Kapitel: Vaskuläre Erkrankungen

Sekundärprophylaxe ischämischer Schlaganfall und transitorische ischämische Attacke (Teil 1)

Entwicklungsstufe: S3
Stand: 31. Januar 2015
Online seit: 26. Februar 2015
Gültig bis: 30. Januar 2020
AWMF-Registernummer: 030/133
Steuergruppe
Prof. Dr. Matthias Endres, DGN

Prof. Dr. Hans Christoph Diener, DGN
Prof. Dr. Joachim Röther, DSG
Dr. Michaela Behnke

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Über diese Leitlinie

Diese S3-Leitlinie wurde unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) in Zusammenarbeit mit den am Konsensus beteiligten 16 medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften, Berufsverbänden und Organisationen entwickelt. Die methodische Betreuung erfolgte durch das Centrum für Schlaganfallforschung Berlin (CSB) der Charité. Die Empfehlungen dieser Leitlinie wurden im Rahmen des Delphi-Konsensusverfahrens durch die Mandatsträger der beteiligten Fachgesellschaften konsentiert. Die fertig gestellte S3-Leitlinie wurde durch die Vorstände der Fachgesellschaften gegengezeichnet. Durch die Evidenzbasierung und das formale Konsensusverfahren stellt die vorliegende S3-Leitlinie nicht nur ein Update sondern auch ein methodisches Upgrade der 2008 publizierten S1-Leitlinie der DGN zur „Primär- und Sekundärprävention der zerebralen Ischämie" dar. Die Primärprävention des ischämischen Schlaganfalls wird in dieser S3-Leiltinie jedoch nicht mehr behandelt.

Die S3-Leitlinie ist inhaltlich in zwei Teile aufgeteilt: Der erste Teil der S3-Leitlinie ist hier publiziert und umfasst vier Aspekte der Sekundärprophylaxe nach ischämischem Schlaganfall und TIA.

1. Thrombozytenfunktions­hemmer
2. Hyper­lipidämie
3. Orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern
4. Therapie der arteriellen Hypertonie

Neben dieser Kurzfassung gibt es eine Langfassung und einen Leitlinienreport als PDF-Download (siehe Infokasten). Der zweite Teil der S3-Leitlinie behandelt weitere Themen zur Sekundärprophylaxe des ischämischen Schlaganfalls und TIA und wird in der Folge erscheinen. Folgende Themenbereiche werden darin bearbeitet werden: Lebensstiländerungen zur Risikoreduktion, persistierendes Foramen ovale, Indikationen für orale Antikoagulation (außer Vorhofflimmern), Dissektion, Stenosen hirnversorgender Gefäße (außer Carotisstenose), Hormonersatztherapie, Diabetes und Schlafapnoesyndrom. Eine Patientenversion der kompletten S3-Leitline wird nach Fertigstellung des zweiten Teils verfügbar sein.

 

Die wichtigsten Empfehlungen auf einen Blick

 

1. Thrombozytenfunktionshemmer


 Schlüsselfrage 1

Ist der Einsatz von Thrombozytenfunktionshemmern bei Patienten nach ischämischem Schlaganfall oder TIA wirksamer im Vergleich zu Placebo hinsichtlich des kombinierten Endpunkts (Myokardinfarkt, Schlaganfall, vaskulärer Tod) oder eines Schlaganfalls?

Empfehlung 1.1

Patienten mit ischämischem Schlaganfall oder TIA sollen mit einem Thrombozytenfunktionshemmer im Rahmen der Sekundärprävention behandelt werden, sofern keine Indikation zur Antikoagulation vorliegt.

Empfehlungsgrad A, Evidenzebene Ia; Leitlinienadaption (Australia 2010)


Schlüsselfrage 2

Ist Clopidogrel bei Patienten nach ischämischem Schlaganfall oder TIA wirksamer als ASS hinsichtlich des kombinierten Endpunkts (Myokardinfarkt, Schlaganfall, vaskulärer Tod) oder eines Schlaganfalls?

Empfehlung 1.2

Patienten mit ischämischem Schlaganfall oder TIA sollen mit ASS (allein oder in Kombination mit verzögert freisetzendem Dipyridamol) oder Clopidogrel behandelt werden. Keine der beiden Substanzen ist der jeweils anderen sicher überlegen.

