Epilepsiemedikamente: Hoffnungen bei Glioblastom nicht bestätigt

15. Februar 2016 – Die zusätzliche Gabe der Epilepsiemedikamente Valproinsäure oder Levetiracetam bei Patienten mit einem neu diagnostizierten Glioblastom wirkt offenbar nicht lebensverlängernd und hat auch keinen Einfluss auf das progressionsfreie Überleben. Diesen Schluss zieht eine internationale Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Michael Weller, Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsspital Zürich.

Valproinsäure und Levetiracetam sollten daher bei Hirntumorpatienten ausschließlich zur Kontrolle von Krampfanfällen verabreicht werden, nicht jedoch im Sinne einer zusätzlichen Tumortherapie.

Hintergrund der im "Journal of Clinical Oncology" veröffentlichten Studie ist die Tatsache, dass Glioblastompatienten als häufige Komplikation Krampfanfälle erleiden, die dann mit Antiepileptika behandelt werden müssen. Die retrospektive Auswertung mehrerer unkontrollierter Fallserien und der Zulassungsstudie für die Glioblastom-Chemotherapie mit Temozolomid hatten darauf hingedeutet, dass Patienten mit einem dieser Wirkstoffe – Valproinsäure – länger überleben.

Angesichts der geringen Anzahl vielversprechender neuer Substanzen gegen das Glioblastom gelte es diesem Hinweis nachzugehen, schreiben Weller und Kollegen. Sie haben deshalb vier aktuelle klinische Studien mit insgesamt 1869 neu diagnostizierten Glioblastompatienten ausgewertet. Dabei verglichen die Wissenschaftler das progressionsfreie Überleben und das Gesamtüberleben zwischen Patienten, die entweder bereits zu Beginn der Therapie Valproinsäure oder Leviracetam bekommen hatten, oder eben nicht. Ebenfalls untersucht wurde, ob der anhaltende Gebrauch der beiden Epilepsiemedikamente bis nach Abschluss der Chemoradiotherapie des Glioblastoms das progressionsfreie oder das Gesamtüberleben verlängert.

Leider hat sich diese Hoffnung nicht bestätigt. Im Verhältnis zur Kontrollgruppe errechneten die Forscher für Patienten unter Valproinsäure eine Wahrscheinlichkeit (Hazard ratio) für ein längeres progressionsfreies Überleben von 0,91 und für das Gesamtüberleben von 0,96. Beide Werte waren statistisch nicht signifikant.

Auch die Analyse für Patienten, die Valproinsäure über die gesamte Behandlungszeit hinweg eingenommen hatten, ergab keinen signifikanten Unterschied zu Patienten ohne diesen Wirkstoff. Hier wurde ein Wert von 0,92 für ein längeres progressionsfreies Überleben errechnet, für ein längeres Gesamtüberleben betrug die Hazard ratio 1,10 – aber wiederum waren die Unterschiede zur Kontrollgruppe nicht signifikant.

Auch für das jüngere anti-epileptische Medikament Levetiracetam konnte ein Zusammenhang mit einem längeren progressionsfreien oder Gesamtüberleben nicht bestätigt werden.

Trotzdem trägt auch das negative Ergebnis aus der aktuellen Studie zur besseren Versorgung von Gliompatienten bei: Solange für Präparate wie Valproinsäure kein zusätzlicher, tumorspezifischer Nutzen nachgewiesen werden kann, können Ärzte auf deren gezielten Einsatz außerhalb der eigentlichen Zulassung verzichten und den Patienten damit mögliche Nebenwirkungen ersparen.

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