Kapitel: Rehabilitation

Therapie des spastischen Syndroms

Entwicklungsstufe: S2k
Stand: 1. November 2018
Online seit: 9. Mai 2019
Gültig bis: 31. Oktober 2021
AWMF-Registernummer: 030/078
Federführend
Prof. Dr. Thomas Platz, Greifswald


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Clinical Pathway

Zitierhinweis:
Platz T. et al., Therapie des spastischen Syndroms, S2k-Leitlinie, 2018, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: www.dgn.org/leitlinien (abgerufen am TT.MM.JJJJ)

Inhaltsverzeichnis

Was gibt es Neues?

Die wichtigsten Empfehlungen auf einen Blick

Assessment

Nicht medikamentöse Therapie

  • Für Schlaganfall-Betroffene gibt es die umfänglichste Evidenzbasis zur nicht medikamentösen Behandlung einer spastischen Bewegungsstörung („spastic movement disorder, SMD“). Die nachfolgenden Empfehlungen sind primär für Schlaganfall-Betroffene formuliert, geben aber auch für andere Patientengruppen mit SMD eine Orientierung.
  • Die motorischen Fähigkeiten der Betroffenen berücksichtigende Übungsbehandlungen sind zur Verbesserung der passiven und aktiven motorischen Funktion zu empfehlen. Gleichzeitig ist darauf zu achten, dass eine Zunahme von spastischer Muskeltonuserhöhung vermieden wird. Dazu können u.a. im passiven Bewegungsausmaß der Extremitäten endgradig ausgeführte anhaltende passive Muskeldehnungen und mehrere Minuten anhaltende Strecklagerungen von Rumpf und Extremitäten empfohlen werden (starker Konsens).
  • Das primäre Selektionskriterium für die physiotherapeutische Behandlung ist oftmals die Verbesserung der aktiven motorischen Funktionen. Diese Therapieentscheidung sollte getroffen werden, ohne dass die Sorge bestehen muss, dass durch wirksame Therapieverfahren eine spastische Tonuserhöhung verstärkt wird (starker Konsens).
  • Für einzelne Verfahren konnte neben einer Verbesserung der aktiven Funktion parallel auch eine Reduktion von spastischem Tonus im Arm erzielt werden (Arm-Basis-Training bei subakuten Schlaganfallpatienten bzw. „Constraint-Induced Movement Therapy, CIMT“ bei chronischen Schlaganfallpatienten); dies sollte bei der Auswahl der Therapieverfahren berücksichtigt werden, wenn eine Beeinflussung des Muskeltonus ein Therapieziel darstellt (starker Konsens).
  • Geräteunterstütztes passives Bewegen von spastischen Extremitäten in einem antagonistischen Modus sollte bei der passiven und der passiv-aktiven Therapie bei spastischen Bewegungsstörungen berücksichtigt werden, wenn Spastizität reduziert werden soll (starker Konsens).
  • Das geräteunterstützte Gangtraining oder die geräteunterstützte aktive Bewegungstherapie von Armbewegungen sollten durchgeführt werden, um die aktive Funktion bei SMD zu fördern, ohne dass eine Zunahme des spastischen Muskeltonus befürchtet werden muss, bezüglich Fingerbewegungen wurde nachweislich durch dieses Verfahren ein spastischer Muskeltonus positiv beeinflusst (starker Konsens).
  • Eine regelmäßige Lagerung in bestmöglicher schmerzfreier Dehnung der spastischen Muskulatur, ggf. unterstützt durch intermittierende Schienenlagerungen über mehrere Stunden am Tag, wird zur Minderung von Muskeltonus und Vermeidung einer Kontrakturentwicklung beim Syndrom des oberen motorischen Neurons empfohlen, soweit die Mobilisation in den betroffenen Gliedmaßenabschnitten nicht durch den Betroffenen selbst durch Aktivitäten (zum Beispiel Stehen) ausreichend erfolgen kann (starker Konsens).
  • Bei schweren Formen der spastischen Tonuserhöhung mit bereits beginnenden spastischen Kontrakturen, beispielsweise im Sprunggelenk oder in den Fingerflexoren, kann das serielle Anlegen von geschlossenen Casts (Casting) und auch Gipsverbänden alleine oder am besten in Kombination mit lokalen chemisch denervierenden Medikamentenbehandlungen empfohlen werden (starker Konsens).
  • Eine mit Oberflächenelektroden applizierte Elektrostimulation der Antagonisten kann zur Therapie einer spastischen Tonuserhöhung am Arm eingesetzt werden (starker Konsens).
  • Bei der SMD der unteren Extremität können unterschiedliche Methoden der Elektrostimulation als ergänzende Therapie zur Behandlung der spastischen Tonuserhöhung und zur Verbesserung der Funktion bei SMD bei kritischer individueller Prüfung eines Behandlungseffekts eingesetzt werden (Elektrostimulation des Muskel-Sehnen-Ansatzes spastischer Wadenmuskulatur, zyklische funktionelle Elektrostimulation, FES) (starker Konsens).
  • Die Elektroakupunktur von Arm und Bein stellt für Patienten im subakuten Stadium nach Schlaganfall als Zusatzmaßnahme eine weitere Behandlungsoption dar, die sich positiv auf eine spastische Tonuserhöhung auswirken kann (starker Konsens).
  • Die periphere repetitive Magnetstimulation (prMS) und die repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS) haben ein mögliches Behandlungspotenzial für eine spastische Tonuserhöhung an den Extremitäten. Die begrenzte Datenlage erlaubt noch keine Empfehlung für den klinischen Einsatz im Sinne einer Routinebehandlung; bei entsprechender Kompetenz des Behandlers im Umsetzen der Techniken stellen sie eine Behandlungsoption dar (starker Konsens).
  • Eine Empfehlung für thermische Reize in der Behandlung der SMD kann nicht gegeben werden (starker Konsens).
  • Ganzkörpervibration kann bei fehlenden schweren Nebenwirkungen zur Behandlung einer spastischen Tonuserhöhung eingesetzt werden; der Einsatz bedarf allerdings einer kritischen individuellen Prüfung der Behandlungseffekte im Einzelfall (starker Konsens).
  • Die begrenzte Evidenz und der bisher nicht gut belegte Wirkmechanismus lassen für den klinischen Alltag bisher noch keine Empfehlung der extrakorporalen Stoßwellentherapie (ESTW) zu (starker Konsens).
  • Die Behandlung der spastischen Bewegungsstörung bei MS-Patienten ist individuell auf die körperliche und rehabilitative Gesamtsituation des betroffenen Individuums abzustimmen. Dabei gelten zur Behandlung mit nicht medikamentösen Verfahren die für Patienten nach Schlaganfall gemachten Empfehlungen analog (starker Konsens).
  • Bei Menschen mit Querschnittlähmung und anderen Patientengruppen erfolgt die Behandlung der SMD unter Berücksichtigung der körperlichen und funktionellen Behandlungsziele und unter klinischer Evaluation der Behandlungseffekte (starker Konsens).
  • Dabei kann speziell bei Menschen mit Querschnittlähmung die Ganzkörpervibration zum Einsatz kommen (starker Konsens).
  • Die exzitatorische repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS) des motorischen Beinkortex inkomplett Querschnittgelähmter stellt evtl. eine Option dar, wenn die SMD mit dem Ziel, die Gehfähigkeit zu unterstützen, behandelt werden soll. Bei begrenzter Datenlage erfolgt noch keine Empfehlung für die Routineversorgung; bei entsprechender Kompetenz des Behandlers stellt die rTMS eine Behandlungsoption bei inkomplett Querschnittgelähmten dar (starker Konsens).

Medikamentöse Therapie

  • Orale Antispastika sollten nur eingesetzt werden, wenn eine alltagsrelevante Spastizität (mit Beeinträchtigungen von passiven und/oder aktiven Funktionen) trotz adäquater physikalischer und therapeutischer Maßnahmen nicht ausreichend kontrolliert werden kann (starker Konsens).
  • Indikationen für den Einsatz oraler Antispastika sind häufig eine stärker ausgeprägte nicht fokale, multifokale, also schwere segmentale Spastizität im Sinne einer ausgeprägten Hemispastik, Paraspastik als Form der segmentalen Spastizität oder eine generalisierte Spastizität im Sinne einer Tetraspastik bzw. auch einschießende nächtliche Spasmen nach Schlaganfall oder Schädel-Hirn-Trauma (starker Konsens).
  • Minus-Symptome einer Schädigung des oberen motorischen Neurons (Lähmung, gestörte Willkürinnervationsfähigkeit) sind nicht Teil der SMD und stellen keine Indikation für eine orale Antispastika-Therapie dar (starker Konsens).
  • Bei der fokalen Spastik hat in der Regel eine fokale medikamentöse Injektionsbehandlung mit Botulinumtoxin A (BoNT A) ein besseres Nutzen-Risiken-Verhältnis (s.u.) und sollte, soweit umsetzbar, vor dem Gebrauch oraler Antispastika eingesetzt werden (starker Konsens).
  • Der zusätzliche Einsatz oraler Antispastika in niedriger nebenwirkungsfreier Dosierung kann auch bei der Behandlung der fokalen Spastik mit BoNT A bei begleitenden generalisierten Phänomenen (Spasmen) bedacht werden (starker Konsens).
  • Die Auswahl des Medikaments richtet sich nach der individuell begründeten Indikation und individuellen Abwägungen von Wirkungs- und Nebenwirkungsprofil; die Dosierung erfolgt einschleichend unter Berücksichtigung von Wirkung und Nebenwirkung; Kombinationen von oralen Antispastika mit unterschiedlichem Wirkansatz sind klinisch üblich, insbesondere bei spinaler Spastik, und sollten, soweit erforderlich, unter Berücksichtigung der genannten Grundsätze bedacht werden (starker Konsens).
  • Unter Berücksichtigung der Zulassungen soll BoNT A zur Behandlung der fokalen, multifokalen und segmentalen spastischen Tonuserhöhung eingesetzt werden, wenn eine funktions- oder alltagsrelevante SMD vorliegt oder die Auswirkungen der spastischen Bewegungsstörung wahrscheinlich zu Sekundärkomplikationen (Kontrakturen, Dekubitus) führen werden oder durch die spastischen Tonuserhöhungen wesentliche Schmerzen mitverursacht werden, die alleine durch physikalische und therapeutische Maßnahmen sowie eine orale antispastische Medikation (bei nicht fokaler Spastik) nicht ausreichend behandelt werden können, und wenn durch die lokalen BoNT A-Behandlungen ein alltagsrelevanter Effekt auf aktive oder passive Funktionen und/oder spastikassoziierte Schmerzen erwartet werden kann (starker Konsens).
  • Zu diesem Zweck erfolgt zunächst eine Analyse des „klinischen Spastik-Musters“ und der Funktions- bzw. Alltagsrelevanz des „klinischen Spastik-Musters“, sodann eine Analyse der an diesem „klinischen Spastik-Muster“ individuell relevant beteiligten Muskeln und bei bestehender Indikation für eine BoNT A-Behandlung eine Dosierungsplanung unter Beachtung der zugelassenen Indikationen und Dosierungsempfehlungen (starker Konsens).
  • Zur Verbesserung der Zielgenauigkeit der Injektionen von BoNT in die ausgewählten Muskeln werden Kontrolltechniken wie die Ultraschall-, EMG- oder Elektrostimulations-Technik empfohlen (starker Konsens).
  • Ausreichende klinische Erfahrungen im Einsatz von BoNT A und nationale und internationale publizierte prospektive Fallserien belegen die Wirksamkeit von BoNT A bei der gezielten Behandlung alltagsrelevanter fokaler, multifokaler und segmentaler spastischer Tonuserhöhungen auch außerhalb der in Deutschland zugelassenen Indikationen für die verfügbaren Produkte (z.B. bei anderen Ätiologien und anderen Muskeln); diese Anwendungen können aus fachlicher Sicht bei gegebenen Indikationen zur Erreichung von Verbesserungen von passiven und aktiven Funktionen mit Alltagsrelevanz eingesetzt werden (starker Konsens).
  • Solche Anwendungen stellen jedoch weiterhin einen sogenannten Off-label-Gebrauch von BoNT A dar, eine automatische Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenversicherung besteht dabei nicht, sodass besonders im ambulanten Bereich die Kostenübernahme der zuständigen Kostenträger und der schriftliche Verzicht auf die Geltendmachung eines sogenannten Sonstigen Schadens eingeholt werden sollte und ansonsten die spezifischen haftungsrechtlichen Konsequenzen zu bedenken sind.
  • Zur Verstärkung der tonussenkenden Wirkung von BoNT A-Injektionen wird eine im individuellen Fall passende adjuvante Therapie empfohlen. Die größte Evidenz für eine Wirkungssteigerung von BoNT A-Injektionen liegt derzeit für eine adjuvante neuromuskuläre Elektrostimulation selektierter behandelter Muskeln an den Tagen nach der Behandlung vor (starker Konsens). Weitere adjuvante Therapien wie aktiv-motorische Übungsbehandlung, physiotherapeutische Dehnung, Lagerungsschienen/ Casting, Taping, TENS können ebenfalls adjuvant angewendet werden, um die antispastische Wirkung sowie nachfolgende Effekte auf Beweglichkeit und Funktion zu unterstützen (starker Konsens). [Ihre sonstige Veranlassung bleibt unberührt.]
  • Bei Auftreten eines sekundären Wirkverlustes ist vor einer elektrophysiologischen oder serologischen Untersuchung auf neutralisierenden Antikörpern gegen BoNT A eine Prüfung anderer möglicher Ursachen eines Wirkverlustes von BoNT A (z.B. medikamenten- oder patientenbedingte Ursachen wie z.B. sekundärer Krankheitsgewinn, Unterbrechung der Kühlkette, Kontrakturentwicklung, Injektionsgenauigkeit) sinnvoll (starker Konsens).
  • Die intrathekale Baclofen-Behandlung (ITB) kann zur Behandlung der schweren, insbesondere spinalen, aber auch supraspinalen Spastizität eingesetzt werden, wenn eine alltagsrelevante behindernde spastische Tonuserhöhung vorliegt oder diese mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Sekundärkomplikationen (Kontrakturen und Dekubitus) führen wird, die durch physikalische und therapeutische Maßnahmen in Kombination mit oralen Antispastika und einem vertretbaren Nebenwirkungsprofil nicht ausreichend behandelt werden können (starker Konsens).
  • Die Initiierung der Behandlung (Testung und Dosisfindung) sollte in einem mit der ITB-Therapie erfahrenen Team erfolgen (starker Konsens).
  • Ein Langzeit-Versorgungsprogramm sollte vorliegen, das die Kontrolle und Füllung der Pumpe zur Verabreichung des ITB regelmäßig gewährleistet, die Therapie im Verlauf evaluiert und das Management evtl. auftretender Komplikationen auch im Notfall sicherstellen kann (starker Konsens).

Chirurgische Verfahren

  • Im Einzelfall können nach sorgfältiger Prüfung und Ausschöpfung anderer reversibler Behandlungsmethoden einer SMD auch operative Verfahren erwogen werden (starker Konsens).

Versorgungskoordination

  • Das ambulante Management einer chronischen spastischen Bewegungsstörung sollte in spezialisierten Zentren mit Zugriff auf ein erfahrenes multiprofessionelles Team und auf Umsetzungsmöglichkeiten von lokalen und intrathekalen Behandlungsmethoden der Spastizität sowie Kooperationen mit stationären Behandlungszentren und chirurgischen Interventionszentren erfolgen und turnusmäßige klinische Visiten von Betroffenen in individuell indizierten Abständen, meist von höchstens 6 Monaten, beinhalten (starker Konsens).