Empfehlungsgrad A, Evidenzebene Ib; Leitlinienadaption (SIGN 2008)


Schlüsselfrage 3

Welche Dosis ASS bietet den größten Nutzen bei Patienten nach ischämischem Schlaganfall oder TIA verglichen mit Placebo hinsichtlich der Reduktion des kombinierten Endpunktes (Myokardinfarkt, Schlaganfall, vaskulärer Tod) oder eines Schlaganfalls im Vergleich zum Risiko schwerwiegender oder tödlicher Blutungen?

Empfehlung 1.5

ASS soll in einer Dosis von 100 mg verabreicht werden.

Empfehlungsgrad A, Evidenzebene Ia


Schlüsselfrage 4

Ist die Kombination aus ASS plus Dipyridamol bei Patienten nach ischämischem Schlaganfall oder TIA wirksamer als ASS oder Clopidogrel hinsichtlich des kombinierten Endpunktes (Myokardinfarkt, Schlaganfall, vaskulärer Tod) oder eines Schlaganfalls im Vergleich zum Risiko schwerwiegender oder tödlicher Blutungen?

Empfehlung 1.7

Patienten nach ischämischem Schlaganfall oder TIA sollen ASS zur Sekundärprävention erhalten. Alternativ sollte die Kombination aus ASS und retardiertem Dipyridamol oder Clopidogrel zur Sekundärprävention verabreicht werden.

Empfehlungsstärke für ASS (100mg) (A), Kombination aus ASS (25 mg) und retardiertem Dipyridamol (200 mg) (B) und Clopidogrel (75 mg) (B), modifizierte Leitlinienadaption (Australia 2010)


Schlüsselfrage 5

Ist eine Kombination von ASS mit Clopidogrel bei Patienten nach ischämischem Schlaganfall oder TIA wirksamer als Placebo, ASS oder Clopidogrel hinsichtlich des kombinierten Endpunktes (Myokardinfarkt, Schlaganfall, vaskulärer Tod) oder eines Schlaganfalls im Vergleich zum Risikoschwerwiegender oder tödlicher Blutungen?

Empfehlung 1.8

Die Kombination von ASS mit Clopidogrel soll bei Patienten nach ischämischem Schlaganfall oder TIA nicht zur langfristigen Sekundärprävention eingesetzt werden. Dies betrifft nicht Patienten nach ischämischem Schlaganfall, die eine zusätzliche Indikation wie akutes Koronarsyndrom oder koronare Stentimplantation haben.

Empfehlungsgrad A, Evidenzebene Ia; Leitlinienadaption (Australia 2010)


Schlüsselfrage 6

Sind Thrombozytenfunktionshemmer (TFH) innerhalb der ersten 48 Stunden nach dem Ereignis bei Patienten nach akutem ischämischen Schlaganfall oder TIA wirksamer als keine Therapie oder Placebo hinsichtlich des kombinierten Endpunktes (Myokardinfarkt, Schlaganfall, vaskulärer Tod) oder eines Schlaganfalls im Vergleich zum Risiko schwerwiegender oder tödlicher Blutungen?

Empfehlung 1.9

Die Sekundärprophylaxe mit ASS soll innerhalb der ersten 48 Stunden nach dem klinischen Verdacht eines ischämischen Schlaganfalls oder TIA und nach dem Ausschluss eines hämorrhagischen Schlaganfalls begonnen werden.

Empfehlungsgrad A, Evidenzebene Ia; Leitlinienadaption (Australia 2010)


Schlüsselfrage 7

Gibt es Indikationen für die parenterale Gabe von Thrombozytenfunktionshemmern bei Patienten nach ischämischem Schlaganfall oder TIA im Vergleich zu keiner oder oraler Therapie hinsichtlich des kombinierten Endpunktes (Myokardinfarkt, Schlaganfall, vaskulärer Tod) oder eines Schlaganfalls im Vergleich zum Risiko schwerwiegender oder tödlicher Blutungen (z.B. schwere Schluckstörung, Resorptionsstörung)?

Empfehlung 1.10

Bei Patienten mit akutem ischämischen Schlaganfall, die aufgrund einer Schluckstörung nicht in der Lage sind, ASS oral aufzunehmen, kann alternativ eine Verabreichung über eine nasogastrale Sonde oder parenteral als intravenöse Infusion oder Injektion appliziert werden.

