Dr. Thorsten Bartsch
In der Region CA1 liegt das Raumgedächtnis

17. Juni 2010 – Die Region CA1 im Hippocampus ist für die Speicherung des Raumgedächtnisses verantwortlich. So lautet das Ergebnis einer Publikation in Science vom Forschungsverbund ‚Neurowissenschaften‘ der Kieler Medizinischen Fakultät und des ‚SFB 654 der DFG‘ unter Leitung des Neurologen PD Dr. Thorsten Bartsch (Foto).

100617 hippocampus 308Wenn wir uns an den Standort des Küchentisches bei den Großeltern erinnern oder wenn wir in einer fremden Stadt den Parkplatz unseres Autos wiederfinden, muss das Gehirn eine  ‚geistige’ Landkarte erstellen. Diese muss detailliert genug sein, um markante Punkte zu umfassen. Bislang war unbekannt, wie unser Gehirn diese Leistung erbringt. Offenbar wird bei dieser Gedächtnisleistung ein spezielles Areal im Hippocampus benötigt: die nur wenige Millimeter große CA1-Region.

Ein interdisziplinäres Team der Kliniken für Neurologie und Psychiatrie im Forschungsverbund Neurowissenschaften der Kieler Medizin konnte diese Frage beantworten. Dies gelang mithilfe von Patienten, die an einer kurzzeitigen Neugedächtnisstörung litten, die man als vorübergehenden vollständigen Gedächtnisverlust (transiente globale Amnesie) bezeichnet. Die Patienten haben während einer solchen Attacke eine Schatzsuche in einem Computerspiel durchgeführt, die nach 14 Tagen nochmals abgefragt wurde. Im Vergleich zu Gesunden konnte gezeigt werden, dass die Erkrankten die Schatztruhe deutlich schlechter fanden. Die verantwortliche Hirnregion konnte mit der Kernspintomografie identifiziert werden. Die Studie hat damit den genauen Ort der Funktionsstörung und die Art der Gedächtnisstörung erstmals nachgewiesen. Dr. Bartsch aus der Klinik für Neurologie am UK S-H, Campus Kiel, wies darauf hin, dass damit erstmals beim Menschen eine Verknüpfung zwischen diesen Nervenzellen im Gedächtniszentrum und dem Raumgedächtnis gezeigt werden konnte - ein Befund, der bislang durch viele Experimente anderer Forschergruppen unklar geblieben war.

Das Ergebnis ist für das Verständnis des menschlichen Gedächtnisses von großer Bedeutung, weil es erstmals die Architektur und die Bedeutung von speziellen Nervenzellen beim Raumgedächtnis aufzeigt. Deshalb wurde es auch in der neuesten Ausgabe des Wissenschaftsjournals ‚Science‘ veröffentlicht. Prof. Dr. Günther Deuschl, Direktor der Klinik für Neurologie am UK S-H, Campus Kiel, dankte den Patienten für die Teilnahme an dieser nicht-belastenden Untersuchung, welche dieses bahnbrechende Ergebnis der Kieler Neurowissenschaften auf dem Gebiet der Gedächtnis- und Demenzforschung ermöglicht haben. Das Ergebnis sei nicht nur ein Durchbruch beim Verständnis des menschlichen Gedächtnisses, sondern es erlaubt, nun viele Symptome von Gedächtnisstörungen besser zu verstehen und damit die gezielte Entwicklung neuer Therapien bei Gedächtniskrankheiten.

Kontakt:

Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
Klinik für Neurologie, PD Dr. Thorsten Bartsch
Tel.: 0431-597-8501, E-Mail:

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