Einführung

Die spastische Bewegungsstörung („spastic movement disorder“, SMD) ist ein häufiges Phänomen nach Schädigungen im zentralen Nervensystem mit Beteiligung der zentralnervösen sensomotorischen Zell- und Bahnsysteme. Heute verstehen wir unter dem Summationsbegriff SMD nur die Plus-Phänomene des Pyramidenbahnsyndroms (Upper Motor Neuron Syndrome, UMNS). Die sogenannten Minus-Phänomene des UMNS wie die Lähmung, die Störung der selektiven Innervationsfähigkeit und die Ermüdbarkeit sind davon abzugrenzen. Die Muskelverkürzung und konsekutive Kontrakturen in Körperregionen mit Spastik sind nicht Bestandteil der SMD, sondern eine Komplikation des UMNS. Es existiert eine Vielzahl von physikalischen, physiotherapeutischen und pharmakologischen Behandlungsansätzen mit qualitativ unterschiedlichen Wirksamkeitsnachweisen.

Ziel dieser Leitlinie ist es insbesondere, die verschiedenen Behandlungsansätze darzustellen und hinsichtlich ihrer Indikation und Wirksamkeit zu bewerten. Die Therapieempfehlungen sollen zu einer Verbesserung der motorischen Funktionen, zur Erleichterung der Pflege und zur Schmerzlinderung führen.

Definition und Klassifikation

Spastik im Sinne dieser Leitlinie wird definiert als gesteigerter, geschwindigkeitsabhängiger Dehnungswiderstand der Skelettmuskulatur, der als Folge einer Läsion deszendierender motorischer Bahnen des zentralen Nervensystems (ZNS) (Großhirn, Hirnstamm, Rückenmark) auftritt und in der Regel mit anderen Symptomen wie Muskelparese, Verlangsamung des Bewegungsablaufs, gesteigerten Muskeleigenreflexen, pathologisch enthemmten Synergismen und spastischer Dystonie einhergeht, was zusammen auch als spastische Bewegungsstörung (SMD) bezeichnet werden kann.

In der Spastik-Definition von Lance (1980) wird der gesteigerte Muskeltonus auf eine Übererregbarkeit des spinalen Dehnungsreflexes als eine wesentliche Komponente des „Syndroms des ersten motorischen Neurons“ zurückgeführt.

Die spastische Muskeltonuserhöhung ist jedoch nur zu einem geringen Grad auf die gesteigerten Muskeldehnungsreflexe zurückzuführen (O’Dwyer et al., 1996). Auch für die Verlangsamung von Willkürbewegungen von Patienten mit Spastizität spielen weder gesteigerte Muskeleigenreflexe noch tonische Dehnungsreflexe eine wesentliche Rolle (Dietz u. Young, 2003). Diese Beobachtung ist von grundsätzlicher Bedeutung für die Therapie. So sind Medikamente, die beim Menschen eine Reduktion der Reflexaktivität und des spastischen Muskeltonus herbeiführen, nicht notwendigerweise geeignet, eine Verbesserung der funktionellen Behinderung zu bewirken.

Andererseits gibt es Hinweise, dass Therapien, die aktive motorische Funktionen nach Schädigungen des ZNS fördern, auch mit einer geringeren Entwicklung einer SMD einhergehen (vgl. Barker et al., 2008; Hesse et al., 2008a; Platz et al., 2005; Platz et al., 2009). Umgekehrt scheint das nicht zuzutreffen (Hesse et al., 2012) bzw. in Abhängigkeit von individuellen Gegebenheiten.

Die SMD entsteht als Adaptation an eine Läsion deszendierender motorischer Bahnen (Dietz u. Sinkjaer, 2007). Diese plastischen Veränderungen sind vielfältig und betreffen sekundär auch das neuromuskuläre System. Es gibt keinen einzelnen pathogenetischen Faktor, der die Spastik alleine bestimmt.

Bei der muskulären Hypertonie ist zwischen einer neurogenen und einer nicht neurogenen Komponente zu unterscheiden. Die neurogenen Anteile resultieren unter anderem aus einer erhöhten Erregbarkeit von Alpha-Motoneuronen aufgrund fehlregulierter spinaler Reflexkreise, die innerhalb der ersten Monate nach einer ZNS-Schädigung noch zunehmen können. Nach einer Schädigung des zentralen Nervensystems ändern sich im Laufe von Tagen bis Wochen sekundär aber auch die mechanischen Eigenschaften und Strukturen spastisch schwer gelähmter Muskeln (z.B. entstehen Weichteilkontrakturen und die Viskosität des Muskels nimmt zu), sodass die nicht neurogenen Komponenten der muskulären Hypertonie ebenfalls funktionell relevant werden können.

Eine therapierelevante beschreibende Klassifikation der Ausbreitung der Spastik über den Körper (Topik) berücksichtigt das Verteilungsmuster und unterscheidet zwischen einer fokalen, multifokalen, segmentalen, generalisierten Spastik sowie einer Hemispastik (Wissel et al., 2009). Eine fokale Spastik betrifft ein oder zwei eng benachbarte Bewegungssegmente (z.B. spastische Faust und spastische Handgelenksbeugung oder spastische Zehen und Pes equinus), eine segmentale Spastik eine Extremität mit mehreren Bewegungssegmenten (z.B. Pes equinovarus mit spastischer Knie- und Hüftbeugehaltung). Eine Paraspastik würde hierbei als segmentale und eine Tetraspastik als generalisierte Form eingeordnet werden können.

Spastik ist ein häufiges Syndrom, da Schädigungen motorischer Bahnen als Ursache der Spastik bei vielen neurologischen Erkrankungen auftreten können. Häufige Erkrankungen, die mit einer spastischen Bewegungsstörung einhergehen, sind der Schlaganfall, die Multiple Sklerose, das Schädel-Hirn-Trauma, die hypoxische Hirnschädigung und die Rückenmarksläsion. Für von einem Schlaganfall Betroffene wird früh nach einem Schlaganfall (nach 1–4 Wochen) bei 4–27 % eine geschwindigkeitsabhängige Tonusstörung beschrieben, in der postakuten Phase (1–3 Monate nach dem Schlaganfall) bei 19–26,7 % und in der chronischen Phase (mehr als 3 Monate nach einem Schlaganfall) bei 17–42,6 % (Wissel et al., 2013). Für die Beinspastik wurden gemäß einem systematischen Review folgende internationale Häufigkeiten ermittelt: Pro 100.000 Einwohner gibt es 30–500 Schlaganfallpatienten, 1/3 mit relevanter Beinspastik, 2–90 MS-Patienten, ½ bis 2/3 mit Beinspastik, 250–360 Personen mit infantiler Zerebralparese, ¾ mit Beinspastik, 100–230 Schädel-Hirn-Verletzte, 1/8 mit Beinspastik, und 22–180 Querschnittgelähmte (unklare Häufigkeit der Beinspastik) (Martin et al, 2014). Höhergradige Lähmungen, das Vorliegen von Sensibilitätsstörungen und schwere Einschränkungen bei der Alltagsbewältigung sind Risikofaktoren für die Entwicklung von Spastik nach Schlaganfall (Wissel et al., 2015). Spastikverstärkende Faktoren (sogenannte Spastik-Trigger) sind Immobilität, Schmerzen, emotionale Anspannung, Entzündungen/Infekte, Stuhl-/Harndrang, Dekubitalulzera, Thrombosen und Frakturen.

Diagnostik

Anamnese

Vor der symptomatischen Therapie der SMD muss sorgfältig nach möglichen kausalen Behandlungsmöglichkeiten und sogenannten Spastik-Triggern gesucht werden. Die große Zahl von Schädigungen des ZNS, die Spastik auslösen können, macht eine eingehende Anamnese notwendig. Die SMD tritt nach akuten Läsionen des ZNS in der Regel erst mit einer Latenz von Wochen bis Monaten auf und erreicht nach Schlaganfall ihren klinisch höchsten Ausprägungsgrad zwischen 3 und 6 Monate nach dem auslösenden Ereignis.

Untersuchungen

Nach der Anamnese muss eine eingehende klinisch-neurologische Untersuchung erfolgen. Es ist zu beachten, dass bei einem inkompletten Querschnittsyndrom die Läsion häufig etliche Segmente oberhalb der klinisch nachweisbaren Lokalisation liegen kann. Beispielsweise beginnt die zervikale Myelopathie häufig mit einer spastischen Paraparese, nicht selten noch ohne sensible oder motorische Ausfälle der Arme.

Basierend auf den Ergebnissen der klinischen Untersuchung, sollten, wenn indiziert, zunächst Zusatzuntersuchungen wie z.B. neurophysiologische (sensibel und motorisch evozierte Potenziale), bildgebende (Computertomographie, Kernspintomographie) und laborbasierte Untersuchungen einschließlich Lumbalpunktion gezielt veranlasst werden. Ätiologisch unklare, langsam progrediente spastische Syndrome haben gelegentlich genetische Ursachen (z.B. eine der vielen Formen der hereditären spastischen Spinalparalyse) und können molekulargenetisch differenziert werden (Klebe et al., 2015). Auch neurodegenerative Prozesse (z.B. die primäre Lateralsklerose, PLS als eine klinische Erscheinungsform des „ALS-Syndroms“) und toxische Ursachen (z.B. Neurolathyrismus) müssen ggf. differenzialdiagnostisch bedacht werden.

Assessment

Neben sogenannten Plus-Phänomenen des Syndroms des oberen motorischen Neurons („Upper Motor Neuron Syndrome, UMNS“) wie der geschwindigkeitsabhängigen Muskeltonuserhöhung, dem Klonus, einschießenden Spasmen, der spastischen Dystonie, assoziierten Bewegungen und der Reflexenthemmung sind andererseits weitere relevante sogenannte Minus-Phänomene des UMNS wie Paresen, reduzierte selektive Innervationsfähigkeit und Koordinationsstörungen bzw. auch Schmerzen und eine zunehmende Muskel- und Weichteilverkürzung bis zu Fehlhaltungen zu berücksichtigen, die im Weiteren auch Aspekte der Beeinträchtigung der selbstständigen Lebensführung nach sich ziehen. Um eine an das individuelle Syndrom des jeweiligen Patienten angepasste Behandlung der SMD zu ermöglichen, sollte daher neben der Stärke und Ausbreitung bzw. Verteilung der Spastizität über den Körper die funktionelle Beeinträchtigung im Sinne der Ebenen der ICF berücksichtigt werden, d.h. bezüglich der Mobilität, Alltagskompetenz und der Fähigkeit, am sozialen und beruflichen Leben teilzunehmen. (Die „International Classification of Functioning, Disability and Health, ICF“ ist eine von der WHO initial 2001 erstellte und herausgegebene Klassifikation zur Beschreibung des funktionalen Gesundheitszustandes, der Behinderung, der sozialen Beeinträchtigung sowie der relevanten Umweltfaktoren von Menschen.)

Eine Übersicht über 24 klinisch eingesetzte Skalen zur Messung der Spastik findet sich bei Platz et al., 2005b. Die am häufigsten in Studien eingesetzten Verfahren zur klinischen Einschätzung des spastischen Muskeltonus in Bewegungssegmenten sind die Ashworth-Skala (AS) (Ashworth, 1964) bzw. die Modifizierte Ashworth-Skala (MAS) (Bohannon et al., 1987). Sie stellen einfach durchzuführende Skalen dar, zeigen jedoch über Studien hinweg eine unterschiedlich gute Interrater-Reliabilität. Auch ein jüngerer systematischer Review spezifisch zum Spastik-Assessment nach Schlaganfall weist auf die oftmals unbefriedigende Situation bezüglich der psychometrischen Eigenschaften der meisten Assessments hin (Aloraini et al., 2015); das trifft sowohl auf klinische Assessment-Verfahren als auch auf neurophysiologische oder biomechanisch technisch-apparative Verfahren zu.

Dennoch konnte in Studien gezeigt werden, dass die AS, die MAS und die Tardieu-Skala, TS (Gracies et al., 2000), nach Schlaganfall geeignet sind, an der oberen und unteren Extremität Therapieeffekte bezüglich einer Minderung des spastisch erhöhten geschwindigkeitsabhängigen Muskeltonus verlässlich darzustellen. Eine Assoziation mit anderen positiven Phänomenen und anderen neurophysiologischen Parametern des UMNS findet sich aber nicht. Für Patienten nach Schlaganfall wurde gezeigt, dass die MAS mit einigen Parametern aktiver Funktion korreliert, unter anderem mit selektiver Armbeweglichkeit (Fugl-Meyer-Skala), mit Parametern zur Messung von Gangsymmetrie und Ganggeschwindigkeit und dem pflegerischen Aufwand im Umgang mit der betroffenen oberen Extremität (Disability Rating Scale, Carer Burden Scale, Arm Activity Measure, Teil B).

Die REsistance to PAssive movement Scale (REPAS) stellt eine Weiterentwicklung der AS dar; sie gewährleistet einen hohen Standardisierungsgrad der Untersuchung (standardisierte Durchführung an den einzelnen Gelenken und Bewertungsmaßstäbe) und damit eine hohe Reliabilität sowie eine validierte Summenbildung über Muskelgruppen hinweg und damit für Extremitäten bzw. eine Hemi-, Para- oder Tetraspastik (Platz et al., 2008).

Sowohl die AS, MAS, TS als auch die REPAS bilden jedoch keine funktionellen Defizite ab. In Studien zur Evaluation der funktionellen Relevanz antispastischer Medikation werden daher zusätzlich spezifische Skalen zur Erfassung der Zielerreichung bezüglich aktiver und passiver Funktionen eingesetzt (Ashford und Turner-Stokes, 2013).

Um weitere Aspekte des UMNS und vor allem auch relevante Veränderungen in der durch Spastizität gestörten Funktion mittels objektiver und patienten-bezogener subjektiver Messverfahren abzubilden, werden weitere Assessment-Verfahren und gesundheitsbezogene Lebensqualitätsmessinstrumente („patient related outcome measures, PROMs“ und „health-related quality of life measures, HRQL“) empfohlen (Wissel et al., 2009); hierzu zählen: aktiver und passiver Bewegungsumfang in Bewegungssegmenten (aROM, pROM), Grad der Parese (BMRC), 10-m-Gehzeit (Tyson und Connell, 2009), Disability Assessment Scale (DAS) (Brashear et al., 2002), Goal Attainment Scale (GAS) (Ertzgaard et al., 2011; Turner-Stokes, 2009), Arm Activity Measure (Ashford et al., 2013a, 2013b) und z.B. für Schlaganfallpatienten die Stroke Impact Scale (SIS-16) (Duncan et al., 2003). Die „Goal Attainment Scale (GAS)“ bewertet in einer fünfstufigen Skala, wie gut ein passives oder aktives funktionelles Behandlungsziel, das sich ein Patient in Abstimmung mit seinem Behandler vorgenommen hat, erreicht wurde.

Der Begriff „aktive Funktionen“ ist dabei praktisch selbsterklärend und beschreibt die Fähigkeit die in eine SMD einbezogener Arm oder Bein aktiv zu bewegen (aktiver Bewegungsumfang, aROM) ist und im besten Falle in aktive Funktionen einbezogen werden kann. Unter passiven Funktionen werden heute im Wesentlichen die vier durch eine SMD eingeschränkten Bereiche subsumiert und operationalisiert, die die Pflegbarkeit oder die Pflegehindernisse einer Extremität abbilden, die Ankleidemöglichkeit, die Haltung und die Schmerzhaftigkeit einer spastischen Extremität einschätzen. Die Disability-Assessment-Skala (DAS) (Brashear et al., 2002b) erlaubt eine in diesen vier Domänen jeweils dreistufige semiquantitative Erfassung und wurde in Zulassungsstudien für den Einsatz von Botulinumneurotoxin A (BoNT A) an der oberen Extremität zur Erfassung der Veränderungen der passiven Funktionen durch die Therapie eingesetzt (Brashear et al., 2002a; Kanovsky et al., 2009, 2011).


Empfehlung

  • Bei der Behandlung der SMD sollten je nach klinischem Fokus der eingesetzten Interventionen (fokale, segmentale, generalisierte SMD; aktive oder passive Funktion) ein diese Bereiche erfassendes Assessment auf der Ebene des Impairment (passives Bewegungsausmaß und Ashworth-Skala, Modifizierte Ashworth-Skala oder REsistance to PAssive movement Scale, REPAS, bzw. Tardieu-Skala) sowie ein das funktionelle Behandlungsziel (passive oder aktive Funktionen) abbildendes Assessment-Verfahren kombiniert eingesetzt werden, um den klinischen Erfolg der Behandlungsstrategie zu evaluieren (starker Konsens).