Empfehlungsgrad 0, Evidenzebene IV


Schlüsselfrage 8

Soll bei Patienten nach ischämischem Schlaganfall oder TIA, die unter Behandlung mit einem Thrombozytenfunktionshemmer einen wiederholten Schlaganfall oder TIA erlitten haben, ein TFH-Funktionstest zum Nachweis einer effektiven Thrombozytenfunktionshemmung durchgeführt werden?

Empfehlung 1.11

Es liegen keine ausreichenden Daten vor, die die Durchführung eines TFH-Funktionstests rechtfertigen.


Schlüsselfrage 9

Soll bei Patienten nach ischämischem Schlaganfall oder TIA, die unter Behandlung mit einem Thrombozytenfunktionshemmer einen wiederholten Schlaganfall oder TIA erlitten haben, die Dosis des jeweiligen Thrombozytenfuntkionshemmers gesteigert oder auf einen anderen Thrombozytenfunktionshemmer bzw. auf orale Antikoagulation umgestellt werden?

Empfehlung 1.12

Eine Empfehlung zur Therapieeskalation bei wiederholtem Schlaganfall oder TIA kann mangels Daten nicht gegeben werden. Die Ätiologie des Schlaganfalls sollte erneut evaluiert werden.

Good clinical practice


Schlüsselfrage 10

Ist bei Patienten nach ischämischem Schlaganfall oder TIA mit gastrointestinalen Problemen (z.B. Ulzera) das Nutzen-Risiko-Verhältnis beim Einsatz von Thrombozytenfunktionshemmern mit oder ohne Protonenpumpen-Inhibitor noch günstig hinsichtlich des kombinierten Endpunktes (Myokardinfarkt, Schlaganfall, vaskulärer Tod) oder eines Schlaganfalls im Vergleich zum Risiko schwerwiegender gastrointestinalen Komplikationen?

Empfehlung 1.13

Bei Patienten nach ischämischem Schlaganfall oder TIA mit vorangegangenem abgeheilten gastrointestinalen Ulkusleiden kann die Gabe von Thrombozytenfunktionshemmern durch eine Gabe eines Protonenpumpen-Inhibitors (PPI) begleitet werden.

Empfehlungsgrad 0, Evidenzebene IV


 Schlüsselfrage 11

Wie lange sollten Thrombozytenfunktionshemmer bei Patienten nach ischämischem Schlaganfall oder TIA hinsichtlich des kombinierten Endpunkts (Myokardinfarkt, Schlaganfall, vaskulärer Tod) oder eines Schlaganfalls gegeben werden?

Empfehlung 1.14

Die Therapie mit Thrombozytenfunktionshemmern soll dauerhaft erfolgen, es sei denn, dass Kontraindikationen auftreten oder im Verlauf sich eine Indikation zur Antikoagulation ergibt.

Empfehlungsgrad A; Leitlinienadaption (Australia 2010)


Schlüsselfrage 12

Erhöht bei Patienten nach akutem ischämischem Schlaganfall oder TIA das plötzliche Absetzen von Thrombozytenfunktionshemmern verglichen mit der kontinuierlichen Thrombozytenfunktionshemmer-Gabe das Auftreten des kombinierten Endpunkts (Myokardinfarkt, Schlaganfall, vaskulärer Tod) oder eines Schlaganfalls?

Empfehlung 1.15

Aufgrund der hohen Komorbidität von Schlaganfällen und anderen kardiovaskulären Erkrankungen soll ein Absetzen von zur Sekundärprophylaxe verordneten Thrombozytenfunktionshemmern allenfalls in gut begründeten Ausnahmefällen erfolgen.

Good clinical practice


 

2. Hyperlipidämie


 Schlüsselfrage 1

Verhindern Statine bei Patienten nach ischämischem Schlaganfall oder TIA auch unter Berücksichtigung des Schlaganfallsubtyps (lakunär, atherothrombotisch, kardioembolisch) und der Komorbidität (KHK, Diabetes etc.) verglichen mit Placebo das Auftreten des kombinierten Endpunkts (Myokardinfarkt, Schlaganfall, vaskulärer Tod) oder eines Schlaganfalls?

Empfehlung 2.1

Patienten mit ischämischem Schlaganfall oder TIA sollen mit einem Statin behandelt werden.

Empfehlungsgrad A, Evidenzebene Ia; Leitlinienadaption (Australia 2010)

Empfehlung 2.2

Patienten mit Hirnblutungen sollten nur unter Abwägen von Risiko und Nutzen mit einem Statin behandelt werden, wenn eine andere eigenständige Indikation vorliegt.

