Kapitel: Degenerative Erkrankungen

Ataxien des Erwachsenenalters

Entwicklungsstufe: S1
Stand: 8. Februar 2018
Online seit: 3. Juli 2018
Gültig bis: 7. Februar 2023
AWMF-Registernummer: 030/031
Federführend
Prof. Dr. T. Klockgether, Bonn


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Clinical Pathway

Zitierhinweis:
Klockgether T. et al., Ataxien des Erwachsenenalters, S1-Leitlinie, 2018, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: www.dgn.org/leitlinien (abgerufen am TT.MM.JJJJ)

Inhaltsverzeichnis

Was gibt es Neues?

Die wichtigsten Empfehlungen auf einen Blick

  • Für die Diagnosestellung spielen Anamnese, klinischer Befund und das Ergebnis der kranialen Magnetresonanztomographie (MRT) die wesentliche Rolle. Ausgehend von charakteristischen klinischen Konstellationen, lassen sich in einem planmäßigen Vorgehen mit biochemischer und molekulargenetischer Labordiagnostik in den meisten Fällen definitive Diagnosen stellen.
  • Regelmäßige Physiotherapie mit aktiven, koordinationsfördernden Übungen stellt die Basistherapie für alle Formen von Ataxie dar.
  • Bei FRDA und SCA ist ein medikamentöser Behandlungsversuch mit Riluzol vertretbar.
  • Für mehrere seltene rezessive Ataxien sind rationale Therapien etabliert, die auf der Kenntnis des zugrunde liegenden biochemischen Defekts beruhen und deren Wirksamkeit durch Beobachtung von Einzelfällen belegt ist.
  • Acetazolamid und 4-Aminopyridin können Attacken bei episodischen Ataxien (EA) verhindern.
  • Einzelne neurologische Zusatzsymptome bei SCA und Multisystematrophie (MSA) sind mit medikamentösen und nicht medikamentösen Maßnahmen behandelbar.
  • Bei alkoholischer Kleinhirndegeneration (ACD) sind Alkoholabstinenz, Vitaminsubstitution und Behandlung der Alkoholkrankheit indiziert.

Einführung

Begründung der Notwendigkeit einer Leitlinie

Ataxien haben eine Prävalenz von etwa 10–20 : 100.000 (Tsuji et al. 2008; Ruano et al. 2014). Es handelt sich um eine ätiologisch heterogene Gruppe von Krankheiten. Die Zahl der genetisch und molekular definierten Formen von Ataxien wird auf 100 bis 200 geschätzt. Viele Ataxien sind derzeit nicht ursächlich behandelbar. Für einige, sehr seltene rezessive Ataxien sind rationale Therapien etabliert, die auf der Kenntnis des zugrunde liegenden biochemischen Defekts beruhen. Für mehrere Formen erworbener Ataxien gibt es ebenfalls Therapieansätze.

Aufgrund der Heterogenität und Komplexität der Ataxien sowie nicht standardisierter Diagnosepfade besteht große Unsicherheit hinsichtlich des diagnostischen Vorgehens und der diagnostischen Zuordnung von Patienten mit Ataxien. Hierdurch können nicht nur zeitliche Verzögerungen in der Diagnosestellung entstehen, auch Mehrfachuntersuchungen und nicht erforderliche Untersuchungen sind eine häufige Folge. Das Wissen zu Ataxien ist bei vielen Ärzten begrenzt. Auch nach einer Diagnosestellung ist die weitere Beratung und Führung der Patienten schwierig. Dies betrifft die genetische Beratung, prognostische Einschätzung und die symptomatische Behandlung der Beschwerden. Fehlende kurative Behandlungsoptionen können zu vermehrten individuellen Therapieversuchen führen, zu deren Anwendung keine Empfehlungen vorliegen. Es besteht daher die Notwendigkeit, ein möglichst standardisiertes diagnostisches und therapeutisches Vorgehen bei Ataxien zu empfehlen.

Ziele der Leitlinie

Die Leitlinie „Ataxien des Erwachsenenalters“ ist als primäre Diagnoseleitlinie der Fachgesellschaft eingestuft. Die Datenlage zu therapeutischen Möglichkeiten ist stark limitiert, so dass evidenzbasierte Aussagen kaum getroffen werden können. Dennoch finden in der Leitlinie auch therapeutische Aspekte Beachtung, ohne dass Aussagen zu Evidenz- und Empfehlungsstärke getroffen werden.

Ziele der Leitlinie „Ataxien des Erwachsenenalters“ sind:

  • Festlegung eines möglichst standardisierten und kosteneffizienten Vorgehens in der diagnostischen Abklärung von Ataxien im Erwachsenenalter
  • Empfehlungen zu allgemeinen und spezifischen Behandlungsmöglichkeiten bei Ataxien
  • Verbesserung der Beratung und Betreuung von Patienten mit Ataxie.

Patientenzielgruppe

Zielgruppe der Leitlinie sind erwachsene Patienten mit einer Ataxie.

Versorgungsbereich

Die Leitlinie bezieht sich auf die gesamte ambulante und stationäre Versorgung von Patienten mit Ataxien mit einem besonderen Schwerpunkt auf Diagnostik.

Adressaten der Leitlinie

Adressaten der Leitlinie sind Fachärzte für Neurologie, Fachärzte für Nervenheilkunde, Ärzte in Ausbildung zum Facharzt für Neurologie, Fachärzte für Humangenetik sowie sonstige an Ataxien interessierte ärztliche und nicht ärztliche Berufsgruppen.

Schlüsselwörter

G11              Hereditäre Ataxie
G13.1 Sonstige Systematrophien, vorwiegend das Zentralnervensystem betreffend, bei Neubildungen
G31.2 Degeneration des Nervensystems durch Alkohol
G23.3 Multisystematrophie

Definition und Klassifikation

Begriffsdefinition

Als Ataxien werden nicht fokale Krankheiten des Kleinhirns und seiner Verbindungen bezeichnet, deren Leitsymptom progressive oder episodische Ataxie ist.

Klassifikation

Die Ataxien werden in

unterteilt. Alle drei Gruppen beinhalten weitere Untergruppen, die mehrere genetisch, molekular oder klinisch definierte Krankheiten umfassen (Tabelle 1).

