird, haben ein akzeptables Outcome, wenn sie aggressiv behandelt werden. In einem neueren, retrospektiv zugeschnittenen prognostischen Outcome-Modell, das die Auswirkung von DNR-Anordnungen auf die prognostische Einschätzung bei intraparenchymalen Hämatomen untersuchte, waren die Einschätzungen signifikant pessimistischer bei Patienten ohne und optimistischer bei Patienten mit DNR-Anordnung. Zukünftige prognostische intraparenchymatöse Blutungsmodelle sollten auf große intraparenchymatöse Blutungskohorten ohne DNR-Anordnungen bezogen verwendet werden (Creutzfeldt et al. 2011).

Eine weitere wichtige Überlegung bei Entscheidungen über das Lebensende sind geschlechtliche, ethnische und kulturelle Unterschiede. Obwohl keine relevanten Forschungsergebnisse zu diesem wichtigen Thema über europäische Minderheiten vorliegen, werfen Ergebnisse von Studien über US-Minderheiten etwas Licht auf die offensichtlichen Unterschiede. In einem großen, mehrere 100.000 Patienten beinhaltenden retrospektiven Review über Patienten, die in nicht bundeseigenen, kalifornischen Gesundheitseinrichtungen eingewiesen worden waren, zeigte sich, dass bei Frauen und nicht lateinamerikanischen Weißen eher DNR-Anordnungen ausgesprochen worden waren. Außerdem beeinflusste der DNR-Status das Ausmaß von geschlechts-ethnischen Unterschieden des Sterberisikos. Während Nichtweiße eine niedrigere Krankenhaus-Sterblichkeit nach einer ICB aufwiesen, zeigten asiatische Minderheiten nach der Adjustierung für den DNR-Status eine höhere Sterblichkeitsrate, während Afro-Amerikaner und Lateinamerikaner ähnliche Sterblichkeitsraten wie Weiße aufwiesen (Bardach et al. 2005). Im Gegensatz hierzu fand eine bevölkerungsbasierte Beobachtungsstudie in Süd-Texas heraus, dass bei mexikanischen Amerikaner weniger häufig als bei nicht hispanischen Weißen DNR-Anordnungen nach ICB verordnet worden waren, wobei dieser Zusammenhang weniger stark war, nachdem eine Adjustierung für Alter und andere Störvariablen erfolgte (Zahuranec et al. 2009).

Die Krankenhaussterblichkeit nach ICB wird signifikant von der DNR-Rate in einzelnen Krankenhäusern beeinflusst, selbst nach Adjustierung des Case Mix. Dies ist nicht nur auf den individuellen DNR-Status der Patienten zurückzuführen, sondern auch auf andere Aspekte der Gesamtversorgung (Hemphill et al. 2004).

Meinung: Die derzeitige Evidenz aus prospektiven Serien und retrospektiven Analysen deutet darauf hin, das bestehende DNR- und WOC-Anordnungen die Sterblichkeit von erwachsenen Patienten mit ICB erhöhen bzw. beschleunigen. Während DNR- und WOC-Anordnungen aufgrund der Informationen aus medizinischen Unterlagen eingeschätzt werden können, sind Kriterien, die die Wahl der medizinischen Behandlungsintensität bei erwachsenen Patienten mit einer ICB beeinflussen, nicht ­gleichwertig transparent. Die Vorstellungen über die Angemessenheit des initialen Grades der Behandlungsintensität bei ICB-Patienten variiert zwischen Fachpersonal und Laien, wohingegen die Vorstellungen von DNR- und WOC-Anordnungen im Allgemeinen ähnlich sind. Möglicherweise existieren ethnische und geschlechtliche Unterschiede, allerdings wurden diese bisher in der europäischen Bevölkerung nicht untersucht.
Diese Aspekte sollten bei der Behandlung von Patienten mit ICB berücksichtigt werden.