Empfehlungsgrad B, Evidenzebene Ib; Leitlinienadaption (Australia 2010)


Schlüsselfrage 2

Welche Zielwerte (Gesamt-, LDL-, HDL-Cholesterin, Triglyzeride, Lp(a), hsCRP) sollen bei Patienten nach ischämischem Schlaganfall oder TIA auch unter Berücksichtigung des Schlaganfallsubtyps (lakunär, atherothrombotisch, kardioembolisch) und der Komorbidität (KHK, Diabetes etc.) angestrebt werden?

Empfehlung 2.4

Basierend auf den Ergebnissen kardiovaskulärer Studien sollte auch bei der Behandlung von Schlaganfallpatienten mit einem Statin ein LDL-Cholesterinwert < 100 mg/dl (<2,6 mmol/L) angestrebt werden.

Good clinical practice; Leitlinienadaption (Spain 2009)


Schlüsselfrage 3

Erhöht bei Patienten nach ischämischem Schlaganfall oder TIA das plötzliche Absetzen der Gabe von Statinen verglichen mit der kontinuierlichen Gabe das Auftreten des kombinierten Endpunkts (Myokardinfarkt, Schlaganfall, vaskulärer Tod) oder eines Schlaganfalls?

Empfehlung 2.5

Bei Patienten mit akutem ischämischen Schlaganfall oder TIA, die bereits mit einem Statin behandelt werden, soll die Statingabe fortgeführt werden.

Empfehlungsgrad A, Evidenzebene Ib; Leitlinienadaption (SIGN 2008)

Gegebenenfalls kann das Medikament per Magensonde verabreicht werden.

Good clinical practice


Schlüsselfrage 4

Verringern Fibrate alleine, Nikotinsäurederivate alleine, Ezetimibe alleine oder jeweils in Kombination mit einem Statin bei Patienten nach ischämischem Schlaganfall oder TIA verglichen mit Placebo das Auftreten des kombinierten Endpunkts (Myokardinfarkt, Schlaganfall, vaskulärer Tod) oder eines Schlaganfalls?

Empfehlung 2.6

Nikotinsäurederivate, Fibrate oder Ezetimibe sollen bei Patienten nach ischämischem Schlaganfall oder TIA zur Sekundärprophylaxe nicht routinemäßig eingesetzt werden.

Good clinical practice


 

3. Orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern


Schlüsselfrage 1

Verringert bei Patienten nach ischämischem Schlaganfall oder TIA mit permanentem, persistierendem oder paroxysmalem Vorhofflimmern die orale Antikoagulation oder die Gabe von Thrombozytenfunktionshemmern das Auftreten eines Schlaganfalls oder einer systemischen Embolie verglichen mit Placebo?

Empfehlung 3.1

Patienten mit ischämischem Schlaganfall oder TIA mit permanentem, persistierendem oder paroxysmalem Vorhofflimmern sollen eine orale Antikoagulation erhalten.

Empfehlungsgrad A, Evidenzebene Ib; Leitlinienadaption (Australia 2010)

 

Empfehlung 3.2

Thrombozytenfunktionshemmer sollten in der Sekundärprävention nach ischämischem Schlaganfall oder TIA mit Vorhofflimmern nicht mehr verwendet
werden, sofern keine kardiologische Indikation für die Gabe von Thrombozytenfunktionshemmern vorliegt.

Good clinical practice


 Schlüsselfrage 2

Ist bei Patienten nach ischämischem Schlaganfall oder TIA mit Vorhofflimmern mit Risikokonstellationen für schwerwiegende Blutungen (z. B. Sturzneigung, zerebrale Mikroangiopathie, Alter oder Demenz) die Gabe von oralen Antikoagulantien verglichen mit Thrombozytenfunktionshemmern hinsichtlich des Auftretens eines Schlaganfalls oder einer systemischen Embolie gerechtfertigt?

Orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern

Empfehlung 3.3

Höheres Lebensalter per se ist bei Patienten nach ischämischem Schlaganfall oder TIA mit Vorhofflimmern keine Kontraindikation für eine orale Antikoagulation. Auch Patienten in höherem Lebensalter sollten antikoaguliert werden.

Empfehlungsgrad B, Evidenzebene Ib


 Schlüsselfrage 3

Ist die Behandlung von Patienten nach ischämischem Schlaganfall oder TIA mit Vorhofflimmern mit Dabigatran, Apixaban oder Rivaroxaban einer Behandlung mit Vitamin-K-Antagonisten überlegen hinsichtlich des Auftretens eines Schlaganfalls oder einer systemischen Embolie im Vergleich zum Risiko schwerwiegender oder tödlicher Blutungen?