Diagnostik

Wichtigste Grundlagen der Diagnostik sind Anamnese und klinische Untersuchung. Einer exakten und umfassenden Familienanamnese kommt dabei ein besonderer Stellenwert zu, da vergleichbare Bewegungsstörungen bei Verwandten einen wichtigen Hinweis auf eine genetische Ataxie darstellen. Der nächste diagnostische Schritt ist in der Regel ein MRT des Gehirns. Auch wenn sich in den meisten Fällen bereits klinisch zwischen einer fokalen Kleinhirnkrankheit (Tumor, Abszess, Hirninfarkt, Hirnblutung, Multiple Sklerose) und einer Ataxie im hier definierten Sinn differenzieren lässt, ist eine definitive Unterscheidung nur durch MRT möglich. Bei einem Teil der Ataxien ist aufgrund der Klinik und des MRT bereits eine definitive Diagnose möglich (z.B. leptomeningeale Hämosiderose). Bei vielen Ataxien ist die endgültige Diagnose nur durch Anwendung mehrerer biochemischer (Tabelle 2) und molekulargenetischer Tests möglich. Abhängig von der jeweiligen klinischen Konstellation, sollten die erforderlichen Labortests gezielt ausgewählt werden. Bei der Interpretation molekulargenetischer Befunde ist die genaue Kenntnis des neurologischen Phänotyps von entscheidender Bedeutung. Bei diesem Vorgehen gelten folgende Prinzipien:

  • Eine rezessive Ataxie ist bei Konsanguinität der Eltern oder ähnlicher Krankheit bei mindestens einem Geschwister sehr wahrscheinlich. Bei negativer Familienanamnese ist eine rezessive Ataxie umso wahrscheinlicher, je früher die Ataxie beginnt. Sporadisches Auftreten und Beginn der Ataxie im Erwachsenenalter schließen eine rezessive Ataxie jedoch nicht aus.
  • Eine dominante vererbte SCA ist bei einer ähnlichen Krankheit bei einem Elternteil sehr wahrscheinlich. Sporadisches Auftreten schließt eine SCA jedoch nicht aus. Dominante Neumutationen beim Patienten oder reduzierte Penetranz bei einem Elternteil können dafür die Ursache sein. SCAs können in jedem Lebensalter beginnen, meist jedoch zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr.
  • Eine EA ist bei paroxysmalem Auftreten der Ataxie wahrscheinlich.
  • Ein Fragiles X-assoziiertes Tremor/Ataxie-Syndrom (FXTAS) ist bei älteren männlichen, in Einzelfällen auch weiblichen Patienten mit passender Familienanamnese (mentale Retardierung bei männlichem Enkel oder Neffen), typischen MRT-Veränderungen und typischem klinischem Phänotyp (Aktionstremor) wahrscheinlich.
  • Erworbene Ataxien treten sporadisch und in jedem Lebensalter auf. Die Wahrscheinlichkeit einer erworbenen Ataxie steigt mit höherem Lebensalter.
  • Sporadische degenerative Ataxien kommen bei Krankheitsbeginn nach dem 30. Lebensjahr und Ausschluss genetischer und erworbener Ursachen in Frage. Innerhalb der sporadischen Ataxien stellt die Multisystematrophie vom zerebellären Typ (MSA-C) eine klar definierte Gruppe dar, die aufgrund typischer klinischer Zeichen (schweres autonomes Versagen) diagnostiziert werden kann.

Therapie

Allgemeine medikamentöse Therapie

In einer achtwöchigen monozentrischen, kontrollierten Studie an insgesamt 38 Patienten mit unterschiedlichen Formen von Ataxie wurden positive Effekte von 2 x 50 mg/Tag oral Riluzol beschrieben (Ristori et al. 2010). In einer zwölfmonatigen, an drei Zentren durchgeführten Nachfolgestudie an 55 Patienten mit FRDA oder einer SCA war der Anteil der Patienten mit einer Besserung des Ataxie-Scores in der Verum-Gruppe größer als in der Placebo-Gruppe. Ob die berichtete Besserung klinisch relevant ist, bleibt unklar (Romano et al. 2015). In einer einwöchigen offenen Studie an 13 Patienten mit degenerativen Ataxien besserte Acetyl-DL-Leucin (5 g/Tag) die Ataxie (Strupp et al. 2013). Dies konnte in einer nachfolgenden, ebenfalls offenen Studie an zehn Patienten jedoch nicht bestätigt werden (Pelz et al. 2015). Die Ergebnisse einer nachfolgenden randomisierten, kontrollierten Studie sind noch nicht bekannt. In zahlreichen anderen, meist an wenigen Patienten mit unterschiedlichen Formen von Ataxie durchgeführten Studien ergab sich keine Evidenz für die Wirksamkeit der untersuchten Substanzen (Revuelta & Wilmot 2010).

Therapie von Einzel- und Begleitsymptomen

Bei Ataxien können Symptome auftreten, für die Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Die Behandlung erfolgt nach den jeweiligen Leitlinien. Bei der Anwendung von Medikamenten mit zentralnervöser Wirkung ist auf die erhöhte Anfälligkeit von Ataxie-Patienten gegenüber Nebenwirkungen zu achten. Im Einzelnen sind folgende Symptomkomplexe zu beachten:

  • Eine etablierte Pharmakotherapie des zerebellären Tremors gibt es nicht. In einem pragmatischen Ansatz können Propranolol, Carbamazepin, Topiramat und Clonazepam eingesetzt werden. Bei allen diesen Medikamenten besteht das Risiko einer Verschlechterung der Ataxie (siehe Leitlinie Tremor, AWMF-Register-Nr. 030-011).
  • Störungen der Okulomotorik (Downbeatnystagmus: 4-Aminopyridin, 3,4-Diaminopyridin, Baclofen, Gabapentin, Chlorzoxazon; Doppelbilder: Prismenbrille).
  • Zentrale Bewegungsstörungen (Parkinson-Syndrom: L-Dopa, Dopaminrezeptor-Agonisten, Amantadin; Dystonie: Botulinumtoxin, Anticholinergika; Restless-Legs-Syndrom: L-Dopa, Dopaminrezeptor-Agonisten; Spastik: Baclofen, Tizanidin, Tolperison).
  • Autonome Symptome (Dranginkontinenz: Tolterodin, Oxybutynin; Orthostatische Hypotonie: physikalische Maßnahmen, Fludrocortisone, Midodrin; REM-Schlaf-Verhaltensstörung: Clonazepam).
  • Peripher-neurologische Symptome (Schmerzen: Amitriptylin, Gabapentin, Pregabalin; Muskelkrämpfe: Magnesium, Chinin).

Physiotherapie

Ataxie-Patienten sollten regelmäßig Physiotherapie mit Schwerpunkt auf aktive, die Koordination fördernde Übungen erhalten und zur täglichen selbstständigen Durchführung entsprechender Übungen zu Hause angehalten werden. Intensives vierwöchiges Koordinationstraining führte in einer nicht kontrollierten Studie an 16 Patienten mit degenerativen Ataxien zu einer mindestens ein Jahr anhaltenden, klinisch relevanten Besserung (Ilg et al. 2009; Ilg et al. 2010). Aktive, koordinationsfördernde Übungen können zusätzlich auch mittels sog. Exergames (ganzkörperkontrollierte Videospiele) durchgeführt werden. Hier wurde im Rahmen nicht kontrollierter Studien an jeweils zehn Patienten mit degenerativen Ataxien eine Wirksamkeit für leicht- bis mittelgradige und fortgeschrittene Krankheitsstadien gezeigt (Ilg et al. 2012; Schatton et al. 2017).