Therapie

Evidenzbasis, Graduierung der Empfehlungen und des Konsenses

Diese Leitlinie ist eine fachgesellschaftsübergreifende konsensbasierte Leitlinie (S2k). Auch wenn dieser Leitlinie keine systematische Literatursuche und -bewertung im engeren Sinne zugrunde liegt, wurde bei ihrer Erstellung der aktuelle Stand der Evidenz zur Behandlung des spastischen Syndroms berücksichtigt.

Hierzu fand am 30.08.2017 eine PubMed/MEDLINE-Suche nach Leitlinien der letzten 5 Jahre, nach systematischen Reviews/Metaanalysen (zeitlich unbegrenzt) und nach randomisierten kontrollierten Studien der letzten 5 Jahre zur Thematik Spastikbehandlung (ätiologieübergreifend) statt. Die Suche ergab zunächst 297 Referenzen, nach Elimination von Duplikaten verblieben 215 Referenzen, davon waren 28 für die Leitlinie direkt relevant, die überwiegende Mehrzahl waren systematische Reviews, sodass eine breite Evidenzbasis genutzt werden konnte.

Berücksichtigung fand auch die S2e (evidenzbasierte) DGNR-Leitlinie „Behandlung der Spastizität nach Schlaganfall“ (Winter und Wissel, 2013). Für die genannte Leitlinie wurden 172 Referenzen bewertet (164 Originalarbeiten, 8 Reviews), von denen 111 als Grundlage für die DGNR-Leitlinie dienten, worunter auch nicht experimentelle Studien (z.B. Fallserien und Kohortenstudien) waren.

Ferner wurden weitere Studien und Reviews einbezogen, die der Autorengruppe bekannt und für die Leitlinienerarbeitung relevant waren.

Im Leitlinientext werden die Evidenzklassifizierung einzelner Quellen (1a bis 5) gemäß den „Oxford Centre for Evidence-based Medicine – Levels of Evidence“ benannt (Version aus März 2009; http://www.cebm.net/oxford-centre-evidence-based-medicine-levels-evidence-march-2009/). Damit wird zur leichteren Orientierung des Lesers der Studientyp der Einzelpublikation gekennzeichnet; nicht jedoch eine systematische Evidenzbasierung impliziert, die der Leitlinie nicht zugrunde liegt. Entsprechend werden auch keine Evidenzgrade in den Empfehlungen genannt.

Die „Qualität der Evidenz“ wird in Anlehnung an das „GRADE“-System („Grades of Recommendation, Assessment, Development and Evaluation, GRADE“; www.gradeworkinggroup.org) in 4 Kategorien eingeteilt (GRADE working group, 2004):

  • Hohe Qualität – weitere Forschung wird sehr wahrscheinlich unser Vertrauen in die Abschätzung des (Therapie-)Effekts bzw. der Prognose nicht beeinflussen.
  • Mittlere Qualität – weitere Forschung wird wahrscheinlich unser Vertrauen in die Abschätzung des (Therapie-)Effekts bzw. der Prognose beeinflussen und könnte die Abschätzung ändern.
  • Niedrige Qualität – weitere Forschung wird sehr wahrscheinlich unser Vertrauen in die Abschätzung des (Therapie-)Effekts bzw. der Prognose beeinflussen und wird die Abschätzung wahrscheinlich ändern.
  • Sehr niedrige Qualität – jede Abschätzung des (Therapie-)Effekts bzw. der Prognose ist sehr unsicher.

Angegebene Effektstärken aus Metaanalysen können, wenn sie sich auf standardisierte Mittelwertdifferenzen („standardized mean difference, SMD“) beziehen, als klein (< 0,4), mittel (0,4 bis < 0,8) oder groß (≥ 0,8) erachtet werden.


Empfehlungsgraduierung

Hinsichtlich der Stärke der Empfehlungen werden in der Leitlinie folgende Empfehlungsgrade unterschieden, die sich in der Formulierung der Empfehlungen jeweils widerspiegeln:

  • Starke Empfehlung = soll/soll nicht
  • Empfehlung = sollte/sollte nicht
  • Empfehlung offen = kann

Die Konsensstärken für die Empfehlungen wurden wie folgt klassifiziert (Muche-Borowski et al., 2012):

Starker Konsens: Zustimmung von > 95 % der Teilnehmer
Konsens: Zustimmung von > 75–95 % der Teilnehmer
Mehrheitliche Zustimmung: Zustimmung von > 50–75 % der Teilnehmer
Kein Konsens: Zustimmung von < 50 % der Teilnehmer


Bezüglich der motorischen Rehabilitation im weiteren Sinne wird auf die diesbezüglichen Leitlinien verwiesen, insbesondere die bei der AWMF registrierten Leitlinien 030-123 S2k Rehabilitation von sensomotorischen Störungen (DGN), 030-070 S1 Querschnittlähmung (DGN), 080-001 S2e (Revision zur S3) Motorische Therapien für die obere Extremität zur Behandlung des Schlaganfalls (DGNR) und 080-004 S2e Rehabilitation der Mobilität nach Schlaganfall (DGNR). Entsprechend fokussiert diese Leitlinie explizit auf die Behandlungsaspekte für das spastische Syndrom und nicht auf die (senso-)motorische Rehabilitation insgesamt. Die Leitlinie thematisiert auch nicht die Behandlung von Kindern mit einer spastischen Bewegungsstörung oder einer Zerebralparese.

Nicht medikamentöse Behandlungsformen bei Schlaganfallpatienten

Motorische Übungsbehandlung ohne Einsatz von Geräten

Der Zusammenhang zwischen spastisch erhöhtem Muskeltonus und motorischer Funktion in einer Extremität mit spastischer Bewegungsstörung sowie die gegenseitige Beeinflussung von Spastizität und anderen sekundären Schädigungen oder Veränderungen wie Kontrakturen werden auch weiterhin kontrovers diskutiert (O’Dwyer et al., 1996; Pandyan et al., 2005).

Meist liegt zusätzlich zum spastisch erhöhten Muskeltonus eine stark ausgeprägte Muskelschwäche vor (Ada et al., 2003). Obwohl ein kausaler Zusammenhang von spastischer Bewegungsstörung und Schmerzentstehung nach wie vor fraglich ist (Pizzi et al., 2005a), wird ein gemeinsames Auftreten in der Klinik häufig beobachtet (Wissel et al., 2016). Demzufolge spielt die Linderung von Schmerzen, die auch infolge von Muskeldysbalancen bei Spastizität und biomechanischen Veränderungen von Weichteilen und Gelenken entstehen können, eine wichtige Rolle in der physiotherapeutischen Behandlung (Koog et al., 2010).

„Konventionelle“ Physiotherapie, einschließlich etablierter Konzepte

Der Einfluss von konventioneller Physiotherapie auf eine SMD nach Schlaganfall ist noch nicht ausreichend in klinischen Studien mit hoher methodischer Qualität untersucht. In einer Metaanalyse wurden insgesamt 16 Studien mit Patienten nach Schlaganfall als methodisch ausreichend bewertet, um in einem systematischen Review untersucht zu werden. Dabei zeigte sich, dass die Behandlung nach Bobath keine Überlegenheit gegenüber anderen Standardtherapien bezüglich der Sensomotorik, Exaktheit von Bewegungen, Mobilität, Aktivitäten des täglichen Lebens und der gesundheitskorrelierten Lebensqualität hatte; geringe Evidenz zeigte sich für die Gleichgewichtskontrolle; die spastische Tonusstörung wurde nicht untersucht (Kollen et al., 2009) (Evidenzklasse 1a).

In einem Cochrane Review wurden die Wirkungen passiven Dehnens auf die SMD untersucht. Beim Zielkriterium spastische Tonusstörung konnten keine kurzfristigen oder langfristigen Wirkungen einer Dehnbehandlung nachgewiesen werden (kurzfristige Effekte: SMD 0,0; 95 % KI –0,3–0,4; n.s.;
6 Studien, 144 Teilnehmer mit Schlaganfall oder erworbener Hirnschädigung; langfristige Effekte: SMD –0,3; 95 % KI –0,8–0,1; n.s.; 3 Studien, 73 Teilnehmer mit Schlaganfall, infantiler Zerebralparese oder erworbener Hirnschädigung) (Harvey et al., 2017) (Evidenzklasse 1a). (Erklärung: 95 % KI = 95 % Konfidenzintervall; falls es die „0“ einschließt, ist ein Effekt statistisch nicht abgesichert, also nicht signifikant „n.s.“).

Krafttraining

Das Training von Kraft und Ausdauer führt zu einer Minderung der zentralen Parese und zur Verbesserung resultierender motorischer Funktion ohne Zunahme eines spastischen Muskeltonus (Pak und Patten, 2008) (Evidenzklasse 1b).

Systematisch repetitives Training selektiver Bewegungskontrolle

Das schädigungsorientierte Training („Impairment-Oriented Training, IOT“), das das systematische repetitive Arm-Basis-Training für schwere Armparesen beinhaltet, verbessert die aktive Bewegungsfähigkeit und reduziert zugleich die spastische Tonusstörung im trainierten zentral-paretischen Arm (Platz et al., 2005a, 2009, Evidenzklasse 1b).

Bewegungsinduktionstherapie („Constraint-Induced Movement Therapy, CIMT“; „Forced use“-Therapie)

Die intensivierte motorische Übungsbehandlung im Rahmen der sogenannten Forced-use-Therapie kann in einer modifizierten Form mit 3 Stunden intensiver Therapie pro Tag und ca. 9 Stunden Restriktion des nicht paretischen Arms eine spastische Tonusstörung mindern. Gleichzeitig zeigt sich eine Besserung der übrigen motorischen Zielkriterien und der Lebensqualität (Dettmers et al., 2005) (Evidenzklasse 4 bei kleiner Fallzahl).

Spiegeltherapie

Die Spiegeltherapie führt zu einer Minderung der zentralen Parese und zur Verbesserung motorischer Funktion ohne nachgewiesenen Einfluss auf den spastischen Muskeltonus (Michielsen et al., 2010; Yun et al., 2011; Yavuzer et al., 2008) (Evidenzklasse 1b).


Empfehlungen

  • Die motorischen Fähigkeiten der Betroffenen berücksichtigende Übungsbehandlungen sind zur Verbesserung der passiven und aktiven motorischen Funktion zu empfehlen. Gleichzeitig ist darauf zu achten, dass eine Zunahme von spastischer Muskeltonuserhöhung vermieden wird. Dazu können u.a. im passiven Bewegungsausmaß der Extremitäten endgradig ausgeführte anhaltende passive Muskeldehnungen und mehrere Minuten anhaltende Strecklagerungen von Rumpf- und Extremitäten empfohlen werden (starker Konsens).
  • Das primäre Selektionskriterium für die physiotherapeutische Behandlung ist oftmals die Verbesserung der aktiven motorischen Funktionen. Diese Therapieentscheidung sollte getroffen werden, ohne dass die Sorge bestehen muss, dass durch wirksame Therapieverfahren eine spastische Tonuserhöhung verstärkt wird (starker Konsens).
  • Für einzelne Verfahren konnte neben einer Verbesserung der aktiven Funktion parallel auch eine Reduktion von spastischem Tonus im Arm erzielt werden (Arm-Basis-Training bei subakuten Schlaganfallpatienten bzw. „Constraint-Induced Movement Therapy, CIMT“ bei chronischen Schlaganfallpatienten); dies sollte bei der Auswahl der Therapieverfahren berücksichtigt werden, wenn eine Beeinflussung des Muskeltonus ein Therapieziel darstellt (starker Konsens).

Gerätegestützte mechanische und robotergestützte Therapie sowie Laufbandtherapie

Geräteunterstützte passive Muskeldehnung

Unter gerätegestützter passiver Fingerstreckung, kombiniert mit taktiler Oberflächenstimulation und einem Vibrationsreiz, kommt es in der postakuten Phase nach Schlaganfall nicht zu spastisch erhöhtem Muskeltonus bei gleichzeitiger Besserung der motorischen Funktion (Hesse et al., 2008b) (Evidenzklasse 1b).

Bei passiver Muskelstreckung der Wadenmuskulatur zusätzlich zur Standardtherapie nimmt die Spastizität der Wadenmuskulatur signifikant ab, zusätzlich verbessern sich funktionelle Parameter wie Ganggeschwindigkeit (Wu et al., 2006) (Evidenzklasse 4 bei kleiner Fallzahl).

Repetitive antagonistische Armbewegungen mit passiver Muskelstreckung durch ein Gerät

Die gerätegestützte aktive oder passive repetitive Armbeugung und
-streckung mindert spastisch erhöhten Muskeltonus bei gleichzeitiger Verbesserung motorischer Funktion. Zusätzliche Elektrostimulation verstärkt den Effekt (Barker et al., 2008; Hesse et al., 2008a) (Evidenzklasse 1b).

Roboterunterstützte Therapie der oberen Extremität im Sitzen

Die roboterunterstützte Therapie der durch den Patienten selbst initiierten Bewegung der Finger mindert die spastische Tonuserhöhung und verbessert passive und aktive motorische Funktion der Hand; die positiven Therapieeffekte sind mit höherer Trainingsintensität ausgeprägter (Takahashi et al., 2008) (Evidenzklasse 1b).

In einer weiteren Studie wurde die Verbesserung der motorischen Armfunktionen durch roboterunterstütztes Training gezeigt. Dabei kam es nicht zu einer Zunahme des spastischen Muskeltonus in der behandelten Extremität (Masiero et al., 2007) (Evidenzklasse 1b).

Biomechanisch oder roboterunterstützte Therapie der unteren Extremität in Vertikalisierung (Lokomotionstherapie)

Die gerätegestützte Lokomotionstherapie auf dem Laufband bzw. mit einem elektromechanischen Gangtraining ohne oder mit Roboter-Unterstützung zeigte eine Verbesserung der Gangfunktion ohne Beeinflussung der spastischen Tonusstörung in der unteren Extremität (Werner et al., 2002; Husemann et al., 2007) (Evidenzklasse 1b), (Hesse et al., 1995) (Evidenzklasse 2b).


Empfehlungen

  • Geräteunterstütztes passives Bewegen von spastischen Extremitäten in einem antagonistischen Modus sollte bei der passiven und passiv-aktiven Therapie bei spastischen Bewegungsstörungen berücksichtigt werden, wenn Spastizität reduziert werden soll (starker Konsens).
  • Das geräteunterstützte Gangtraining oder die geräteunterstützte aktive Bewegungstherapie von Armbewegungen sollten durchgeführt werden, um die aktive Funktion bei SMD zu fördern, ohne dass eine Zunahme des spastischen Muskeltonus befürchtet werden muss, bezüglich Fingerbewegungen wurde nachweislich durch dieses Verfahren ein spastischer Muskeltonus positiv beeinflusst (starker Konsens).

Schienen, Splints, Casts, Orthesen und Casting

Schienen, Splints, Casts und Orthesen können als Hilfsmittel eingeordnet werden, die bei spastisch gelähmten Extremitäten zur Tonus- und Haltungsregulierung sowie zur Lagerung und Kontrakturprophylaxe und -behandlung alleine und in Kombination mit anderen Behandlungsmethoden (z.B. Botulinumtoxin A) eingesetzt werden.

Eine Orthese im klassischen Sinne ist ein von einem Orthopädietechniker hergestelltes, häufig erst nach Gipsabdruck aufwendig angefertigtes individuell angepasstes Hilfsmittel, das in der Regel eine längere intendierte Tragedauer in der bestehenden Extremitätenhaltung, also einen Einsatz über Monate bis Jahre, vom verordnenden Arzt intendiert.