Empfehlung 3.10

Patienten mit ischämischem Schlaganfall oder TIA und nicht valvulärem Vorhofflimmern sollen eine orale Antikoagulation erhalten.

Empfehlungsgrad A, Evidenzebene Ib; siehe Empfehlung 3.1

Die neuen Antikoagulantien (d.h. Dabigatran, Rivaroxaban und Apixaban) stellen eine Alternative zu den Vitamin-K-Antagonisten dar und sollten aufgrund des günstigeren Nutzen-Risiko-Profils zur Anwendung kommen.

Empfehlungsgrad B, Evidenzebene Ib

 

Empfehlung 3.111

Zu Beginn der Behandlung mit den neuen oralen Antikoagulantien (Dabigatran, Apixaban oder Rivaroxaban) und im Verlauf der Behandlung mindestens einmal jährlich muss die Nierenfunktion mittels Creatinin-Clearance (CrCl) überprüft werden. Eine CrCl < 30 ml/min stellt eine Kontraindikation für eine Behandlung mit Dabigatran dar. Eine Behandlung mit Apixaban oder Rivaroxaban ist bei einer CrCl < 15 ml/min kontraindiziert.


Bei Patienten mit einem Alter über 75 Jahre und bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion muss die Dosierung nach Herstellerangabe angepasst werden. Ferner sollte bei diesen Patienten oder in klinischen Situationen, in denen eine mögliche Abnahme oder Verschlechterung der Nierenfunktion zu vermuten ist (z. B. Hypovolämie, Dehydratation und bestimmte Komedikation), die Nierenfunktion öfter überprüft werden.

Good clinical practice

1Update: Empfehlung 3.11. wurde an die aktuellen Sicherheitsempfehlungen der Fachinformation zu den neuen oralen Antikoagulantien angepasst. Stand April 2014)


Schlüsselfrage 4

Ist die Behandlung von Patienten nach ischämischem Schlaganfall oder TIA mit Vorhofflimmern mit Apixaban einer Behandlung mit Thrombozytenfunktionshemmern überlegen hinsichtlich des Auftretens eines Schlaganfalls oder einer systemischen Embolie im Vergleich zum Risiko schwerwiegender oder tödlicher Blutungen?

Empfehlung 3.12

Patienten nach ischämischem Schlaganfall oder TIA mit Vorhofflimmern, die für Vitamin-K-Antagonisten ungeeignet sind und bisher dauerhaft mit einem Thrombozytenfunktionshemmer behandelt wurden und bei denen keine Kontraindikation für die Gabe von Apixaban vorliegt, sollten mit Apixaban behandelt werden.

Empfehlungsgrad B. Evidenzebene Ib

Alternativ zu Apixaban können in dieser Konstellation auch Dabigatran oder Rivaroxaban eingesetzt werden.

Good clinical practice

Thrombozytenfunktionshemmer sollten in der Sekundärprävention nach ischämischem Schlaganfall oder TIA mit Vorhofflimmern nicht mehr verwendet werden, sofern keine kardiologische Indikation für die Gabe von Thrombozytenfunktionshemmern vorliegt (siehe Empfehlung 3.2).

Good clinical practice


Schlüsselfrage 5

Ist die Behandlung von Patienten nach ischämischem Schlaganfall oder TIA mit Vorhofflimmern mit Antiarrhythmika einer Behandlung mit Placebo überlegen hinsichtlich des Auftretens des kombinierten Endpunktes (Myokardinfarkt, Schlaganfall, oder vaskulärer Tod) oder eines Schlaganfalls?

Empfehlung 3.14

Die Behandlung von Patienten nach ischämischem Schlaganfall oder TIA mit Vorhofflimmern mittels Antiarrhythmika ist einer Behandlung mit Placebo hinsichtlich des Auftretens des kombinierten Endpunktes oder eines Schlaganfalls nicht überlegen. Es sollte keine Behandlung mit Antiarrhythmika erfolgen, soweit sie nicht aus anderem Grund (kardiologische Indikation, z.B. aufgrund eines tachykarden Vorhofflimmerns) notwendig ist.