Sekundärprophylaktische Blutdruck­senkung

PICO: Verbessert bei erwachsenen Patienten mit einer ICB [P] die nachfolgende blutdrucksenkende Therapie [I] im Vergleich zur Standardtherapie [C] das Outcome [O]?

Die pharmakologische Blutdrucksenkung verbesserte das Outcome durch die Senkung des Rezidivrisikos eines Schlaganfalls um 28 % (95 % KI 17–38 %) in einer gemischten Population von Patienten mit Schlaganfällen (Infarkt und ICB) oder TIA in der PROGRESS-Studie (PROGRESS Collaborative Group 2001). In der Subgruppen-Analyse der Patienten mit ICB zeigte sich ein positiver Trend für ein reduziertes Rezidivrisiko einer ICB (tiefe und lobäre Lokalisation) aufgrund der Blutdrucksenkung mit einer adjustierten Hazard Ratio von 0,37 (95 % KI 0,1–1,38).

Eine weitere Subgruppen-Analyse von Patienten mit ICB bestätigte die Ergebnisse für ätiologische Untergruppen von ICBs (Amyloidangiopathie, blutdruckassoziierte ICB, nicht klassifizierbare ICB) mit der größten Wirkung in der Subgruppe mit Amyloidangiopathie (Arima et al. 2010b).

In einer Post-hoc-Subgruppen-Analyse der LIFE-Studie (Losartan vs. Atenolol), basierend auf den 8 % der eingeschlossenen Patienten mit vorherigem Schlaganfall (inklusive ICB), zeigte sich ein vergleichbarer Trend in der Teilmenge der Patienten mit vorherigem Schlaganfall (inklusive ICB) und TIA mit einer 25 %igen Risikoreduktion (Kizer et al. 2005). In weiteren Studien, die Antihypertonika und vaskuläre Ereignisse als Endpunkte untersuchten, ist Anzahl von Patienten mit vorangegangenen Hirnblutungen zu gering, um eine separate Analyse zu rechtfertigen (Perry et al. 2000, Dahlof et al. 2005, Jamerson et al. 2008).

Ein Cochrane-Review untersuchte den Zusammenhang zwischen dem Erreichen bestimmter Zielblutdruckwerte und der Sterblichkeit. Eine Senkung des Blutdrucks unter Werte von 140/90 mmHg führte nicht zu einer Reduktion von Sterblichkeit und Morbidität (Arguedas et al. 2009). Allerdings wurden in diese Untersuchungen Patienten mit sehr unterschiedlichen Erkrankungen eingeschlossen.

Zusammenfassung: Bisher gibt es keine Beweise für einen möglichen Klasseneffekt von Antihypertonika bei ICBs. Basierend auf den klaren Beweisen für eine ICB-Risikoreduktion durch Blutdrucksenkung aus primären Präventionsstudien, die von den Trends aus placebokontrollierten Sekundärpräventionsstudien untermauert werden, sind weitere placebokontrollierte Studien zur Wirkung einer Blutdrucksenkungen auf die sekundäre Prävention von Rezidiv-ICBs aus ethischen Gründen nicht durchführbar. Ein relevanter Klasseneffekt kann jedoch nicht ausgeschlossen werden und der optimale Zielbereich für die Blutdruckeinstellung ist bisher nicht eindeutig geklärt.

Die blutdrucksenkende Therapie nach einer ICB verbessert das Outcome. Dieses Vorgehen wird durch Ergebnisse aus Studien zur Primärprävention unterstützt. Der Effekt der Reduktion des Risikos für eine erneute Hirnblutung nach ICB durch eine prophylaktische Blutdrucksenkung lässt sich aus Subgruppen-Analysen von RCTs schätzen und beträgt etwa 25 %.

