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Migräneprophylaxe: Arzneimittel mit Valproinsäure werden im Off-Label-Use verordnungsfähig

28. September 2010 – Zur Vorbeugung von Migräneanfällen bei Erwachsenen dürfen in Zukunft Valproinsäure-haltige Arzneimittel off-label zum Einsatz kommen. Sie waren bisher in Europa nicht zugelassen und daher von der Erstattung durch die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ausgenommen, sind künftig jedoch zu Lasten der GKV verordnungsfähig.

Dies allerdings nur, sofern die Migräneprophylaxe mit zugelassenen Medikamenten erfolglos blieb oder diese beim Patienten nicht angewendet werden dürfen, teilte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) mit.

„Valproinsäure-haltige Arzneimittel werden bei der Migräneprophylaxe vor allem zwei Patienten-Gruppen zugutekommen – Männern und älteren Frauen sowie Patienten, bei denen bislang keine Migräne-Behandlung angeschlagen hat“, erklärt Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Direktor der Universitätsklink für Neurologie der Universität Duisburg-Essen und ausgewiesener Migräne-Experte. Besonders bei Frauen im gebärfähigen Alter müssen Nutzen und Risiko einer Therapie mit Valproinsäure sorgfältig abgewogen werden, da diese mit einem erhöhten Missbildungsrisiko für ungeborene Kinder einhergeht. Schwangere sind daher von der Behandlung ausgenommen, für Frauen im gebärfähigen Alter gilt generell, dass sie über dieses Risiko aufgeklärt und auf die Notwendigkeit einer wirksamen Verhütungsmethode hingewiesen werden müssen. Umso wichtiger sei es, so Professor Diener, dass Valproinsäure-haltige Arzneimittel laut G-BA-Beschluss nur von Fachärzten für Nervenheilkunde, für Neurologie und/oder Psychiatrie oder für Psychiatrie und Psychotherapie verschrieben werden dürfen. 

Der Beschluss des G-BA muss noch durch das Bundesministerium für Gesundheit geprüft werden. Den aktuellen Status sowie den Beschlusstext finden Sie auf der Internetseite des G-BA:

https://www.g-ba.de/informationen/beschluesse/zum-aufgabenbereich/8/
 

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