Rezessive Ataxien

Diagnostisches Vorgehen

Derzeit sind mehr als 40 rezessive Ataxien bekannt (Tabelle 3) (Beaudin et al. 2017). Die häufigste rezessive Ataxie in der kaukasischen Bevölkerung ist die FRDA. Bei klinischem Verdacht erfolgt die Diagnosesicherung über den molekulargenetischen Nachweis der ursächlichen Repeatmutation.

Die Kombination von Spastik und Ataxie kann auf eine autosomal rezessive spastische Ataxie Charlevoix-Saguenay (ARSACS) oder eine hereditäre spastische Paraplegie 7 (SPG7) hindeuten, das Syndrom der sensiblen ataktischen Neuropathie mit Dysarthrie und Ophthalmoplegie (SANDO) auf zugrunde liegende Mutationen der Polymerase γ (POLG) und eine begleitende okulomotorische Apraxie auf eine Ataxie mit okulomotorischer Apraxie Typ 1-4 (AOA1-AOA4) oder Ataxie-Teleangiektasie (AT). Juveniler Katarakt tritt bei CTX und dem Marinesco-Sjögren-Syndrom (MSS) auf. Für Niemann-Pick-Typ-C-Krankheit (NPC) sind Ataxie und vertikale Blickparese typisch.

Bei einer Reihe rezessiver Ataxien können biochemische Laborparameter Hinweise auf die Diagnose liefern: α-Fetoprotein (AOA2, AT), Vitamin E (Abetalipoproteinämie, ABL; Ataxie mit Vitamin-E-Defizienz, AVED), Laktat (mitochondriale Ataxieformen), Phytansäure (Refsum-Krankheit), Albumin (AOA1), Cholesterin (ABL, AOA1), Cholestanol (zerebrotendinöse Xanthomatose, CTX), Oxysterole (NPC) (Tabelle 2). In allen Fällen ist eine Sicherung der Diagnose durch Molekulargenetik erforderlich.

Wenn der klinische Phänotyp und die biochemischen Laborparameter keinen Hinweis auf die Diagnose erbringen, sollten eine Genpanel-Untersuchung oder eine Exomsequenzierung erfolgen. Durch diese Methoden lässt sich nicht die der FRDA zugrunde liegende GAA-Repeat-Expansion nachweisen.

Friedreich-Ataxie (FRDA)

Definition

Die FRDA wird überwiegend durch eine GAA-Repeat-Expansion im Intron 1 des FXN-Gens verursacht. Punktmutationen sind selten (ca. 1 %), aber nur in Kombination mit einer GAA-Repeat-Expansion auf dem 2. Allel. FRDA ist durch eine vorwiegend afferente Ataxie mit sensibler Neuropathie und eine Pyramidenbahnstörung gekennzeichnet.

Spezifische Diagnostik

Labor: HbA1c, Glukose (Diabetes mellitus bei 10–20 %)
Kardiologische Diagnostik: EKG, transthorakale Echokardiographie (Kardiomyopathie bei 40–50 %)
Neurographie (vorwiegend axonale, sensible Polyneuropathie)
Evozierte Potenziale

Spezifische Therapie

Die Kardiomyopathie ist nach allgemeinen kardiologischen Maßgaben zu therapieren.

Der Diabetes mellitus ist in der Regel nach kurzem Erkrankungsverlauf insulinpflichtig.

Die Indikation zur operativen Korrektur einer Skoliose muss individuell erfolgen. Operationen von Hohlfußbildungen sind in der Regel nicht empfehlenswert.

Eine antioxidative Therapie mit Idebenone hatte in zwei randomisierten kontrollierten Phase-III-Studien in einer Dosis bis zu 45 mg/kg/Tag oral bei jugendlichen und erwachsenen FRDA-Patienten über eine Behandlungsdauer von sechs bzw. zwölf Monaten keine Wirkung auf die Ataxie oder die Kardiomyopathie (Lynch et al. 2010). Eine spezifische Therapie steht somit für die FRDA weiterhin nicht zur Verfügung.

Ein medikamentöser Behandlungsversuch mit Riluzol (2 x 50 mg/Tag oral) ist vertretbar.

Ataxien mit gestörtem DNA-Reperaturmechanismus

Definition

AT, AOA1 und AOA2 gehören zur Gruppe der Ataxien mit gestörtem DNA-Reparatur-mechanismus. Die Diagnose kann durch Mutationsnachweis in den verantwortlichen Genen (AT: ATM; AOA1: APTX; AOA2: STX) gesichert werden.

α-Fetoprotein ist bei der AT und der AOA2 erhöht. Bei der AOA1 ist häufig Albumin erniedrigt und Cholesterin erhöht. Bei der AT besteht eine erhöhte Sensitivität gegenüber ionisierenden Strahlen. Die AT geht mit einem erheblich erhöhten Malignom-Risiko insbesondere für Lymphome und Leukämien einher. Auch kommt es häufig zu einem Immunglobulin-Mangel mit Immundefizienz und rezidivierenden Infekten. Heterozygote Anlageträgerinnen für eine ATM-Mutation haben ein zwei- bis dreifach erhöhtes Brustkrebsrisiko.

Spezifische Diagnostik

Labor: α-Fetoprotein, Albumin, Cholesterin, Immunglobuline
Neurographie (Neuropathie bei AT und AOA2)
Bei der allgemein-körperlichen Untersuchung sollte Augenmerk auf mögliche klinische Zeichen von Lymphomen oder Leukämien gelegt werden.
Röntgendiagnostik sollte vermieden werden.

Spezifische Therapie

Bei AT sollte im Rahmen von onkologischen Therapien keine Strahlenbehandlung stattfinden. Erforderliche Chemotherapie muss adaptiert werden.

Bei rezidivierenden Infekten bei AT kann eine Behandlung mit intravenösen Immunglobulinen erfolgen. Auf ein erhöhtes Risiko allergischer Reaktionen bei IgA-Mangel ist zu achten.

Ataxie mit Mutationen der Polymerase γ (POLG)

Definition

POLG-Mutationen sind eine häufige Ursache rezessiver Ataxien. Sie können auch nach dem 25. Lebensjahr beginnen und mit sehr variablem Phänotyp einhergehen. Häufige Begleitsymptome der Ataxie sind sensible axonale Neuropathie, externe Ophthalmoplegie und/oder eine Epilepsie. Die Diagnosesicherung erfolgt molekulargenetisch.