Empfehlungen

Zur Prävention einer erneuten ICB sollte eine strikte Blutdrucksenkung erfolgen.
Qualität der Evidenz: IIb, Stärke der Empfehlung: B

Antithrombotische Behandlung zur ­Sekundärprophylaxe

PICO: Verbessert bei erwachsenen Patienten mit einer ICB, die eine antithrombotische Behandlung aufgrund von thrombotischen Erkrankungen vor einer ICB erhielten [P], die Weiterführung der antithrombotischen Therapie [I] im Vergleich zum Abbruch der antithrombotischen Therapie [C], das Outcome [O]?

In einer populationsbasierten Studie stieg der Anteil der Patienten mit ICB, die vor der ICB aufgrund von thrombotischen Erkrankungen eine antithrombotische Medikation einnahmen, über die Zeit stetig an (Lovelock et al. 2007). Das Kurzzeit-Outcome bei Patienten, die thrombozytenhemmende Medikamente oder Antikoagulanzien vor der ICB einnahmen, erschien verschlechtert (Thompson et al. 2010).

Patienten, die die ICB überleben, sind mit der Frage konfrontiert, ob sie ihre antithrombotische Medikation zur sekundären Prävention von thrombotischen Erkrankungen wieder aufnehmen oder ob sie darauf verzichten sollen, um das Risiko einer erneuten ICB und/oder Verschlechterung des weiteren Outcomes zu vermeiden. Zur Klärung dieses Behandlungsdilemmas gibt es bisher keine kontrollierten randomisierten Studien. Kleine Fall-Beobachtungsserien zeigten keinen tiefgreifenden Effekt auf das Risiko einer Rezidivhirnblutung nach erneuter antithrombotischer Therapie bei Überlebenden einer ICB (Biffi et al. 2010, Flynn et al. 2010a, Flynn et al. 2010b). Auch die Frage, ob und wann die orale Antikoagulation wieder aufgenommen werden sollte, wurde bisher nur in Beobachtungsstudien untersucht (Eckman et al. 2003, Claassen et al. 2008, Majeed et al. 2010).

Zusammenfassung: Es liegen keine RCTs vor. Deshalb können keine belastbaren Empfehlungen zum Thema, ob und wann eine Wiederaufnahme der Therapie mit antithrombotischen Medikamenten nach ICB erfolgen sollte, ausgesprochen werden.
Qualität der Evidenz: IV, Stärke der Empfehlung: GCP

Versorgungskoordination

Patienten mit Verdacht auf eine ICB müssen in kürzester Zeit in eine Einrichtung transportiert werden, die sowohl über die diagnostischen (cCT, CTA oder/und MRT/MRA) als auch die personellen und technischen Möglichkeiten (Stroke Unit) der Akutversorgung von Patienten mit ICBs verfügt. Eine rehabilitative Therapie sollte so früh wie möglich beginnen. Sofern die Patienten nach der Akutbehandlung weiterhin symptomatisch sind, sollte die weitere Versorgung in geeigneten Rehabilitationseinrichtungen erfolgen. In Abhängigkeit von den individuellen Defiziten umfasst die Rehabilitation physiotherapeutische, logopädische, neuropsychologische und/oder ergotherapeutische Aspekte.

Redaktionskomitee

Prof. Dr. Martin Dichgans, Institut für Schlaganfall und Demenzforschung, Interdisziplinäres Schlaganfallzentrum, Klinikum Großhadern der Universität München
Prof. Dr. Michael Forsting, Klinik für Radiologie, Universitätsklinikum Essen
Prof. Gerhard F. Hamann, Neurologische Klinik, Dr. Horst Schmidt-Kliniken, Wiesbaden
Prof. Dr. Krassen Nedeltchev, Neurologische Klinik, Klinikum Aarau
PD Dr. Ronny Beer, Neurologische Klinik, Universitätsklinikum Innsbruck
Prof. Dr. Hanno Riess, Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Hämatologie und Onkologie, Charité Campus Virchow Klinikum, Berlin
Prof. Dr. Volker Seifert, Neurochirurgische Klinik, Universitätsklinikum Frankfurt
Prof. Dr. Stefan Schwab, Neurologische Klinik, Universitätsklinikum Erlangen
Prof. Dr. Christian Schwerdtfeger, Neurochirurgische Klinik, Universitätsklinikum Homburg-Saar
Prof. Dr. Thorsten Steiner, Neurologische Klinik, Klinikum Frankfurt Höchst, Frankfurt
Prof. Dr. Andreas Unterberg, Neurochirurgische Klinik, Universitätsklinikum Heidelberg

