Die Inhalte der Cannabis-Pflanze helfen, Spastiken bei MS zu reduzieren.
Erstes Cannabis-Präparat für MS-Kranke erhältlich

08. Juli 2011 – Seit dem 1. Juli 2011 steht erstmals in Deutschland für Patienten mit Multipler Sklerose, die an nicht kontrollierbaren Spastiken leiden, ein Fertigarzneimittel auf Cannabis-Basis zur Verfügung. Sativex® – so der Handelsname des in Apotheken erhältlichen Präparates – ist ein Spray zur Anwendung in der Mundhöhle, dessen Inhaltsstoffe Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) aus Extrakten der Pflanze Cannabis sativa gewonnen und im Verhältnis 1:1 gemischt werden. Ein Sprühstoß mit 100µl Spray besteht aus einem standardisierten Gemisch von 27 mg Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) und 25 mg Cannabidiol (CBD).

In einer gemeinsamen Stellungnahme wurde das Präparat vom Vorstand des Ärztlichen Beirates der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V. und vom Vorstand des Krankheitsbezogenen Kompetenznetz Multiple Sklerose positiv beurteilt. Sativex® sei eine Erweiterung der therapeutischen Optionen zur symptomatischen Therapie der MS-bedingten Spastik, von der zumindest ein Teil der MS-Betroffenen profitieren könne, so die Experten. Dieser Meinung schließt sich auch die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) an. Die Substanz erscheine aufgrund der bisherigen Daten als gut verträglich, allerdings müssten die potentiellen psychiatrischen und kognitiven Nebenwirkungen beachtet und vor einer breiteren Anwendung weiter untersucht werden. Von Vorteil erscheint, dass das Ansprechen auf Sativex® nach 4 Wochen beurteilt werden kann.

Etwa 130.000 MS-Patienten leben in Deutschland, davon leiden nahezu 80 Prozent im Laufe ihrer Erkrankung an Spastik. Zwar können THC und CBD bei Versuchstieren die Steifigkeit der Gliedmaßen lindern und die Motorik verbessern. Die Wirkung dieser Substanzen auf die MS-bedingte Spastik war jedoch lange Zeit umstritten. Erst in jüngster Zeit gelang es, bei kontrollierten Studien mit 1500 Patienten einen signifikanten Effekt von Cannabinoiden auf die mittelschwere bis schwere Spastik nachzuweisen. In der größten dieser Studien hatte sich bei 42 Prozent der Patienten über einen Zeitraum von zwölf Wochen die Spastik um mindestens 20 Prozent verringert. Außerdem wurden positive Auswirkungen der Medikation auf den Schlaf und die Gehfähigkeit beobachtet.

Zur Stellungnahme

Wir nutzen Cookies, um die Zugriffe auf unserer Webseite zu analysieren. Sie können dem jederzeit widersprechen. Weitere Hinweise und die Möglichkeit zum Opt-out finden Sie in der Datenschutzerklärung.
Datenschutzerklärung Verstanden