Spezifische Diagnostik

Labor: Leberwerte (Nachweis eines möglichen Leberparenchymschadens)
Neurographie (sensible axonale Polyeuropathie)

Spezifische Therapie

Eine Behandlung der Epilepsie mit Valproat und Kurznarkosen mit Propofol sollten vermieden werden, da sie zu einer hepatischen Dekompensation führen können.

Seltene rezessive Ataxien mit verfügbaren rationalen Therapien

Für die folgenden sehr seltenen rezessiven Ataxien sind rationale Therapien etabliert, die auf der Kenntnis des zugrunde liegenden biochemischen Defekts beruhen und deren Wirksamkeit in Einzelfällen belegt ist.

  • AVED: Vitamin E 800–2000 mg/Tag oral (Gabsi et al. 2001)
  • ABL: Fettreduktion auf 25 % der täglichen Kalorienzufuhr (bevorzugt mittellangkettige Triglyceride und essenzielle Fettsäuren), Vitamin E 50 mg/kg/Tag oral, Vitamin A 200–400 IU/kg/d (Lee & Hegele 2014)  
  • Refsum-Krankheit: phytansäurearme Diät, Lipapherese (Gibberd et al. 1985; Harari et al. 1991)
  • CTX: Chenodeoxycholsäure 3 x 250 mg/Tag oral, Statine (Nie et al. 2014; Kuriyama et al. 1994) 
  • NPC: Miglustat 3 x 200 mg/Tag oral (Patterson et al. 2015)

Spinozerebelläre Ataxien (SCA)

Definition und diagnostisches Vorgehen

Derzeit sind mehr als 40 dominant vererbte SCAs, bekannt (Durr 2010). Die vier häufigsten Subtypen, SCA1, SCA2, SCA3 und SCA6, machen in Mitteleuropa mehr als die Hälfte aller SCAs aus. Ihnen liegen translatierte CAG-Repeat-Expansionen zugrunde. Bei etwa 15 % der Patienten mit sporadischer, im Erwachsenenalter beginnender Ataxie lässt sich trotz negativer Familienanamnese eine Genmutation, am häufigsten SCA6, nachweisen (Schöls et al. 2000; Abele et al. 2002; Wardle et al. 2009).

Die SCAs manifestieren sich üblicherweise zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr mit allmählich progredienter zerebellärer Ataxie, die entweder allein oder in Kombination mit anderen neurologischen Symptomen wie Parkinson-Syndrom, Dystonie, Spastik, Schluckstörung, Sakkadenverlangsamung, Ophthalmoplegie, Neuropathie, autonome Dysfunktion oder kognitive Störung auftritt (Jacobi et al. 2015).

Bei Verdacht auf Vorliegen einer SCA sollten zunächst molekulargenetische Testuntersuchungen für SCA1, SCA2, SCA3 und SCA6 durchgeführt werden. Bei negativem Ergebnis können bei der Auswahl weiterer molekulargenetischer Tests typische klinische Zeichen wegweisend sein, z.B. Visusverlust bei SCA7, kognitive und psychiatrische Störungen bei SCA17, prominenter Aktionstremor bei SCA12 sowie mehrheitlich juveniler Beginn (< 25. Lebensjahr) bei SCA13, SCA27 und SCA28. Epileptische Anfälle finden sich bei einem Teil der Patienten mit SCA10 und SCA13. Nach vorliegenden Daten sind von den selteneren Subtypen in Deutschland v.a. SCA5, SCA14 und SCA15 (alle gering progrediente Ataxie), SCA17 (progrediente Ataxie, Chorea und kognitiver Abbau) und SCA28 (gering progrediente Ataxie mit juvenilem Beginn, Ophthalmoplegie) relevant. Neben den SCAs kommen dominant vererbte Ataxien auch bei der dentato-rubralen-pallido-luysischen Atrophie (DRPLA) sowie bei autosomal-dominant erblichen Prion-Krankheiten vor.

Wenn der klinische Phänotyp und die Untersuchung der Repeatmutationen keinen Hinweis auf die Diagnose erbringen, sollten eine Genpanel-Untersuchung oder eine Exomsequenzierung erfolgen.

Spezifische Diagnostik

Neurographie (Polyneuropathie)
Evozierte Potenziale

Spezifische Therapie

Ein medikamentöser Behandlungsversuch mit Riluzol (2 x 50 mg/Tag oral) ist vertretbar.

Episodische Ataxien (EA)

Definition und diagnostisches Vorgehen

Klinisches Kennzeichen der EAs ist das paroxysmale Auftreten von Ataxie. Die Abgrenzung von anderen paroxysmalen Erkrankungen kann schwierig sein, da die Ataxie nicht selten von Migräne, Tinnitus, Vertigo, Anfällen oder (Halbseiten-)Lähmungen begleitet ist. Im neurologischen Untersuchungsbefund stehen zerebelläre Symptome im Vordergrund (Stand- und Gangataxie, Extremitätenataxie, Dysarthrie, Okulomotorikstörungen). EAs beginnen meist im Kindes- oder Jugendalter. Der Erbgang der EAs ist autosomal-dominant; eine negative Familienanamnese ist jedoch aufgrund von unvollständiger Penetranz oder Spontanmutationen möglich. Derzeit sind neun verschiedene EAs bekannt. Am häufigsten sind EA1 und EA2.

EA1 (KCNA 1; Kaliumkanal-Erkrankung): Beginn in der frühen Kindheit mit kurzen, durch Schreck, abrupte Bewegungen oder körperliche Anstrengung provozierbaren Episoden. Die Episoden dauern von Sekunden bis Minuten und nehmen im Laufe des Lebens an Häufigkeit ab. Zwischen den Attacken sind Myokymien der Gesichts- und Handmuskulatur typisch.

EA2 (CACNA1A; Kalziumkanal-Erkrankung): Der Beginn variiert zwischen dem 2. und 20. Lebensjahr. Die ataktischen Episoden dauern von 15 Minuten bis zu mehreren Tagen und damit länger als bei der EA1. Auslöser sind Stress und körperliche Betätigung. Die Episoden sind oft von Paresen, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen begleitet. Migräne ist eine häufige Begleiterkrankung, selten auch eine Epilepsie. Interiktal haben fast alle Patienten einen Blickrichtungsnystagmus. Ein Teil der Patienten entwickelt eine persistierende oder langsam zunehmende Ataxie.

