Diätpille Rimonabant schützt weder Herz noch Hirn: Studie wegen Nebenwirkungen vorzeitig beendet

19. Oktober 2010 – Der Wirkstoff Rimonabant, einst als Durchbruch bei der Behandlung von Übergewicht und Fettsucht gefeiert, hat sich in einer großen Studie zur Vorbeugung von Herzinfarkten und Schlaganfällen als wirkungslos erwiesen. Dies teilt heute die Deutsche Gesellschaft für Neurologie mit. „Das ist wohl das Ende für dieses Medikament“, kommentierte Professor Martin Grond, Chefarzt der Neurologischen Klinik am Kreisklinikum Siegen.

„Ein gesunder Lebensstil bleibt damit für Übergewichtige die einzige Alternative um sich wirkungsvoll vor Herzinfarkt und Schlaganfall zu schützen“, fügte der Neurologe hinzu.

In der so genannten CRESCENDO-Studie (Comprehensive Rimonabant Evaluation Study of Cardiovascular Endpoint and Outcomes) war das Präparat nach 14 Monaten nicht besser als Placebo. Überdies kam es unter Rimonabant zu vier Selbstmorden gegenüber nur einem in der Kontrollgruppe, zu neun gegenüber fünf Suizidversuchen sowie zu einer vermehrten Rate an psychiatrischen Diagnosen wie Depressionen, Angst- und Schlafstörungen.

Bereits im Oktober 2008 hatte die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) die Erlaubnis zum  Marketing von Rimonabant gestoppt, weil Daten aus laufenden klinische Studien Bedenken wegen psychiatrischer Nebenwirkungen geweckt hatten. Die Leiter von CRESCENDO hatten die Studie dennoch nicht anhalten wollen, und Robert Frye, Leiter des Data and Safety Monitoring Board, hatte vergeblich an die Behörde appelliert, CRESCENDO nicht vorzeitig zu beenden.

Ursprünglich hätte die Nachbeobachtungszeit 33 Monate betragen sollen, durch die frühzeitige Terminierung – effektiv im November 2008 - verkürzte sich dieser Zeitraum auf 14 Monate und war daher möglicherweise zu kurz, um einen positiven Effekt erkennen zu können.  An der Studie hatten 18695 Patienten mit einem erhöhten Risiko für Gefäßkrankheiten teilgenommen. Einschlusskriterium für die Studie war zudem ein Taillenumfang von mehr als 88 Zentimeter bei Frauen und mehr als 108 Zentimeter bei Männern gewesen. Unter den 42 Ländern, in denen Patienten für CRESCENDO rekrutiert worden waren, hatten nur die Behörden in Deutschland, Frankreich und Irland das Ende aller klinischen Versuche gefordert. Rimonabant war der erste Vertreter einer neuen Klasse von Medikamenten gegen Übergewicht, der seine Wirkung durch die Blockade eines Cannabinoid-Rezeptors erzielte.

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