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Endarterektomie: Eine Karotis-Stenose kann durch diesen operativen Eingriff behandelt werden.
Operation bei verengter Halsschlagader: Erhöhtes Risiko für Frauen mit Stents?

20. Juli 2011 - Frauen, die wegen einer Verengung der Halsschlagader operiert werden müssen, erleiden offenbar weniger Nebenwirkungen, wenn das Gefäß im Rahmen einer Operation ausgeschält wird, als bei einer neueren Art der Intervention, dem so genannten Stenting. Bei Männern bestehen dagegen keine Unterschiede bezüglich des Risikos beider Verfahren, berichten Wissenschaftler um die Epidemiologin Professor Virginia Howard von der School of Public Health an der University of Alabama in Birmingham (The Lancet Neurology, Band 19, S. 530).

„Dieses Ergebnis zusammen mit den älteren Ergebnissen der SPACE-Studie Einfluss nehmen auf die Entscheidung, ob im Einzelfall den Patientinnen eher zur Operation als zum Stenting geraten wird“, gibt Professor Hans-Christoph Diener von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, Direktor der Universitätsklinik für Neurologie der Universität Duisburg Essen, deshalb zu bedenken.

Howard hatte mit ihren Kollegen eine nach Geschlechtern getrennte Analyse der CREST-Studie vorgenommen, bei der in den USA und Kanada 2502 Frauen und Männer nach dem Losprinzip entweder eine (Thrombendarteriektomie, TEA) erhalten hatten, oder einen winzigen Drahtkäfig zur Unterstützung der Halsschlagader von innen (Karotis-Stent). Dabei waren in zeitlicher Nähe zu dem Eingriff bei Frauen, die einen Stent erhalten hatten, unerwünschte Ereignisse – vor allem Schlaganfälle - häufiger gewesen, als bei denjenigen, die sich einer TEA unterzogen hatten. Während unter den Frauen mit Karotis-Stents 6,8 Prozent solche „periprozeduraler Ereignisse“ beobachtet wurden, waren es bei der TEA nur 3,8 Prozent. Eine offene Operation an der Halsschlagader wäre demnach das bessere Verfahren gegenüber den unter örtlicher Betäubung minimal-invasiv mithilfe eines Katheters platzierten Stents.
 „Diese Resultate legen nahe, dass die Möglichkeit eines erhöhten periprozeduralen Schlaganfallrisikos bei Frauen nach dem Stenting der Karotis-Arterie bei der Auswahl des Verfahrens bedacht werden sollte“, schreiben die Studienautoren im Lancet Neurology. Allerdings wären weitere Untersuchungen nötig, um diesen Befund zu bestätigen.

Tatsächlich hatte bereits vor fünf Jahren die von deutschen, österreichischen und schweizerischen Neurologen und Gefäßchirurgen durchgeführte SPACE-Studie ein ähnliches Ergebnis erbracht wie jetzt die CREST-Studie, erinnert Professor Hans-Christoph Diener: In den Komplikationsraten und Langzeitergebnissen fand sich bei Auswertung der gesamten SPACE-Studienpopulation kein Unterschied zwischen der Operation an der Halsschlagader und dem Einbringen einer Gefäßstütze (Stent). Frauen hatten aber gegenüber Männern bei der Karotis-Operation generell eine höhere Komplikationsrate und beim Stenting war die Komplikationsrate beim weiblichen Geschlecht nochmals signifikant erhöht.

© Deutsche Gesellschaft für Neurologie