Kapitel: Entzündliche und erregerbedingte Krankheiten

Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

Entwicklungsstufe: S1
Stand: Januar 2020
Online seit: 6. Februar 2020
Gültig bis: Dezember 2024
AWMF-Registernummer: 030/035
Federführend
Prof. Dr. Reinhard Kaiser, Pforzheim


PDF-Download der Leitlinie
Clinical Pathway (PDF)
Tabelle Erklärung von Interessen (PDF)

Zitierhinweis:
Kaiser R. et a., Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), S1-Leitlinie, 2020, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: www.dgn.org/leitlinien (abgerufen am TT.MM.JJJJ)

Bitte beachten Sie: Die Langversion der Leitlinie finden Sie als PDF zum Download im grauen Kasten oben.


Klinischer Behandlungspfad

Diagnosestellung

  • Aufenthalt in einem FSME-Risikogebiet
  • erheblich reduziertes Allgemeinbefinden mit hohem Fieber und Kopfschmerzen
  • fakultativ neurologische Ausfälle im Sinne von Bewusstseins- und Gleichgewichtsstörungen, Lähmungen von Hirnnerven oder Extremitäten
  • Nachweis von FSME-spezifischen IgM- und IgG-Antikörpern im Serum
  • Pleozytose im Liquor (sehr selten normale Zellzahl)
  • erhöhter FSME-spezifischer Antikörper-Index spätestens 4 Wochen nach Symptombeginn (in Zweifelsfällen)

Therapeutisches Procedere

  • in den ersten 72 Stunden 6-stündliche Überprüfung des neurologischen Befunds und der Vitalkapazität (wegen der Möglichkeit einer fulminanten Entwicklung einer Hirnstammenzephalitis und/oder Myelitis mit der Notwendigkeit einer assistierten Beatmung)
  • Es steht kein kausal wirksames Virustatikum zur Verfügung. Über eine mögliche Wirksamkeit von Immunmodulatoren ist nichts bekannt.
  • Fiebersenkung erst ab einer Körpertemperatur > 39°C
  • Analgesie und Anfallsbehandlung nach Bedarf
  • Reha-Maßnahmen nach Bedarf

Was gibt es Neues?

  • Wirtstiere für die FSME-Viren sind nicht nur Kleintiernager wie Mäuse, sondern u. a. auch Ziegen, Schafe und Rinder. FSME-Viren können auch durch eine Organtransplantation von Mensch zu Mensch übertragen werden und hierdurch zum Tode führen. Auch immunmodulierende Behandlungen mit z. B. Rituximab können einen tödlichen Verlauf einer FSME-Virusinfektion bedingen.
  • Die Gebiete, in welchen sich Personen mit dem FSME-Virus infiziert haben, haben sich über die letzten 20 Jahre ausgeweitet. Daher gilt z. B. die gesamte Schweiz mit Ausnahme der beiden Kantone Genf und Tessin neu als FSME-Risikogebiet (Eidgenössische Kommission 2019). Auch in den Niederlanden wurde 2019 erstmals über dort erworbene FSME-Erkrankungen berichtet.
  • Aufgrund neuerer epidemiologischer Untersuchungen zur Durchseuchung von Zecken mit dem FSME-Virus ist es nicht möglich, das Erkrankungsrisiko an FSME nach Zeckenstich zuverlässig abzuschätzen (Stefanoff et al. 2013).
  • Nach kompletter Grundimmunisierung und einer ersten Booster-Impfung kann der Impfschutz bei < 50-Jährigen bis zu 10 Jahre anhalten (Beran et al. 2019, Konior et al. 2017, Poellabauer et al. 2019). Die Impfung gegen FSME erhöht nicht die Schubrate bei Patienten mit Multipler Sklerose (Winkelmann et al. 2020).

Die wichtigste Empfehlung auf einen Blick

Da die FSME häufig schwerwiegend verläuft und bei mehr als einem Drittel der Erkrankten dauerhafte neurologische Schäden hinterlässt, ist die aktive FSME-Impfung allen Personen nach Vollendung des ersten Lebensjahrs und vor Aufenthalt in Risikogebieten zu empfehlen.


Bitte beachten Sie: Die Langversion der Leitlinie finden Sie als PDF zum Download im grauen Kasten oben.