Kapitel: Entzündliche und erregerbedingte Krankheiten

Atypische erregerbedingte Meningoenzephalitiden

Entwicklungsstufe: S1
Stand: September 2012
Verlängert: Februar 2015
Gültig bis: 29. September 2017
Federführend
Univ.-Prof. Dr. E. Schmutzhard, Innsbruck


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COI-Erklärung

Inhaltsverzeichnis

Was gibt es Neues?

Die wichtigsten Empfehlungen auf einen Blick

Definition und Klassifikation

Begriffsdefinition

Meningoenzephalitiden, die durch Bakterien (nicht zu eitriger Einschmelzung bzw. Reaktion führend), Protozoen sowie Helminthen verursacht werden.

Klassifikation

Zu den bakteriellen Erregern dieser Kategorie gehören Spirochäten (siehe Neurosyphilis bzw. Neuroborreliose), Mykobakterien (siehe Neurotuberkulose – Neuro-AIDS), Erreger, die granulomatöse bzw. zystische infektiöse ZNS-Erkrankungen verursachen (z. B. Brucella spp., Nocardia spp. – siehe dort), und eine Reihe von meist systemisch wirkenden, das ZNS mit involvierenden, vorwiegend intrazellulären Erregern. Erkrankungen, die beim Immunsupprimierten zu sehen sind, werden ebenfalls gesondert (siehe Kap. „Diagnostik und Therapie HIV-1-assoziierter neurologischer Erkrankungen“, opportunistische zerebrale Infektionen) besprochen.

Während Trypanosoma spp. oder Toxoplasma gondii direkt das zentrale Nervensystem invadieren (= eine Meningoenzephalitis verursachen), wird die neurologische Symptomatik bei der zerebralen Malaria (Plasmodium falciparum) über indirekte Mechanismen (immunologische, hypoxische) verursacht.

Die Invasion des zentralen Nervensystems durch Nematodenlarven führt zu einer meist eosinophilen Meningitis/Meningoenzephalitis.

Aspekte, die diese Leitlinie nicht ­behandelt

Epidemiologie, Differenzialdiagnosen, Komorbiditäten, Fragen der Versorgungskoordination

Untersuchungen

Notwendig

Im Einzelfall erforderlich

Therapie

In Abhängigkeit vom Erreger wird im Folgenden die am besten wirksame antimikrobielle Chemotherapie aufgelistet.

Rickettsiose

Coxiellose

Ehrlichiose

Bartonellose

ZNS-Brucellose

Mycoplasma-spp.-Infektionen des ZNS

Whipple-Erkrankung des ZNS

Amerikanische Trypanosomiasis (Trypanosoma cruzi – Chagas-Erkrankung)

Schlafkrankheit (Trypanosoma brucei rhodesiense bzw. gambiense)

Zerebrale Malaria (Plasmodium falciparum)

ZNS-Babesiose

Einzelheiten zur Dosierung und Therapiedauer bei den vier letztgenannten Krankheiten sind der einschlägigen tropenmedizinischen Literatur zu entnehmen.

Nematoden-bedingte eosinophile ­Meningitis/Meningoenzephalitis

Neurozystizerkose

Versorgungskoordination

Jede Infektionserkrankung des zentralen Nervensystems erfordert eine stationäre Aufnahme. Bei klinischen Zeichen eines raumfordernden Prozesses, bei Serien von generalisierten, tonisch-klonischen Anfällen (insbesondere Status epilepticus) ist die Aufnahme auf einer neurologischen Intensivstation unumgänglich.

Die Beurteilung der Wirksamkeit stützt sich bei einem Teil dieser hier angeführten Erkrankungen nicht auf mehrere prospektive randomisierte Studien, teilweise handelt es sich um klinische Beobachtungen (z. T. sehr alte, seit Jahrzehnten eingeführte Substanzen) und Fallserien.

Redaktionskomitee

Dr. R. Bühler, Abteilung für Neurologie, Bürgerspital Solothurn, Schweiz
Prof. Dr. U. Meyding-Lamadé, Krankenhaus Nordwest, Frankfurt am Main
Prof. Dr. H. Prange, Universitätsmedizin Göttingen, UMG
Univ.-Prof. Dr. E. Schmutzhard, Neurologische Universitätsklinik, Innsbruck

Federführend: Univ.-Prof. Dr. E. Schmutzhard, Neurologische Universitätsklinik, Anichstraße 35, A-6020 Innsbruck, Österreich, Fax: +43 512 504 24243, E-Mail:

Entwicklungsstufe der Leitlinie: S1

Finanzierung der Leitlinie

Entstandene Kosten wurden durch die Autoren übernommen

Methodik der Leitlinienentwicklung

Zusammensetzung der Leitliniengruppe, Beteiligung von Interessengruppen

s. Redaktionskommittee. Es wurden keine weiteren Gruppen beteiligt

Recherche und Auswahl der wissenschaftlichen Belege

Für diese Krankheitsbilder gibt es - mit Ausnahme der aktuellen Leitlinie (2011) für Malaria (DTG und ÖGTP) keine LL. Daher wurde die LL 2008 durch eine Literatur-Recherche (durchgeführt von Erich Schmutzhard) in Medline 2008 -2011 mit den oben abgeführten Schlüsselwörtern durch die in dieser LL besprochenen Krankheitsbilder und Erreger ergänzt, bzw einem update zugeführt.

Verfahren zur Konsensfindung

Die Konsensusbildung unter den Autoren dieses Kapitels erfolgte mittels eines modifizierten Delphi-Verfahrens.

Literatur

Rickettsiose

Coxiellose

Ehrlichiose

Bartonellose

ZNS-Brucellose

Mykoplasmen-Infektionen des ZNS

Whipple-Erkrankung des ZNS

Amerikanische Trypanosomiasis (Trypanosoma cruzi – Chagas-Erkrankung)

Schlafkrankheit (Trypanosoma brucei rhodesiense bzw. gambiense)

Zerebrale Malaria (Plasmodium ­falciparum)

 ZNS-Babesiose

Nematoden-bedingte eosinophile ­Meningitis/Meningoenzephalitis

Neurozystizerkose

Aus: Hans-Christoph Diener, Christian Weimar (Hrsg.): Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie, Herausgegeben von der Kommission "Leitlinien" der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, Thieme Verlag, Stuttgart, September 2012