Federführender Autor: Prof. Dr. Thorsten Steiner, Neurologische Klinik, Klinikum Frankfurt Höchst, Gotenstraße 6–8, 65929 Frankfurt, E-Mail:

Entwicklungsstufe der Leitlinie: S2e

Finanzierung der Leitlinie

Die systematische Literatursuche durch die Cochrane Stroke Group (University Division of Clinical Neurosciences, Edinburgh) wurde finanziell von der European Stroke Organisation (ESO) unterstützt.

Methodik der Leitlinienentwicklung

Zusammensetzung der Leitliniengruppe, Beteiligung von Interessengruppen

Diese Leitlinie entstand durch Zusammenarbeit von Mitgliedern folgender Organisationen:

Recherche und Auswahl der wissenschaftlichen Belege

Diese Leitlinien wurden in zwei Schritten entwickelt. Im ersten Schritt erfolgte die Literatursuche und Auswertung durch die ICH-Leitlinien-Gruppe der European Stroke Organisation und die Cochran Stroke Trial Registry Group (ESO, vgl. Redaktionskomitee), im zweiten Schritt fand die Konsensus-Findung unter den Mitgliedern der DGN, der DGÖ und SGN DGN statt.
Zum Schritt 1: Die Mitglieder der ICH-Leitlinien-Gruppe wurden vom Leitlinien-Komitee der ESO vorgeschlagen und vom Executive-Komitee der ESO bestätigt. Die Gruppe setzt sich aus Neurologen, Neurochirurgen, Neuroradiologen zusammen.
Grundlage der systematischen Literatursuche bildeten die PICO- (Patienten – Intervention – Comparator – Outcome) Fragen.(The Grading of Recommendations Assessment 2011). Es wurden folgende Festlegungen getroffen:

  1. Eingeschlossen wurde nur radomisierte kontrollierte Studien (RCT), Metaanalysen von RCTs und systematische Reviews.
  2. Quelle der Suche waren Embase, Medline und die Cochrane Stroke Trial Registry. Beginn der Suche war das Jahr 1984.

PICO-Fragen wurden im Rahmen eines Konsensus-Prozesse durch die ESO ICH-Guideline-Writing Group entwickelt. Die Definition der Suchstrategie wurde in Zusammenarbeit der PICO-Autoren und der Cochrane Stroke Group entwickelt. Die Programmierung der Suchstrategie und Durchführung der Literatursuche wurde von der Cochrane Stroke Group durchgeführt. Anschließend wurden vollständigen Suchergebnisse den PICO-Autoren zur Verfügung gestellt.
Mitglieder der ICH-Leitlinien-Gruppe führten anschließend die Aus- und Bewertung der Literatursuche durch. Grundlage der Bewertung bildeten die Kriterien der GRADE (The Grading of Recommendations Assessment, Development and Evaluation). (The Grading of Recommendations Assessment 2011)
Schritt 2: Die Empfehlungen wurden ins Deutsche übersetzt. Anschließend fand eine Konsensus-Bildung im Umlaufverfahren unter den Mitgliedern der DGN, OGN und SGN statt.

Verfahren zur Konsensfindung

Die Konsensus-Findung fand im Umlaufverfahren unter den Mitgliedern der DGN, OGN und SGN statt.

Literatur

Aus: Hans-Christoph Diener, Christian Weimar (Hrsg.): Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie, Herausgegeben von der Kommission "Leitlinien" der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, Thieme Verlag, Stuttgart, September 2012