Unter dem Begriff Schiene – immer häufiger wird auch der englische Fachterminus „splint“ verwendet – wird zum einen ein die Extremität nur halb umschließendes konfektioniertes, vom Handel angebotenes Hilfsmittel oder auch zunehmend häufiger ein durch Therapeuten selbst angefertigtes, individuell angepasstes Hilfsmittel aus schnell aushärtenden, leichtgewichtigen Materialien verstanden, das im Rahmen von zeitlich kürzer intendierten Behandlungsphasen eingesetzt werden kann, um Extremitätenhaltungen oder -funktionen zu unterstützen. Häufig wird auch der Begriff „cast“ synonym eingesetzt, wobei hierbei zwischen einem die betroffene Extremität ganz – geschlossen – oder einem nur teilweise umschließenden Cast (wie eine Schiene) unterschieden wird.

Unter dem Begriff „Casting“ oder auch „serielles Casting“ ist der Therapieprozess eines sequenziellen Einsatzes von mehreren Casts in der Behandlung einer spastischen Kontraktur (eingeschränktes passives Bewegungsausmaß, pROM) zu verstehen. Hierbei wird durch seriell in speziellen intendierten Gelenkwinkeln angefertigte individualisierte Casts eine therapeutische Verbesserung des pROM der spastisch betroffenen Extremität intendiert. Eine prophylaktische Wirkung von Schienenbehandlung auf das Auftreten von spastisch erhöhtem Muskeltonus bei früher Anwendung im postakuten Stadium wenige Tage bis Wochen nach Schlaganfall ist nicht belegt (Lannin et al., 2007a) (Evidenzklasse 1b).

Bei spastisch erhöhtem Muskeltonus und Fehlhaltung liefert die vorliegende Literatur uneinheitliche Daten. Positive Effekte im Sinne einer Reduktion von spastischem Muskeltonus durch diverse starre, dynamische oder Lycra-Splints im Bereich von Ellbogen und Handgelenk (Gracies et al., 2000; Pizzi et al., 2005b) oder Sprunggelenk und Fuß (Iwata et al., 2003) werden beschrieben. Eine eindeutige Evidenz für eine Wirksamkeit eines isolierten nicht in Kombination mit anderen Verfahren eingesetzten Castings der oberen Extremität fehlt (Lannin und Herbert, 2003); die Mehrzahl der Studien weist jedoch nur kleine Fallzahlen oder methodische Mängel auf (Lannin et al., 2007b) (Evidenzklasse 1a).

In einem systematischen Review (Mills et al., 2016) konnte ein positiver Effekt von kombiniert eingesetztem Casting und lokalen chemischen Denervierungen auf spastische Kontrakturen gezeigt werden (Evidenzklasse 1a).

Die Kriterien, nach denen Schienen individuell modelliert werden, sind häufig in den Studien nicht beschrieben. Auch fehlen Daten, die den optimalen Zeitpunkt der Behandlung definieren.

Bei schweren Formen der spastischen Tonuserhöhung mit bereits bestehender Kontraktur, beispielsweise im Sprunggelenk, ist das serielle Anlegen von Gipsverbänden (geschlossenes Casting) als Behandlungsmethode und Stellungskorrektur der Fußhaltung zur Vertikalisierung von Betroffenen möglich (Stoeckmann, 2001).  


Empfehlungen

  • Eine regelmäßige Lagerung in bestmöglicher schmerzfreier Dehnung der spastischen Muskulatur, ggf. unterstützt durch intermittierende Schienenlagerungen über mehrere Stunden am Tag, wird zur Minderung von Muskeltonus und Vermeidung einer Kontrakturentwicklung beim UMNS empfohlen, soweit die Mobilisation in den betroffenen Gliedmaßenabschnitten nicht durch den Betroffenen selbst durch Aktivitäten (zum Beispiel Stehen) ausreichend erfolgen kann (starker Konsens).
  • Bei schweren Formen der spastischen Tonuserhöhung mit bereits beginnenden spastischen Kontrakturen, beispielsweise im Sprunggelenk oder in den Fingerflexoren, kann das serielle Anlegen von geschlossenen Casts (Casting) und auch Gipsverbänden alleine oder am besten in Kombination mit lokalen chemisch denervierenden Medikamentenbehandlungen empfohlen werden (starker Konsens).

Physikalische Therapie (thermische, Stoßwellen-, Elektrostimulations- und Magnetstimulationstherapie, Ganzkörpervibration)

Elektrostimulation

Die Elektrostimulation der Antagonisten spastischer Muskulatur am Arm kann die Spastizität mindern und den passiv eingeschränkten Bewegungsumfang (pROM) erweitern (Alfiere, 1982) (Evidenzklasse 3a) (Pandyan et al., 1997) (Evidenzklasse 2b).

Elektrische Stimulation des Muskel-Sehnen-Ansatzes spastischer Wadenmuskulatur zeigt einen Trend zur Minderung des spastischen Muskeltonus und kann dazu beitragen, funktionelle Gangparameter zu verbessern (Chen et al., 2005) (Evidenzklasse 2b).

In einem systematischen Review zur transkutanen elektrischen Nervenstimulation, TENS, mit 10 Referenzen, der 207 Patienten nach Schlaganfall, 84 Patienten mit Multipler Sklerose und 39 Menschen mit Querschnittlähmung eingeschlossen hat, wird auf die hohe Variabilität der Protokolle und die Schwierigkeit der Evaluation der Wirksamkeit der Methode hingewiesen (Fernandez-Tenorio et al., 2016) (Evidenzklasse 1a).

Ein systematischer Review zur Wirkung von TENS auf Extremitätenspastizität konnte zeigen, dass die Effekte stärker sind, wenn sie in Kombination mit aktiven Bewegungen eingesetzt werden (Mills und Dossa, 2016) (Evidenzklasse 1a).

Funktionelle Elektrostimulation (FES), der Einsatz einer neuromuskulären Elektrostimulation bei intendierten oder teilweise selbst auszuführenden Aktivitäten (z.B. Greifen und Hantieren oder Gehen) kann dazu beitragen, motorische Funktion an oberer und unterer Extremität zu verbessern. In den wenigen vorliegenden Studien konnte ein mindernder Effekt auf die spastische Tonuserhöhung nur an der unteren Extremität bei sequenzieller Mehrkanalstimulation dargestellt werden, parallel wurden in dieser Studie die Fußhebung und die Ganggeschwindigkeit durch den Einsatz von FES verbessert: In seitlich liegender Position, das paretische Bein oben, wurde über sequenzielle 4-Kanal-FES die physiologische Gangbewegung des paretischen Beins simuliert (Yan et al., 2005) (Evidenzklasse 1b).

Eine Oberflächenelektrostimulation im Bereich des thorakolumbalen Übergangs mittels Klebeelektroden, jeweils paravertebral beidseits auf Höhe Th12 und L1 positioniert, konnte einen spastischen Muskeltonus in den Beinen mindern und dazu beitragen, willkürliche Muskelaktivitäten in diesen zu verbessern (Wang et al., 2000) (Evidenzklasse 4 bei kleiner Fallzahl).

Eine chinesische Metaanalyse über 22 Studien (Cai et al., 2017) mit 1425 Teilnehmern legte nahe, dass eine Elektroakupunkturbehandlung, kombiniert mit einer regional üblichen physiotherapeutischen Routinebehandlung, bei Patienten im subakuten Stadium nach Schlaganfall mit spastischer Tonuserhöhung in Arm oder Bein diese reduzieren konnte und eine vermehrte aktive Bewegungsfähigkeit in den Extremitäten unterstützt wurde (Evidenzklasse 1a). Der zusätzliche Effekt auf die spastische Tonusstörung (erfasst mit der MAS) im betroffenen Arm war in der Metaanalyse gegenüber alleiniger Routinebehandlung von moderater Effektstärke (SMD –0,57; 95 % KI –0,84 bis –0,29), für das Bein von mittlerer bis großer Effektstärke (SMD –0,88; 95 % KI –1,42 bis –0,35) bei allerdings hoher Heterogenität der Effekte über Studien hinweg. Die erheblichen methodischen Schwächen der hier eingeschlossenen Studien („risk of bias“: Risiko für systematische Verzerrungen) und Hinweise auf einen Publikationsbias sprechen für eine niedrige Qualität der Evidenz (nach GRADE); diese und fehlende „Sham“-Bedingungen machen überschätzte Behandlungseffekte in dieser Metaanalyse wahrscheinlich („sham“: „Schein“-Bedingung mit äußerlicher Vergleichbarkeit, jedoch ohne den experimentell zu prüfenden Behandlungsaspekt). 


Empfehlungen

  • Eine mit Oberflächenelektroden applizierte Elektrostimulation der Antagonisten kann zur Therapie einer spastischen Tonuserhöhung am Arm eingesetzt werden (starker Konsens).
  • Bei der SMD der unteren Extremität können unterschiedliche Methoden der Elektrostimulation als ergänzende Therapie zur Behandlung der spastischen Tonuserhöhung und zur Verbesserung der Funktion bei SMD bei kritischer individueller Prüfung eines Behandlungseffekts eingesetzt werden (Elektrostimulation des Muskel-Sehnen-Ansatzes spastischer Wadenmuskulatur, zyklische FES) (starker Konsens).
  • Die Elektroakupunktur von Arm und Bein stellt für Patienten im subakuten Stadium nach Schlaganfall als Zusatzmaßnahme eine weitere Behandlungsoption dar, die sich positiv auf eine spastische Tonuserhöhung auswirken kann (starker Konsens).

Repetitive Magnetstimulation

Periphere repetitive Magnetstimulation (prMS) wurde über den Nervenwurzeln (paraspinal für die Innervation der Beinmuskeln) oder den spastischen Muskeln am Arm direkt angewendet; ob ein klinisch relevanter Behandlungseffekt erreicht werden kann, ist jedoch bislang aus den überwiegend vorliegenden Beobachtungsstudien mit kleineren Fallzahlen nicht klar ersichtlich (Beaulieu und Schneider, 2013). Ein Cochrane Review berichtet über eine randomisierte kontrollierte Untersuchung mit 63 Teilnehmern, die eine Reduktion der spastischen Tonuserhöhung des Ellbogens bei Patienten nach Schlaganfall nach prMS dokumentiert (MD –0,48, 95 % KI –0,93 bis –0,03) (MD = „mean difference“ – mittlere Differenz zwischen Experimental- und Kontrollgruppe; 95 % KI = 95 % Konfidenzintervall für MD). Der positive Effekt war nur 2 Wochen nach Abschluss der 2-wöchigen Therapie (2-mal pro Tag 20 Minuten prMS, 5-mal pro Woche) signifikant und nur für die Ellbogenbeuger, nicht für die Handgelenksbeuger (Momosaki et al., 2017) (Evidenzklasse 1b). 

Protokolle repetitiver transkranieller Magnetstimulation (rTMS, hochfrequente rTMS oder iTBS) über dem primär motorischen Beinareal mit angenommener erregbarkeitssteigernder Wirkung auf das Kortexareal wiesen bei Querschnittgelähmten im Vergleich zu „simulierter“ Stimulation eine stärkere Reduktion des spastischen Tonus nach (MD der Veränderungswerte bei der MAS –0,89, 95 % KI –1,40 bis –0,38); bei Patienten nach Schlaganfall konnten in diesem systematischen Review keine Effekte auf die spastische Tonuserhöhung am Arm belegt werden (Metaanalyse mit 6 Studien, 149 Teilnehmer) (Korzhova et al., 2016) (Evidenzklasse 1a).


Empfehlung

  • Die periphere repetitive Magnetstimulation (prMS) und die repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS) haben ein mögliches Behandlungspotenzial für eine spastische Tonuserhöhung an den Extremitäten. Die begrenzte Datenlage erlaubt noch keine Empfehlung für den klinischen Einsatz im Sinne einer Routinebehandlung; bei entsprechender Kompetenz des Behandlers im Umsetzen der Techniken stellen sie eine Behandlungsoption dar (starker Konsens).

Thermische Reizung

Abwechselnde tägliche Erwärmung und Kühlung der paretischen Hand hatte in einer Studie keinen sicheren anhaltenden Einfluss auf eine spastische Muskeltonuserhöhung gezeigt (Chen et al., 2005) (Evidenzklasse 1b). Eine Empfehlung für thermische Reize in der Behandlung der SMD kann nicht gegeben werden (starker Konsens).

Ganzkörpervibration

Es gibt bislang keine belastbaren Studienergebnisse, die eine Wirksamkeit von Ganzkörpervibrationen auf eine Extremitätenspastik bei Erwachsenen, z.B. nach Schlaganfall oder bei Multipler Sklerose konsistent nachweisen oder ausschließen, wie ein systematischer Review mit insgesamt 13 RKS und 266 Teilnehmern zeigte (Huang et al., 2017) (Evidenzklasse 1a). Eine antispastische Wirkung auf eine spastische Tonusstörung der Beine zeigte sich nur bei Kindern mit infantiler Zerebralparese. Unerwünschte Wirkungen sind in den Studien nicht ausreichend systematisch dokumentiert, schwerwiegende Nebenwirkungen wurden nicht berichtet.


Empfehlung

  • Ganzkörpervibration kann bei fehlenden schweren Nebenwirkungen zur Behandlung einer spastischen Tonuserhöhung eingesetzt werden; der Einsatz bedarf allerdings einer kritischen individuellen Prüfung der Behandlungseffekte im Einzelfall (starker Konsens).

Extrakorporale Stoßwellentherapie

Extrakorporale Stoßwellentherapie (ESTW) kann, wie z.B. für spastische Tonuserhöhung in Finger- und Handgelenksflexoren nachgewiesen, eine über Wochen anhaltende Minderung von spastisch erhöhtem Muskeltonus mit korrespondierender Erweiterung des Bewegungsumfangs bewirken (Manganotti et al., 2005) (Evidenzklasse 2b). Die Datenlage ist allerdings noch begrenzt (Dymarek et al., 2016): In 2016 lagen 8 Studien mit 195 Teilnehmern, davon 1 randomisierte kontrollierte Studie, mit ESTW oder Oberflächen- Elektrostimulation von Fingerflexoren nach lokalem Einsatz von Botulinumtoxin A mit besserer Reduktion der spastischen Tonuserhöhung nach ESTW im Vergleich zur Elektrostimulation vor. Die begrenzte Evidenz und der bisher nicht gut belegte Wirkmechanismus lassen für den klinischen Alltag bisher noch keine Empfehlung der extrakorporalen Stoßwellentherapie (ESTW) zu (starker Konsens).

Nicht medikamentöse Behandlung der spastischen Bewegungsstörung bei Multipler Sklerose (MS)

Im Rahmen zentraler Lähmungen bei Großhirn-, Hirnstamm- und Rückenmarkbeteiligung ist die SMD ein häufig behinderndes Syndrom bei MS. So unterschiedlich die ggf. auch kombinierten Schädigungsorte im ZNS sind, so unterschiedlich ist auch die Ausprägung von Paresen und spastischer Tonuserhöhung, Klonus oder Spasmen und auftretender Synergien im Einzelfall. Aber auch mögliche Kombinationen mit schmerzhaften Sensibilitäts- und Koordinationsstörungen und das Phänomen der vorzeitigen Ermüdbarkeit werden nicht selten beobachtet. Das Syndrom der Fatigue ist bei den Patienten mit MS individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt. Das Management und die Behandlung der spastischen Bewegungsstörung sind daher bei Patienten mit MS sehr individuell festzulegen und richten sich jeweils nach den individuellen Symptomausprägungen im Kontext mit einer Koordinations- und Sensibilitätsstörung und des Fatiguesyndroms.

Auch wenn es entsprechend nicht leicht ist, systematische Evidenz zu generieren, so gibt es doch klinische Studien, die die symptomatische Behandlung der SMD bei MS in den Fokus nehmen. In einem Cochrane Review (Amatya et al., 2013) wurden neun randomisierte kontrollierte Studien (RKS) (N = 341 Teilnehmer, 301 in qualitative Analysen eingeschlossen) berücksichtigt, die unterschiedliche nicht medikamentöse Verfahren und Intensitäten zur Behandlung der spastischen Tonusstörung bei Erwachsenen mit MS untersuchten (Evidenzklasse 1a). Dazu zählten Programme mit physischer Aktivität (wie Physiotherapie, strukturierte Übungsprogramme, Klettersport), transkranielle Magnetstimulation (repetitive transkranielle Magnetstimulation, rTMS und die Sonderform der Intermittent Theta Burst Stimulation, iTBS), elektromagnetische Therapie (gepulste elektromagnetische Therapie), transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) und Ganzkörpervibration (GKV). Die Evidenz aller in die Bewertung eingeschlossenen Studien wurde als qualitativ „niedrig“ nach GRADE eingeschätzt (GRADE: Grades of Recommendation, Assessment, Development and Evaluation) (GRADE working group, 2004), d.h. mit hohem Risiko für systematische Verzerrung eingeschätzt. Programme mit physikalischer Aktivität und iTBS/rTMS konnten Spastik bei Erwachsenen mit MS verbessern. Keine nachweisliche Wirksamkeit auf die SMD bei MS wurde für TENS, GKV oder sportliches Klettern gefunden.

