Prof. Christian Gerloff (c) UKE/Gerloff
Neurologen ziehen positive EHEC-Bilanz

30. September 2011 – Die EHEC-Epidemie ist vorbei – aber wie geht es den Erkrankten heute? Die meisten Patienten, die an EHEC mit neurologischen Symptomen erkrankt waren, sind wieder vollständig gesund. „Bei der aktuellen Nachuntersuchung hatten nur noch drei Patienten relevante neurologische Defizite, und keiner litt mehr an epileptischen Anfällen“, erläutert Prof. Dr. med. Christian Gerloff, Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE). Hamburg war das Zentrum der EHEC-Epidemie.

Auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie in Wiesbaden berichtete Prof. Gerloff, dass von insgesamt 217 Patienten an drei Kliniken in Hamburg 48 Prozent an einer sogenannten Neuro-EHEC – verursacht durch die Mutante O104:H4 – mit Symptomen wie Sprachstörungen, epileptischen Anfällen und einem Psychosyndrom mit Verwirrtheit und Desorientierung erkrankten. Insbesondere schwere epileptische Anfälle zwangen die Neurologen dazu, 34 der schwerkranken Patienten intubiert zu beatmen. Die Therapie kombinierte Blutwäsche, antiepileptische Medikamente und das neue Antikörperpräparat Eculizumab. Trotz aller positiven Nachrichten sind in Hamburg aber auch sechs Todesfälle zu vermelden – überwiegend ältere, multimorbide Patienten, die an einer Sepsis verstarben.Über das Medizinische hinaus berichtet Prof. Gerloff begeistert davon, wie Neurologen erstmals in vorderster Front zusammen mit anderen Disziplinen an der Bewältigung einer erregerbedingten Epidemie standen: „Dies belegt, dass die Neurologie ihren festen Platz in der Notfallmedizin von heute hat.“ Trotz des Erfolges hat der Neurologe noch einen Wunsch: „In Zukunft sollte noch schneller das Robert Koch-Institut auf Bundesebene die Verantwortung übernehmen. Nur so kann man möglichst schnell die Erregerquelle identifizieren und einer Epidemie diesen Ausmaßes adäquat begegnen.“

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