Die Diagnose lässt sich durch molekulargenetische Untersuchung des betroffenen Gens stellen. Wenn die Untersuchung von Einzelgenen zu keiner Diagnose führt, sollte eine Genpanel-Untersuchung oder eine Exomsequenzierung erfolgen.

Spezifische Diagnostik

Oberflächen-EMG der Handmuskulatur (spontane repetitive Entladungen bei EA1)

Spezifische Therapie

Vermeidung von Provokationsfaktoren, Alkohol und Nikotin, evtl. Stressmanagement und Entspannungstechniken.

Acetazolamid ist das Medikament der ersten Wahl, beginnend mit 125 mg/Tag oral, endgültige Dosis 500–700 mg/Tag (Griggs et al. 1978). Kaliumsubstitution. Bei EA2 besser als bei EA1 wirksam.

Bei EA 2 ist 4-Aminopyridin eine Alternative (3 x 5 mg/d) (Strupp et al. 2011). 4-Aminopyridin ist in retardierter Form zur Behandlung von Gangstörungen bei Multipler Sklerose zugelassen. Herzrhythmusstörungen und eine erhöhte zerebrale Erregbarkeit (EEG) sind vor der Gabe auszuschließen. Die Gabe erfolgt als individueller Heilversuch.

Weiterhin wird Carbamazepin eingesetzt. Die Dosierung erfolgt wie bei Epilepsie.

Fragiles X-assoziiertes Tremor/Ataxie-Syndrom (FXTAS)

Definition und diagnostische Kriterien

Das FXTAS ist eine neurodegenerative Erkrankung des Erwachsenenalters, die durch eine Prämutation des FMR1-Gens (55-200 CGG-Repeats) verursacht wird. Dasselbe Gen enthält beim Fragilen X-Syndrom (FXS), der häufigsten Form mentaler Retardierung bei Jungen, > 220 CGG-Repeats. FMR1-Prämutationen sind in der Bevölkerung häufig. Die klinische Penetranz ist variabel und altersabhängig. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 60 Jahren. Aufgrund des X-chromosomalen Erbgangs sind von FXTAS vorwiegend Männer betroffen. Ein FXTAS kommt v.a. bei Großvätern und Onkeln mütterlicherseits von Jungen mit FXS vor (siehe Leitlinie FXTAS, AWMF-Register-Nr. 078-007). Eine genetische Beratung der Familie wird wegen des Risikos für eine mentale Retardierung bei Kindern dringend empfohlen.

Leitsymptome des FXTAS sind Ataxie und Aktionstremor. Neurologische Begleitsymptome umfassen kognitive Störungen, Parkinson-Syndrom, Neuropathie und autonome Funktionsstörungen. Zusätzlich können endokrine (Ovarialinsuffizienz, Hypothyreose) und affektive Störungen auftreten. Für die Diagnosestellung, insbesondere bei Patienten ohne positive Familienanamnese, ist der MRT-Nachweis typischer Veränderungen im mittleren Kleinhirnstiel, zerebellären und supratentoriellen Marklager wichtig. Es gelten die folgenden Diagnosekriterien (Jacquemont et al. 2003):

  • Nachweis einer FMR1-Prämutation
  • progressive Ataxie mit Aktionstremor
  • typische MRT-Veränderungen.

Die typischen MRT-Veränderungen treten nicht bei allen Patienten oder erst im Krankheitsverlauf auf, so dass die Diagnose FXTAS bereits dann wahrscheinlich ist, wenn eine Prämutation nachgewiesen ist und spät manifestierende neurologische Symptome bestehen, die mit vorbeschriebenen Fällen konsistent sind (Berry-Kravis et al. 2007).

Spezifische Diagnostik

Neurographie (Polyneuropathie)
Neuropsychologische Tests (gemischt kortikal-subkortikale Störung mit im Verlauf häufig globaler Demenz) 

Spezifische Therapie

Therapiestudien zur Behandlung des FXTAS sind bislang nicht publiziert. Eine Befragung von Patienten legt nahe, dass FXTAS-Patienten von Medikamenten profitieren können, die zur symptomatischen Behandlung von Tremor und Parkinson-Syndrom eingesetzt werden (Hall et al. 2006). Außerdem wurde in Einzelfallstudien über positive Effekte von thalamischer Tiefenhirnstimulation auf den Tremor berichtet (Weiss et al. 2015).

Erworbene Ataxien

Definition und diagnostische Kriterien

Erworbene Ataxien sind sporadische Krankheiten, die in jedem Alter auftreten können, mit höherem Alter aber wahrscheinlicher werden. In vielen Fällen lässt sich die Diagnose aufgrund der Anamnese, des klinischen Bilds und der MRT stellen. Die häufigste Ursache einer toxischen Kleinhirnschädigung ist chronischer Alkoholabusus. Eine Reihe von Medikamenten (Lithium, Phenytoin, antineoplastische Medikamente), illegale Drogen (Kokain, Heroin) und Umweltgifte (Schwermetalle, Lösungsmittel) können ebenfalls zu chronischer Ataxie führen (Manto 2012). Ein Beispiel einer Ataxie, deren Diagnose sich aufgrund typischer MRT-Veränderungen stellen lässt, ist die leptomeningeale Hämosiderose (Klockgether 2010). Wenn klinisch und durch MRT keine Diagnose möglich ist, sind folgende biochemische Laboruntersuchungen erforderlich: Routinelabor, Vitamin B1, Vitamin B12, Methylmalonsäure, Vitamin E, Carbonyl-defizientes Transferrin (CDT), HIV-Serologie, Lues-Serologie, Schilddrüsenwerte, Schilddrüsen-Autoantikörper, onkoneurale Antikörper, GAD-Antikörper (Tabelle 2). Bei unklarer Ursache sollte auch eine Liquor-Untersuchung durchgeführt werden. Bei Verdacht auf eine paraneoplastische Kleinhirndegeneration (PCD) muss eine umfassende Tumorsuche erfolgen.

Alkoholische Kleinhirndegeneration (ACD)

Definition

ACD ist eine Folge von chronischer Alkoholkrankheit. Klinisch stehen eine Gang- und Standataxie sowie Ataxie der unteren Extremitäten im Vordergrund. Die Krankheit beginnt subakut im Rahmen einer Wernicke-Enzephalopathie, gelegentlich aber auch langsam und schleichend. Der Verlauf hängt vom weiteren Trinkverhalten ab. Nach Alkoholabstinenz stabilisiert oder bessert sich das Krankheitsbild. Bei fortgesetztem Alkoholmissbrauch kommt es zu weiterer, oft schubförmiger Verschlechterung. Wahrscheinlich spielen in der Pathogenese sowohl ein Vitamin-B1-Mangel als auch die toxischen Wirkungen von Alkohol und seinen Abbauprodukten eine Rolle.