Ein neuerer systematischer Review systematischer Reviews zu Rehabilitationsmaßnahmen bei MS fand keine weiteren Reviews, die zur Behandlung der SMD bei MS einen Beitrag lieferten (Khan et al., 2017a).


Empfehlung

  • Die Behandlung der spastischen Bewegungsstörung bei MS-Patienten ist individuell auf die körperliche und rehabilitative Gesamtsituation des betroffenen Individuums abzustimmen. Dabei gelten zur Behandlung mit nicht medikamentösen Verfahren die für Patienten nach Schlaganfall gemachten Empfehlungen analog (starker Konsens).

Nicht medikamentöse Behandlung von Spastik der Querschnittlähmung und anderen klinischen Syndromen und Krankheitsbildern

Bei Menschen mit Querschnittlähmung sind die Behandlungsschwerpunkte und möglichen Behandlungsziele stark von der Höhenlokalisation der Rückenmarksschädigung und dem Ausmaß der Querschnittlähmung abhängig. Ein erhöhter Muskeltonus in den Beinen kann z.B. bei Paraplegie den Transfer über die Beine bei passiver Mobilisation erleichtern, da diese mit einem gewissen Tonus gegen die Schwerkraft agieren oder von Pflegenden als „kompakter“ empfunden werden. Eine stärkere spastische Tonuserhöhung aber, speziell einschießende Spasmen (Streck- oder Beugespasmen), ein nicht erschöpflicher Klonus, spastische Synergien mit Bewegungseffekten als positive Enthemmungsphänomene des UMNS können jedoch auch Lagerung und Mobilität erheblich erschweren oder einschränken und eine relevante Störung der Schlafqualität verursachen. Oftmals kommt es auch zu positionsabhängigen oder durch Berührung ausgelösten starken einschießenden Spasmen, die das Liegen oder auch Sitzen oder gar die Atmung behindern können. Regelmäßiges Durchbewegen, auch passives Bewegen und geräteunterstützte Bewegungen helfen, diese störenden positiven Phänomene des UMNS und speziell den spastischen Muskeltonus zu reduzieren. Gleiches gilt für die Vermeidung bzw. adäquate Behandlung von Spastik-Triggern wie Konstipation, Harnwegsinfekten oder Dekubitalulzera.

Für Menschen mit Querschnittlähmungen wurde in einem systematischen Review (195 Teilnehmer) 1 Studie dokumentiert, bei der eine Ganzkörpervibration für 6–8 Tage anhaltend eine Reduktion des spastischen Muskeltonus bewirkte, bzw. 9 Studien, die bei fokaler Vibration eine Reduktion von spastischem Tonus für bis zu 24 Stunden zeigten (Sadeghi und Sawatzky, 2014; Khan et al., 2017b).

Die Nutzung von Exoskeletten für technisch unterstütztes Gehen oder Gangtraining bei Querschnittgelähmten hat bei einem Teil der Patienten (ca. 1/3) eine positive Auswirkung auf die spastische Tonuserhöhung in den Beinen gezeigt (Miller et al., 2016) (Evidenzklasse 2a). Dies kann ein individuell relevanter Zusatznutzen der Behandlung mit mobilen Exoskeletten sein.

Es gibt Hinweise, dass bei inkompletter Querschnittlähmung eine exzitatorische hochfrequente rTMS (oder iTBS) über dem parasagittalen motorischen Kortex (Beinkortex) die spastische Tonuserhöhung in den Beinen gerade auch in Kombination mit Gangtraining verbessert (Kumru et al., 2016; Nardone et al., 2017) (Evidenzklasse 1b).


Empfehlungen

  • Bei Menschen mit Querschnittlähmung und anderen Patientengruppen erfolgt die Behandlung der SMD unter Berücksichtigung der körperlichen und funktionellen Behandlungsziele und unter klinischer Evaluation der Behandlungseffekte (starker Konsens).
  • Dabei kann speziell bei Menschen mit Querschnittlähmung die Ganzkörpervibration zum Einsatz kommen (starker Konsens).
  • Die exzitatorische rTMS des motorischen Beinkortex inkomplett Querschnittgelähmter stellt evtl. eine Option dar, wenn die SMD mit dem Ziel, die Gehfähigkeit zu unterstützen, behandelt werden soll. Bei begrenzter Datenlage erfolgt noch keine Empfehlung für die Routineversorgung; bei entsprechender Kompetenz des Behandlers stellt die rTMS eine Behandlungsoption bei inkomplett Querschnittgelähmten dar (starker Konsens).

Medikamentöse Therapie

Die Auswahl der folgenden Pharmakotherapien wird wie auch die SMD anderer Ursache vorwiegend von der Verteilung der Spastizität über den Körper (fokal, multifokal, segmental, generalisiert) und der Läsionslokalisation (spinale oder zerebrale Spastizität) und damit von unterschiedlichen Nutzen-Risiken-Konstellationen beeinflusst.

Die Entscheidung über einen medikamentösen Behandlungsansatz für einen individuellen von einer spastischen Bewegungsstörung betroffenen Patienten sollte wie angemessen und in generellen Behandlungsrichtlinien niedergelegt unter Berücksichtigung der zu erwartenden positiven Behandlungseffekte auf das Zielsymptom und unter Beachtung des zu erwartenden Nebenwirkungsprofils der eingesetzten Pharmakotherapie, also einer expliziten individuellen Nutzen-Risiken-Abwägung, erfolgen. Ferner sind die Akzeptanz einer Behandlungsform seitens des Betroffenen und die praktische Verfügbarkeit und Umsetzbarkeit einer Behandlung zu beachten.

Da dies individuell und regional variierende Faktoren sind, nimmt die Leitlinie die Nutzen-Risiken-Abwägung stärker in den Fokus, die im Sinne möglicher unerwünschter Wirkungen gerade bei der medikamentösen Therapie besonders zu beachten ist. Ihre Empfehlungen sind dann im Kontext der konkreten Einzelfall-Entscheidung weiter zu bewerten und zu gewichten.

Grundsätzlich ist bei der medikamentösen Therapie der SMD zu bedenken, dass Hirnschädigungen, die zu einer spastischen Tonusstörung führen, im Gegensatz zu reinen Rückenmarksläsionen häufiger beim Einsatz von oraler Pharmakotherapie mit einer verminderten Toleranz gegenüber zentralen Begleiteffekten dieser Pharmaka kombiniert sind.

Orale antispastische Therapie

Die in Deutschland zugelassenen und am häufigsten eingesetzten oralen antispastischen Medikamente sind Baclofen (Gamma-Amino-Buttersäure-[GABA-]B-Agonist) und Tizanidin (zentraler Alpha2-Agonist). Des Weiteren werden trotz fehlender Zulassung auch Benzodiazepine (GABA-A-Agonisten) eingesetzt. Dantrolen (Muskelrelaxation durch Hemmung der Ca-Ionen-Freisetzung im Muskel) ist ein an der motorischen Endplatte wirkendes Agens, zugelassen für „spastische Syndrome mit krankhaft gesteigerter Muskelspannung unterschiedlicher Ätiologie“. Tolperison (zentral wirksam durch Blockade des Natrium-Einstroms an Neuronen) hat in Deutschland nur noch die Zulassung für die Behandlung von Spastizität nach Schlaganfall. Ein aus 2 Cannabis-Derivaten (Tetrahydrocannabinol und Cannabidiol im Verhältnis 50 % THC zu 50 % CBD) bestehendes oromukosales Spray (Sativex®, Almirall Hermal GmbH, Reinbek, Deutschland) ist ausschließlich für die mit MS assoziierte spastische Tonuserhöhung besonders wirksam gegen schmerzhafte Spasmen zugelassen (Übersichten bei Noth, 1991; Montané et al., 2004; Taricco et al., 2006; Lakhan u. Rowland, 2009; Olvey et al., 2010; Wade et al., 2010) (siehe Tabelle 1).

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Zentral wirksame Antispastika bewirken oftmals eine Abnahme der Erregbarkeit von spinalen Interneuronen und damit von Motoneuronen. Sie weisen (dosisabhängig) relativ häufig Nebenwirkungen, insbesondere Sedation und Abnahme von Muskelkraft, auf (Corston et al., 1981; Lapierre et al., 1987; Duncan et al., 1976; Stien et al., 1987; Bass et al., 1988).

Daher ist in der Regel eine kritische Indikationsstellung notwendig und eine einschleichende Dosierung zu empfehlen. Das Auftreten von Sedation erscheint bei Menschen mit Hirnschädigungen (z.B. Schlaganfall und MS) häufiger als bei Menschen mit Querschnittlähmungen. Im Vergleich werden Baclofen stärker sedierende und kraftmindernde Eigenschaften, Tizanidin vor allem eine Zunahme von Mundtrockenheit und Benommenheit zugeschrieben, insbesondere in Kombination mit Antihypertensiva auch eine signifikante Blutdruckabsenkungen zugeordnet (Chou et al., 2004; Taricco et al., 2006). Dantrolen sollte wegen der potenziellen Hepatotoxizität (0,7–1 %; schwere Hepatitis oder Leberversagen 0,1–0,2 %) (Pinder et al., 1977) (und der Verstärkung der Paresen) nur unter strenger Indikationsstellung eingesetzt werden; ein Grund für seinen Einsatz kann sein, dass es keinen ZNS-Wirkansatz hat und daher bei zerebral schwer geschädigten Personen Vorteile haben kann.

Antispastika können eine spastische Tonusstörung mindern, wie mit den entsprechenden Skalen (z.B. Ashworth Scale) in vergleichsweise wenigen Studien nachgewiesen wurde; dies ist jedoch meist nicht mit einer Verbesserung von Alltagsaktivitäten einhergehend (Katrak et al., 1992; Medaer et al., 1991; Meythaler el al., 2001; Wissel et al., 2006) (Evidenzklasse 1b bzw. 2b). Bei einer Begrenzung auf placebokontrollierte Vergleiche der Wirksamkeit eines oralen Antispastikums für die Behandlung einer spastischen Tonuserhöhung bei Patienten nach Schlaganfall im chronischen Stadium aus RKS fällt die Begrenztheit der Datenlage auf: In einem systematischen Cochrane Review (Lindsay et al., 2016), der auch diese Frage stellte, wurden lediglich 2 RKS (160 Teilnehmer) hierzu gefunden, mit einem positiven Wirksamkeitsnachweis und einem fehlenden. In der Metaanalyse waren die antispastischen Effekte nicht abzusichern (MAS, Odds Ratio für Response 1,66, 95 % KI 0,21–13,07; n.s.; 2 Studien, 160 Teilnehmer); gleichzeitig war aber das Risiko für unerwünschte Wirkungen signifikant erhöht (Odds Ratio für Nebenwirkungen 1,65, 95 % KI 1,12–2,42; 2 Studien, 160 Teilnehmer) (Evidenzklasse 1a). Das macht die Problematik des ungünstigen Verhältnisses von Nutzen und Nachteilen, gerade bei Personen mit Hirnschädigungen, deutlich.

Funktionelle Vorteile gegenüber einer Baclofen-Therapie wurden für Tolperison und im Vergleich zu Diazepam für Tizanidin bei Patienten nach Schlaganfall beobachtet (Stamenova et al., 2005; Bes et al., 1988) (Evidenzklasse 1b), positive ADL-Aspekte wurden für Dantrolen dokumentiert (Pinder et al., 1977) (Evidenzklasse 1a).

Besonders dann, wenn die spastische Tonusstörung mit deutlichen Paresen einhergeht, ist die Wirkung dieser Medikamente durch die pharmakologische Verstärkung der zentralen Paresen bei mobilen Patienten limitiert. Bei Erkrankungen, bei denen der spastische Muskeltonus bei noch erhaltener aktiver Beweglichkeit stark erhöht ist, kann eine lokale oder orale antispastische Therapie Funktionsverbesserungen bewirken. Paraplegische Patienten mit Paraspastik und immobile Patienten mit generalisierter spastischer Tonuserhöhung profitieren von einer oralen antispastischen Therapie durch Reduktion von Spasmen, Verbesserung der aktiv-passiven Mobilisierung und Erleichterung der Pflegbarkeit am ehesten.

Limitierend für Dosierungen sind bei den zentral wirksamen Medikamenten oftmals die zentralnervösen unerwünschten Wirkungen besonders auf den Antrieb und neuropsychologische Funktionen. Die medikamentöse Behandlung, auch als Kombinationsbehandlung, ist wegen der besseren Tolerabilität bei fehlender Gehirnschädigung wie z.B. bei Querschnittgelähmten oftmals besser möglich als bei Patienten mit Gehirnschädigungen. Es gibt jedoch Hinweise aus einer multizentrischen Kohortenstudie (1259 Menschen mit Querschnittlähmungen), dass die rehabilitativen Fortschritte (gemessen mit dem motorischen FIM) im subakuten Stadium nach traumatischer Querschnittlähmung unter Einsatz antispastischer Medikamente während der stationären Behandlung geringer waren als ohne; nach 1 Jahr waren die funktionellen Ergebnisse wieder vergleichbar (Theriault et al., 2016) (Evidenzklasse 2c). Die klinische Erfahrung zeigt aber auch das Gegenteil: Manche Querschnittgelähmte sind erst unter einer adäquaten, ggf. auch medikamentösen Spastikreduktion in der Lage, ihre aktiven Funktionen, die vorher spastiküberlagert waren, alltagsrelevant zu nutzen.

Beim Einsatz des aus Cannabis-Derivaten (Tetrahydrocannabinol und Cannabidiol) bestehenden oromukosalen Sprays (Sativex, in alkoholischer Lösung) bei Patienten mit MS und SMD, die mit anderen Behandlungen nicht ausreichend therapierbar ist, wird empfohlen, darauf hinzuweisen, dass begleitende „Spastik-Symptome“ (wie Spasmen, Schlafstörungen und Schmerzen), aber nicht unbedingt die „objektivierbare Spastik“ (gemessen in AS oder MAS) gemindert werden (Yadav et al., 2014).

Ein weiteres für die Behandlung von Spastizität allerdings nicht zugelassenes Medikament ist Gabapentin (Cutter et al., 2000), für das positive Effekte bei MS-assoziierter Spastik und Spasmen beschrieben wurden.


