Schubtherapie der Neuromyelitis optica: Plasmaaustauschverfahren besser als Steroide

9. Dezember 2015 – Erstmals ist es gelungen, die Behandlung der Schübe bei Neuromyelitis optica (NMO) anhand einer großen Patientengruppe systematisch auszuwerten. Anhand von 871 Schüben bei 185 Patienten konnte bestätigt werden, dass sich Schubsymptome der NMO nur in einem Fünftel der Fälle komplett zurückbilden und dass insbesondere Myelitiden ein schlechtes Outcome zeigen.

Angesichts dieser schlechten Prognose ist eine möglichst frühzeitige und intensive Behandlung der Schübe wichtig. Die aktuelle Studie zeigt erstmals, dass die Therapieeskalation zur Remission beiträgt und dass insbesondere Myelitiden besser auf Plasmaaustauschverfahren (Plasmapherese oder Immunadsorption) als auf eine hochdosierte Steroidstoßtherapie ansprechen.

Die NMO ist eine seltene autoimmun vermittelte Erkrankung des zentralen Nervensystems. Die Untersuchung wurde durch die Zusammenarbeit eines deutschlandweiten Netzwerks von Kliniken und Forschungseinrichtungen ermöglicht, der Studiengruppe NEMOS (NEuroMyelitis Optica-Studiengruppe). Die Auswertung erfolgte unter der Leitung von PD Dr. Corinna Trebst von der Neurologischen Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover und Prof. Ingo Kleiter von der Neurologischen Klinik der Ruhr-Universität Bochum, St. Josef Hospital. Die Ergebnisse wurden vor Kurzem in den Annals of Neurology veröffentlicht.

Die Neuromyelitis optica (NMO, auch bekannt als Devic-Syndrom) und ihre Spektrum-Erkrankungen (NMOSD) sind durch schwere Schübe, deren Behandlung nicht immer zu einer Remission führt, geprägt. Typischerweise kommt es zu einer Beteiligung der Sehnerven und des Rückenmarks. Da im Gegensatz zur Multiplen Sklerose bei der NMO keine Progredienz beobachtet wird, akkumuliert die Behinderung durch die schlecht remittierenden Schübe. Die Schubtherapie ist daher von besonders großer Bedeutung.

151209 nmo 500Die NEuroMyelitis optica Studiengruppe (NEMOS; www.nemos-net.de) ist ein deutschlandweiter Zusammenschluss von neurologischen Universitätskliniken und Versorgungskrankenhäusern, die sich der Vernetzung regionaler und nationaler klinischer und wissenschaftlicher Aktivitäten für ärztliche Kollegen und Patienten widmet. Ziel ist eine möglichst vollständige Erfassung der in Deutschland gesicherten und vermuteten NMO- und NMOSD-Fälle, um wichtige Informationen zur Epidemiologie und zum klinischen Verlauf zu erhalten. NEMOS hatte schon in der Vergangenheit vielbeachtete wissenschaftliche Artikel und Empfehlungen zu Diagnostik und Therapie der NMO-Erkrankungen publiziert. Weitere Beteiligte auf lokaler und nationaler Ebene sind willkommen, teilt das Netzwerk mit.

 

 

Referenz
I. Kleiter et al. on behalf of NEMOS (2015): Neuromyelitis optica: evaluation of 871 attacks and 1153 treatment courses, Annals of Neurology, DOI: 10.1002/ana.24554

Kontakt

PD Dr. med. Corinna Trebst, Neurologische Klinik, Medizinische Hochschule Hannover, Carl-Neuberg-Str. 1, 30625 Hannover, Tel.: 0511 532-2392, E-Mail:
Prof. Dr. med. Ingo Kleiter, Neurologische Klinik der Ruhr-Universität Bochum, St. Josef-Hospital Bochum, Gudrunstr. 56, 44791 Bochum, Tel. 0234 509-2411, E-Mail:

 

Wir nutzen Cookies, um die Zugriffe auf unserer Webseite zu analysieren. Sie können dem jederzeit widersprechen. Weitere Hinweise und die Möglichkeit zum Opt-out finden Sie in der Datenschutzerklärung.
Datenschutzerklärung Verstanden