Schweinegrippe-Impfung
Zusammenhang zwischen pandemischer Influenza A/H1N1v-Impfung und Guillain-Barré-Syndrom/ Miller-Fisher-Syndrom nachgewiesen – Risiko aber äußerst gering

09. August 2012 – Das Paul-Ehrlich-Institut hat zwischen November  2009 und Dezember 2010 eine epidemiologische, nichtinterventionelle Untersuchung zum Auftreten des Guillain-Barré-Syndroms (GBS)/ Miller-Fisher-Syndroms (FS) nach dem Self-Controlled-Case-Series (SCCS)-Design durchgeführt. In dieser Studie wurde der zeitliche Zusammenhang zwischen pandemischer Influenza A/H1N1v-Impfung bzw. saisonaler Grippeimpfung (2009/2010) und GBS/FS untersucht. H1N1v ist Synonym für A/H1N1, auch „Schweinegrippe-Virus“ genannt.

Die Studienergebnisse weisen auf ein erhöhtes Risiko eines GBS/FS innerhalb von 5 bis 42 Tagen nach der Impfung gegen Influenza A/H1N1v hin. Bezüglich der saisonalen Grippeschutzimpfung (2009/2010) wurde kein signifikant erhöhtes Risiko eines GBS/FS innerhalb des Zeitraums von 5 bis 42 Tagen im Vergleich zum Kontrollzeitraum von 43 Tagen bis 150 Tagen nach Impfung festgestellt. Prof. Hans-Peter Hartung, Direktor der Neurologischen Universitätsklinik in Düsseldorf und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beratergremiums meint: „Bisherige Untersuchungen hatten in Summe keinen Hinweis auf ein erhöhtes Risiko ergeben, infolge einer Influenza-Impfung ein GBS zu entwickeln. Gerade sind vergleichbare Ergebnisse aus Kanada in JAMA publiziert worden (1). In Abwägung der Zahlen spricht dennoch alles dafür, zur Vermeidung allgemeiner und teilweise schwerwiegender Komplikationen der Grippe das geringfügig erhöhte Risiko in Kauf zu nehmen.“ Allerdings sei die Aussagekraft des Ergebnisses wegen der geringen Zahl von 15 GBS/FS-Fällen innerhalb von 150 Tagen nach Impfung eingeschränkt. Außerdem seien zeitliche Verzerrungseffekte während der Pandemie nicht auszuschließen, sodass zum Beispiel die Infektion mit dem pandemischen Influenzavirus selbst mit GBS/FS assoziiert war.

Seltene Erkrankung

Das GBS ist eine akute Entzündung des peripheren Nervensystems und der Nervenwurzeln (Polyradikuloneuritis) mit der Folge einer aufsteigenden Lähmung. In den meisten Fällen bildet sich die Symptomatik zurück (2). Allerdings kommt es bei manchen Patienten zu einem verlängerten Krankheitsverlauf, neurologischen Restsymptomen und bleibenden Behinderungen. Weiterhin versterben 2 bis 5 Prozent aller Patienten an dieser Erkrankung. Das Miller Fisher-Syndrom ist eine seltene Variante des GBS und charakterisiert durch Ataxie, Augenmuskellähmung und Verlust/Abschwächung der Muskeleigenreflexe. Geht man von einer Hintergrundinzidenz  des GBS von 17,5 auf 1 Million nicht geimpfte Personen pro Jahr aus und wird angenommen, dass mehr als sechs Wochen nach der Impfung das Risiko eines GBS dem der Hintergrundinzidenz entspricht, so würden im Zeitraum von 5 bis 42 Tagen nach der A/H1N1v-Impfung ca. 6 zusätzliche Fälle eines GBS/FS auf 1 Million geimpfter Personen zu kalkulieren sein. Auch mit diesen zusätzlichen Fällen bleibt GBS/FS damit ein seltenes Ereignis.

Weitere Informationen beim Paul-Ehrlich-Institut

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