Empfehlungen

  • Die genannten oralen Pharmaka reduzieren häufig erst im oberen Bereich der therapeutischen Dosierung eine spastische Tonuserhöhung. Allerdings weisen die meisten oralen Antispastika eine geringe therapeu-tische Breite auf, sodass auch bei einschleichenden Dosierungen, in Dosisbereichen, die erforderlich sind, um Spastizität relevant zu mindern, nicht selten unerwünschte Wirkungen, besonders bei Menschen mit Hirnläsionen, auftreten. Diese bestehen vor allem in der Schwächung funktionell relevanter Muskeln und in einer Sedierung, Antriebsstörung und häufig einer Verschlechterung neuropsychologischer Defizite durch eine vorhandene Hirnschädigung.
  • Orale Antispastika sollten nur eingesetzt werden, wenn eine alltagsrelevante Spastizität (mit Beeinträchtigungen von passiven und/oder aktiven Funktionen) trotz adäquater physikalischer und therapeutischer Maßnahmen nicht ausreichend kontrolliert werden kann (starker Konsens).
  • Indikationen für den Einsatz oraler Antispastika sind häufig eine stärker ausgeprägte nicht fokale, multifokale, also schwere segmentale Spastizität im Sinne einer ausgeprägten Hemispastik, Paraspastik als Form der segmentalen Spastizität oder eine generalisierte Spastizität im Sinne einer Tetraspastik bzw. auch einschießende nächtliche Spasmen nach Schlaganfall oder Schädel-Hirn-Trauma (starker Konsens).
  • Minus-Symptome einer Schädigung des oberen motorischen Neurons (Lähmung, gestörte Willkürinnervationsfähigkeit) sind nicht Teil der SMD und stellen keine Indikation für eine orale Antispastika-Therapie dar (starker Konsens).
  • Bei der fokalen Spastik hat in der Regel eine fokale medikamentöse Injektionsbehandlung mit Botulinumtoxin A (BoNT A) ein besseres Nutzen-Risiken-Verhältnis (s.u.) und sollte, soweit umsetzbar, vor dem Gebrauch oraler Antispastika eingesetzt werden (starker Konsens).
  • Der zusätzliche Einsatz oraler Antispastika in niedriger nebenwirkungsfreier Dosierung kann auch bei der Behandlung der fokalen Spastik mit BoNT A bei begleitenden generalisierten Phänomenen (Spasmen) bedacht werden (starker Konsens).
  • Die Auswahl des Medikaments richtet sich nach der individuell begründeten Indikation und individuellen Abwägungen von Wirkungs- und Nebenwirkungsprofil; die Dosierung erfolgt einschleichend unter Berücksichtigung von Wirkung und Nebenwirkung; Kombinationen von oralen Antispastika mit unterschiedlichem Wirkansatz sind klinisch üblich, insbesondere bei spinaler Spastik, und sollten, soweit erforderlich, unter Berücksichtigung der genannten Grundsätze bedacht werden (starker Konsens).

Botulinumneurotoxin A (BoNT A)

BoNT A wird zur lokalen Behandlung fokaler, multifokaler, segmentaler Spastizität und Hemispastik eingesetzt. Zu diesem Zweck erfolgt in der klinischen Praxis vor einer Behandlung zunächst eine Analyse (1) der individuell bei dem Betroffenen funktionell relevanten „klinischen Spastik-Muster“ (Englisch: „spastic pattern“). Es werden an der oberen Extremität z.B. das „adduzierende und innenrotierte“ von dem „abduzierenden und retrovertierenden Schulter-Muster“, das „flektierte“ von dem „extendierten Ellbogen-Muster“, das „flektierte“ von dem „extendierten Handgelenks-Muster“, die „Fausthaltung“ von dem „Lumbrikalhand-Muster“ und das „Daumen in der Hand“-Muster von einem „Daumenendgelenksflexions-Muster“ differenziert. An der unteren Extremität werden das „Hüftflexions-“ und das „Adduktions-Muster“, das „steife Knie-“ oder „gebeugte Knie-Muster“, das „spastischer pes equinus-“ vom spastischen „pes equinovarus-Muster“ und die „striatale Großzehe“ und das „flektierte Zehenmuster“ unterschieden, (2) die an diesen klinischen identifizierten relevanten Spastik-Mustern relevant beteiligten Muskeln pro Spastik-Muster bestimmt (z.B. beim Ellbogenbeuge-Muster sind häufig die Mm. biceps brachii, brachialis und brachioradialis beteiligt) sowie (3) eine Planung der notwendigen Dosierung für die verschiedenen BoNT A-Produkte zur adäquaten Behandlung der Muskelgruppen und der insgesamt für die adäquate Behandlung der spastischen Bewegungsstörung in einer Sitzung notwendigen Dosis der BoNT A-Produkte durchgeführt.

Zur Verbesserung der Genauigkeit der Injektionen von BoNT A in die so ausgewählten Zielmuskeln dienen Kontrolltechniken wie die ultraschall-kontrollierte, die EMG-kontrollierte oder die elektrostimulationskontrollierte Injektionstechnik, die einer rein manuellen Lokalisation der BoNT A-Injektionen bei der Spastikbehandlung der oberen und unteren Extremität mit BoNT A überlegen sind (Grigoriu et al., 2015) (Evidenzklasse 1a).

In Deutschland stehen derzeit drei BoNT A-Präparate zur Verfügung, sie sind zugelassen für die Behandlung der fokalen und multifokalen Spastizität (für die einzelnen Präparate unterschiedlich, siehe Fachinformation). AbobotulinumtoxinA/Dysport® und OnabotulinumtoxinA/Botox® haben die Zulassung für die Behandlung der oberen und unteren und IncobotulinumtoxinA/Xeomin® die Zulassung für die obere Extremität. Auch sind in der Indikation „Spastizität“ bzgl. der Ätiologie nicht alle Produkte in gleicher Weise zugelassen, so kann Abo- und Incobotulinumtoxin auch bei anderen Ätiologien als nur bei Schlaganfall eingesetzt werden.

Internationale Arbeitsgruppen sprechen sich für einen analogen Einsatz der verschiedenen BoNT A-Produkte auch bei anderen spastischen Mustern und Ätiologien aus, wie z.B. die Hüftbeuge- und Adduktorenspastizität (Wirksamkeit placebokontrolliert belegt) und auch sonstige funktionell relevante Beinspastik bei Schlaganfall und nach Schädel-Hirn-Trauma (Wissel et al., 2017) und bei der Multiplen Sklerose (Dressler et al., 2017); dies stellt jedoch eine sogenannte Off-label-Nutzung der Produkte dar und kann ohne explizite Kostenzusage der jeweiligen Kostenträger im ambulanten Bereich auch aktuell noch zu Regressforderungen gegenüber dem anwendenden Arzt führen; zudem bestehen die besonderen haftungsrechtlichen Bedingungen einer Off-label-Behandlung. Die Datenlage aus klinischen Studien (überwiegend offene Anwendungsbeobachtungsstudien) ist groß und zeigt auch funktionelle Verbesserungen bei multifokalem Einsatz, auch im sogenannten Off-label-Bereich (Wissel et al., 2017; Schramm et al., 2014; Safarpour et al., 2017).

Behandlung der spastischen Tonus- und Funktionsstörung der oberen Extremität

Zahlreiche kontrollierte Studien und mehrere Metaanalysen zeigen eine dosisabhängige effektive Reduktion eines spastischen Muskeltonus und eine Verbesserung der passiven Beweglichkeit (pROM) und Funktion (DAS) von betroffenen Gelenken durch einmalige und wiederholte intramuskuläre Injektionen von BoNT A (AbobotulinumtoxinA/Dysport®, OnabotulinumtoxinA/Botox®, IncobotulinumtoxinA/Xeomin®) in Muskeln der oberen Extremität mit spastisch erhöhtem Muskeltonus im chronischen Stadium nach Schlaganfall und anderen Ätiologien (van Kujik et al., 2002; Turkel et al., 2006; Simpson et al., 2008; Kanovski et al., Gracies et al., 2017) (Evidenzklasse 1a).

Bei schwer betroffenen Armen wird durch eine BoNT A-Applikation eine Verbesserung passiver Funktionen, vor allem eine Erleichterung der Pflege und Integrierbarkeit des spastischen Armes im Alltag erreicht (Baker und Pereira, 2015) (Evidenzlevel 1a). Die Evidenzqualität für die 11 in einer Meta-analyse eingeschlossenen Studien zur Behandlung der Armspastik war moderat (nach GRADE). Ein signifikantes Ergebnis der BoNT A-Therapie wurde für 4 bis 12 Wochen nach Injektion (SMD 0,80, 95 % KI 0,55–1,06; P < 0,0001) und bis zu 6 Monaten anhaltend festgestellt (SMD 0,48, 95 % KI 0,34–0,62;
P < 0,0001).

Bei einem Teil der Patienten mit Armspastik kann durch gezielte BoNT A-Injektionen eine Verbesserung aktiver Funktionen erreicht werden (Baker und Pereira, 2016) (Evidenzklasse 1a). Die Evidenzqualität für die 6 in einer Meta-analyse eingeschlossenen Studien zur Behandlung der Armspastik mit Effekten auf Armaktivitäten war niedrig bis sehr niedrig (nach GRADE). Ein signifikantes Ergebnis der BoNT A-Therapie wurde für 4 bis 12 Wochen nach Injektion (SMD 0,32, 95 % KI 0,01–0,62; P = 0,04) und – nur für den Action Research Arm Test, ARAT – bis zu 6 Monaten anhaltend festgestellt (Mittelwertsdifferenz für ARAT-Werte: Mean Difference, MD 1,87, 95 % KI 0,53–3,21, P = 0,006).

In einer randomisierten kontrollierten Studie mit AbobotulinumtoxinA konnte eine Zunahme der aktiven Finger- und Handgelenksextension bei Injektion von BoNT A in die Fingerflexoren gezeigt werden (Gracies et al., 2017) (Evidenzklasse 1b). Zur Behandlung einer fokalen Spastizität nach Schlaganfall ist BoNT A einer oralen antispastischen Medikation mit Tizanidin sowohl hinsichtlich der Wirksamkeit (Abnahme des Muskeltonus) als auch der Nebenwirkungen überlegen (Simpson et al., 2009) (Evidenzklasse 1b).

Behandlung des spastischen Spitzfußes mittels BoNT A

Für AbobotulinumtoxinA und OnabotulinumtoxinA konnte eine effektive Reduktion eines spastischen Muskeltonus im oberen Sprunggelenk durch intramuskuläre Injektionen von BoNT A in die Wadenmuskulatur im chronischen Stadium mit spastisch erhöhtem Muskeltonus für beide Produkte nach Schlaganfall gezeigt werden (Pittock et al., 2003; Kaji et al., 2010; Wein et al., 2018; Gracies et al., 2017) (Evidenzklasse 1b). Damit einhergehend konnten nach einer BoNT A-Injektion allerdings keine signifikanten Verbesserungen von Gangparametern erzielt werden, wohl aber ein verminderter Einsatz von Hilfsmitteln und eine Verbesserung der „Clinical Global Impression Scale“ gezeigt werden (Pittock et al., 2003; Wein et al., 2018; Gracies et al., 2017).

Ein bestehender Klonus wird ebenfalls durch eine BoNT-Behandlung verbessert, wie überwiegend Beobachtungsstudien und Fallserien zeigten (14 Studien, 181 Patienten; Evidenzklasse 3a) (Thanikachalam et al., 2017).

Bei Behandlung der Hüft- und Kniespastik mittels BoNT A (AbobotulinumtoxinA, OnabotulinumtoxinA und IncobotulinumtoxinA) konnte eine Reduzierung des Muskeltonus in den Hüft- und Oberschenkelmuskeln bei spastischer Bewegungsstörung im Hüft- und Kniegelenk im chronischen Stadium der Spastizität unterschiedlicher Ätiologie (Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma, Multiple Sklerose und andere) und damit eine Verbesserung der Mobilität erreicht werden (Hyman et al., 2000;, Rosales et al., 2016; Baker und Pereira, 2016; Wissel et al., 2017) (Evidenzklasse 1b).

In einer offenen Dosiseskalationsstudie konnte mit IncobotulinumtoxinA in den Dosisstufen 400, 600 und 800 Einheiten IncobotulinumtoxinA pro Injektionssitzung bei steigender Anzahl von behandelten Muskeln pro Eskalationsstufe nahezu eine Verdoppelung der Anzahl der Patienten erreicht werden, die unabhängig von „Hands on“-Hilfe gehfähig waren, ohne dass es zu einer Zunahme von Nebenwirkungen bei höheren Dosisstufen kam (Wissel et al., 2017) (Evidenzklasse 2b).

Bei BoNT A-Einsatz in der subakuten Phase (< 3 Monate) nach Schlaganfall mit Arm- und Beinspastizität konnten in einem systematischen Review mit Metaanalyse (jeweils 3 Studien) signifikante Reduktionen der geschwindigkeitsabhängigen Tonuserhöhung über mehr als 3 Monate dokumentiert werden, wohingegen keine stärkeren Funktionszugewinne und keine Verbesserung der Behinderung erzielt wurden (Rosales et al., 2016) (Evidenzklasse 1a). In einzelnen in den systematischen Review (Rosales et al., 2016) einbezogenen randomisierten Studien konnte eine verminderte Häufigkeit von Fingermuskelverkürzungen mit Verbesserung der Handhygiene erfasst werden (Hesse et al., 2012; Rosales et al., 2012) (Evidenzklasse 1b). Der systematische Review mit der Frage, ob durch BoNT A-Injektionen eine Pflegeerleichterung erreicht wird, kam bei einer Metaanalyse mit 3 RKS zum Ergebnis, dass solche Effekte nicht durch die Ergebnisse abgesichert werden können (Baker und Pereira, 2015) (Qualität nach GRADE: sehr niedrig; Evidenzklasse 1a). Analoges gilt auch für aktive Funktionen (Baker und Pereira, 2016) (6 RKS; Qualität nach GRADE: sehr niedrig; Evidenzklasse 1a).

Behandlung von spastikassoziierten Schmerzen mittels BoNT A

Eine Minderung von durch Bewegung induzierten spastikassoziierten Schmerzen in spastischen Bewegungssegmenten nach Injektionen von OnabotulinumtoxinA an oberer und unterer Extremität im akuten und chronischen Stadium mit Spastizität wurde in einem Kollektiv von 60 Patienten in einer offenen Beobachtungsstudie und einem Kollektiv von 273 Patienten in einem randomisierten, placebokontrollierten Studiendesign mit unterschiedlicher Ätiologie der Spastizität dargestellt (Wissel et al., 2000 und 2016) (Evidenzklasse 1b) und in mehreren Fallserien beschrieben. Auch spastikassoziierte Schulterschmerzen lassen sich durch Injektionen von AbobotulinumtoxinA und OnabotulinumtoxinA günstig beeinflussen (Yelnik et al., 2007; Lim et al., 2008) (Evidenzklasse 1b).

Individuell ist zwischen neuropathischen sowie nozizeptiven Schmerzen und Spastizität und deren Interaktion zu differenzieren, entsprechend ist die Behandlung vorzunehmen (Finnerup, 2017).

Adjuvante Therapie zur BoNT A-Behandlung

In einem systematischen Review (ohne Metaanalyse) mit 9 randomisierten Studien (7 mit neuromuskulärer Elektrostimulation, 2 mit funktioneller Elektrostimulation; 182 Teilnehmer) wurde gezeigt, dass mit adjuvanter Elektrostimulationstherapie der Effekt von BoNT A-Injektionen auf eine spastische Tonuserhöhung verstärkt werden kann (Intiso et al., 2017) (Evidenzklasse 1a). In jeweils einer dieser Studien wirkte die zusätzliche Elektrostimulation stärker auf die spastische Tonuserhöhung nach BoNT A-Behandlung als zusätzliches Dehnen und Taping bzw. weniger als eine Stoßwellentherapie. Die neuromuskuläre Elektrostimulation wurde in den Studien meist für 30 Minuten, 1- bis 6-mal pro Tag für 3 bis 5 Tage nach der Injektion durchgeführt.

In einem weiteren systematischen Review wurden 17 Studien eingeschlossen: Es zeigte sich, dass die BoNT A-Wirkung durch verschiedene adjuvante Therapien verbessert werden konnte (Mills et al., 2016). So wurde ein Zusatznutzen im Sinne einer stärkeren Tonusreduktion (MAS ≥ 1) im Vergleich zu BoNT A alleine nachweislich für eine begleitende Physiotherapie, mCIMT, Elektrostimulation, ein Casting und eine dynamische Splint-Behandlung belegt, nicht aber für Taping, segmentale Muskelvibration, zyklische funktionelle Elektrostimulation oder motorisiertes Arm-Ergometer (Evidenzklasse 1a). Beispiele aus einzelnen Studien sind:

Nach einer BoNT A-Behandlung spastischer Wadenmuskulatur zeigte eine einwöchige Casting- Behandlung und etwas geringer ausgeprägt eine einwöchige Taping-Behandlung nach 3 Monaten bessere Resultate bzgl. der spastischen Tonuserhöhung, des passiven Bewegungsausmaßes und der Gehausdauer (6-Minuten-Gehtest) als physiotherapeutische Dehnung (Carda et al., 2011) (Evidenzklasse 1b). In einer anderen randomisierten kontrollierten Studie zum spastischen Spitzfuß konnte kein relevanter Zusatzeffekt des Taping nachgewiesen werden (Karadag-Saygi et al., 2010) (Evidenzklasse 1b). In einer kontrollierten Studie bei Patienten mit Multipler Sklerose wurde eine verbesserte Effektivität der BoNT A-Behandlung auf eine Tonuserhöhung der Adduktorenmuskulatur durch den Einsatz von zusätzlicher Physiotherapie gegenüber einer BoNT A-Injektionsbehandlung ohne begleitende Therapien gezeigt (Giovannelli et al., 2007) (Evidenzklasse 1b).

