Weltweite Marktrücknahme von Retigabin angekündigt

5. September 2016 – Ende Juni 2017 wird der Vertrieb des Epilepsiemedikaments Retigabin weltweit eingestellt. Die endgültige Marktrückname betrifft alle Wirkstärken, wie der Hersteller in Abstimmung mit dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) mitteilt.

Patienten, die derzeit noch Retigabin bekommen, sollten baldmöglichst auf eine alternative Therapie umgestellt werden.

Retigabin wurde im 2011 als Zusatztherapie für erwachsene Epilepsiepatienten mit pharmakoresistenten fokalen Krampfanfällen mit oder ohne sekundäre Generalisierung eingeführt. 2012 nahm der Hersteller es in Deutschland wieder vom Markt, nachdem der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) keinen Zusatznutzen anerkannt hatte (die DGN berichtete). Seitdem werden in Deutschland einige mit Retigabin erfolgreich eingestellte Patienten mit Importware aus dem Ausland behandelt. Im Mai 2013 warnte die amerikanische Zulassungsbehörde (FDA) vor Langzeitnebenwirkungen in Form von Blauverfärbungen der Finger sowie retinalen Pigmentveränderungen worüber der Hersteller im Juni 2013 mit einem Rote-Hand-Brief informierte (die DGN berichtete).

„Retigabin wurde nur noch als äußerstes Reservemittel eingesetzt. Für die sehr wenigen Patienten, die es bis zuletzt bekommen haben, ist die Rücknahme des Medikaments aufgrund der potenziellen Nebenwirkungen ein herber Rückschlag, weil viele von diesen Patienten damit Anfallsfreiheit erreicht haben“, beurteilt Professor Hajo Hamer, 2. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie, die Ankündigung. „Die Suche nach einem wirksamen Antiepileptikum beginnt für diese Patienten jetzt von vorne. Sie müssen in den nächsten Monaten intensiv von ihren behandelnden Epileptologen betreut werden, um einen Ersatz für Retigabin zu finden.“

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