Kapitel: Rehabilitation

Neurogene Dysphagie

Herausgegeben von der Kommission Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Zusammenarbeit mit der Deutschen interdisziplinären Gesellschaft für Dysphagie (DGD)

Entwicklungsstufe:
S1
Stand: Februar 2020
Online seit: 13. Mai 2020
Gültig bis: Dezember 2023
AWMF-Registernummer: 030/111
Federführend:
Prof. Dr. Rainer Dziewas, Münster

PD Dr. Christina Pflug, Hamburg


PDF-Download der Leitlinie
Tabelle Erklärung von Interessen (PDF)

Zitierhinweis:
Dziewas R., Pflug C. et al., Neurogene Dysphagie, S1-Leitlinie, 2020, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: www.dgn.org/leitlinien (abgerufen am TT.MM.JJJJ)

Bitte beachten Sie: Die Langversion der Leitlinie finden Sie als PDF zum Download im grauen Kasten oben.


Was gibt es Neues?

  • Die FEES-Register-Studie hat an einem heterogenen Patientenkollektiv multizentrisch bestätigt, dass die FEES eine sichere und für die Entscheidungsfindung im klinischen Alltag relevante Untersuchung ist.
  • Eine zunehmende Zahl von Interventionsstudien hat für verschiedene neuere Therapieverfahren eine Verbesserung der Schluckfunktion nachgewiesen. Diese Optionen umfassen u.a. das Exspiratory Muscle Strength Training (EMST), transkranielle Stimulationsverfahren (transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS), repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS)), periphere Stimulationsverfahren (neuromuskuläre elektrische Stimulation (NMES), pharyngeale elektrische Stimulation (PES)) sowie pharmakologische Therapieansätze (insbesondere TRPV1-Rezeptoragonisten).

Die wichtigsten Empfehlungen auf einen Blick

  • Für das Aspirationsscreening stehen Wasser-Schluck-Tests und Mehr-Konsistenzen-Tests zur Verfügung. Die Wahl des jeweils optimalen Testverfahrens sollte von weiteren Faktoren, wie z.B. Patientencharakteristika und der Verfügbarkeit weiterführender Dysphagiediagnostik, abhängig gemacht werden.
  • Das Dysphagie-Assessment sollte eine klinische Schluckuntersuchung sowie, insbesondere bei unklarem Pathomechanismus und/oder unklarer Beurteilung der Schlucksicherheit und Schluckeffizienz, instrumentelle Diagnostik umfassen.
  • FEES und VFSS sind komplementäre Methoden der instrumentellen Dysphagiediagnostik und sollten daher idealerweise beide zur Verfügung stehen.
  • Die FEES sollte bevorzugt für bettseitige Untersuchungen eingesetzt werden bei nicht oder nur eingeschränkt transportfähigen oder nicht oder nur eingeschränkt kooperativen Patienten.
  • Die FEES sollte bevorzugt eingesetzt werden zur Beurteilung des pharyngealen Sekretmanagements und zur Beurteilung der laryngealen und pharyngealen Sensibilität.
  • Die VFSS sollte bevorzugt eingesetzt werden zur differenzierten Beurteilung der pharyngealen und ösophagealen Phase des Schluckakts, insbesondere bei Verdacht auf Öffnungsstörung des oberen Ösophagussphinkters.
  • Die Abklärung einer ätiologisch ungeklärten Dysphagie erfordert eine interdisziplinäre Diagnostik, in die, je nach klinischer Konstellation, Neurologen, HNO-Ärzte, Phoniater, Logopäden/Sprachtherapeuten, Geriater, Gastroenterologen und Radiologen involviert werden sollten.
  • Trotz des Einsatzes texturmodifizierter Kost und angedickter Flüssigkeit weisen Patienten mit chronischer neurogener Dysphagie ein erhöhtes Risiko für Malnutrition, Dehydratation und Aspirationspneumonien auf und sollten daher im Hinblick auf diese Komplikationen überwacht werden.
  • Vor Einleitung einer Dysphagietherapie sollten die Ätiologie und das Störungsmuster der Dysphagie ermittelt werden.
  • Bei Dysphagiepatienten, die auf die Einnahme einer oralen Medikation angewiesen sind, sollte neben verschiedenen Nahrungsmittelkonsistenzen und -mengen zusätzlich das Schlucken von Tabletten routinemäßig im Rahmen der instrumentellen Diagnostik evaluiert und die für den Patienten optimale Darreichungsform identifiziert werden.
  • Eine systematische, regelmäßige und individualisierte logopädische/sprachtherapeutische Schlucktherapie sollte bei Patienten mit neurogener Dysphagie, insbesondere bei Patienten mit Dysphagie nach Schlaganfall, frühzeitig eingesetzt werden.
  • Die pharyngeale elektrische Stimulation (PES) sollte zur Behandlung der Dysphagie bei tracheotomierten Schlaganfallpatienten mit supratentorieller Läsion eingesetzt werden. Der Teilnahme an prospektiven klinischen Registern wird empfohlen.

Bitte beachten Sie: Die Langversion der Leitlinie finden Sie als PDF zum Download im grauen Kasten oben.