In einem Cochrane Review konnten nur begrenzt Belege dafür dokumentiert werden, ob und wie bei Patienten mit Schlaganfall eine multiprofessionelle Rehabilitation nach BoNT A-Behandlung bei spastischer Tonuserhöhung die Behandlungsergebnisse verbessern kann (3 RKS mit 91 Teilnehmern nach Schlaganfall) (Demetrios et al., 2013) (Evidenzklasse 1a): Mit „niedriger Qualität“ (GRADE) wurde für eine modifizierte Constraint-Induced Movement Therapy, mCIMT, nach BoNT A-Therapie eine Verbesserung der aktiven motorischen Funktion und der spastischen Tonuserhöhung und mit „sehr niedriger Qualität“ für Ergotherapie unter Nutzung einer dynamischen Ellbogenextensionsschiene im Vergleich zu Ergotherapie alleine eine verbesserte Ellbogenbeweglichkeit nachgewiesen.

Unerwünschte Wirkungen

Nebenwirkungen sind unter BoNT A in den empfohlenen Dosisbereichen pro Muskel und Injektionssitzung selten und treten in RKS nicht häufiger auf als unter Placebo (Naumann u. Jancovics, 2004; Turkel et al., 2006) (Evidenzklasse 1a). In einer prospektiven Dosiseskalationsstudie (400, 600 und 800 Einheiten) konnte für IncobotulinumtoxinA in einer Dosis von 700 bis 800 Einheiten pro Injektionssitzung gezeigt werden, dass sich die Häufigkeit von Nebenwirkungen bei hohen Dosierungen (700–800 Einheiten) nicht gegenüber der Häufigkeit von Nebenwirkungen bei niedrigen Dosierungen pro Behandlungssitzung (400 Einheiten) ändert (Wissel et al., 2017) (Evidenzgrad 2b).

Grundsätzlich sollte bei Nebenwirkungen zwischen lokalen (z.B. Paresen) und systemischen (z.B. Mundtrockenheit, generalisierte Schwäche) und Komplikationen durch die Injektionen (Hämatom und lokale Schmerzen) differenziert werden.

Das Auftreten von neutralisierenden Antikörpern beim wiederholten Einsatz von BoNT A bei erwachsenen Patienten ist mit 12,1 % (61 Studien, 8525 Teilnehmer) mäßig häufig, bei Patienten mit Spastizität-Behandlung insgesamt weniger häufig (5,9 % von 1170 Teilnehmern); neutralisierende Antikörper sind nur bei 3,5 % der Behandelten ohne sekundären Wirkverlust (bei Studien mit spastischen Tonuserhöhungen 0,7 %) bzw. bei etwa der Hälfte der Patienten mit sekundärem Wirkverlust (53,5 %) nachweisbar (Fabbri et al., 2016) (Evidenzklasse 1a).

Publikationen zum Einsatz von BoNT A bei anderen Indikationen und Expertenempfehlungen legen nahe, dass das Risiko für das Auftreten neutralisierender Antikörper mit der Kumulativdosis im Langzeitverlauf und bei Injektionsintervallen unterhalb von 3 Monaten ansteigt (Evidenzklasse 5).


Empfehlungen

  • Unter Berücksichtigung der Zulassungen soll BoNT A zur Behandlung der fokalen, multifokalen und segmentalen spastischen Tonuserhöhung eingesetzt werden, wenn eine funktions- oder alltagsrelevante SMD vorliegt oder die Auswirkungen der spastischen Bewegungsstörung wahrscheinlich zu Sekundärkomplikationen (Kontrakturen, Dekubitus) führen werden oder durch die spastischen Tonuserhöhungen wesentlich Schmerzen mitverursacht werden, die alleine durch physikalische und therapeutische Maßnahmen sowie eine orale antispastische Medikation (bei nicht fokaler Spastik) nicht ausreichend behandelt werden können, und wenn durch die lokalen BoNT A-Behandlungen ein alltagsrelevanter Effekt auf aktive oder passive Funktionen und/oder spastikassoziierte Schmerzen erwartet werden kann (starker Konsens).
  • Zu diesem Zweck erfolgt zunächst eine Analyse des „klinischen Spastik-Musters“ und der Funktions- bzw. Alltagsrelevanz des „klinischen Spastik-Musters“, sodann eine Analyse der an diesem „klinischen Spastik-Muster“ individuell relevant beteiligten Muskeln und bei bestehender Indikation für eine BoNT A-Behandlung eine Dosierungsplanung unter Beachtung der zugelassenen Indikationen und Dosierungsempfehlungen (starker Konsens).
  • Zur Verbesserung der Zielgenauigkeit der Injektionen von BoNT in die ausgewählten Muskeln werden Kontrolltechniken wie die Ultraschall-, EMG- oder Elektrostimulations-Technik empfohlen (starker Konsens).
  • Ausreichende klinische Erfahrungen im Einsatz von BoNT A und nationale und internationale publizierte prospektive Fallserien belegen die Wirksamkeit von BoNT A bei der gezielten Behandlung alltagsrelevanter fokaler, multifokaler und segmentaler spastischer Tonuserhöhungen auch außerhalb der in Deutschland zugelassenen Indikationen für die verfügbaren Produkte (z.B. bei anderen Ätiologien und anderen Muskeln); diese Anwendungen können aus fachlicher Sicht bei gegebenen Indikationen zur Erreichung von Verbesserungen von passiven und aktiven Funktionen mit Alltagsrelevanz eingesetzt werden (starker Konsens).
  • Solche Anwendungen stellen jedoch weiterhin einen sogenannten Off-label-Gebrauch von BoNT A dar, eine automatische Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenversicherung besteht dabei nicht, sodass besonders im ambulanten Bereich die Kostenübernahme der zuständigen Kostenträger und der schriftliche Verzicht auf die Geltendmachung eines sogenannten „Sonstigen Schadens“ eingeholt werden sollte und ansonsten die spezifischen haftungsrechtlichen Konsequenzen zu bedenken sind.
  • Zur Verstärkung der tonussenkenden Wirkung von BoNT A-Injektionen wird eine im individuellen Fall passende adjuvante Therapie empfohlen. Die größte Evidenz für eine Wirkungssteigerung von BoNT A-Injektionen liegt derzeit für eine adjuvante neuromuskuläre Elektrostimulation selektierter behandelter Muskeln an den Tagen nach der Behandlung vor (starker Konsens). Weitere adjuvante Therapien wie aktiv-motorische Übungsbehandlung, physiotherapeutische Dehnung, Lagerungsschienen/Casting, Taping, TENS können ebenfalls adjuvant angewendet werden, um die antispastische Wirkung sowie nachfolgende Effekte auf Beweglichkeit und Funktion zu unterstützen (starker Konsens). [Ihre sonstige Veranlassung bleibt unberührt.]
  • Bei Auftreten eines sekundären Wirkverlustes ist vor einer elektrophysiologischen oder serologischen Untersuchung auf neutralisierenden Antikörpern gegen BoNT A eine Prüfung anderer möglicher Ursachen eines Wirkverlustes von BoNT A (z.B. medikamenten- oder patientenbedingte Ursachen wie z.B. sekundärer Krankheitsgewinn, Unterbrechung der Kühlkette, Kontrakturentwicklung, Injektionsgenauigkeit) sinnvoll (starker Konsens).

Intrathekale Baclofen-Pumpen

Indikation

Die Indikationsstellung zur intrathekalen Baclofen-Behandlung (ITB) sollte erst nach nicht zufriedenstellendem physikalischem, physiotherapeutischem und oral-medikamentösem Behandlungsversuch erfolgen, da es bei dieser Behandlungstechnik durch die Implantation des Pumpensystems und in der Titrationsphase der Medikation nach Implantation zu einem hohen Nebenwirkungsrisiko und auch schwerwiegenderen Komplikationen (ca. 8–10 %) kommen kann (Motta et al., 2007; Stetakarova et al., 2010; Zdolsek et al., 2011; Cramer et al., 2018). Bei dem aktuellen Zulassungsstatus der ITB in Deutschland kann die ITB bei allen Erkrankungen mit relevanter spastischer Tonuserhöhung erwogen werden, die zu einer klinisch relevanten, d.h. funktionell bedeutenden Beeinträchtigung des Patienten durch eine schwere Spastizität führen (Ochs, 2004; Meythaler et al., 2001). Am besten geeignet ist die Behandlung für Patienten mit schwerer spinaler, aber auch supraspinaler generalisierter, Para- oder multisegmentaler Spastik und Hemispastik mit einschießenden Tonussteigerungen, wobei etablierte Kontrakturen durch die Gabe von intrathekalem Baclofen nicht beeinflusst werden können.

Eine randomisierte kontrollierte Studie zeigt signifikante Abnahmen eines spastischen Muskeltonus in der unteren und oberen Extremität (Ashworth-Skala) und eine Tendenz zur Funktionsverbesserung durch ITB in einem Kollektiv im chronischen Stadium nach Schlaganfall im Vergleich zu einer Standardtherapie mit oralen Antispastika (Cramer et al., 2018) (Evidenzklasse 1b). Die mittlere Tagesdosis lag in dem untersuchten Kollektiv nach sechs Monaten bei etwa 300 µg/Tag.

Für Querschnittgelähmte ist in einem systematischen Review mit 8 Beobachtungsstudien mit 162 Teilnehmern (> 6 Monate nach Eintritt der Querschnittlähmung) eine substanzielle Wirksamkeit auf Spastik belegt (McIntyre et al., 2014) (Evidenzklasse 3): Die mittleren Ashworth Scores reduzierten sich von 3,1–4,5 zu Beginn auf 1,0–2,0 (P < 0,005) bei der Verlaufsuntersuchung (nach 2 bis 41 Monaten). Die mittlere Tagesdosis lag im Verlauf bei 218,7–535,9 µg/Tag. Beobachtungen aus den Studien schlossen eine Reduktion von Spasmen, teilweise eine Verbesserung der Alltagskompetenz und Lebensqualität ein. Bei wenigen wurde eine partielle oder vereinzelt auch „komplette“ Toleranzentwicklung beobachtet; an unerwünschten Wirkungen wurden Infektionen und Serombildung in Verbindung mit der Pumpenimplantation berichtet, bei 3 Personen epileptische Anfälle und bei 3 Personen Zeichen einer Überdosierung (Somnolenz, Tonusverlust, Benommenheit, Schwindel) dokumentiert.

Die Indikationsstellung und die Betreuung von Patienten mit ITB sollten daher durch ein interdisziplinäres Team erfolgen, welches eine ausgewiesene Kompetenz in dem Gebiet der ITB-Versorgung hat und die Abklärung und Behandlungen von Nebenwirkungen und Komplikationen zu jeder Zeit gewährleisten kann (Parke et al., 1989).

Austestung der Wirksamkeit von ITB: Die ITB-Bolus-Testung (beginnend mit (25–)50 bis maximal 100 μg) ist bei Patienten mit schwerer alltagsrelevanter und/oder pflegebehindernder spastischer Tonuserhöhung geeignet, die therapeutische Wirksamkeit abzuschätzen. Eine übliche Initialdosis wäre 50 µg; falls keine ausreichende Wirkung erzielt wird, sind ggf. Steigerungen auf 75 bzw. 100 µg erforderlich; 24 Stunden sollten zwischen 2 aufeinanderfolgenden Testungen mit Bolus-Gaben liegen (Boster et al., 2016). Bei Patienten mit der Frage nach einer funktionellen Verbesserung durch ITB sollte eine kontinuierliche Austestung mittels eines getunnelten Spinalkatheters und eines externen Pumpensystems durchgeführt werden.

Sowohl die Bolus- als auch die Katheter-Testungen sollten unter engmaschiger Kontrolle der Vitalparameter erfolgen (typischerweise auf einer Intermediate Care Station), wobei standardisierte funktionelle Messungen und ggf. Videoaufnahmen (Spastikeinschätzung mit der Ashworth- oder der Modifizierten Ashworth-Skala, Lagerungsfähigkeit, Steh- oder Gehfähigkeit) den therapeutischen Nutzen und die Wirkdauer festhalten sollten. Nebenwirkungen treten in der Test- und Einstellungsphase nicht selten auf und sind zumeist selbstlimitierend. Neben postpunktionellen Kopfschmerzen und anderen mit der Liquorpunktion selbst verbundenen Komplikationen bei der Testung sind die medikamententypischen unerwünschten Wirkungen sorgfältig zu beobachten (s. Tabelle 2).

Bei schweren Nebenwirkungen und Komplikationen sind sofortige Maßnahmen zu ergreifen, da diese zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen können (Specchio et al., 2011; Saulino et al., 2016).

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Langzeitversorgung

Die Behandlung der Spastik mittels ITB setzt voraus, dass der Patient in ein Langzeit-Versorgungsprogramm aufgenommen werden kann, welches nicht nur die Kontrolle und Füllung der Pumpe regelmäßig gewährleistet, sondern auch den Umgang mit möglichen Komplikationen (auch im Notfall) sowie eine physio- und ergotherapeutische Behandlung einschließen sollte, um eine optimale Einstellung zu erzielen (Azouvi et al., 1996; Krach et al., 2006; Ward et al., 2009). Ein sekundärer Wirkverlust bedarf einer gezielten diagnostischen Aufarbeitung, Zeichen einer Überdosierung oder eines Entzuges der sofortigen Behandlung mit Überwachungs- und ggf. Intensivbehandlungsmöglichkeit; das Behandlungsteam sollte in die entsprechenden Diagnose- und Therapiestandards eingewiesen sein und diese auch im Notfall umsetzen können (Saulino et al., 2016). Im Langzeitverlauf bei stabil auf eine ITB-Behandlung eingestellten Patienten mit Spastizität und einem erfahrenen ITB-Behandlerteam sind Komplikationen selten und wurden in einer retrospektiven Datenbankauswertung mit einer Häufigkeit von 0,023 pro Monat einer ITB-Behandlung ermittelt, dabei waren die Nebenwirkungen in 53 % chirurgische Komplikationen, in 29 % der Pumpe und nur in 18 % dem Baclofen zuzuordnen (Borrini et al., 2014) (Evidenzgrad 4).


Empfehlungen

  • Die intrathekale Baclofen-Behandlung (ITB) kann zur Behandlung der schweren, insbesondere spinalen, aber auch supraspinalen Spastizität eingesetzt werden, wenn eine alltagsrelevante behindernde spastische Tonuserhöhung vorliegt oder diese mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Sekundärkomplikationen (Kontrakturen und Dekubitus) führen wird, die durch physikalische und therapeutische Maßnahmen in Kombination mit oralen Antispastika und einem vertretbaren Nebenwirkungsprofil nicht ausreichend behandelt werden können (starker Konsens).
  • Die Initiierung der Behandlung (Testung und Dosisfindung) sollte in einem mit der ITB-Therapie erfahrenen Team erfolgen (starker Konsens).
  • Ein Langzeit-Versorgungsprogramm sollte vorliegen, das die Kontrolle und Füllung der Pumpe zur Verabreichung des ITB regelmäßig gewährleistet, die Therapie im Verlauf evaluiert und das Management evtl. auftretender Komplikationen auch im Notfall sicherstellen kann (starker Konsens).