Good clinical practice


 

4. Therapie der arteriellen Hypertonie


 Schlüsselfrage 1

Vermindert bei Patienten nach ischämischem Schlaganfall oder TIA die Behandlung mit Antihypertensiva verglichen mit Placebo oder verschiedenen Mono- oder Kombinationstherapien das Auftreten des kombinierten Endpunkts (Myokardinfarkt, Schlaganfall, vaskulärer Tod) oder eines Schlaganfalls?

Empfehlung 4.1.

Patienten nach ischämischem Schlaganfall oder TIA mit arterieller Hypertonie sollen langfristig antihypertensiv behandelt werden.

Empfehlungsgrad A, Evidenzebene Ia; modifizierte Leitlinienadaption (Australia 2010)


Schlüsselfrage 2

Welche Zielwerte des systolischen und diastolischen Blutdrucks sollen bei Patienten nach ischämischem Schlaganfall oder TIA hinsichtlich des Auftretens des kombinierten Endpunkts (Myokardinfarkt, Schlaganfall, vaskulärer Tod) oder eines Schlaganfalls angestrebt werden?

Empfehlung 4.2

Grundsätzlich soll der Blutdruck unter 140/90 mmHg gesenkt werden.

Good clinical practice


Empfehlung 4.3

Da der Blutdruck nicht auf einen exakten Wert titriert werden kann, wird ein Zielkorridor empfohlen: Der Therapiekorridor des Zielblutdrucks sollte dabei zwischen 120/70 mmHg und 140/90 mmHg unter Berücksichtigung der Komorbiditäten und unerwünschten Wirkungen liegen.

Good clinical practice

Empfehlung 4.4

Werte < 120/70 mmHg sollen nicht angestrebt werden.

Good clinical practice

Empfehlung 4.5

Grundsätzlich sollen bei der Festlegung der Zielblutdruckwerte die individuellen Gegebenheiten und Beschwerden des Patienten sowie die Begleiterkrankungen in die Entscheidung einbezogen werden. Eine Festlegung des Zielblutdrucks ist deshalb immer individuell vorzunehmen.

Good clinical practice


Schlüsselfrage 3

Welche Zielwerte des systolischen und diastolischen Blutdrucks sollen bei Patienten nach ischämischem Schlaganfall oder TIA und Diabetes mellitus hinsichtlich des Auftretens des kombinierten Endpunkts (Myokardinfarkt, Schlaganfall, vaskulärer Tod) oder eines Schlaganfalls angestrebt werden?

Empfehlung 4.6

Bei Patienten mit Diabetes, die einen ischämischen Schlaganfall oder eine TIA erlitten haben, sollten als Zielkorridor für eine antihypertensive Therapie  systolische Werte von 120 bis < 140 mmHg und diastolische Werte von 70 bis < 90 mmHg angestrebt werden.

Good clinical practice


 

 Leitliniengruppe:

W. Daniels12, M. Dichgans, G. Deuschl2, W. Döhner, H.-H. Eckstein10, J. Fiehler3, C. Gerloff, M. Grond1, P.U. Heuschmann, T. Hohlfeld9, S. Hohnloser, M.  Jauß, K. Kessler15, R. Kolloch5, I. Kopp, U. Laufs, G. Lenz13, R. Lobmann7, P. Lyrer17, M. Moser16, C. Muche-Borowski, R. Nau14, T. Neumann-Haefelin, M.C. Olma, R. Püllen8, E.B. Ringelstein, P. Ringleb, J. Schrader6, R. Veltkamp, M. Wagner11, N. Weiss4, I. Wellwood, J. Willeit18

 

Verabschiedet durch folgende Fachgesellschaften, Berufsverbände und Organisationen

1. Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft1
2. Deutsche Gesellschaft für Neurologie2
3. Deutsche Gesellschaft für Neuroradiologie3
4. Deutsche Gesellschaft für Angiologie4
5. Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin5
6. Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL® /Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention6
7. Deutsche Diabetes Gesellschaft7
8. Deutsche Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie e.V.8
9. Deutsche Gesellschaft für Pharmakologie9
10. Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin10
11. Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe11
12. Insult Hilfe e.V.12
13. Selbsthilfeverband Schlaganfallbetroffener und gleichartig Behinderter SSB e.V.13
14. Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG)14
15. Berufsverband deutscher Neurologen15
16. Gesellschaft für Thrombose und Hämostaseforschung16
17. Schweizerische Hirnschlaggesellschaft17
18. Österreichische Schlaganfall-Gesellschaft18