Spezifische Diagnostik

Labor: Leberwerte, B-Vitamine einschließlich Vitamin B1, Erythrozytenenzym-Transketolase, CDT
Neurographie
Im Einzelfall erforderlich: weitergehende Untersuchungen zur Abklärung anderer alkoholbedingter Organschäden

Spezifische Therapie

Alkoholabstinenz und Behandlung der Alkoholkrankheit.

Unverzügliche Substitution von Vitamin B1/Thiamin: initial 50 mg i.v. und 50 mg i.m., gefolgt von 50 mg i.m./Tag, bis eine normale Ernährung gewährleistet ist, danach 100 mg/Tag p.o. und Multivitaminpräparat. Es gibt keine kontrollierten Studien zur optimalen Dosierung, Art der Applikation oder Dauer der Thiamin-Gabe. Die initial parenterale Gabe ist vor allem bei Patienten mit akutem oder subakutem Verlauf sinnvoll, während bei Patienten mit chronischer Ataxie ausschließlich oral substituiert werden kann.

Ausgewogene Ernährung.

Paraneoplastische Kleinhirndegeneration (PCD)

Definition

Bei PCD handelt es sich um eine mit bösartigen Tumoren assoziierte Autoimmunkrankheit, die v.a. beim kleinzelligen Bronchialkarzinom, Ovarialkarzinom, Mammakarzinom und malignen Lymphomen auftritt. Paraneoplastische Enzephalomyelitis (PEM) ist ein anderes paraneoplastisches Syndrom, bei dem Ataxie als Leitsymptom auftreten kann. Im Gegensatz zur PCD betrifft PEM multiple Regionen des zentralen Nervensystems, Hinterwurzelganglien (sensorische Neuronopathie, SN) und autonome Nerven.

Die sich meist subakut entwickelnde Krankheit ist durch eine Stand-, Gang- und Extremitätenataxie, häufig auch durch Dysarthrie und Okulomotorikstörungen gekennzeichnet.

Die Ataxie schreitet zumeist innerhalb von Wochen bis Monaten zu schwerer Behinderung fort und ist persistierend. Über Remissionen wurde fast nur bei Patienten mit PCD im Rahmen eines Hodgkin-Lymphoms berichtet.

Bei Patienten mit PCD und kleinzelligem Bronchialkarzinom findet sich in etwa 16 % der Fälle zusätzlich ein Lambert-Eaton-Syndrom (anti-VGCC), bei Patienten mit anti-Ri-(ANNA-2) häufig zusätzlich ein Opsoklonus bzw. Oszillopsien.

Entscheidend für die Diagnose ist der Nachweis eines malignen Tumors. In etwa 60 % der Fälle tritt die neurologische Symptomatik vor Entdeckung des Tumors auf. Eine Kleinhirnatrophie entwickelt sich meist verzögert und ist bei Auftreten der neurologischen Symptomatik noch nicht vorhanden. Bei mehr als 50% aller Patienten mit PCD können im Serum und Liquor Antikörper nachgewiesen werden, die mit vom Nervensystem und vom Tumor exprimierten Antigenen reagieren. Anti-Hu-(ANNA-1) und ZIC4-Antikörper finden sich beim kleinzelligen Bronchialkarzinom, anti-Yo (PCA-1) bei gynäkologischen Tumoren, anti-Ri beim kleinzelligen Bronchialkarzinom und gynäkologischen Tumoren und anti-Tr (DNER) beim M. Hodgkin. Fehlen der Antikörper schließt eine PCD oder PEM/SN nicht aus (siehe Leitlinie „Paraneoplastische Syndrome“).

Spezifische Diagnostik

Bei negativem Ergebnis der Tumorsuche und weiterhin bestehendem Verdacht auf eine paraneoplastische Genese der Symptomatik Wiederholung der Tumorsuche in halbjährlichem Abstand über mindestens drei Jahre.
Onkoneurale Antikörper im Serum (siehe Leitlinie „Paraneoplastische Syndrome“). 
Liquor (initial häufig leichte lymphozytäre Pleozytose und mäßige Eiweißvermehrung), zusätzlich onkoneurale Antikörper.

Tumorsuche mit Thorax- und Abdomen-CT, gynäkologischer Untersuchung mit Mammographie bei Frauen, urologischer Untersuchung bei Männern (Hodentumoren).

Im Einzelfall nützlich:
Erweiterte Tumorsuche mit endoskopischer Untersuchung des Magen-Darm-Trakts, Knochenmarksbiopsie, Mamma-MRT, Ganzkörper-FDG-PET.
Bei Frauen mit anti-Yo-Antikörpern ohne Tumornachweis explorative Laparoskopie.

Spezifische Therapie

Behandlung der zugrunde liegenden Tumorkrankheit, da diese die Lebenszeit bestimmt. Eine Besserung des zerebellären Syndroms ist bei Behandlung der Grundkrankheit (mit Ausnahme des Hodgkin-Lymphoms und des kleinzelligen Bronchialkarzinoms) eher die Ausnahme.

Frühzeitig begonnene Behandlungen mit Steroiden, intravenösen Immunglobulinen, Plasmapherese oder Immunsuppressiva können zu Besserung oder Stabilisierung führen (Greenlee 2010). Wissenschaftliche Evidenz für die Wirksamkeit gibt es nicht (siehe Leitlinie „Paraneoplastische Syndrome“).

Glutamat-Decarboxylase (GAD)-Antikörper-assoziierte Ataxie

Definition

Neben der PCD gibt es noch weitere autoimmune Ataxien. Innerhalb dieser heterogenen und bisher unzureichend definierten Krankheitsgruppe stellt die GAD-Antikörper-assoziierte Ataxie eine definierte Entität dar. GAD-Antikörper-assoziierte Ataxie kann einen subakuten oder chronisch progredienten Verlauf haben. Im Serum finden sich hochtitrige GAD-Antikörper, im Liquor eine intrathekale Synthese von GAD-Antikörpern. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Häufig besteht zusätzlich insulinpflichtiger Diabetes mellitus.

Spezifische Diagnostik

GAD-Antikörper im Serum

Liquor (intrathekale Synthese von GAD-Antikörpern)

Tumorsuche mit Thorax- und Abdomen-CT, gynäkologischer Untersuchung mit Mammographie bei Frauen, urologischer Untersuchung bei Männern (Hodentumoren).

Spezifische Therapie

Behandlungen mit Steroiden, intravenösen Immunglobulinen, Plasmapherese oder Rituximab können zu Besserung oder Stabilisierung führen (Baizabal-Carvallo & Alonso-Juarez 2017). Das Ansprechen ist bei subakutem Verlauf und frühem Beginn der Immuntherapie besser (Arino et al. 2014).

