Forscher Francisco Pan-Montojo
Wie Pestizide Parkinson auslösen können

01. Februar 2010 – Dresdner Wissenschaftler haben im Tiermodell die Mechanismen aufgezeigt, wie das Pestizid Rotenon zu Parkinson-Symptomen führen kann. Dass Bestandteile von Pestiziden die Entstehung von Parkinson mit verursachen können, ist bereits länger bekannt – der Forscher Francisco Pan-Montojo hat nun aber Proteinveränderungen nachweisen können, in deren Verlauf es zu den typischen Phasen der Parkinson-Krankheit kommt.

Pan-Montojo ist Mitglied des Labors von Prof. Richard Funk am Anatomischen Institut der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus. Die Arbeit enstand gemeinsam mit einer Gruppe von Wissenschaftlern, der u. a. der Parkinson-Experte Prof. Heinz Reichmann, Direktor der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus, angehört.

Wichtiger Fortschritt bei Parkinson-Forschung

Der auch natürlich vorkommende Wirkstoff Rotenon, Bestandteil von Pestiziden, die heute vorrangig in Entwicklungsländern zum Einsatz kommen, verursacht nach den von Pan-Montojo und Kollegen soeben im international renommierten Journal „PLoS one“ veröffentlichen Ergebnissen ihrer aktuellen Forschung einen lokalen Effekt auf das Nervensystem des Darmes im Mausmodell. Dort kommt es durch Rotenon zur Veränderung von Proteinen. Diese umgebauten Eiweiße können nun über Nervenfasern des vegetativen Nervensystems über das Rückenmark und den Hirnstamm bis ins Hirn wandern und verursachen die bei Parkinson-Patienten bekannten Krankheitssymptome. Der Krankheitsverlauf der untersuchten Mäuse folgt einem charakteristischen Muster, wie es auch bei Parkinson-Patienten gesehen wird: In den Anfangsstadien gibt es eine Beeinträchtigung der peripheren Nervenstrukturen, beispielsweise des Nervensystems des
Darms und des Riechkolbens. Später zeigen die sympathischen und parasympathischen Systeme, die auch für die Beweglichkeit des Darms verantwortlich sind, Parkinsontypische Änderungen. Schließlich gelangt der Krankheitsprozess bis zu den zentralen Nervensystemstrukturen wie der Hirnregion „Substantia nigra“ mit Auswirkungen auf motorische Fähigkeiten, den Schlaf und die Stimmung (Depressionen). Diese in den Versuchen beobachtete Abfolge könnte die klinischen Phasen der Parkinson-Erkrankung hervorragend erklären.

Die Arbeit von Pan-Montojo und Kollegen gibt damit neue Einsichten, wie Umweltfaktoren Parkinson auslösen können und legt einen transsynaptischen Mechanismus nahe, durch den sich die Parkinson-Erkrankung in Nervenfasern vom Darm bis ins zentrale Nervensystem ausbreitet. Das bessere Verständnis der Ursachen, des Entstehens und des Fortschreitens der Parkinson-Krankheit eröffnet neue Ansätze beim Erforschen geeigneter Heilmittel.

Kontakt:

Technische Universität Dresden
Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus
Institut für Anatomie
Prof. Richard Funk
Tel.: 0351-458 6110
E-Mail: 

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