Chirurgische Therapieverfahren

Chirurgische Verfahren, wie die dorsale Rhizotomie oder Eingriffe in der Eintrittszone der Hinterwurzel ins Rückenmark, bieten bei schwersten spastischen Zuständen, die anders nicht zu behandeln sind, eine Möglichkeit, ausgeprägte, durch eine schwere spastische Tonuserhöhung bedingte Fehlhaltungen und damit verbundene Pflegehemmnisse, hygienische Probleme und Komplikationen wie Kontrakturen oder Hautläsionen zu vermeiden (Übersicht bei Chambers, 1997) (Evidenzklasse 3a). Kontrollierte Studien zum Einsatz dieser Verfahren bei Spastizität nach Schlaganfall liegen nicht vor. Ein wesentlicher Kritikpunkt ist, dass sie eventuell nur eine vorübergehende Besserung der SMD bewirken, wobei kasuistisch für die partielle posteriore Rhizotomie auch anhaltende Effekte berichtet wurden (Fukahara, 2004) (Evidenzklasse 4).

Die partielle Neurotomie der motorischen Endäste des N. tibialis kann bei spastischem Spitzfuß („pes equinus“) nach Versagen der Standardtherapieverfahren und bei damit verbundenen Schmerzen die Symptomatik mindern und die residuale motorische Funktion verbessern (Sindou und Mertens, 1988) (Evidenzklasse 2b).

Die operative Korrektur eines speziellen Problems, die „Thumb-in-palm“-Deformität, wurde in einem Cochrane Review bewertet. Die Autoren beschrieben einen von Patienten und Chirurgen festgestellten positiven Effekt, kritisierten aber die hohe Anzahl unterschiedlicher Interventionen und Messparameter, sodass eine konkrete evidenzbasierte Beurteilung dieser Behandlung nicht möglich war (Smeulders et al., 2005) (Evidenzklasse 1a).

Auch Umsetzungen von Muskelansätzen oder Sehnenplastiken können dazu beitragen, durch eine spastische Lähmung bedingte Komplikationen zu vermeiden und Lagerung, Hygiene und motorische (Rest-)Funktion zu verbessern. Bei halsmarkgeschädigten spastisch gelähmten Menschen mit Querschnittsyndrom kann durch Umsetzungen von Muskelansätzen oder Sehnenplastiken eine aktive Handfunktion unterstützt werden.


Empfehlung
Im Einzelfall können nach sorgfältiger Prüfung und Ausschöpfung anderer reversibler Behandlungsmethoden einer SMD auch operative Verfahren erwogen werden (starker Konsens).


Versorgungskoordination

Die Maßnahmen im Management einer spastischen Bewegungsstörung richten sich nach dem Verteilungsmuster der SMD über den Körper (Topik) und dem Schweregrad der spastischen Tonuserhöhung und anderer positiver Zeichen des UMNS. Bei turnusmäßiger klinischer Visite sind in den meisten Fällen ambulante Behandlungsmaßnahmen ausreichend, die durch Fachärzte für Neurologie und in der Behandlung neurologischer Patienten erfahrene andere Fachärzte und Therapeuten erbracht werden. Bei schwerer Spastizität mit eingetretener relevanter Einschränkung der Alltagsfunktionen können stationäre Behandlungen (in spezialisierten Einrichtungen, insbesondere neurologischen oder neurochirurgischen Akut- und Rehabilitationskliniken, Querschnittgelähmtenzentren und anderen Fachkliniken, auch im Rahmen intensivierter Rehabilitation, zur Planung und Umsetzung von kombinierten Interventionen (BoNT A und adjuvante Therapieverfahren), der Austestung von intrathekalem Baclofen oder der Planung und Umsetzung von operativen Interventionen) erforderlich werden. Die BoNT A-Behandlung erfolgt heute in der Regel in ambulanten oder teilstationären Schwerpunktzentren.


Empfehlung

  • Das ambulante Management einer chronischen spastischen Bewegungsstörung sollte in spezialisierten Zentren mit Zugriff auf ein erfahrenes multiprofessionelles Team und auf Umsetzungs¬möglichkei-ten von lokalen und intrathekalen Behandlungsmethoden der Spastizität sowie Kooperationen mit stationären Behandlungszentren und chirurgischen Interventionszentren erfolgen und turnusmäßige klinische Visiten von Betroffenen in individuell indizierten Abständen, meist von höchstens 6 Monaten, beinhalten (starker Konsens).

Leitlinienreport

Schlüsselwörter (Deutsch)

Spastik, Antispastika, Tonus, Schlaganfall, Multiple Sklerose, Querschnittlähmung, Schädel-Hirn-Trauma

Keywords (Englisch)

spasticity, antispastic, tone, stroke, multiple sclerosis, spinal cord injury, traumatic brain injury

Geltungsbereich und Zweck

  • Begründung für die Auswahl des Leitlinienthemas
    Hohe Versorgungsrelevanz (Häufigkeit und Alltags- sowie Therapierelevanz der Störung)
  • Zielorientierung der Leitlinie
    Transparenz der gegenwärtig besten Evidenz und Empfehlungen für die therapeutische Praxis (Arzt, Therapeut, Patient/Angehörige)
  • Patientenzielgruppe
    Patienten mit Spastik (unterschiedlicher Ätiologie) im Erwachsenenalter. Die Leitlinie thematisiert nicht die Behandlung von Kindern mit einer spastischen Bewegungsstörung oder einer Zerebralparese.
  • Versorgungsbereich
    Stationäre, rehabilitative und ambulante Versorgung (Krankenhäuser, Rehakliniken, ärztl. und therapeutische Praxen)
  • Anwenderzielgruppe/Adressaten
    Neurologisch, neurorehabilitativ, neurochirurgisch und paraplegiologisch tätiger Arzt, Physiotherapeut, Patient/Angehörige; Information für Ärzte der Gebiete Allgemeinmedizin, physikalische und rehabilitative Medizin, Geriatrie

Redaktionskomitee

Federführend (korrespondierender Autor):
Prof. Dr. med. Thomas Platz, Greifswald (DGN)

Prof. Dr. med. Jörg Wissel, Berlin (DGNR)
Prof. Dr. med. Erich Donauer, Plau am See (DGNC)
Dr. med. Matthias Vogel, Murnau (DMGP)
Reina Tholen, MPH, Köln (ZVK)
Lothar Lehmler (Patientenvertretung: BDH Bundesverband Rehabilitation e.V., Bonn)

Entwicklungsstufe der Leitlinie: S2k

Finanzierung der Leitlinie

Die Erstellung der Leitlinie wurde nicht finanziell unterstützt.

Methodik der Leitlinienentwicklung

Es handelt sich um eine S2k-Leitlinie, das bedeutet eine konsensbasierte Leitlinie mit repräsentativem Gremium sowie einer strukturierten Konsensfindung.

Zusammensetzung der Leitliniengruppe, Beteiligung von Interessensgruppen

Als Fachgesellschaften waren die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN), die Deutsche Gesellschaft für Neurorehabilitation (DGNR), die Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC), die deutschsprachige medizinische Gesellschaft für Paraplegiologie (DMGP) und der Zentralverband der Physiotherapeuten/Krankengymnasten (ZVK) beteiligt. Der BDH Bundesverband Rehabilitation e.V. (BDH) nahm als Vertreter der Betroffenen teil.

Recherche, Auswahl und Bewertung der wissenschaftlichen Belege

Die Literatursuche berücksichtigte die bisherige Leitlinie sowie insbesondere auch die bereits bestehenden S2e-Leitlinien der DGNR und deren Quellen systematisch aufbereiteter Evidenz inklusive einer systematischen Literaturrecherche sowie einer aktuellen PubMed-Suche nach relevanten Leitlinien (5-Jahres-Zeitraum), systematischen Reviews und randomisierten kontrollierten Studien (5-Jahres-Zeitraum) (s. auch Abschnitt Therapie, 1. Evidenzbasis) sowie weitere den Autoren bekannte, für die Leitlinienerstellung relevante Referenzen.

Erstellung der Leitlinie

Vom Federführenden wurde auf Basis der o.g. Evidenz ein Entwurf der Leitlinie erstellt. Dieser wurde allen Mitgliedern des Redaktionskomitees zur kritischen Überarbeitung zur Verfügung gestellt. Die Kommentare der Mitglieder des Redaktionskomitees wurden dann in einer Neufassung des Manuskripts integriert und allen zur nochmaligen kritischen Durchsicht wieder vorgelegt.

Erklärung von Interessen und Umgang mit Interessenkonflikten

Alle Mitwirkenden an der Leitlinie haben ihre Interessenerklärungen (AWMF-Formular zur Erklärung von Interessen im Rahmen von Leitlinienvorhaben) beim Koordinator bzw. beim Editorial Office Leitlinien der DGN eingereicht. Im Formblatt wurden die Ausfüllenden gebeten, bei den dargelegten Interessen mit anzugeben, ob und, wenn ja, welcher thematische Bezug zur Leitlinie/zum Leitlinienthema besteht. Bei unvollständigen Angaben wurde Nachbesserung eingefordert. Abgefragt wurde auch die Höhe der Bezüge, die jedoch nicht veröffentlicht wird.

Alle Interessenerklärungen wurden durch einen anonym arbeitenden, unabhängigen und sachkundigen Interessenkonfliktbeauftragten der DGN auf potenzielle thematisch relevante Interessen begutachtet.

Die Angaben wurden im Hinblick auf einen vorliegenden thematischen Bezug, auf thematische Relevanz, Art und Intensität der Beziehung sowie auf die absolute Höhe der Bezüge durchgesehen.

Folgende Bewertungskriterien wurden zugrunde gelegt:

  • bezahlte Gutachter-/Beratertätigkeit für Industrieunternehmen
  • Mitarbeit in einem wissenschaftlichen Beirat/Advisory Board: bezahlte Tätigkeit für Industrieunternehmen
  • Vorträge: bezahlt durch die Industrie
  • Autoren- oder Ko-Autorenschaft: nur wenn industriegelenkt
  • Forschungsvorhaben/Durchführung klinischer Studien: direkt- oder teilfinanziert von Industrieunternehmen
  • Eigentümerinteressen (Patente, Aktienbesitz) mit Leitlinienbezug
  • indirekte Interessen mit Relevanz
     
50-%-Regel der DGN

Eine spezielle Vorgabe der DGN seit Mai 2014 sieht vor, dass für eine ausgewogene Zusammensetzung der Leitliniengruppe mindestens 50 Prozent der an der Leitlinie Beteiligten keine oder nur geringe für die Leitlinie relevanten Interessenkonflikte haben dürfen. Die DGN hat sich zur Einführung der 50-%-Regel entschieden, weil damit bei Abstimmungen kein Überhang von Partikularinteressen entstehen kann.

Bewertung der dargelegten Interessen

Zum Umgang mit Interessen hat die Leitliniengruppe folgende Vorgehensweise gewählt:

Im Sinne eines aktiven Interessenkonfliktmanagements wurde in Abhängigkeit von den Inhalten der Interessenerklärungen der Mitglieder des Redaktionskomitees entschieden, ob das Votum eines Mandatsträgers wegen möglicher Interessenkonflikte beim Konsensermittlungsverfahren für einzelne Empfehlungen ggf. nicht berücksichtigt werden soll. Ein möglicher Interessenkonflikt wurde insbesondere bei Mitgliedschaften in Advisory Boards und Vortragstätigkeiten mit Honorar gesehen, wenn es inhaltlich um spezifische Behandlungsoptionen zur Therapie von Spastik ging. Dies traf für den Mandatsträger der DGNR (JW) zu, und zwar für die Behandlungsoptionen intrathekale Baclofen-Behandlung (ITB) und die Behandlung mit Botulinum-neurotoxin A (BoNT A). Der Sachverhalt wurde proaktiv im Redaktionskomitee gemeinsam mit der Vertreterin der AWMF (Dr. rer. medic. Susanne Blödt, MScPH) diskutiert. Gemeinschaftlich wurde bewertet, dass hier ein potenzieller Interessenkonflikt vorliegt, und der Mandatsträger der DGNR (JW) enthielt sich bei den beiden Empfehlungen, die direkt das Stellen der Indikation einer Behandlung mit ITB oder BoNT A betreffen.

Ein Interessenkonfliktbeauftragter der DGN (IKB) konnte die dargelegten Interessen der Mitwirkenden erst nach Fertigstellung und erfolgtem Konsensusprozess durchsehen und kam zu folgendem Ergebnis: „Alle Redaktionsmitglieder mit Ausnahme von Prof. Wissel (Autor und Vertreter der DGNR) erklären keine oder nur geringe Zuwendungen und können ohne Einschränkungen an der Erstellung der LL mitwirken und an allen Abstimmungen stimmberechtigt teilnehmen.“ Bei Prof. Wissel sieht der IKB aufgrund der Gesamtheit der Zuwendungen, vor allem bei Advisory Boards und Vortragstätigkeiten (Behandlungsoptionen zur Therapie von Spastik), einen hohen Interessenkonflikt, womit der Autor grundsätzlich nicht stimmberechtigt, sondern nur beratend in Form einer schriftlichen Stellungnahme mitwirken sollte.

Nach abschließender Diskussion in der Leitliniengruppe wurde entschieden, dass aufgrund der für die Leitlinie unverzichtbaren Expertise von Prof. Wissel eine nur themenbezogene Einschränkung mit den o.g. Enthaltungen gerechtfertigt ist und er bei den anderen, unbelasteten Themen der Leitlinie mitwirken darf.

Die 50-%-Regel der DGN wurde eingehalten.

Die dargelegten Interessen der Mitwirkenden und die daraus gezogenen Konsequenzen sind aus Gründen der Transparenz in der tabellarischen Zusammenfassung (PDF zum Download) aufgeführt.

Konsensusfindung

Für die Konsensusfindung wurden neben der Kommunikation per E-Mail auch zwei Telefonkonferenzen abgehalten.

Für die Konsensusfindung wurde die fertiggestellte Leitlinie mit all ihren (zu diesem Zweck farblich hervorgehobenen) Empfehlungen dem Redaktionskomitee zur Verfügung gestellt. Die Mitglieder des Redaktionskomitees wurden dabei aufgefordert, schriftlich ihre Zustimmung oder Ablehnung zu den einzelnen Empfehlungen, ggf. mit Änderungswünschen, abzugeben. Dem Patientenvertreter wurde ebenso wie allen anderen Redaktionsmitgliedern ein Stimmrecht eingeräumt.

Abschließend erfolgte zur Klärung von Fragen und Diskussion unterschiedlicher Positionen am 29.08.2018 eine telefonische Leitlinienkonferenz mit allen Mandatsträgern unter Moderation der AWMF. Soweit Änderungen der Empfehlungen als Resultat der Diskussion vorgeschlagen wurden, wurde über diese erneut abgestimmt.

Der Patientenvertreter (LL vom BDH Bundesverband) war in den gesamten Prozess der Konsensusfindung involviert, machte jedoch aus freien Stücken Gebrauch von der Möglichkeit der Stimmenthaltung bei der Konsensfindung. Entsprechend bedeutet „starker Konsens“ ein positives Votum mit 5 von 5 Stimmen für die allermeisten Empfehlungen und ein positives Votum mit 4 von 4 Stimmen für Empfehlungen, die direkt das Stellen der Indikation einer Behandlung mit ITB oder BoNT A betrafen.

Autorisierung durch die beteiligten Fachgesellschaften und den patientenvertretenden Verband

Die vom Redaktionskomitee verabschiedete Version der Leitlinie wurde den Vorständen der genannten beteiligten Fachgesellschaften und dem patientenvertretenden Verband vor Veröffentlichung übermittelt und von ihnen autorisiert. Die DMGP ist zeitgleich Sektion Paraplegiologie der DGOU (Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie); das zustimmende Votum bezieht sich auf die DMGP/Sektion Paraplegiologie der DGOU, nicht auf die DGOU als Fachgesellschaft insgesamt.

Verbreitung und Implementierung

Die Leitlinie ist über das Portal der AWMF, www.awmf.org, sowie über die Website der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), www.dgn.org, frei zugänglich.

Gültigkeitsdauer und Aktualisierungsverfahren

Stand: 01.11.2018
Gültig bis: 31.10.2021
Die nächste Aktualisierung ist für 2021 geplant.

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