Sporadische degenerative Ataxien

Definition und diagnostische Kriterien

Sporadische degenerative Ataxien sind im Erwachsenenalter beginnende Ataxien, bei denen es keine Hinweise auf eine erworbene oder genetische Ursache gibt. Innerhalb dieser Gruppe stellt die MSA-C eine neuropathologisch klar definierte Entität dar. Eine klinisch wahrscheinliche MSA-C lässt sich aufgrund der folgenden Kriterien stellen [Gilman et al. 2008]:

  • sporadische, progressive im Erwachsenenalter beginnende Krankheit
  • autonomes Versagen mit Urininkontinenz (Unfähigkeit, die Blasenentleerung zu kontrollieren, verbunden mit erektiler Dysfunktion bei Männern) oder orthostatischer Abfall des Blutdrucks innerhalb von drei Minuten nach dem Aufstehen von mindestens 30 mmHg systolisch oder 15 mm Hg diastolisch
  • zerebelläres Syndrom (Gangataxie mit zerebellärer Dysarthrie, Extremitätenataxie oder zerebellärer Störung der Okulomotorik).

Da sich das autonome Versagen häufig erst im Krankheitsverlauf manifestiert, lässt sich die Diagnose einer MSA-C häufig erst nach wiederholten klinischen Untersuchungen stellen. Es ist daher bei den meisten Patienten erforderlich, zunächst erworbene Ataxien und spät beginnende genetische Ataxien, z.B. FRDA, POLG, SCA6 oder FXTAS, auszuschließen. Patienten mit spät beginnender sporadischer Ataxie, bei denen keine erworbene oder genetische Ursache gefunden wurde und die Kriterien einer MSA-C nicht erfüllt sind, werden als Patienten mit sporadischer, im Erwachsenenalter beginnender Ataxie unklarer Ätiologie (SAOA) diagnostiziert (Abele et al. 2006). SAOA hat einen deutlich langsameren Krankheitsverlauf als MSA-C (Giordano et al. 2017).

Spezifische Diagnostik

Schellong-Test
Restharnbestimmung mittels Ultraschall

Spezifische Therapie

Nicht-Ataxie-Symptome, z.B. autonome Symptome, Parkinson-Syndrom und Schlafstörungen im Rahmen einer MSA, sind teilweise einer symptomatischen Therapie zugänglich. Dazu wird auf die entsprechenden Leitlinien verwiesen.

Redaktionskomitee

Georg Auburger, Neurologische Universitätsklinik Frankfurt
Eugen Boltshauser, Zürich, Schweiz (Gesellschaft für Neuropädiatrie)
Jean-Marc Burgunder, Neurozentrum Siloah, Gümligen, Schweiz
Heike Jacobi, Klinik für Neurologie, Universitätsklinikum Heidelberg
Thomas Klockgether, Klinik für Neurologie, Universitätsklinikum Bonn und Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen
Tanja Schmitz-Hübsch, Klinik für Neurologie, Charité Berlin
Ludger Schöls, Zentrum für Neurologie, Universitätsklinikum Tübingen
Marina Stüber, Malborn (Deutsche Heredoataxie-Gesellschaft)
Matthis Synofzik, Zentrum für Neurologie, Universitätsklinikum Tübingen
Dagmar Timmann-Braun, Klinik für Neurologie, Universitätsklinikum Essen

Für die schweizerische Fachgesellschaft:
Hüseyin Duyar, Neuroliestal, Liestal, Schweiz

Für die österreichische Fachgesellschaft:
Sylvia Bösch, Klinik für Neurologie, Universitätsklinikum Innsbruck, Österreich

Federführend:
Prof. Dr. T. Klockgether, Klinik für Neurologie, Universitätsklinikum Bonn, Sigmund-Freud-Str. 25, D-53105 Bonn
Tel.: +49 228 28715736, E-Mail:

Erklärung von Interessen und Umgang mit Interessenkonflikten

Interessenkonflikte schaffen ein Risiko dafür, dass professionelles Urteilsvermögen oder Handeln unangemessen beeinflusst wird. Sie manifestieren sich durch das Nebeneinander von primären Interessen (z.B. bei Leitlinienautoren die Formulierung evidenz- und konsensbasierter Empfehlungen zur Verbesserung der Versorgungsqualität) und sekundären Interessen (z.B. direkte und indirekte finanzielle, akademische, klinische, persönliche). Interessenkonflikte sind oft unvermeidbar, aber nicht zwangsläufig problematisch im Hinblick auf eine Beeinflussung der Leitlinieninhalte. Entscheidend für die Legitimation und Glaubwürdigkeit von Leitlinien sind Transparenz und der faire, vernünftige Umgang mit Interessenkonflikten.

Alle Mitwirkenden an der Leitlinie haben ihre Interessenerklärungen (AWMF-Formular zur Erklärung von Interessen im Rahmen von Leitlinienvorhaben) rechtzeitig und vollständig ausgefüllt beim Koordinator bzw. beim Editorial Office Leitlinien der DGN eingereicht. Im Formblatt wurden die Ausfüllenden gebeten, bei den dargelegten Interessen mit anzugeben, ob ein thematischer Bezug zur Leitlinie/zum Leitlinienthema besteht. Bei unvollständigen Angaben wurde Nachbesserung eingefordert. Abgefragt wurde auch die Höhe der Bezüge, die jedoch nicht veröffentlicht werden. Eine Selbsteinschätzung fand nicht mehr statt.

Alle Interessenerklärungen wurden geprüft und durch einen anonym arbeitenden, unabhängigen und sachkundigen Interessenkonfliktbeauftragten der DGN auf potenzielle thematisch relevante Interessen begutachtet.

Bewertungskriterien

Folgende Kriterien/Angaben wurden im Hinblick auf einen vorliegenden thematischen Bezug, die absolute Höhe der Bezüge sowie die Art und die Intensität der Beziehung geprüft:

  • Gutachter/Beratertätigkeit: bezahlte Gutachter-/Beratertätigkeit
  • Mitarbeit in einem wissenschaftlichen Beirat/Advisory Board
  • Vorträge
  • Autoren- oder Koautorenschaft
  • Forschungsvorhaben/Durchführung klinischer Studien
  • Eigentümerinteressen (Patente, Aktienbesitz)
  • Indirekte Interessen (Mitgliedschaft/Funktion in Interessenverbänden, Schwerpunkte wissenschaftlicher u. klinischer Tätigkeiten)

Interessenkonflikte können nach AWMF-Regularien als keine, gering, moderat, hoch eingeschätzt werden.

50-%-Regel der DGN

Eine spezielle Vorgabe der DGN seit Mai 2014 sieht vor, dass für eine ausgewogene Zusammensetzung der Leitliniengruppe mindestens 50 Prozent der an der Leitlinie Beteiligten keine oder nur geringe für die Leitlinie relevante Interessenkonflikte haben dürfen. Die DGN hat sich zur Einführung der 50-%-Regel entschieden, weil damit bei Abstimmungen kein Überhang von Partikularinteressen entstehen kann.

Bewertungen der dargelegten Interessen

Bei allen Mitgliedern des Redaktionskomitees liegen keine Interessenkonflikte oder nur geringfügige Interessen vor, die keine Regulierungsmaßnahmen erfordern.

Die 50%-Regel der DGN, d.h. mindestens die Hälfte der Mitwirkenden dürfen keine oder nur geringe themenbezogene Interessenkonflikte besitzen, wurde eingehalten.

Die dargelegten Interessen der Beteiligten sowie deren Bewertung sind aus Gründen der Transparenz in der tabellarischen Zusammenfassung (PDF zum Download) aufgeführt.

Finanzierung der Leitlinie

Für eine Finanzierung der Leitlinie standen keine Mittel zur Verfügung.

Methodik der Leitlinienentwicklung

Zusammensetzung der Leitliniengruppe, Beteiligung von Interessengruppen

Die Leitliniengruppe setzte sich aus folgenden Vertretern der deutschen Neurologie zusammen: Georg Auburger, Neurologische Universitätsklinik Frankfurt; Heike Jacobi, Klinik für Neurologie, Universitätsklinikum Heidelberg; Thomas Klockgether, Klinik für Neurologie, Universitätsklinikum Bonn und Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen; Tanja Schmitz-Hübsch, Klinik für Neurologie, Charité Berlin; Ludger Schöls, Zentrum für Neurologie, Universitätsklinikum Tübingen; Matthis Synofzik, Zentrum für Neurologie, Universitätsklinikum Tübingen; Dagmar Timmann-Braun, Klinik für Neurologie, Universitätsklinikum Essen.

Die Auswahl erfolgte aufgrund klinischer Erfahrung in der Versorgung von Ataxie-Patienten und der durch internationale Publikationen dokumentierten klinisch-wissenschaftlichen Expertise auf dem Gebiet der Ataxien.

Als Vertreter der österreichischen und Schweizer Neurologie waren Sylvia Bösch, Klinik für Neurologie, Universitätsklinikum Innsbruck, Österreich; Hüseyin Duyar, Neuroliestal, Liestal, Schweiz, und Jean-Marc Burgunder, Neurozentrum Siloah, Gümligen, Schweiz, beteiligt. Die Gesellschaft für Neuropädiatrie benannte Eugen Boltshauser, Zürich, Schweiz, als Vertreter. Als Vertreter der Deutschen Heredoataxie-Gesellschaft, die die Interessen der Patienten vertritt, wirkte Marina Stüber, Malborn, mit.

Verfahren zur Konsensfindung

Die Konsensbildung erfolgte über E-Mail-Korrespondenz und Telefonkonferenzen.

Diese Leitlinie ist von der Kommission Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) sowie den beteiligten Fachgesellschaften verabschiedet worden.

Abkürzungen

ABL               Abetalipoproteinämie
ACD Alkoholische Kleinhirndegeneration
AOA Ataxie mit okulomotorischer Apraxie
ARSACS Autosomal rezessive spastische Ataxie Charlevoix-Saguenay
AT Ataxie-Teleangiektasie
AVED Ataxie mit Vitamin-E-Defizienz
CDT Carbonyl-defizientes Transferrin
CTX Zerebrotendinöse Xanthomathose
DRPLA Dentato-rubrale-pallido-luysische Atrophie
EA Episodische Ataxie
FRDA Friedreich-Ataxie
FXA Fragiles X-Syndrom
FXTAS Fragiles X-assoziiertes Tremor-Ataxie-Syndrom
MRT Magnetresonanztomographie
MSA-C Multisystematrophie, zerebellärer Typ
NPC Niemann-Pick-Typ-C-Krankheit
PCD Paraneoplastische Kleinhirndegeneration
PEM Paraneoplastische Enzephalomyelitis
POLG Polymerase γ
MSS Marinesco-Sjögren-Syndrom
SANDO Sensible ataktische Neuropathie mit Dysarthrie und Ophthalmoplegie
SAOA Sporadische, im Erwachsenenalter beginnende Ataxie unklarer Ätiologie
SCA Spinozerebelläre Ataxie
sCID Sporadische Creutzfeldt-Jakob-Krankheit
SN Sensorische Neuronopathie
SPG7 Hereditäre spastische Paraplegie 7
SYNE1 Synaptic nuclear envelope protein 1
WE Wernicke-Enzephalopathie

Abbildung und Tabellen

030031 abb1

Abkürzungen: ACD – Alkoholische Kleinhirndegeneration, FRDA – Friedreich-Ataxie, MRT –Magnetresonanztomographie, FXTAS – Fragiles X-assoziiertes Tremor-Ataxie-Syndrom, HIV – Humanes Immundefizienzvirus, MSA-C – Multisystematrophie vom zerebellären Typ, PCD – Paraneoplastische Kleinhirndegeneration, POLG – Ataxie mit Polymerase-γ-Mutationen, SAOA – Sporadische, im Erwachsenenalter beginnende Ataxie unklarer Ätiologie (sporadic adult onset ataxia of unknown aetiology), sCJD – sporadische Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, SREAT – Steroid-responsive Enzephalopathie bei Autoimmunthyroiditis.

Labordiagnostik: siehe Tabelle 2

Bei der Diagnosestellung muss berücksichtigt werden, dass auch genetische Ataxien sporadisch und im Erwachsenenalter auftreten können. In unklaren Fällen sollten daher auch die empfohlenen Laboruntersuchungen für rezessive Ataxien und spinozerebelläre Ataxien (SCA) durchgeführt werden.

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030031 tab2

Abkürzungen: ABL – Abetalipoproteinämie, ACD – Alkoholische Kleinhirndegeneration, AOA – Ataxie mit okulomotorischer Apraxie, AT – Ataxie-Teleangiektasie, CTX – Zerebrotendinöse Xanthomatose, NPC – Niemann-Pick-Typ-C-Krankheit, PCD – Paraneoplastische Kleinhirndegeneration, SREAT – Steroid-responsive Enzephalopathie bei Autoimmunthyroiditis, WE – Wernicke-Enzephalopathie

Tabelle 3 (Teil 1)

Autosomal rezessive Ataxien (Fogel & Perlman 2007; Anheim et al. 2012)

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Tabelle 3 (Teil 2)

Autosomal rezessive Ataxien (Fogel & Perlman 2007; Anheim et al. 2012)

030031 tab3.2

Literatur

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